Überblick
Dieser Zertifikatskurs vermittelt ein strukturiertes Prozessmodell für das Risikomanagement von Versicherungsunternehmen, das auf den einschlägigen aufsichtsrechtlichen Anforderungen an das Risikomanagement von Versicherungsunternehmen aufbaut. Im Zentrum steht eine praxiserprobte Referenzlösung, die Aktivitäten, Ergebnisse, Techniken und Rollen des Risikomanagements systematisch abbildet und dabei mit Vertretern deutscher Versicherungsunternehmen verifiziert wurde. Der Kurs richtet sich an Personen mit mathematisch-quantitativem Hintergrund, die ihr Verständnis der Versicherungswirtschaft und -mathematik um die prozessuale Seite des Risikomanagements erweitern und die Ergebnisse in ihrem Unternehmen anwenden wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs gliedert sich in vier thematische Blöcke, die gemeinsam das Prozessmodell des Risikomanagements von Versicherungsunternehmen aufbauen. Modul 1 — Aufsichtsrechtlicher und regulatorischer Rahmen: Dieser Block legt die rechtlichen und regulatorischen Grundlagen, auf denen das gesamte Prozessmodell aufbaut. Ohne dieses Fundament lassen sich die nachfolgenden Prozessbausteine nicht sachgerecht einordnen.
- Systematik des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) und der Solvabilität-II-Richtlinie
- Die drei Säulen von Solvabilität II: quantitative Anforderungen, Governance-System, Berichtspflichten
- Anforderungen an das Governance-System und die vier Schlüsselfunktionen (Risikomanagement, Compliance, interne Revision, versicherungsmathematische Funktion)
- Aufsichtsrechtliche Erwartungen an die Ausgestaltung des Risikomanagements
- Verhältnis zwischen nationalem Aufsichtsrecht und europäischen Vorgaben
Modul 2 — Prozessmodell und Referenzlösung: Im Zentrum dieses Blocks steht die im Kurs entwickelte Referenzlösung, die das Risikomanagement als strukturiertes Prozessgefüge abbildet.
- Aufbau des Prozessmodells: Aktivitäten, Ergebnisse, Techniken und Rollen im Überblick
- Abgrenzung strategischer, taktischer und operativer Risikomanagementprozesse
- Schnittstellen zwischen Risikomanagement, Controlling und Aktuariat
- Dokumentation von Prozessschritten und Verantwortlichkeiten nach der Referenzlösung
- Anwendbarkeit des Modells auf unterschiedliche Unternehmensgrößen und Sparten
Modul 3 — Risikoidentifikation, -bewertung und -überwachung: Dieser Block vertieft die konkreten Techniken, mit denen Risiken im Versicherungsunternehmen erfasst und gesteuert werden.
- Systematische Risikoidentifikation über versicherungstechnische, markt-, kredit-, liquiditäts- und operationelle Risikokategorien
- Quantitative und qualitative Bewertungsverfahren im Risikomanagementprozess
- Aufbau und Pflege eines Risikoregisters als zentrales Steuerungsinstrument
- Limitsysteme und Frühwarnindikatoren zur laufenden Risikoüberwachung
- Zusammenspiel von Risikoüberwachung und der Berechnung der Solvenzkapitalanforderung
Modul 4 — ORSA und Berichtswesen: Der letzte inhaltliche Block widmet sich dem unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilungsprozess sowie den daraus resultierenden Berichtspflichten.
