Überblick
Dieser Sonderlehrgang richtet sich an Schweißerinnen und Schweißer, die ihre Kenntnisse im Metallschutzgasschweißen auf hochlegierte Stähle mit Chrom- und Nickelanteilen ausdehnen möchten. Der Lehrgang baut auf den abgeschlossenen Grundmodulen M.1 bis M.4 auf und vertieft sowohl die theoretische Werkstoffkunde als auch die praktische Handhabung des MAG-Prozesses (Prozess 136) unter realen Bedingungen. Im Vordergrund stehen anspruchsvolle Nähte an Rohrverbindungen in Zwangspositionen, für die eine exakte Brennerführung und ein sicheres Materialverständnis unerlässlich sind.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde legierter Stähle und CrNi-Legierungen Hochlegierte Stähle unterscheiden sich grundlegend von unlegierten Baustählen. Im theoretischen Auftaktteil des Lehrgangs erarbeiten die Teilnehmenden das metallurgische Fundament: Gefügestrukturen austenitischer und ferritischer CrNi-Stähle, Sensibilisierungsrisiken beim Schweißen und der Einfluss von Korngrenzenkorrosion. Die Fachkunde umfasst auch die Auswahl geeigneter Zusatzwerkstoffe und Schutzgaszusammensetzungen für diese Stahlgruppe.
- Einteilung und Bezeichnung legierter Stähle nach DIN EN 10027
- Physikalische und chemische Eigenschaften austenitischer CrNi-Stähle
- Sensibilisierung und Korrosionsrisiken beim Schweißen hochlegierter Stähle
- Auswahl und Eigenschaften von Schweißzusätzen für Prozess 136 an CrNi-Werkstoffen
- Schutzgasgemische und ihre Auswirkungen auf Nahtoberfläche und Korrosionsbeständigkeit
- Wärmeführung, Streckenenergie und deren Einfluss auf die Gefügeausbildung
MAG-Prozess (136) und Parametereinstellung Der Lehrgang vermittelt die prozesstechnischen Grundlagen des Metallschutzgasschweißens mit Fülldraht oder Massivdraht (Prozess 136) und dessen spezifische Einstellparameter für hochlegierte Zusatzwerkstoffe. Besondere Aufmerksamkeit gilt der stabilen Lichtbogenführung bei wechselnden Positionen.
- Funktionsprinzip und Verfahrensvarianten des MAG-Schweißens nach EN ISO 4063
- Drahtvorschubgeschwindigkeit, Spannung und Schutzgasdurchfluss optimal einstellen
- Lichtbogenarten und ihre Eignung für Zwangspositionen
- Einfluss der Kontaktrohrweite und Schutzgasdüsengeometrie auf das Ergebnis
- Parameterprotokolle führen und reproduzierbare Ergebnisse sicherstellen
- Fehlersymptome bei falsch eingestellten Schweißparametern erkennen
Naht- und Positionsschweißen in Zwangspositionen Im praxisorientierten Hauptteil des Lehrgangs stehen Zwangspositionen im Mittelpunkt. Die Teilnehmenden üben das Schweißen in den nach EN ISO 6947 definierten Positionen PC (quer), PD (waagerecht Überkopf), PF (steigend) und PE (überkopf) sowie die typischen Stoßarten an Rohrverbindungen.
- Technik des Nachrechts-Schweißens in der Wannen- und Querposition
- V-Naht-Ausführung an Blechen in Position PC und PD
- Steigende Nahtausführung (PF) an Rohrverbindungen
- Überkopfschweißen (PE) mit stabiler Lichtbogenführung
- Mehrlagentechnik und Lagenschliffe zur Nahtbeurteilung
- Selbstkontrolle von Nahtoberfläche, Einbrand und Wurzelausbildung
Praxisblock — Rohrverbindungen und komplexe Nahtgeometrien
- Aufbau der Schweißposition am Rohraufspannbock
- Tack-Schweißen und Wurzellagenausführung an dünnwandigen CrNi-Rohren
- Fülllagen- und Decklagenausführung in wechselnden Positionen
- Sichtkontrolle nach DIN EN ISO 17637 — Bewertung von Porositäten, Bindefehlern und Überlappungen
- Sicherheitsgerechtes Schleifen und Reinigen von CrNi-Nähten (Passivierung)
- Umgang mit schweißtypischen Emissionen und persönlicher Schutzausrüstung
- Prüfstückvorbereitung nach Lehrgangs-Prüfungsplan
- Auswertung gefertigter Proben im Gruppenvergleich
- Dokumentation und Nachweis der eigenen Schweißergebnisse
- Abheften des Prüfzertifikats und der Dokumentation für den betrieblichen Einsatz
- Wiederholung der Prüfungsbedingungenund Bewertungsmaßstäbe nach DVS®/IIW/EWF
Lernziele:
- Die Besonderheiten legierter Stähle mit Chrom- und Nickelanteilen in Bezug auf Schweißeignung und Gefügeverhalten verstehen
- Den MAG-Prozess (Prozess 136) unter Zwangsbedingungen sicher beherrschen
- V-Nähte an Blechen in den Positionen PC, PD, PF und PE im Nachrechts-Schweißen fehlerfrei herstellen
- Stumpfnähte an Rohrverbindungen in verschiedenen Stoßarten einwandfrei ausführen
- Den Brennerhalter in Zwangspositionen korrekt und gleichmäßig führen
- Spezifische Werkstoffparameter für Chrom-Nickel-Legierungen bei der Parametereinstellung berücksichtigen
- Die Besonderheiten des Schutzgasgemisches und seiner Wirkung auf die Nahtqualität bei CrNi-Stählen einschätzen
- Typische Schweißfehler bei der Verarbeitung hochlegierter Stähle erkennen und vermeiden
- Anforderungen des DVS-Regelwerks und der IIW/EWF-Normen für diesen Qualifikationsbereich kennen
- Qualitätssichernde Prüfschritte an fertiggestellten Nähten durchführen
- Die eigenen Fähigkeiten in einer praktischen Prüfung nach DVS®/IIW/EWF-Standards unter Beweis stellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Sonderlehrgang richtet sich an Personen, die bereits die Grundausbildung in der MAG-Schweißtechnik (Module M.1 bis M.4) abgeschlossen haben und nun gezielt Kompetenz für legierte Stähle mit Chrom- und Nickelanteilen aufbauen möchten.
