Überblick
Wolfram-Inertgas-Schweißen, kurz WIG (oder TIG nach dem englischen Tungsten Inert Gas), gilt als die technisch anspruchsvollste der gängigen Schmelzschweißverfahren. Die hohe Lichtbogenqualität und die präzise Steuerbarkeit machen es zur Methode der Wahl für hochwertige Verbindungen an Edelstahl, Chrom-Nickel-Legierungen und Aluminium — in der Luft- und Raumfahrt, im Anlagenbau, in der Lebensmittelindustrie und überall dort, wo optisch und metallurgisch saubere Nähte gefordert sind. Gleichzeitig verlangt WIG-Schweißen ein feines Zusammenspiel von Brennerführung, Stromeinstellung, Schutzgasführung und — wo nötig — der koordinierten Zuführung des Schweißzusatzwerkstoffs mit der freien Hand. Dieser Kurs nutzt virtuelle Schweißsimulation, um genau diese koordinativen und technischen Fähigkeiten systematisch aufzubauen — ohne Materialverbrauch, ohne Verbrennungsrisiko und ohne Spritzerabfall. Die Simulation ermöglicht sofortiges Feedback zu Brennerwinkel, Vorschubgeschwindigkeit, Lichtbogenlänge und Nahtqualität und erlaubt das Wiederholen einzelner Übungssequenzen so oft wie nötig, bis die Bewegungsabläufe sitzen.
Kursinhalte & Lernziele
WIG-Verfahren: Grundlagen und Besonderheiten Das WIG-Schweißen unterscheidet sich grundlegend von MAG- oder Elektroden-Schweißen. Bevor der Simulator geöffnet wird, werden die Verfahrensprinzipien erarbeitet: Wie erzeugt die Wolframelektrode den Lichtbogen, ohne dabei selbst abzuschmelzen? Welche Rolle spielt das Schutzgas (in der Regel Argon), und warum wechselt man bei Aluminium auf Wechselstrom?
- Lichtbogenentstehung und Wärmeverteilung beim WIG-Prozess
- Wolframelektroden: Typen, Anforderungen, Anschliffe
- Schutzgase und ihre Wirkung auf Nahtqualität und Legierungsverhalten
- Gleichstrom (DC) für Cr/Ni vs. Wechselstrom (AC) für Aluminium
- Grundbegriffe der Schweißnahtvorbereitung und Stoßgeometrie
Virtuelles Schweißen auf Chrom-Nickel-Legierungen Rostfreie Stähle und Chrom-Nickel-Legierungen stellen besondere Anforderungen an Wärmeführung und Verunreinigungsfreiheit. In diesem Block werden zunächst einlagige Stumpfnähte trainiert, ehe der Aufbau mehrlagiger Verbindungen mit Zusatzwerkstoff folgt.
- Virtual Welding Cr/Ni einlagig: Stumpfstoß ohne Zusatzwerkstoff
- Virtual Welding Cr/Ni einlagig: Stumpfstoß mit Schweißzusatzwerkstoff
- Virtual Welding Cr/Ni mehrlagig: Decklagenaufbau und Zwischenlagentemperatur
- Virtual Welding Cr/Ni mehrlagig mit Schweißzusatzwerkstoff: Koordination beider Hände
- Fehleranalyse: Anlauffarben, Oxideinschlüsse, Heißrissneigung bei Cr/Ni
- Parameteroptimierung für unterschiedliche Wanddicken
Virtuelles Schweißen an Aluminium Aluminium verhält sich beim Schweißen grundlegend anders als Stahl: Oxidhaut, hohe Wärmeleitfähigkeit und das notwendige Wechselstromregime verlangen angepasste Technik. Dieser Block trainiert zunächst das einlagige Fügen ohne Zusatz — eine anspruchsvolle Übung für die reine Brennerführung — ehe mehrlagige Verbindungen mit Zusatzwerkstoff folgen.
