Überblick
Arztpraxen und medizinische Versorgungszentren stehen unter konstantem Druck: Abrechnungsregeln ändern sich, Qualitätsanforderungen steigen, und Patientinnen und Patienten erwarten eine reibungslose, freundliche Organisation. Wer in einer Praxis tätig ist und Verantwortung übernehmen möchte, braucht mehr als medizinisches Grundwissen – nötig ist ein strukturiertes Management-Rüstzeug. Diese Weiterbildung vermittelt genau das: Praxismanagement-Wissen für Fachkräfte, die als Praxismanagerin oder Praxismanager Führungs- und Koordinationsaufgaben übernehmen wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Qualitätsmanagement in der Arztpraxis Qualitätsmanagement ist in Praxen mit mehr als einem Arzt gesetzlich vorgeschrieben. Dieser Block vermittelt das nötige Wissen, um ein QM-System nicht nur einzuführen, sondern es lebendig zu halten: regelmäßig zu überprüfen, weiterzuentwickeln und im Team zu verankern.
- Gesetzliche Grundlagen des QM in der ambulanten Versorgung (QM-Richtlinie des G-BA)
- Aufbau eines praxiseigenen QM-Systems: Handbuch, Prozessdokumentation, Checklisten
- Interne Audits: Planung, Durchführung und Auswertung
- Beschwerdemanagement: Patientenrückmeldungen systematisch erfassen und nutzen
- Zertifizierungsverfahren (z. B. DIN EN ISO 9001, QEP) und ihre Anforderungen
- Fehlermanagement und Lernkultur in der Praxis
Modul 2 — Sterilisation, Hygiene und Gerätekunde Hygienesicherheit ist in jeder Praxis existenziell. Dieser Block geht über das bloße Aufzählen von Vorschriften hinaus: Die Teilnehmenden lernen, hygienische Maßnahmen zu begründen, korrekt durchzuführen und im Praxisalltag zu dokumentieren.
- Hygienegrundlagen: Krankenhaushygiene, Infektionsprävention, Händehygiene
- Sterilisation und Desinfektion: Verfahren, Prüfintervalle, Validierung
- Medizinproduktegesetz (MPG) und Medizinprodukte-Betreiberverordnung (MPBetreibV)
- Gerätekunde: Bedienung, Funktionsprüfung und Dokumentation der Wartung
- Umgang mit Biologischen Arbeitsstoffen (TRBA 250)
- Hygieneplan erstellen und aktuell halten
Modul 3 — Praxisorganisation, Terminmanagement und Abrechnung Eine gut organisierte Praxis entlastet das gesamte Team. Dieser Block stärkt die Fähigkeit, Praxisabläufe durchzudenken, Terminvergabe intelligent zu steuern und die wichtigsten Abrechnungsgrundlagen zu kennen – damit Abrechnung und Organisation miteinander sprechen.
- Praxisorganisation: Aufgabenverteilung, Ablaufpläne, Sprechstundenmodelle
- Terminplanung und Patientensteuerung: Einbestellrhythmen, Wartezeit-Optimierung
- Grundlagen der Kassenärztlichen Abrechnung (EBM) und privaten Abrechnung (GOÄ)
- Patientenverwaltung: Stammdatenpflege, Dokumentation, Karteiverwaltung
- Datenschutz in der Praxis: DSGVO, ärztliche Schweigepflicht, Datensicherheit
- Schnittstellen zur Kassenärztlichen Vereinigung und zu Krankenkassen
Modul 4 — Kommunikation, Konflikt und Personalführung Praxismanagerinnen und Praxismanager sind die organisatorische Mitte des Praxisteams. Dieser Block schärft die kommunikativen Kompetenzen, die für eine konstruktive Zusammenarbeit mit Kolleginnen, Kollegen und Patientinnen und Patienten unverzichtbar sind.
- Professionelle Kommunikation am Empfang und am Telefon
- Deeskalation in angespannten Patientensituationen
- Feedback geben und annehmen im Team
- Grundlagen der Personalführung: Delegation, Aufgabenverteilung, Mitarbeitendengespräche
- Umgang mit schwierigen Situationen: Beschwerden, Ausfälle, Konflikte im Team
- Kommunikation mit Ärzten, Therapeuten und externen Schnittstellen
Praxisanwendungen und fallbezogene Übungen In diesem abschließenden Abschnitt werden reale Praxissituationen bearbeitet: Fallszenarien aus dem Praxisalltag dienen als Ausgangspunkt für die Anwendung aller erlernten Kompetenzen.
- Analyse und Optimierung eines realen oder fiktiven Praxisablaufs
- Erstellen und Überarbeiten eines Hygieneplans
- Simuliertes Patientengespräch mit Feedbackauswertung
- Erstellung eines praxisbezogenen QM-Dokuments
- Fallbesprechung: Abrechnungsfehler erkennen und vermeiden
- Kurzpräsentation: Verbesserungsvorschlag für eine praxisorganisatorische Frage
- Gruppenarbeit: Erarbeitung eines internen Fortbildungskonzepts für das Team
- Umgang mit einer simulierten Beschwerdesituation
- Dokumentationsprüfung: Formale Anforderungen an Patientenakten
- Prüfung eigener Hygiene- und QM-Dokumentation auf Vollständigkeit
- Datenschutzprüfung: Schwachstellen im fiktiven Praxissystem identifizieren
- Gesamtauswertung und Feedback zu Lernfortschritten
Die Fallübungen verbinden die vier Themenblöcke und stellen sicher, dass das Wissen nicht isoliert bleibt, sondern als zusammenhängendes Handlungsrepertoire verfügbar ist. Am Ende des Kurses sind die Teilnehmenden in der Lage, praxismanagementrelevante Aufgaben eigenständig zu übernehmen und in einem Team wirksam zu koordinieren.
