Überblick
Das Wolframschutzgasschweißen (WIG) gilt als eine der anspruchsvollsten Schweißverfahren: Die manuelle Führung einer nicht abschmelzenden Wolframelektrode, das separate Zuführen des Schweißzusatzes und die gleichzeitige Steuerung von Strom und Schutzgasatmosphäre verlangen Geschicklichkeit, Konzentration und systematisches Training. Dieser Kurs führt vollständig durch die sechs DVS-Richtlinienmodule für Stahl (T1 bis T6) – vom Kehlnahtschweißen an Blechen in den Grundpositionen bis zum anspruchsvollen Rohrschweißen unter Verwendung dicker Wandstärken in der H-L045-Position. Abgeschlossen wird jedes Modul mit einer praktischen Prüfung nach DVS-Richtlinie, die zur Ausstellung des DVS/IIW/EWF-Prüfzertifikats führt.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs folgt exakt den sechs DVS-Richtlinienmodulen für Stahl, die in festgelegter Reihenfolge absolviert werden. Modul T1: Kehlnahtschweißen – Bleche in PA, PB, PF Das erste Modul bildet die handwerkliche Basis: Kehlnähte an T-Stößen aus Blechen werden in den Positionen PA (Wannenlage), PB (Horizontalposition) und PF (Steigposition) geschweißt. Plasmaschneiden für Blechdicken von 3 bis 15 mm ist ebenfalls Gegenstand dieses Moduls, da es zur Vorbereitung der Schweißteile benötigt wird.
- WIG-Gerät, Wolframelektrode und Schutzgas für Stahl einstellen
- T-Stöße in Wannenlage PA vorbereiten und mehrlagig schweißen
- Kehlnahtgeometrie (Nahtdicke, Nahtbreite) nach Richtlinie einstellen
- Position PB (Horizontalposition) und PF (Steigposition) systematisch üben
- Plasmaschneidgerät für Blechdicken 3–15 mm einrichten und einsetzen
- Visuell-optische Nahtbewertung nach EN ISO 5817 durchführen
Modul T2: Kehlnahtschweißen – Bleche und Rohr-auf-Blech in PB, PD, PH Das zweite Modul erweitert Kehlnahtschweißen auf Rohr-auf-Blech-Verbindungen und neue Positionen. PD (Überkopf-Horizontalposition) und PH (Steigposition am Rohr) stellen besondere Anforderungen an Haltung, Stromführung und Tropfenkontrolle.
- Kehlnähte an Rohr-auf-Blech-Verbindungen in PB schweißen
- Überkopf-Horizontalposition PD sicher beherrschen
- Steigende Kehlnaht an Rohr in PH kontrolliert und gleichmäßig ausführen
- Schutzgasabdeckung an Rohrverbindungen sicherstellen
- Schweißnahtfehler in anspruchsvollen Positionen erkennen und korrigieren
Modul T3: Blechstumpfnähte in PA und PC Das dritte Modul führt in die einseitig geschweißten Stumpfnähte ein. An Blechen in Wannenlage PA und Querposition PC werden fugenvorbereitete Stähle mit vollständiger Durchschweißung verbunden. Die Wurzellage ist bei einseitigen Stumpfnähten besonders kritisch.
- Fugenvorbereitung für einseitige Stumpfnähte korrekt ausführen
- Wurzellage in PA mit vollständiger Durchschweißung ausführen
- Füll- und Decklage in PA und PC gleichmäßig und fehlerfrei aufbringen
- Querposition PC hinsichtlich Schwerkrafteinfluss auf die Schmelze meistern
- Nahtunterbrechungen und Neuansätze sauber ausführen
Modul T4: Blechstumpfnähte in PE und PF Das vierte Modul überträgt die Stumpfnahtschweißung auf die schwierigeren Positionen PE (Überkopflage) und PF (Steigposition). Beide Positionen erfordern eine präzise Anpassung von Stromstärke, Schweißgeschwindigkeit und Elektrodenwinkel.