- Virtual Welding Aluminium einlagig: Verbindung ohne Schweißzusatzwerkstoff
- Virtual Welding Aluminium einlagig: Verbindung mit Zusatzwerkstoff
- Virtual Welding Aluminium mehrlagig: Lagenfolge und Schmelzbadkontrolle
- Virtual Welding Aluminium mehrlagig mit Zusatzwerkstoff: Brenner-Hand-Koordination
- Fehlerbilder bei Aluminium: Porosität, Lunker, unvollständige Durchschweißung
- Vergleich Simulationsergebnis mit realen Qualitätsanforderungen (DIN EN ISO 10042)
Praxistransfer und Fehlerauswertung Die Simulation liefert nach jeder Übungssequenz eine digitale Bewertung — Brennerwinkel, Lichtbogenlänge, Vorschubkonstanz, Nahtbreite. In diesem Block werden diese Daten strukturiert ausgewertet und individuelle Schwachstellen gezielt korrigiert.
- Auswertung von Simulations-Feedbackdaten (Heatmaps, Bewegungskurven)
- Gezielte Wiederholung von Sequenzen mit identifiziertem Verbesserungsbedarf
- Vergleich zwischen einlagigen und mehrlagigen Ergebnissen
- Dokumentation gelernter Parameter als persönliches Referenzblatt
- Überblick über den Transfer in reale Schweißpositionen (PA, PF, PC nach ISO 6947)
- Grundsätze der Arbeitssicherheit beim echten WIG-Einsatz (PSA, Ozon, UV)
Lernziele:
- Das WIG-Verfahren in seinen physikalischen und metallurgischen Grundprinzipien verstehen
- Einlagige WIG-Nähte auf Chrom-Nickel-Legierungen als Stumpfstoß sicher ausführen
- Mehrlagige Verbindungen auf Cr/Ni-Legierungen mit Schweißzusatzwerkstoff kontrolliert aufbauen
- Einlagige WIG-Nähte an Aluminium ohne Zusatzwerkstoff korrekt durchführen
- Mehrlagige Aluminiumverbindungen unter Einsatz von Schweißzusatzwerkstoff realisieren
- Den Einfluss von Schutzgas, Wolframelektrode und Stromform (Gleich-/Wechselstrom) auf das Ergebnis kennen
- Typische Fehlerbilder (Einbrandkerben, Oxideinschlüsse, Porosität) erkennen und deren Ursachen benennen
- Brennerführung und Zusatzwerkstoffzugabe in der freien Hand koordinieren
- Die Simulation als Feedbackinstrument für eigene Technikfehler einsetzen
- Erarbeitete Schweißparameter für Materialkombinationen systematisch dokumentieren
- Sicherheitsrelevante Aspekte des WIG-Verfahrens (Schutzgasführung, UV-Strahlung, Ozonbildung) kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen mit Interesse an metallverarbeitenden Tätigkeiten, die in die anspruchsvolle WIG-Technik einsteigen oder bestehende Grundkenntnisse systematisch vertiefen möchten. Die virtuelle Trainingsumgebung macht ihn auch für Seiteneinsteiger zugänglich, die ohne teures Praxismaterial und ohne Sicherheitsrisiko eine solide Technikbasis aufbauen wollen.
- Personen mit Interesse an Metallbearbeitung, die WIG-Schweißen von Grund auf erlernen möchten
- Metallbauer, Schlosser oder Mechatroniker, die ihr Verfahrensspektrum um WIG erweitern wollen
- Auszubildende und Fachkräfte, die vor dem Praxiseinsatz an Cr/Ni oder Aluminium Übungszeit benötigen
- Quereinsteiger in den Metall- und Fertigungsbereich
Vorausgesetzt werden eine grundsätzliche Affinität zum handwerklich-technischen Arbeiten sowie im Idealfall erste Berufserfahrung in einem metallverarbeitenden oder technischen Bereich. Formale Schweißkenntnisse sind keine zwingende Voraussetzung, jedoch hilft ein Verständnis für Metallbearbeitungsprozesse beim schnellen Einstieg in die verfahrenstechnischen Grundlagen. Körperliche Eignung für manuelle Präzisionstätigkeiten wird vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Das Kernstück des Kurses ist die virtuelle Schweißsimulation, die originalgetreue Lichtbogen-, Schmelzbad- und Nahtdarstellung bietet. Jede Übungssequenz liefert automatisiertes Feedback zu Brennerwinkel, Vorschubgeschwindigkeit und Lichtbogenlänge. Theorieinhalte zum Verfahren werden kompakt vorangestellt, damit die Simulationsübungen mit Verständnis und nicht rein mimetisch durchgeführt werden. Die Fehlerauswertung im Dialog mit dem Lehrenden rundet das Lernen ab.
