Überblick
Das Metallschutzgasschweißen (MAG) mit austenitischen und ferritisch-austenitischen nichtrostenden Stählen stellt hohe Anforderungen an Schweißerinnen und Schweißer: CrNi-Werkstoffe reagieren empfindlich auf Wärmeeintrag, neigen zu Verzug und verlieren bei unkontrollierten Temperaturen ihre Korrosionsbeständigkeit. Wer hier sauber und reproduzierbar arbeitet, beherrscht anspruchsvolle Fügeanwendungen in der chemischen Industrie, im Anlagenbau und in der Lebensmitteltechnik. Dieser Kurs vermittelt nach DVS-Richtlinie alle vier Module für das MAG-Schweißen an CrNi-Werkstoffen — von Kehlnähten an Blechen bis hin zu einseitig geschweißten Stumpfnähten in anspruchsvollen Positionen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul CrNi M1 schult Kehlnahtschweißen an Blechen. Das erste Modul führt in die grundlegende Technik des Kehlnahtschweißens an nichtrostenden Stählen ein. Alle Positionen werden systematisch erarbeitet und geübt, bis die geforderte Nahtqualität nach DVS-Standard reproduzierbar erreicht wird.
- Kehlnähte in Wannenposition PA
- Kehlnähte in horizontaler Position PB
- Kehlnähte steigend in Position PF
- Kehlnähte in überkopfnaher Position PD
- Kehlnähte fallend in Position PG
- Nahtgeometrie und Einbrandtiefe beurteilen
Modul CrNi M2 behandelt Kehlnahtschweißen an Rohr-auf-Blech-Verbindungen. Rohreinschweißungen erfordern besondere Technik, da die Schweißposition sich kontinuierlich ändert und die Wärmeführung genau gesteuert werden muss.
- Rohr-auf-Blech in horizontaler Position PB
- Rohr-auf-Blech über Kopf steigend in Position PH
- Rohr-auf-Blech in Position PD
- Fugenvorbereitung und Wurzelkontrolle
- Schutzgasführung und Badkontrolle bei Rohrverbindungen
- Vermeidung von Anlauffarben und oxidischen Einschlüssen
Modul CrNi M3 trainiert Stumpfnahtschweißen an Blechen in den Positionen PA, PF und PG. Einseitig geschweißte Stumpfnähte sind anspruchsvoller als Kehlnähte, da die Wurzellage vollständig durchschweißen muss.
- Stumpfnähte in Wannenposition PA mit und ohne Fuge
- Stumpfnähte steigend in Position PF mit und ohne Fuge
- Stumpfnähte fallend in Position PG mit und ohne Fuge
- Wurzellage, Fülllage und Decklage richtig setzen
- Gegenseitige Beeinflussung der Lagen kontrollieren
- Optische Prüfung und Beurteilung der Nahtoberfläche
Modul CrNi M4 erweitert das Stumpfnahtschweißen auf die Positionen PB, PC, PD, PE und PF. Das vierte Modul verlangt die höchste Positionssicherheit und schließt das vollständige Positionsspektrum ab.