- Überkopflage PE: Schmelzbad gegen Schwerkraft sichern
- Steigposition PF: Nahtaufbau schichtweise und gleichmäßig vorantreiben
- Schweißparameter für extreme Positionen gezielt anpassen
- Nahtgeometrie und Einbrandtiefe kontrollieren und dokumentieren
Modul T5: Rohrschweißen – dünne Wandstärken in PA, PC, PH, H-L045 Das fünfte Modul markiert den Übergang zum Rohrschweißen mit einseitigen Stumpfnähten an Rohren in vier Positionen. Besonderheit: Schweißzusatzeinlageteile (Wurzeleinlagen) werden für saubere Wurzellagen eingesetzt. Dünne Wandstärken erfordern besondere Sensibilität für Wärmeeinbringung und Verzug.
- Rohr in Wannenlage PA rotierend schweißen (1G)
- Querposition PC (2G) mit konstanter Elektrodenführung am Rohr ausführen
- Steigende Rohrposition PH (5G) – Nahtfolge und Pendelgeschwindigkeit kontrollieren
- H-L045-Position: 45°-Rohr-Achse als Kombination aus rotierender und fester Position
- Schweißzusatzeinlageteile korrekt einpassen und beim Schweißen fixieren
Modul T6: Rohrschweißen – dicke Wandstärken in PA, PC, PH, H-L045 Das sechste und anspruchsvollste Modul überträgt alle Rohrschweißpositionen auf Rohre mit größerer Wandstärke. Mehrlagentechnik mit Wurzel-, Füll- und Decklagen ist hier zwingend; jede Lage erfordert sorgfältige Zwischenlagenreinigung und Nahtinspektion vor dem nächsten Schweißgang.
- Mehrlagentechnik (Wurzel, Fülllagen, Decklage) an dicken Rohren in allen vier Positionen
- Zwischenlagenreinigung und visuelle Prüfung vor jeder weiteren Lage durchführen
- Wärmezufuhr über Streckenenergie kontrolliert halten
- H-L045 mit dicker Wandstärke: höchste Anforderung an Konsistenz und Ausdauer
- Prüfungsnaht in DVS-konformer Qualität für die Abnahme vorbereiten
Praxisblock: Positions- und Qualitätstraining Die Praxisphase ist kursübergreifend und begleitet alle sechs Module. Gezielte Wiederholungsübungen zu schwierigen Positionen, Fehleranalyse an misslungenen Nähten und die schrittweise Annäherung an Prüfungsstandards sind Bestandteil des Trainingsalltags.
- Positionstraining: tägliche Wiederholungsübungen in Problempostitionen
- Nahtbewertung: eigene Nähte mit Schieblehre, Nahtlehre und visueller Prüfung auswerten
- Fehlerprotokoll führen: Schweißfehler, Ursachen und angewendete Korrekturen dokumentieren
- Wärmeeintrag kontrollieren: Übungen zur gezielten Beeinflussung von Streckenenergie
- Schweißgeschwindigkeit optimieren: Korrelation zwischen Schweißgeschwindigkeit und Nahtqualität
- Prüfungssimulation: Prüfungsnähte unter realistischen Bedingungen ausführen und bewerten
- Sicherheitscheck: Schutzausrüstung, Absaugung und Gerätecheck vor jedem Schweißtag
- Geräte pflegen: Elektroden schleifen, Brenner reinigen und Gasdurchfluss kontrollieren
- Teamarbeit: Nähte gegenseitig bewerten und konstruktives Feedback geben
- Dokumentation: Schweißparameter für jede Übungsnaht aufzeichnen und auswerten
- Auffrischung T1/T2: Kehlnähte auch in späten Kursphasen gelegentlich wiederholen, um Routine zu halten
- Prüfungsvorbereitung T5/T6: Fokussierung auf H-L045 als schwierigste Prüfungsposition
Lernziele:
- WIG-Schweißen an Baustahl sicher und reproduzierbar ausführen
