Überblick
Der Grundkurs Palliativpflege vermittelt umfassende Kenntnisse und Fähigkeiten für die Begleitung und Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen. Im Mittelpunkt stehen Themen wie Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema, Symptomkontrolle, die Phasen des Sterbens nach Kübler-Ross sowie die einfühlsame Kommunikation mit Patienten und ihren Angehörigen. Der Kurs befähigt Pflegepersonal und Interessierte, zu einer würdevollen, ganzheitlichen Versorgung am Lebensende beizutragen — fachlich kompetent, ethisch reflektiert und psychisch gefestigt.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul legt die theoretischen Grundlagen der Palliativpflege. Es führt in Geschichte und Philosophie der Palliativmedizin ein, klärt zentrale Begriffe und stellt die Abgrenzung zur kurativen Medizin vor. Die Teilnehmenden erwerben ein gemeinsames Grundverständnis, das alle weiteren Module trägt.
- Grundlagen und Geschichte der Palliativpflege und Hospizarbeit
- Ziele der Palliativversorgung: Lebensqualität statt Lebensverlängerung
- Häufige Krankheitsbilder in der Palliativsituation: Tumorerkrankungen, Herzinsuffizienz, COPD, Demenz
- Optimale Versorgung — ganzheitlich verstehen und umsetzen
- Rechtliche Grundlagen: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Sterbehilfe-Diskurs in Deutschland
- Ethische Prinzipien in der palliativen Begleitung
Das zweite Modul behandelt Schmerztherapie und Symptomkontrolle als Kerndisziplinen der Palliativpflege. Dieser Bereich erfordert genaue medizinische Kenntnisse, die Pflegekräfte befähigen, mit dem ärztlichen Team auf Augenhöhe zu kommunizieren und die Versorgung aktiv mitzugestalten.
- Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema — Grundlagen und Anwendung
- Palliativmedizinische Behandlungsmethoden: Opioide, Koanalgetika, nichtmedikamentöse Methoden
- Symptomkontrolle bei Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Obstipation
- Fatigue-Syndrom: Ursachen, Auswirkungen und Pflegemaßnahmen
- Wundversorgung und Mundpflege in der Palliativsituation
- Pflegeplanung und Dokumentation palliativspezifischer Maßnahmen
Das dritte Modul widmet sich der psychosozialen Dimension der Palliativpflege. Schwerstkranke und sterbende Menschen haben nicht nur körperliche, sondern auch tiefe emotionale, soziale und spirituelle Bedürfnisse. Pflegende müssen diese wahrnehmen und professionell begleiten können.
- Sterbephasen nach Kübler-Ross und ihre Bedeutung für die Pflege
- Psychologische Unterstützung und Begleitung in der Sterbesituation
- Kommunikation mit Patienten: aktives Zuhören, Schweigen aushalten, ehrliche Antworten
- Kommunikation mit Angehörigen: Information, Trost und Einbindung in den Pflegeprozess
- Trauer und Trauerprozesse — bei Angehörigen und im Pflegeteam
- Spirituelle und kulturelle Aspekte in der Sterbebegleitung
Das vierte Modul behandelt Teamarbeit, Selbstpflege und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Palliativpflege funktioniert nur im Team — und das Team braucht Strategien, um auf Dauer leistungs- und handlungsfähig zu bleiben. Dieses Modul stärkt die persönliche Resilienz der Teilnehmenden.
- Teamarbeit und Kommunikation im interdisziplinären Palliativteam
- Rollen und Aufgaben verschiedener Berufsgruppen im Palliativnetzwerk
- Selbstpflege und Stressbewältigung für Pflegekräfte in belastenden Bereichen
- Burnout-Prävention und Supervision als strukturelle Unterstützung
- Reflexion der eigenen Haltung zum Sterben und zur eigenen Endlichkeit
- Rituale und Abschied im Pflegealltag gestalten
Im Praxisblock werden die Inhalte aller Module zusammengeführt und anhand konkreter Fallbeispiele und Übungen vertieft. Die Teilnehmenden entwickeln in simulierten Situationen Handlungssicherheit für die emotionale und fachliche Herausforderung der Palliativpflege.
