Überblick
Das Metallschutzgasschweißen (MAG) mit un- und niedriglegierten Stählen ist das meisteingesetzte Lichtbogenschweißverfahren in der deutschen Metallverarbeitung. Von der Schlosserei über den Stahlbau bis zur Automobilzulieferung — MAG-Schweißen an Konstruktions- und Baustahl ist in nahezu jedem metallverarbeitenden Betrieb täglich gefragt. Dieser Kurs vermittelt nach DVS-Richtlinie alle vier Module für das MAG-Schweißen an Stahl: Kehlnähte an Blechen in verschiedenen Positionen, Rohr-auf-Blech-Verbindungen und einseitig geschweißte Stumpfnähte in einem breiten Positionsspektrum. Am Ende erwerben Teilnehmende das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat für alle vier Stahl-Module.
Kursinhalte & Lernziele
Modul Stahl M1 schult Kehlnahtschweißen an Blechen. Das erste Modul legt die handwerkliche Grundlage des MAG-Schweißens in fünf Kehlnahtpositionen. Korrekte Brennerhaltung, Handstabilität und das Lesen des Schmelzbades werden intensiv geübt, bis reproduzierbar gleichmäßige Kehlnähte entstehen.
- Kehlnähte in Wannenposition PA
- Kehlnähte in horizontaler Position PB
- Kehlnähte steigend in Position PF
- Kehlnähte in Position PD (horizontal überkopfnah)
- Kehlnähte fallend in Position PG
- Beurteilung von Nahtbreite, Einbrandtiefe und Oberflächenqualität
Modul Stahl M2 trainiert Kehlnahtschweißen an Rohr-auf-Blech-Verbindungen. Rohreinschweißungen verlangen besondere Technik, da die Schweißposition sich beim Umfahren des Rohres kontinuierlich ändert. Gleichmäßiger Einbrand über den gesamten Umfang ist das Ziel.
- Rohr-auf-Blech in horizontaler Position PB
- Rohr-auf-Blech über Kopf steigend in Position PH
- Rohr-auf-Blech in Position PD
- Fugenvorbereitung und Brennerführung um Rohrverbindungen
- Parameteranpassung für unterschiedliche Positionen
- Kontrolle des Einbrandes an der Wurzel
Modul Stahl M3 behandelt Stumpfnahtschweißen an Blechen in den Positionen PA, PF und PG. Einseitig geschweißte Stumpfnähte erfordern vollständige Durchschweißung. Dieses Modul trainiert die Wurzellagentechnik und das mehrlagige Aufbauen der Naht.
- Stumpfnähte in Wannenposition PA mit und ohne Fuge
- Stumpfnähte steigend in Position PF mit und ohne Fuge
- Stumpfnähte fallend in Position PG mit und ohne Fuge
- Wurzellage, Fülllage und Decklage systematisch aufbauen
- Lagenzwischentemperatur und Schlackenreinigung
- Nahtprofil und Nahtüberhöhung kontrollieren
Modul Stahl M4 vollendet das Stumpfnahtschweißen in den Positionen PB, PC, PD, PE und PF. Das vierte Modul schließt das Positionsspektrum. Die anspruchsvollsten Zwangslagen — darunter PE (Schweißen über Kopf) — werden trainiert und zur DVS-Prüfung geführt.