- Wolframelektrode, Schutzgas (Argon) und Schweißzusatz korrekt auswählen und einsetzen
- Kehlnähte an T-Stößen und Rohr-auf-Blech-Verbindungen in Positionen PA, PB, PD, PF, PH fehlerfrei schweißen
- Einseitig geschweißte Stumpfnähte an Blechen in allen geforderten Positionen (PA, PC, PE, PF) ausführen
- Rohrstumpfnähte in mehreren Positionen (PA, PC, PH, H-L045) mit dünnen und dicken Wandstärken schweißen
- Mehrlagentechnik für Stumpfnähte an Rohren mit Schweißzusatzeinlageteil korrekt anwenden
- Nähte nach EN ISO 5817 visuell und messtechnisch bewerten
- Plasmaschneiden im Blechdickenbereich von 3 bis 15 mm sicher anwenden
- Schweißnahtfehler (Poren, Bindefehler, Einbrandkerben, Risse) erkennen und vermeiden
- Arbeitssicherheit beim WIG-Schweißen: Schutzausrüstung, Lichtbogenschutz, Rauchabsaugung
- DVS-Richtlinienmodule kennen und deren Prüfungsanforderungen erfüllen
- Nahtqualität kontinuierlich verbessern und an Prüfungsstandards ausrichten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die WIG-Schweißkenntnisse auf DVS-Niveau aufbauen oder vorhandene Fähigkeiten systematisch durch alle sechs Stahlmodule führen möchten. Sowohl Berufseinsteiger mit metallverarbeitender Ausbildung als auch erfahrene Schweißer, die den DVS-Nachweis nachholen wollen, sind angesprochen.
- Metallbauer, Konstruktionsmechaniker und Industriemechaniker mit Interesse an WIG-Zertifizierung
- Schweißfachkräfte aus dem Anlagenbau, die WIG-Kompetenz nachweisen müssen
- Rohrleitungsbauer und -monteure, die Stumpfnahtschweißen an Rohren professionalisieren wollen
- Quereinsteiger mit handwerklichem Hintergrund und körperlicher Eignung zum Schweißen
- Fachkräfte, die ihre Beschäftigungsfähigkeit in der metallverarbeitenden Industrie ausbauen möchten
Voraussetzung ist das vollendete 18. Lebensjahr sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis in einem metallverarbeitenden oder technischen Bereich. Deutschkenntnisse auf mindestens B1-Niveau in Wort und Schrift sind erforderlich. Körperliche Eignung – Belastbarkeit, Feinmotorik und Standfestigkeit – ist für das Schweißen in schwierigen Positionen unerlässlich. Vorerfahrung im Schweißen erleichtert den Einstieg, ist aber keine formale Zulassungsvoraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet als Präsenzkurs in Vollzeit statt. Der praktische Anteil überwiegt deutlich: Teilnehmende verbringen den Großteil der Kurszeit an der Schweißanlage. Theoretische Inhalte – DVS-Richtlinien, Nahtbewertung, Werkstoffkunde und Arbeitssicherheit – werden in kompakten Lehreinheiten vermittelt und direkt mit der Praxis verknüpft. Lehrende sind erfahrene Schweißfachleute, die Übungsnähte vorführen, Fehler kommentieren und individuelle Korrekturen geben. Kleine Gruppen sichern intensives Feedback und ausreichend Übungszeit an den Geräten.
Die Dauer richtet sich nach der Zahl der absolvierten Module. Das vollständige Programm von T1 bis T6 hat einen erheblichen zeitlichen Umfang, da jedes Modul ausreichend Übungszeit für die jeweiligen Positionen erfordert. Der Präsenzunterricht in Vollzeit erlaubt eine intensive Progression durch alle Schwierigkeitsstufen.
