Überblick
Dieser Sonderlehrgang vermittelt spezialisierte Fertigkeiten im Gasschweißen von Stahl (Schweißprozess 311). Er baut auf den Grundmodulen G3 bis G6 auf und richtet sich an Personen, die ihre Qualifikation im autogenen Schweißen gezielt auf Sondersituationen und anspruchsvollere Schweißpositionen ausdehnen möchten. Kerninhalt ist die Herstellung einwandfreier Stumpfnähte an Rohrverbindungen und an Blechen in mehreren vorgeschriebenen Positionen nach DVS-Richtlinien. Abschluss ist das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat, das als anerkannter Befähigungsnachweis im Schweißbereich gilt.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Schweißtechnik und Ausrüstung – Anpassung an die Aufgabe Gasschweißen erfordert eine präzise Abstimmung zwischen Werkstoff, Brenngas, Düse und Brennereinstellung. Dieses Modul vertieft die systematische Auswahl und Regulierung der Gasschweißausrüstung für unterschiedliche Stahl-Schweißaufgaben.
- Brenngasarten für Stahl: Acetylen, Flüssiggas und deren Eigenschaften im Vergleich
- Druckregler, Absperrventile und Schlauchleitungen: Aufbau, Prüfung und Instandhaltung
- Schweißdüsenauswahl nach Blechdicke und Nahtgeometrie
- Flammentypen: neutrale, oxydierende und aufkohlende Flamme – Einstellung und Anwendung
- Drücke und Durchflussmengen berechnen und am Druckregler einstellen
- Sicherheitseinrichtungen: Flammenrückschlagsicherungen, Druckminderer, Schutzmittel
Modul 2: Stoßarten und Nahtgeometrien an Rohrverbindungen Dieser Abschnitt widmet sich den spezifischen Herausforderungen beim Gasschweißen von Rohren. Verschiedene Stoßarten erfordern unterschiedliche Vorbereitungen, Brennerführung und Nahtaufbau.
- Stumpfstoß, T-Stoß und Überlappungsverbindungen an Rohren
- Nahtkantenaufbereitung und -kontrolle vor dem Schweißen
- Heftschweißen zur Fixierung und Spaltsteuerung bei Rohrverbindungen
- Wurzellage ausführen: Einbrand sichern und Durchfall vermeiden
- Füll- und Decklage bei Stumpfstößen an Rohren
- Visuelle Prüfung der Naht nach DVS 1076 und Fehlerklassifizierung
Modul 3: Blechschweißen in verschiedenen Positionen (PC, PD, PF, PE) Das Nachrechts-Schweißen in mehreren Positionen ist der prüfungsrelevante Kernbestandteil dieses Sonderlehrgangs. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trainieren systematisch das Blechschweißen in den geforderten DVS-Positionen.
- Schweißposition PC (Querposition): Brennerführung, Tropfensteuerung, Einbrandkontrolle
- Schweißposition PD (Überkopf-Querposition): besondere Herausforderungen im Wärme- und Schmelzbadmanagement
- Schweißposition PF (Steigend): Aufstiegstechnik, Schmelzbadsteuerung, Lagentechnik
- Schweißposition PE (Überkopf): Brennerführung und Körperhaltung in der Überkopflage
- Nahtvorbereitung für alle Positionen: Kantenform, Spaltmaß, Heftung
- Vergleichende Beurteilung der Nahtqualität über alle Positionen hinweg
Praxismodul: Eigenständige Schweißübungen und Prüfungsvorbereitung Der weitaus größte Teil des Lehrgangs besteht aus selbstständiger Schweißpraxis unter Fachaufsicht. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erarbeiten schrittweise Sicherheit und Prozessstabilität in allen geforderten Positionen.