- Stumpfnähte in horizontaler Position PB
- Stumpfnähte in aufrechter Position PC
- Stumpfnähte in Position PD (überkopfnah, horizontal)
- Stumpfnähte in Position PE (über Kopf)
- Stumpfnähte steigend in Position PF
- Konsistenz der Nahtqualität über alle Positionen sicherstellen
Praxis-Block — Prüfungsvorbereitung und Qualitätssicherung
- Einstellung der MAG-Parameter (Stromstärke, Spannung, Schutzgas) für CrNi-Stahl
- Lagentechnik für Stumpfnähte an CrNi-Werkstoffen verfeinern
- Nahtfehler erkennen: Poren, Bindefehler, Kanteneinbrand
- Anlauffarben beurteilen und deren Einfluss auf Korrosionsbeständigkeit verstehen
- Thermische Behandlung (Wärmeführung zwischen den Lagen) kontrollieren
- Rückseitenabdeckung bei einseitig geschweißten Nähten anwenden
- Schutzgasdüse und Kontaktrohr warten und einstellen
- Sichtprüfung nach DVS-Richtlinie systematisch durchführen
- Fehlerfreie Prüfstücke für alle vier Module anfertigen
- Dokumentation und Nachweis der Prüfleistungen
- Schweißanweisung lesen und korrekt umsetzen
- Arbeitssicherheit beim MAG-Schweißen mit CrNi-Werkstoffen einhalten
Alle vier Module werden in Präsenz an echten Werkstücken durchgeführt. Die intensive Praxisphase ist der Kern des Kurses: Nur wer ausreichend schweißt, entwickelt die Handstabilität und das Gespür für das Schmelzbad, die für die DVS-Prüfung erforderlich sind. Die Wahl der Parametereinstellungen, der Gasdüsenabstand und die Elektrodenanstellung unterscheiden sich beim CrNi-Schweißen deutlich vom Schweißen an unlegiertem Stahl — das wird konsequent geübt.
Lernziele:
- Eigenschaften und schweißtechnisches Verhalten nichtrostender Stähle (CrNi) kennen
- MAG-Parameter für CrNi-Werkstoffe korrekt einstellen und kontrollieren
- Kehlnähte in den Schweißpositionen PA, PB, PF, PD und PG schweißen
- Rohr-auf-Blech-Verbindungen in den Positionen PB, PH und PD ausführen
- Einseitig geschweißte Stumpfnähte an Blechen in mehreren Positionen herstellen
- Wärmeeinbringung und Verzugsverhalten bei CrNi-Stahl kontrollieren
- Sichtprüfung der eigenen Nähte nach DVS-Regelwerk durchführen
- Anlauffarben erkennen und deren Bedeutung für die Korrosionsbeständigkeit einordnen
- Korrekten Schutzgaseinsatz für CrNi-Schweißen verstehen und anwenden
- Sicherheits- und Arbeitsschutzregeln beim Schweißen mit CrNi-Werkstoffen einhalten
- DVS-Prüfzertifikat in allen vier Modulen (CrNi M1–M4) ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an alle, die MAG-Schweißen mit CrNi-Stahl erlernen oder vertiefen möchten und das DVS-Zertifikat für alle vier CrNi-Module anstreben. Typische Teilnehmende kommen aus folgenden Bereichen
- Metallbauer, Konstruktionsmechaniker und verwandte Metallberufe
- Schweißerinnen und Schweißer, die ihr Qualifikationsprofil um CrNi-Werkstoffe erweitern
- Berufstätige aus Anlagenbau, Lebensmitteltechnik oder der chemischen Industrie
- Arbeitsuchende mit metallverarbeitenden Vorkenntnissen und körperlicher Eignung
Teilnehmende müssen das 18. Lebensjahr vollendet haben. Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder praktische Berufspraxis, vorzugsweise in einem Metallberuf. Grundlegende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift (mindestens B1) sind erforderlich, da Sicherheitsunterweisungen und schriftliche Prüfungsunterlagen in deutscher Sprache vorliegen. Körperliche Eignung für die Schweißtätigkeit — insbesondere in Zwangslagen — wird vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet ausschließlich in Präsenz statt. Der Großteil der Zeit wird mit praktischen Schweißübungen an echten Werkstücken verbracht. Theoretische Einheiten zu Werkstoffkunde, Schweißparametern und Arbeitssicherheit ergänzen die Praxisblöcke, bilden aber nicht den Schwerpunkt. Ausgebildete Schweißfachleute begleiten die Übungen, geben direktes Feedback und korrigieren Haltung, Technik und Einstellungsparameter am Gerät. Die Kursstruktur folgt der Reihenfolge der vier Module und baut konsequent aufeinander auf.