Konkrete Stundenangaben liegen je nach Anbieter und Förderkontext vor. Der Kurs deckt alle sechs virtuellen Schweißmodule (Cr/Ni einlagig ohne/mit Zusatz, Cr/Ni mehrlagig ohne/mit Zusatz, Aluminium einlagig ohne/mit Zusatz, Aluminium mehrlagig ohne/mit Zusatz) in einer strukturierten Abfolge ab.
Nach Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Eine formale Schweißerprüfung nach DIN EN 287-1 oder ISO 9606 ist nicht Gegenstand dieses Kurses — dieser simulationsbasierte Kurs ist als Vorbereitung und Grundlagenvermittlung konzipiert, nicht als Prüfungsabnahme.
Nutzen & Perspektiven
WIG-Schweißkompetenz ist auf dem Arbeitsmarkt knapp und gesucht. Wer Edelstahl und Aluminium sauber WIG-schweißen kann, erschließt sich Einsatzbereiche in Anlagenbau, Lüftungstechnik, Fahrzeugbau und medizintechnischer Fertigung, die für einfachere Schweißverfahren verschlossen bleiben. Die virtuelle Ausbildungsform schließt dabei eine wichtige Lücke: Kostspieliges Übungsmaterial und Verbrauchsmaterialien fallen weg, und Fehler passieren ohne reale Konsequenzen — beides senkt die Einstiegshürde erheblich. Der Kurs trainiert ausdrücklich beide anspruchsvollen Grundmaterialien des WIG-Verfahrens: Cr/Ni-Legierungen mit ihrer Empfindlichkeit gegenüber Wärmeeinbringung sowie Aluminium mit seinem völlig anderen Schmelzverhalten. Wer beide Materialklassen beherrscht, deckt einen Großteil der industriellen WIG-Anwendungsfälle ab und ist in der Lage, in unterschiedlichsten Produktionsumgebungen flexibel eingesetzt zu werden. Der Einstieg über die Simulation ist kein Kompromiss, sondern methodisch sinnvoll: Bewegungsabläufe, die in der virtuellen Umgebung verinnerlicht wurden, lassen sich anschließend im echten Schweißbetrieb deutlich schneller in stabile Nahtergebnisse überführen. Viele Betriebe nutzen virtuelle Schweißtraining inzwischen gezielt als Onboarding-Instrument, weil die Lernkurve kürzer und die Ausschussrate in der Anlaufphase geringer ausfällt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet WIG-Schweißen von MAG-Schweißen?
Beim WIG-Verfahren schmilzt die Wolframelektrode selbst nicht ab — sie erzeugt nur den Lichtbogen. Schweißzusatzwerkstoff wird separat mit der freien Hand zugeführt. Das erlaubt sehr präzise, schlackefreie Nähte, erfordert aber hohe Handkoordination. MAG ist schneller und einfacher, liefert aber keine vergleichbare Nahtqualität bei hochwertigen Materialien.
Warum wird Aluminium anders geschweißt als Edelstahl?
Aluminium bildet eine hartnäckige Oxidschicht, die einen höheren Schmelzpunkt hat als das Grundmaterial. Wechselstrom (AC) ist beim WIG-Schweißen von Aluminium notwendig, weil die AC-Halbwelle die Oxidschicht aufbricht. Bei Cr/Ni-Stählen reicht Gleichstrom (DC). Zudem leitet Aluminium Wärme sehr schnell ab, was die Parameterwahl beeinflusst.
Kann ich nach dem Kurs direkt in einem Betrieb als WIG-Schweißer arbeiten?
Der Kurs legt eine solide Grundlage, ersetzt jedoch keine praktische Schweißerprüfung nach DIN EN ISO 9606. Für viele industrielle Einsatzbereiche ist eine solche Prüfung Pflicht. Der Kurs beschleunigt den Einstieg und die praktische Einarbeitung erheblich, ist jedoch als Vorstufe zur Praxisqualifikation zu verstehen.
Welche Materialien werden in der Simulation trainiert?
Der Kurs deckt Chrom-Nickel-Legierungen (einlagig und mehrlagig, mit und ohne Zusatzwerkstoff) sowie Aluminium (einlagig und mehrlagig, mit und ohne Zusatzwerkstoff) ab — insgesamt sechs virtuelle Schweißmodule mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad.
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