- Erstellen eines individuellen Pflegeplans für einen palliativ versorgten Patienten
- Fallbeispiel: Schmerzerfassung und Kommunikation mit dem Arzt
- Rollenspiel: Gespräch mit einer verängstigten Patientin über ihren Sterbeprozess
- Rollenspiel: Angehörigengespräch in einer Krisensituation
- Fallbesprechung im Simulierten Team: ethische Entscheidungsfindung
- Erarbeitung einer Patientenverfügung und deren Bedeutung für die Pflege
- Dokumentationsübung: palliativgerechte Pflegedokumentation
- Selbstreflexionseinheit: persönliche Grenze und Ressourcen im Palliativbereich
- Fallstudie: Begleitung eines Patienten von der Diagnose bis zum Tod
- Gruppenarbeit: Entwicklung von Massnahmen zur Burnout-Prävention im Team
- Reflexionsrunde: was hat mich im Kurs besonders berührt oder herausgefordert
- Abschlussgespräch und Ausblick: persönliche Perspektiven in der Palliativpflege
In begleitenden Lernphasen vertiefen die Teilnehmenden die Kursthemen durch Fachliteratur und strukturierte Reflexionsaufgaben. Feedback und Supervision unterstützen den individuellen Lernprozess.
Lernziele:
Nach Abschluss des Grundkurses sind die Teilnehmenden in der Lage, die Besonderheiten der palliativmedizinischen Versorgung von der kurativen Behandlung abzugrenzen und die Ziele der Palliativpflege zu benennen. Sie können die Schmerztherapie nach dem WHO-Stufenschema erklären und verstehen, wie Symptomkontrolle bei häufigen Krankheitsbildern in der Palliativsituation funktioniert. Sie sind befähigt, die psychologischen Bedürfnisse schwerstkranker Menschen zu erkennen und angemessen darauf einzugehen. Die Teilnehmenden kennen die Sterbephasen nach Kübler-Ross und können dieses Wissen in der praktischen Begleitung anwenden. Sie kommunizieren einfühlsam und professionell mit Patienten, Angehörigen und Kolleginnen und Kollegen. Sie verstehen die ethischen und rechtlichen Grundlagen der Palliativversorgung, einschliesslich Patientenverfügung und Sterbehilfe-Diskurs. Sie kennen Grundzüge der Teamarbeit im interdisziplinären Palliativteam. Sie können das Fatigue-Syndrom als häufige Begleiterscheinung ernsthafter Erkrankungen einordnen und pflegegerecht darauf reagieren. Sie sind befähigt, Pflegedokumentation und Pflegeplanung palliativgerecht zu gestalten. Sie kennen Methoden zur Selbstpflege und Burnout-Prävention in einem emotional belastenden Arbeitsbereich. Darüber hinaus verstehen die Teilnehmenden, wie Trauer bei Angehörigen und im Pflegeteam professionell begleitet werden kann.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Grundkurs richtet sich an alle, die Menschen am Lebensende professionell begleiten wollen — fachlich und menschlich.
- Examinierte Pflegefachkräfte aus der stationären und ambulanten Pflege
- Altenpflegerinnen und Altenpfleger sowie Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger mit Interesse an Spezialisierung
- Quereinsteiger mit einem starken persönlichen Interesse an der Begleitung Sterbender und einer ausgeprägten Empathiefähigkeit
- Hauswirtschaftliche Fachkräfte und Betreuungsassistenten in Pflegeeinrichtungen
- Ehrenamtliche Hospizhelfer, die ihr Wissen systematisch vertiefen möchten
Grundlegende Kenntnisse in der Pflege oder Betreuung sind vorteilhaft, aber nicht zwingend erforderlich. Wichtiger als formale Abschlüsse ist die psychische Belastbarkeit: Die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurses und erfordert emotionale Reife und Reflexionsfähigkeit. Die Fähigkeit zur empathischen Kommunikation und ein ernsthaftes Interesse am Wohl schwerstkranker Menschen werden vorausgesetzt. Ein mittleres Deutschsprachniveau ist notwendig, um den Kursinhalten folgen zu können.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Combined Learning statt und kombiniert Online-Selbststudiumphasen mit betreuten Seminareinheiten. In den begleiteten Sitzungen werden Fallbeispiele besprochen, Rollenspiele durchgeführt und Raum für persönliche Reflexion geboten. Die Kursgestaltung berücksichtigt die emotionale Tiefe der Themen — Inhalte werden mit Sorgfalt und Respekt behandelt. Vollzeitvarianten ermöglichen einen kompakten und fokussierten Lernprozess.