- Schweißübungen an Rohrstücken in verschiedenen Stoßarten mit steigendem Schwierigkeitsgrad
- Stumpfnaht-Übungen an Blechen in PC, PD, PF und PE im Nachrechts-Schweißen
- Ausrüstungseinstellung selbstständig durchführen und protokollieren
- Eigene Nähte visuell prüfen und nach Fehlertypen (Risse, Poren, Bindefehler) auswerten
- Korrekturmaßnahmen anwenden und Nähte bei Bedarf nach DVS-Kriterien nacharbeiten
- Sicherheitsunterweisungen und praktische Übungen zum Umgang mit Brenngasen
- Dokumentation der Schweißübungen und Nahtbewertungen führen
- Materialien identifizieren und Lagerzustand vor dem Schweißen prüfen
- Betriebsmittel reinigen, warten und auf Funktionsfähigkeit kontrollieren
- Verhaltensregeln bei Zwischenfällen und Unregelmäßigkeiten an der Gasanlage
- Prüfungsstücke unter prüfungsähnlichen Bedingungen anfertigen und bewerten
- Feedback zur eigenen Schweißqualität systematisch aufnehmen und umsetzen
Lernziele:
- Passenden Schweißeinsatz, Brenngas sowie erforderliche Drücke und Durchflussmengen für unterschiedliche Schweißaufgaben auswählen und berechnen
- Gasschweißausrüstung sicher, aufgabengerecht und normkonform einrichten und regulieren
- Einwandfreie Stumpfnähte an Rohrverbindungen in unterschiedlichen Stoßarten herstellen
- Stumpfnähte an Blechen in den Positionen PC, PD, PF und PE im Nachrechts-Schweißen ausführen
- Eigene Schweißarbeit visuell prüfen und Fehler anhand der Normen einordnen
- Korrekturmaßnahmen bei Nahtfehlern gezielt ableiten und anwenden
- Den Gasschweißprozess 311 in seinen metallurgischen und thermischen Grundlagen verstehen
- Sicherheitsregeln für den Umgang mit Brenngasen, Druckbehältern und Schweißausrüstung einhalten
- DVS-Prüfungsanforderungen kennen und in der Praxis erfüllen
- Schweißergebnisse im Hinblick auf Nahtqualität, Bindefehler und Einbrand bewerten
- Prozesssicher über verschiedene Positionen und Stoßarten hinweg arbeiten
- Ausrüstungsprobleme im Betrieb erkennen, eingrenzen und beheben
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Lehrgang richtet sich an Arbeitnehmende, Arbeitsuchende und Weiterbildungsinteressierte mit Interesse am Schweißen, die bereits Grundkenntnisse im Gasschweißen mitbringen oder die Basismodule G3 bis G6 absolviert haben. Gleichfalls angesprochen sind Personen aus Metallberufen, die ihre Qualifikation im Gasschweißen um Spezialanwendungen und ein anerkanntes DVS-Prüfzertifikat erweitern möchten.
- Metallbauer, Schlosser und Anlagenmechaniker mit Grundkenntnissen im Gasschweißen
- Fachkräfte aus dem Bereich Rohr- und Behälterbau, die Stumpfnahtqualifikationen benötigen
- Schweißer, die ihre bestehenden Qualifikationen mit DVS-Zertifikaten untermauern möchten
- Arbeitsuchende mit handwerklichem Hintergrund, die eine fachlich fundierte Zertifizierung anstreben
- Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung im Metallbereich, die sich auf anspruchsvollere Schweißpositionen spezialisieren
Das vollendete 18. Lebensjahr ist Voraussetzung für die Teilnahme. Gefordert wird zudem eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis im relevanten Fachgebiet sowie körperliche Eignung für die Schweißtätigkeit – insbesondere Belastbarkeit bei Wärme, Rauch und körperlich anspruchsvollen Positionen. Grundlegende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift auf mindestens Niveau B1 sind erforderlich, da Sicherheitsunterweisungen und Lehrmaterial in deutscher Sprache vorliegen. Der Lehrgang baut inhaltlich auf den Grundmodulen G3 bis G6 auf; entsprechende Vorkenntnisse oder nachgewiesene Erfahrung im autogenen Schweißen werden erwartet.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang findet überwiegend als Präsenzunterricht in Vollzeit statt. Das Hauptgewicht liegt auf der praktischen Arbeit an der Schweißanlage: Theorieanteile dienen der Verständnissicherung und der Sicherheitsunterweisung, sind aber gegenüber der Schweißpraxis deutlich untergeordnet. Die Fachaufsicht begleitet die Übungen, gibt unmittelbares Feedback zur Nahtqualität und unterstützt dabei, individuelle Fehlerbilder zu erkennen und zu korrigieren.