- Aufbau und Ablauf des Own Risk and Solvency Assessment (ORSA)
- Zusammenhang zwischen ORSA, Geschäftsstrategie und Kapitalplanung
- Struktur des aufsichtsrechtlichen Berichtswesens (Bericht über Solvabilität und Finanzlage, regelmäßiger aufsichtlicher Bericht)
- Kommunikation von Risikomanagementergebnissen an Vorstand, Aufsichtsrat und Aufsichtsbehörde
- Weiterentwicklung des Risikomanagementprozesses auf Basis von Berichtsergebnissen
Praxis-Block: Ergänzend zu den vier Modulen wird das Prozessmodell anhand von Fallbeispielen aus der Versicherungspraxis angewendet und diskutiert
- Anwendung der Referenzlösung auf ein fiktives Versicherungsunternehmen mit mehreren Sparten
- Erstellung eines vereinfachten Risikoregisters für ein Beispielportfolio
- Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten in einem Beispiel-Governance-System
- Diskussion realer Herausforderungen bei der Umsetzung von Solvabilität-II-Anforderungen
- Bewertung eines Beispiel-Geschäftsmodells hinsichtlich versicherungstechnischer Risiken
- Einordnung von Marktrisiken anhand eines Beispiel-Kapitalanlageportfolios
- Erarbeitung eines vereinfachten ORSA-Ablaufplans für das fiktive Unternehmen
- Analyse eines Beispielberichts über Solvabilität und Finanzlage
- Diskussion der Grenzen des vorgestellten Prozessmodells bei kleinen und mittleren Versicherern
- Vergleich unterschiedlicher Ansätze zur Risikoaggregation
- Erarbeitung von Gestaltungsvorschlägen für das Risikomanagement im eigenen Unternehmenskontext
- Abschließende Zusammenführung aller Prozessbausteine zu einem Gesamtbild
Der Kurs verbindet damit eine solide aufsichtsrechtliche Grundlage mit einem konkreten, praxisverifizierten Prozessmodell, das nicht nur beschreibt, was Risikomanagement leisten soll, sondern auch, wie die einzelnen Prozessschritte im Unternehmen organisatorisch verankert werden können. Die vier Module bauen dabei bewusst aufeinander auf: vom regulatorischen Rahmen über das Prozessmodell und die konkreten Bewertungstechniken bis hin zum unternehmenseigenen Risiko- und Solvabilitätsbeurteilungsprozess.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses verstehen die Teilnehmenden das Risikomanagement eines Versicherungsunternehmens als zusammenhängendes Prozessgefüge und können dessen einzelne Bausteine im eigenen Unternehmenskontext einordnen. Die folgenden konkreten Fähigkeiten werden aufgebaut
- Einordnung der aufsichtsrechtlichen Grundlagen des Risikomanagements von Versicherungsunternehmen im Kontext von Solvabilität II und Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG)
- Verständnis des Zusammenspiels von Geschäfts-, Risiko- und Kapitalstrategie im Governance-System eines Versicherers
- Abbildung der zentralen Risikomanagementprozesse als aufeinander bezogene Aktivitäten mit klar definierten Ergebnissen
- Zuordnung von Rollen und Verantwortlichkeiten im Risikomanagementprozess, einschließlich der Schlüsselfunktionen nach dem Governance-System
- Anwendung von Techniken zur Identifikation, Bewertung und Überwachung versicherungstechnischer, markt-, kredit- und operationeller Risiken
- Einordnung des Own Risk and Solvency Assessment (ORSA) als zentrales Steuerungsinstrument
- Verständnis der Wechselwirkung zwischen Risikotragfähigkeit, Solvenzkapitalanforderung (SCR) und Mindestkapitalanforderung (MCR)
- Nachvollziehen der Dokumentations- und Berichtspflichten gegenüber Aufsicht und Unternehmensleitung
- Bewertung bestehender Risikomanagementprozesse anhand der vorgestellten Referenzlösung
- Ableitung konkreter Gestaltungsvorschläge für das Risikomanagement im eigenen Unternehmen
- Einordnung der Grenzen und Weiterentwicklungsmöglichkeiten des vorgestellten Prozessmodells
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Zertifikatskurs richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus mathematisch orientierten Studiengängen, die ihre fachliche Basis um die prozessuale Seite des Risikomanagements erweitern möchten.
- Absolventinnen und Absolventen der Wirtschaftsmathematik, Mathematik oder vergleichbarer quantitativer Studiengänge
- Aktuarinnen und Aktuare sowie Personen in versicherungsmathematischen Funktionen
- Mitarbeitende im Risikocontrolling und in der Risikoüberwachung von Versicherungsunternehmen
- Fachkräfte, die von einer quantitativen Fachfunktion in eine prozessorientierte Risikomanagementrolle wechseln möchten
- Personen mit Interesse an der praktischen Umsetzung von Solvabilität-II-Anforderungen im eigenen Unternehmen
Vorausgesetzt wird ein Hochschulabschluss aus einem mathematisch orientierten Studiengang wie Wirtschaftsmathematik oder Mathematik oder ein vergleichbarer Abschluss mit entsprechend quantitativem Schwerpunkt. Grundkenntnisse der Versicherungswirtschaft und -mathematik werden als vorhanden vorausgesetzt, da der Kurs auf diesen aufbaut und die prozessuale Perspektive ergänzt. Ein grundlegendes Verständnis aufsichtsrechtlicher Zusammenhänge im Finanzsektor ist hilfreich, aber keine zwingende Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Blended-Learning-Format in Teilzeit statt und verbindet damit orts- und zeitunabhängige Lernphasen mit begleiteten Austauschformaten. Die Prozessinhalte werden anhand der im Kurs entwickelten Referenzlösung vermittelt und durch Fallbeispiele aus der Versicherungspraxis veranschaulicht, sodass die theoretischen Grundlagen unmittelbar mit unternehmerischer Anwendung verknüpft werden.