- Stumpfnähte in horizontaler Position PB
- Stumpfnähte in aufrechter Position PC
- Stumpfnähte in Position PD (horizontal überkopfnah)
- Stumpfnähte über Kopf in Position PE
- Stumpfnähte steigend in Position PF
- Qualitätssicherung über alle Positionen: Konstanz und Reproduzierbarkeit
Praxis-Block — Intensive Schweißübungen und Prüfungsvorbereitung
- MAG-Gerät einstellen (Drahtvorschub, Spannung, Lichtbogenlänge)
- Schutzgasdüse und Kontaktrohr pflegen und wechseln
- Kehlnähte in allen fünf Positionen zeitgebunden und normgerecht ausführen
- Rohrverbindungen mit gleichmäßigem Einbrand über den Umfang schweißen
- Stumpfnähte mehrlagig und fehlerfrei in vier bis fünf Positionen herstellen
- Sichtprüfung der eigenen Nähte nach DVS-Anforderungen systematisch vornehmen
- Prüfstücke für alle vier Module in prüfungsnaher Atmosphäre anfertigen
- Nahtfehler (Poren, Unterschnitte, Bindefehler) erkennen und Ursachen analysieren
- Schweißanweisung für das jeweilige Prüfstück interpretieren und umsetzen
- Arbeitssicherheit: Absaugung, Schutzausrüstung, Brandschutz einhalten
- Parameteranpassung bei Positionswechsel selbstständig vornehmen
- Fehlerprotokoll führen und Lernfortschritt dokumentieren
Die Übungen werden durchgehend in Präsenz an realen Werkstücken durchgeführt. Handwerkliches Können im Schweißen entwickelt sich ausschließlich durch wiederholte Praxis — der Kursaufbau priorisiert deshalb konsequent die Zeit am Gerät. Theoretische Einheiten sind kompakt und direkt auf die Praxisübungen bezogen, nicht als eigenständiger Lernblock eingeschoben.
Lernziele:
- MAG-Verfahren und Schutzgase für un- und niedriglegierten Stahl sicher beherrschen
- Kehlnähte an Blechen in den Schweißpositionen PA, PB, PF, PD und PG fehlerfrei ausführen
- Rohr-auf-Blech-Verbindungen in den Positionen PB, PH und PD schweißen
- Einseitig geschweißte Stumpfnähte in mehreren Positionen sicher herstellen
- MAG-Parametrierung (Stromstärke, Vorschub, Schutzgasrate) fachgerecht einstellen
- Nahtqualität nach DVS-Anforderungen beurteilen und sichern
- Typische Nahtfehler (Poren, Bindefehler, Kanteneinbrand) erkennen und vermeiden
- Schweißanweisungen lesen, verstehen und umsetzen
- Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beim MAG-Schweißen anwenden
- Prüfstücke für alle vier Stahl-Module normgerecht anfertigen
- DVS-Richtlinie für das MAG-Schweißen mit Stahl kennen und konsequent danach arbeiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen, die das MAG-Schweißen mit Stahl nach DVS-Richtlinie erlernen oder ihr bestehendes Können mit einem anerkannten Zertifikat formal belegen möchten. Angesprochen werden unter anderem folgende Gruppen
- Metallbauer, Konstruktionsmechaniker und Schlosser ohne bisheriges DVS-Zertifikat
- Schweißerinnen und Schweißer, die ihr Qualifikationsprofil formal absichern möchten
- Berufstätige aus Stahlbau, Maschinenbau und verwandten Metallbranchen
- Personen mit handwerklichen Vorkenntnissen, die in Schweißberufe einsteigen möchten
Das vollendete 18. Lebensjahr ist Pflicht. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder praktische Berufspraxis in einem Metallberuf wird vorausgesetzt. Grundlegende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift (mindestens B1) sind für Sicherheitsunterweisungen und Prüfungsunterlagen notwendig. Körperliche Eignung für Schweißtätigkeiten — auch in Zwangslagen — ist Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet durchgehend in Präsenz statt und ist durch einen sehr hohen Praxisanteil geprägt. Theoretische Einheiten zu Werkstoffkunde, DVS-Richtlinie, Schweißparametern und Arbeitssicherheit werden kompakt vermittelt und direkt in die Praxisphasen überführt. Schweißfachleute begleiten alle Übungseinheiten, korrigieren Haltung und Technik und geben direktes Feedback zur Nahtqualität. Die Modulstruktur folgt einem klaren Aufbau von Grundpositions- zu Zwangslagenschweißen.