Nach erfolgreich abgelegter Prüfung erhalten Teilnehmende das DVS/IIW/EWF-Prüfzertifikat für das jeweilige Modul – ein international anerkannter Nachweis nach DVS-Richtlinie. Dieses Zertifikat bescheinigt die nachgewiesene Schweißfähigkeit in den geprüften Positionen und wird in der Industrie, im Anlagenbau und im Rohrleitungsbau als qualifizierender Nachweis anerkannt. Zusätzlich stellen die anbietenden Träger eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung aus.
Nutzen & Perspektiven
Das DVS-Prüfzertifikat für WIG-Schweißen Stahl T1 bis T6 ist in der deutschen und europäischen metallverarbeitenden Industrie ein bekannter und gefragter Nachweis. Unternehmen im Anlagen-, Behälter- und Rohrleitungsbau sowie in der Automobilzulieferung verlangen für WIG-Schweißpositionen häufig genau diesen Nachweis – er signalisiert, dass ein Schweißer nicht nur grundsätzlich WIG beherrscht, sondern in definierten Positionen reproduzierbar prüfungsreife Qualität liefert. Das komplette T1-bis-T6-Programm in Stahl deckt alle Grundverbindungsarten und alle relevanten Positionen ab, die in der industriellen Praxis vorkommen: von der einfachen Kehlnaht an Blechen bis zur anspruchsvollen Stumpfnaht an dicken Rohren in der H-L045-Position. Wer diesen vollständigen Nachweis in den Händen hält, kann flexibel auf unterschiedlichste Schweißaufgaben in produzierenden Unternehmen eingesetzt werden. Für Schweißfachkräfte, die langfristig in qualitätskritischen Bereichen arbeiten möchten – etwa im Kraftwerks- oder Chemieanlagenbau, in der Luft- und Raumfahrtzulieferung oder in der Druckbehälterherstellung –, ist das DVS/IIW-Zertifikat oft die Eintrittskarte für höhere Vergütungsstufen und spezialisierte Einsatzgebiete. Die Qualifikation verbessert die Beschäftigungschancen messbar und ist zugleich ein Beitrag zur eigenen beruflichen Weiterentwicklung in einem handwerklich anspruchsvollen Fachgebiet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen den Modulen T1 bis T6?
Die Module T1 und T2 behandeln Kehlnähte, T3 und T4 Blechstumpfnähte in unterschiedlichen Positionen, T5 und T6 das Rohrschweißen mit dünnen bzw. dicken Wandstärken. Die Schwierigkeit nimmt von Modul zu Modul zu; T6 mit H-L045-Position und dicker Wandstärke ist das anspruchsvollste.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Nach bestandener Prüfung wird das DVS/IIW/EWF-Prüfzertifikat ausgestellt – ein international anerkannter Nachweis, der die Schweißfähigkeit in den geprüften Positionen dokumentiert. Zusätzlich erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des Trägers.
Benötige ich Vorerfahrung im WIG-Schweißen?
Vorerfahrung im Schweißen ist hilfreich und erleichtert den Einstieg, ist aber keine formale Voraussetzung. Zwingend erforderlich sind eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis in einem metallverarbeitenden Bereich, das vollendete 18. Lebensjahr sowie körperliche Eignung.
Wie läuft der Kurs ab?
Der Kurs findet als Präsenzunterricht in Vollzeit statt. Der praktische Teil überwiegt: Teilnehmende verbringen den Großteil der Zeit an der Schweißanlage. Theorie zu DVS-Richtlinien, Nahtbewertung und Arbeitssicherheit wird in kompakten Einheiten ergänzend vermittelt.
Muss ich alle sechs Module in einem Durchgang absolvieren?
Das ist abhängig vom Kursangebot des jeweiligen Trägers. Die sechs Module T1 bis T6 bauen inhaltlich aufeinander auf; ein durchgehendes Programm ist die typische Form. Einzelmodule können separat geprüft und zertifiziert werden, sofern der Träger dies vorsieht.
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