Die Weiterbildung ist als Teilzeitformat konzipiert und lässt sich damit berufsbegleitend absolvieren. Der Umfang verteilt sich auf die vier inhaltlichen Module zuzüglich des begleitenden Praxisteils; die genaue zeitliche Taktung wird mit dem jeweiligen Kursanbieter abgestimmt.
Der Kurs schließt mit einem Zertifikat des Kursanbieters ab, das die erfolgreiche Teilnahme am Zertifikatskurs „Prozesse im Risikomanagement von Versicherungsunternehmen“ bestätigt. Eine staatliche oder branchenweit einheitliche Prüfungszertifizierung ist mit diesem Kurs nicht verbunden; im Vordergrund steht der Erwerb und Nachweis vertieften Prozesswissens für die unternehmensinterne Anwendung.
Nutzen & Perspektiven
Der besondere Wert dieses Kurses liegt darin, dass er Risikomanagement nicht als abstraktes Regelwerk, sondern als konkretes, verifiziertes Prozessmodell vermittelt. Wer in der Versicherungswirtschaft mit quantitativem Hintergrund arbeitet, kennt häufig die mathematischen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen, nicht aber, wie sich daraus ein funktionierender, im Unternehmen verankerter Prozess mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten ableiten lässt. Die Verifikation der Referenzlösung mit Vertretern deutscher Versicherungsunternehmen verleiht dem vermittelten Prozessmodell praktische Glaubwürdigkeit, die über theoretische Konzepte hinausgeht. Teilnehmende können die erarbeiteten Prozessbausteine direkt auf die Struktur ihres eigenen Unternehmens übertragen und so einen unmittelbaren Beitrag zur Weiterentwicklung des dortigen Risikomanagements leisten. Für die berufliche Entwicklung öffnet der Kurs den Übergang von einer rein quantitativen Fachrolle hin zu einer prozess- und governanceorientierten Verantwortung im Risikomanagement — ein Karriereschritt, der in der von Solvabilität II geprägten Versicherungswirtschaft zunehmend gefragt ist und mathematisches Fachwissen mit organisatorischer Gestaltungskompetenz verbindet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist dieser Zertifikatskurs geeignet?
Der Kurs richtet sich an Hochschulabsolventinnen und -absolventen aus mathematisch orientierten Studiengängen wie Wirtschaftsmathematik oder Mathematik, die ihre Kompetenzen in Versicherungswirtschaft und -mathematik ausbauen möchten.
Was ist die Referenzlösung, die im Kurs vorgestellt wird?
Es handelt sich um ein Prozessmodell für das Risikomanagement von Versicherungsunternehmen, das Aktivitäten, Ergebnisse, Techniken und Rollen strukturiert abbildet und mit Vertretern deutscher Versicherungsunternehmen verifiziert wurde.
Welche aufsichtsrechtlichen Themen werden behandelt?
Der Kurs behandelt die Systematik von Solvabilität II und dem Versicherungsaufsichtsgesetz, das Governance-System mit seinen Schlüsselfunktionen sowie den Own Risk and Solvency Assessment (ORSA) Prozess.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Der Kurs schließt mit einem Zertifikat des Kursanbieters ab, das die erfolgreiche Teilnahme bestätigt. Eine staatliche oder einheitliche Branchenprüfung ist damit nicht verbunden.
In welchem Format findet der Kurs statt?
Der Kurs wird im Blended-Learning-Format in Teilzeit angeboten und verbindet damit flexible Lernphasen mit begleiteten Austauschformaten.
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