Der Kurs wird in Vollzeit durchgeführt. Die Gesamtdauer für alle vier Module ist anbieterabhängig; konkrete Kurszeiten und Termine sind über die Anbieterseiten verfügbar.
Nach erfolgreich abgelegten Prüfstücken erhalten Teilnehmende das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat für das MAG-Schweißen an CrNi-Werkstoffen (Module CrNi M1–M4). Dieses Zertifikat ist international anerkannt und belegt die nachgewiesene Schweißqualifikation nach DVS-Richtlinie. Ergänzend wird ein trägerinternes Zertifikat ausgestellt. DVS-Schweißerprüfbescheinigungen haben eine begrenzte Gültigkeitsdauer und können durch regelmäßige Verlängerungsverfahren dauerhaft aktuell gehalten werden.
Nutzen & Perspektiven
MAG-Schweißen an CrNi-Stahl ist eine Spezialqualifikation, die in vielen Industriezweigen schwer zu besetzen ist. Lebensmittel- und Pharmaindustrie, Chemieanlagenbau und Offshore-Technik verlangen zwingend geprüfte Schweißerinnen und Schweißer mit DVS-Zertifikat für nichtrostende Stähle. Wer alle vier CrNi-Module abschließt, deckt das komplette Spektrum der prüfungsrelevanten Nahtformen und Positionen ab und ist damit für die anspruchsvollsten Schweißaufgaben in diesem Werkstoffsegment qualifiziert. Das DVS-IIW/EWF-Zertifikat ist international anerkannt, was besonders für alle relevant ist, die in exportorientierten Unternehmen oder im europäischen Ausland arbeiten möchten. Die Nachfrage nach CrNi-qualifizierten Schweißfachkräften übersteigt in vielen Regionen das Angebot — das Zertifikat öffnet hier Türen, die ohne formalen Nachweis verschlossen bleiben. Wer die Herausforderung annimmt, in allen vier Schweißpositionen und Nahtformen sauber mit CrNi zu arbeiten, investiert in eine Kernkompetenz, die in der Branche begehrt ist. Gerade in Kombination mit dem parallelen Stahl-Zertifikat — das dasselbe Positionsspektrum für unlegierten Stahl abdeckt — entsteht ein breites Qualifikationsprofil, das auf dem Arbeitsmarkt für Schweißfachkräfte ausgesprochen gut positioniert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wofür steht das DVS-IIW/EWF-Zertifikat?
Das Zertifikat wird nach der DVS-Richtlinie ausgestellt und ist durch die Anerkennung des IIW (International Institute of Welding) und EWF (European Welding Federation) international anerkannt. Es belegt eine geprüfte Schweißqualifikation für das jeweilige Verfahren und die geprüften Positionen.
Was unterscheidet CrNi-Module von Stahl-Modulen im MAG-Schweißen?
Nichtrostende Stähle (CrNi) reagieren anders auf Wärme als un- oder niedriglegierter Stahl: stärkere Neigung zu Verzug, Anlauffarben und Sensibilisierung der Korrosionsschutzschicht. Die Parametereinstellungen und die Wärmeführung unterscheiden sich deutlich, weshalb separate Module und Prüfungen erforderlich sind.
Findet der Kurs in Präsenz oder online statt?
Ausschließlich in Präsenz. Das praktische Schweißen an echten Werkstücken lässt sich nicht in ein Online-Format überführen; der überwiegende Teil der Kurszeit entfällt auf Übungseinheiten am Schweißgerät.
Wie lange ist das DVS-Zertifikat gültig?
DVS-Schweißerprüfbescheinigungen haben eine begrenzte Gültigkeitsdauer, die durch regelmäßige Verlängerungen (typischerweise alle zwei Jahre durch den Arbeitgeber bestätigt oder alle drei Jahre durch erneute Prüfung) aufrechterhalten werden kann.
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