Der Kurs wird in Vollzeit durchgeführt. Die Dauer ist anbieterabhängig; aktuelle Termine und genaue Kursumfänge sind über die Anbieterseiten einsehbar.
Mit erfolgreich abgelegten Prüfstücken erwerben Teilnehmende das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat für MAG-Schweißen an Stahl, Module M1 bis M4. Das Zertifikat wird nach DVS-Richtlinie ausgestellt und ist durch die internationale Anerkennung von IIW und EWF weltweit verwendbar. Ergänzend wird ein trägerinternes Zertifikat ausgestellt. Die Prüfbescheinigung hat eine definierte Gültigkeitsdauer und kann durch regelmäßige Verlängerungsverfahren aktuell gehalten werden.
Nutzen & Perspektiven
MAG-Schweißen an Stahl ist die Grunddisziplin der Schweißtechnik — wer hier alle vier Module mit DVS-Zertifikat abschließt, zeigt, dass das Verfahren in einem vollständigen Positionsspektrum sicher beherrscht wird. Das Zertifikat ist in der deutschen Metallindustrie weit verbreitet als formaler Nachweis geprüfter Schweißqualität und wird von vielen Arbeitgebern im Stahlbau, Maschinenbau und in der Fertigung aktiv gefordert oder bei Einstellung bevorzugt. Im Vergleich zu Spezialisierungen wie dem CrNi-Schweißen ist das Stahl-Zertifikat breit einsetzbar und deckt die häufigsten Fügeanwendungen in Produktion und Handwerk ab. Wer die Stahl-Module abgeschlossen hat, verfügt über eine solide Grundlage, die durch gezielte Spezialisierung — etwa auf CrNi-Werkstoffe, Rohrschweißen oder besondere Nahtgeometrien — konsequent ausgebaut werden kann. Als anerkanntes Dokument erleichtert das DVS-Zertifikat nicht nur den Einstieg in neue Stellen, sondern kann in Unternehmen, die mit Schweißverfahrensprüfungen arbeiten, auch direkt als Qualifikationsnachweis im Sinne der EN ISO 9606 eingesetzt werden. Wer das Stahl-MAG-Zertifikat in der Hand hält, hat damit eine standardisierte, international lesbare Aussage über seine Schweißqualifikation — ein klarer Vorteil im betrieblichen Alltag und auf dem Arbeitsmarkt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was umfassen die vier Stahl-Module M1 bis M4?
M1 deckt Kehlnähte an Blechen in fünf Positionen ab, M2 Rohr-auf-Blech-Verbindungen in drei Positionen, M3 einseitig geschweißte Stumpfnähte in drei Positionen, M4 Stumpfnähte in fünf weiteren Positionen. Zusammen bilden die vier Module das vollständige Positionsspektrum des MAG-Schweißens an Stahl.
Unterscheidet sich dieses Zertifikat von dem für CrNi-Werkstoffe?
Ja, die Zertifikate sind werkstoffspezifisch. Das Stahl-Zertifikat gilt für un- und niedriglegierten Stahl, das CrNi-Zertifikat für nichtrostende Stähle. Wer beide erwerben möchte, muss beide Kurse und Prüfungen ablegen.
Findet der Kurs auch in Teilzeit statt?
Nein, der Kurs ist als Vollzeitpräsenzkurs konzipiert. Das intensive praktische Schweißtraining erfordert kontinuierliche Praxiszeit unter fachkundiger Begleitung.
Für welche Branchen ist das Stahl-MAG-Zertifikat besonders relevant?
Das Zertifikat ist in nahezu allen metallverarbeitenden Branchen anerkannt: Stahlbau, Maschinenbau, Fahrzeugbau, Anlagenbau, Schlosserei und Handwerk. Es ist das am weitesten verbreitete DVS-Schweißerzertifikat für Metallberufe.
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