Der Lehrgang wird in Vollzeit als Präsenzkurs durchgeführt. Die konkrete Dauer hängt vom Kenntnisstand der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie von den Prüfungsanforderungen ab und wird beim jeweiligen Anbieter mitgeteilt. Der Umfang richtet sich nach den DVS-Richtlinien für den Gasschweißprozess 311 und schließt alle Inhalte ein, die für die DVS-Prüfung erforderlich sind.
Der Lehrgang schließt mit dem DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat ab. Dieses Zertifikat wird nach bestandener DVS-Prüfung ausgestellt und ist als internationaler Schweißerqualifikationsnachweis nach IIW (International Institute of Welding) und EWF (European Welding Federation) anerkannt. Es belegt die nachgewiesene Befähigung, Stumpfnähte an Rohrverbindungen und Blechen in den geforderten Positionen und Stoßarten im Gasschweißprozess 311 herzustellen. Zusätzlich erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine trägerinterne Bescheinigung.
Nutzen & Perspektiven
Das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat ist in der Metallindustrie, im Rohrleitungsbau, im Anlagenbau und in handwerklichen Metallbetrieben als Qualifikationsnachweis etabliert. Wer es vorweisen kann, belegt gegenüber Arbeitgebern nicht nur Erfahrung, sondern eine formal geprüfte und anerkannte Befähigung nach internationalem Standard. Das ist ein klarer Unterschied zu nicht zertifizierten Schweißkenntnissen. Die geforderten Positionen PD, PF und PE gehören zu den anspruchsvollsten in der Gasschweißpraxis. Wer in der Überkopflage und in der Steignaht prozesssicher schweißen kann, ist für Einsätze qualifiziert, die nicht jede Fachkraft abdecken kann – etwa bei Rohrsystemen, die nicht in optimale Schweißpositionen gebracht werden können, oder bei Instandhaltungsarbeiten in beengten Anlagenbereichen. Für Personen, die nach einer beruflichen Pause oder einem Branchenwechsel wieder Fuß im metallverarbeitenden Gewerbe fassen möchten, bietet dieser Lehrgang einen sauberen Wiedereinstieg mit nachvollziehbarem, international anerkanntem Abschluss. Das Gasschweißen ist trotz der Verbreitung des Lichtbogenschweißens in bestimmten Anwendungsfeldern – Heizungsinstallation, Rohrsysteme aus Kupfer und Stahl, Kunstmetallbearbeitung – weiterhin gefragt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welches Zertifikat erhalte ich nach diesem Lehrgang?
Nach bestandener Prüfung erhalten Sie das DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat. Es ist ein international anerkannter Schweißerqualifikationsnachweis nach den Standards des International Institute of Welding (IIW) und der European Welding Federation (EWF).
Welche Grundkenntnisse brauche ich für den Sonderlehrgang?
Der Lehrgang baut auf den Gasschweißmodulen G3 bis G6 auf. Entweder haben Sie diese Module bereits absolviert, oder Sie bringen vergleichbare Erfahrung im autogenen Schweißen mit. Vollständige Einsteiger ohne Schweißvorerfahrung sollten zunächst die Grundmodule besuchen.
Was bedeuten die Schweißpositionen PC, PD, PF und PE?
Diese Abkürzungen bezeichnen genormte Schweißpositionen: PC ist die Querposition, PD die Überkopf-Querposition, PF das steigende Schweißen und PE das Überkopfschweißen. PD und PE gelten als besonders anspruchsvoll, da das Schmelzbad gegen die Schwerkraft gehalten werden muss.
Was ist Nachrechts-Schweißen?
Beim Nachrechts-Schweißen (auch Rechtsschweißen genannt) wird der Brenner in Schweißrichtung nach rechts geführt, wobei der Brenner der Schweißstelle vorausgeht und das Zusatzmaterial in die Flamme gehalten wird. Diese Technik ermöglicht bei dickeren Blechen bessere Einbrandtiefe und höhere Schweißgeschwindigkeit im Vergleich zum Linksschweißen.
Für welche Berufe und Branchen ist dieses Zertifikat relevant?
Das DVS-IIW/EWF-Zertifikat ist im Metallbau, Anlagenbau, Rohrleitungsbau, in Heizungs- und Sanitärinstallationsbetrieben sowie im allgemeinen Stahlbau anerkannt. Es ist besonders dann gefragt, wenn Schweißaufgaben in schwierigen Positionen anfallen, die nicht jede Fachkraft abdecken kann.
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