Lernziele:
- Qualitätsmanagementsysteme in der Arztpraxis verstehen, einführen und pflegen
- Hygienevorschriften und Sterilisationsprozesse korrekt anwenden und dokumentieren
- Medizinische Geräte gemäß Anforderungen warten und Wartungsprotokolle führen
- Praxisorganisation und Terminplanung effizient strukturieren
- Kommunikation mit Patienten und im Team professionell und deeskalierend gestalten
- Grundlagen der Abrechnung nach EBM und GOÄ kennen und anwenden
- Datenschutzregeln im Gesundheitswesen korrekt umsetzen (DSGVO, ärztliche Schweigepflicht)
- Personalführungsaufgaben in der Praxis koordinieren und delegieren
- Konfliktsituationen mit Patientinnen, Patienten und Kolleginnen und Kollegen konstruktiv lösen
- Betriebswirtschaftliche Grundlagen für das Praxismanagement einsetzen
- Rechtliche Rahmenbedingungen für den Praxisbetrieb kennen und einhalten
- Arbeitsabläufe analysieren und Verbesserungsmaßnahmen ableiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte aus medizinischen, pflegerischen und kaufmännischen Berufen, die in einer Arztpraxis oder einem MVZ tätig sind oder tätig werden möchten.
- Medizinische Fachangestellte mit Führungsinteresse
- Arzthelferinnen und Arzthelfer mit Praxiserfahrung
- Pflegefachkräfte, die in ambulante Strukturen wechseln
- Kaufmännische Fachkräfte, die in das Praxismanagement einsteigen
- Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer aus dem Gesundheitswesen
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich sowie erste praktische Berufserfahrung. Deutsch muss in Wort und Schrift sicher beherrscht werden, da Dokumentation, Patientenkommunikation und Abrechnung sprachlich anspruchsvolle Tätigkeiten sind. Grundlegende Computerkenntnisse für Praxisverwaltungssoftware sind von Vorteil.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs arbeitet mit einem Wechsel aus kompaktem Fachunterricht und praxisbezogenen Übungen. Fallstudien aus dem Praxisalltag, simulierte Patientengespräche und konkrete Dokumentationsaufgaben sorgen dafür, dass das Gelernte unmittelbar angewandt wird. Gruppenarbeit und kollegiale Auswertung von Beispielfällen ergänzen den direkten Lehrervortrag. Die Unterrichtsform ist auf den Praxisalltag in der ambulanten Versorgung ausgerichtet – theoretische Konzepte werden stets mit einem konkreten Bezug zur Arztpraxis erarbeitet.
Die Kursdauer richtet sich nach dem jeweiligen Anbieter. Da Praxismanagement I ein mehrteiliges Qualifizierungsprogramm eröffnet, ist dieser erste Baustein so gestaltet, dass grundlegende und übergreifende Kompetenzen gründlich verankert werden. Aktuelle Termine und genaue Stundenumfänge erhalten Sie beim jeweiligen Anbieter direkt.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung als trägerinternes Zertifikat, das die erworbenen Kompetenzen im Praxismanagement dokumentiert. Der Abschluss ist Teil eines mehrstufigen Programms – Praxismanagement II und ggf. weitere Aufbaustufen bauen darauf auf und vertiefen die Qualifikation.
Nutzen & Perspektiven
Arztpraxen suchen kontinuierlich nach Fachkräften, die sowohl die medizinische als auch die organisatorische Seite des Praxisbetriebs überblicken. Wer Praxismanagementkenntnisse nachweisen kann, hebt sich in der Bewerbung spürbar ab – und kann im Alltag schneller Verantwortung übernehmen, ohne erst durch monatelanges Ausprobieren eigene Standards zu entwickeln. Besonders für Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer bietet der Kurs einen strukturierten Wiedereinstieg: Aktuelle Abrechnungsregeln, Datenschutzvorgaben und Hygieneanforderungen werden auf dem neuesten Stand vermittelt, sodass der Einstieg in eine neue Praxisstelle mit fundiertem Hintergrundwissen gelingt. Der modulare Aufbau des Programms macht den Kurs auch für laufende Berufstätige attraktiv: Praxismanagement I liefert ein vollständiges Grundlagenpaket, auf dem sich gezielt aufbauen lässt, wenn die eigene Rolle in der Praxis weiter wächst.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist Praxismanagement I geeignet?
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte aus medizinischen, pflegerischen und kaufmännischen Berufen, die in einer Arztpraxis oder einem MVZ tätig sind oder tätig werden wollen. Auch Berufsrückkehrerinnen und Berufsrückkehrer finden hier einen strukturierten Einstieg.
Welche Vorkenntnisse sind nötig?
Eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem medizinischen, pflegerischen oder kaufmännischen Bereich sowie erste Berufserfahrung werden vorausgesetzt. Deutsch muss in Wort und Schrift sicher beherrscht werden.
Welcher Abschluss wird am Ende ausgestellt?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung als trägerinternes Zertifikat, das die erworbenen Kompetenzen dokumentiert. Der Kurs ist Teil eines mehrstufigen Programms.
Was unterscheidet diesen Kurs von einer allgemeinen Verwaltungsschulung?
Der Kurs ist konsequent auf den Praxisalltag in der ambulanten medizinischen Versorgung ausgerichtet. Abrechnung nach EBM und GOÄ, Hygienevorschriften nach MPG und TRBA 250, sowie QM nach G-BA-Richtlinie sind Inhalte, die speziell für Arztpraxen und MVZ gelten.
Kann ich diesen Kurs mit einem Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, die Weiterbildung ist über Bildungsgutschein und das Qualifizierungschancengesetz förderbar. Auch der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung gewähren.
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