Der Grundkurs dauert in Vollzeit mehr als eine Woche bis zu einem Monat. In dieser Zeit werden alle wesentlichen Grundlagen der Palliativpflege vermittelt: von Schmerztherapie und Symptomkontrolle über ethische und rechtliche Fragen bis hin zur psychosozialen Begleitung und Selbstfürsorge.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat beziehungsweise eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Innerhalb des Kurses können je nach Anbieter zusätzliche Zertifikate erworben werden. Es handelt sich nicht um eine staatlich anerkannte Fachweiterbildung Palliativpflege nach dem vollständigen Curriculum, sondern um einen fundierten Grundkurs, der den Einstieg in dieses Spezialisierungsfeld ermöglicht.
Nutzen & Perspektiven
Palliativpflege ist einer der bedeutsamsten Bereiche im deutschen Gesundheitswesen. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften kontinuierlich steigt — in Hospizen, Palliativstationen, ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen. Dieser Grundkurs schafft die Basis für eine fundierte Tätigkeit in diesem Bereich und eröffnet Perspektiven auf eine sinnerfüllte berufliche Spezialisierung. Über die fachliche Qualifikation hinaus leistet dieser Kurs einen wichtigen Beitrag zur persönlichen Entwicklung. Die intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Sterben, Trauer und menschlicher Würde schärft das Bewusstsein für das Wesentliche im Leben und im Beruf. Pflegekräfte, die Palliativpflege erlernen, berichten regelmässig von einem tiefgreifenden Wandel in ihrer beruflichen Haltung — mehr Empathie, mehr Sicherheit im Umgang mit schwierigen Situationen und mehr Zufriedenheit mit ihrer Arbeit. Hinsichtlich der Finanzierung gilt: Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Je nach individueller Situation kommen auch das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Leistungen zur beruflichen Rehabilitation oder Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Interessierte sollten die Möglichkeiten frühzeitig mit dem zuständigen Vermittler klären.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich examinierte Pflegefachkraft sein, um teilzunehmen?
Nein, eine examinierte Ausbildung ist nicht zwingend erforderlich. Wichtiger sind Empathiefähigkeit, psychische Belastbarkeit und ein ernsthaftes Interesse an der Begleitung schwerstkranker Menschen. Grundkenntnisse in Pflege oder Betreuung sind von Vorteil.
Ist dieser Kurs emotional belastend?
Die Auseinandersetzung mit Sterben, Tod und Trauer ist ein wesentlicher Bestandteil des Kurses. Reflexionseinheiten und Selbstpflegethemen sind fest im Curriculum verankert, um Teilnehmende dabei zu unterstützen, mit diesen Themen professionell und gesund umzugehen.
Welche Berufsfelder erschliesst dieser Grundkurs?
Nach dem Kurs sind Tätigkeiten auf Palliativstationen, in Hospizen, im ambulanten Palliativdienst sowie in Alten- und Pflegeheimen möglich. Der Kurs kann als Basis für eine weiterführende Fachweiterbildung Palliativpflege genutzt werden.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein in der Regel möglich. Ergänzend kommen das Qualifizierungschancengesetz, Förderungen der Rentenversicherung oder Leistungen zur Rehabilitation infrage. Eine individuelle Beratung empfiehlt sich.
Was unterscheidet diesen Grundkurs von einer vollständigen Fachweiterbildung Palliativpflege?
Dieser Kurs ist ein kompakter Einstieg in die Palliativpflege und vermittelt die wesentlichen Grundlagen. Eine vollständige Fachweiterbildung nach dem nationalen Curriculum Palliative Care umfasst deutlich mehr Stunden und Praxisanteile. Der Grundkurs bereitet gezielt auf diesen nächsten Schritt vor.
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