- Ausgebildete Metallbauer, Konstruktionsmechaniker und verwandte Metallberufe
- Schweißerinnen und Schweißer in der chemischen Anlagenfertigung, im Apparatebau oder der Lebensmitteltechnik
- Berufserfahrene Arbeitnehmende, die eine anerkannte DVS®/IIW/EWF-Qualifikation für hochlegierte Stähle erwerben möchten
- Berufsrückkehrerinnen und -rückkehrer aus Metallberufen, die ihre Qualifikation aktualisieren und erweitern
Für die Zulassung sind ein vollendetes 18. Lebensjahr sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis im metallverarbeitenden Bereich erforderlich. Weiterhin sind Deutschkenntnisse in Wort und Schrift mindestens auf dem Niveau B1 notwendig, da die Fachkunde-Unterlagen und Sicherheitsanweisungen auf Deutsch vermittelt werden. Körperliche Eignung für die Arbeit in Zwangspositionen wird vorausgesetzt. Grundlegende Kenntnisse im MAG-Schweißen (Prozess 136), entsprechend den Inhalten der Module M.1 bis M.4, sind fachliche Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Sonderlehrgang.
Ablauf & Abschluss
Der Sonderlehrgang findet als Vollzeit-Präsenzunterricht in einer zertifizierten Schweißfachschule statt. Die fachtheoretischen Einheiten am Beginn des Lehrgangs bilden die Grundlage für die anschließenden praktischen Schweißübungen, die den weitaus größeren Teil der Ausbildungszeit ausmachen. Die Teilnehmenden erhalten individuelle Rückmeldung zur Brennerführung und Nahtqualität direkt am Werkstück. Lehrgangsschweißstücke werden auf Sicht beurteilt und besprochen, bevor die abschließende Prüfung vor einem zertifizierten Prüfer stattfindet.
Die genaue Lehrgangs-Gesamtdauer richtet sich nach dem jeweiligen Anbieter und der gewählten Lehrgangsgruppe. Da es sich um Vollzeit-Präsenzunterricht handelt, sind in der Regel mehrere zusammenhängende Wochen einzuplanen. Informationen zur exakten Stundenzahl und den konkreten Terminen sind beim jeweiligen Anbieter zu erfragen.
Nach erfolgreich abgelegter praktischer und theoretischer Prüfung erhalten die Teilnehmenden das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat sowie ein trägerinternes Lehrgangszeugnis. Das DVS®/IIW/EWF-Zertifikat ist ein international anerkannter Nachweis der Schweißqualifikation nach europäischen Normen und belegt die Fähigkeit, Nähte an legierten Stählen nach definierten Gütekriterien herzustellen. Die Gültigkeitsdauer und Verlängerungsbedingungen richten sich nach den jeweils geltenden DVS-Merkblättern.
Nutzen & Perspektiven
Die Qualifikation für das Schweißen von CrNi-legierten Stählen öffnet Türen in Branchen, die besonders hohe Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit und Nahtqualität stellen — von der Pharmazie über die Lebensmitteltechnik bis zum Anlagen- und Apparatebau. Betriebe in diesen Bereichen suchen gezielt nach Schweißerinnen und Schweißern, die nachweislich mit hochlegierten Werkstoffen umgehen können. Chrom-Nickel-Stähle sind aufgrund ihrer Korrosions- und Hitzebeständigkeit in der Prozessindustrie nicht zu ersetzen — entsprechend hoch ist die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften, die diese Werkstoffe sicher verarbeiten. Das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat ist dabei mehr als ein Lehrgangszeugnis. Es entspricht internationalen Normen auf der Basis der EN ISO 9606 und anderer europäischer Regelwerke und ist damit auch außerhalb Deutschlands als Qualifikationsnachweis anerkannt, was besonders für internationale Unternehmen und im Export-Anlagenbau von Bedeutung ist. Viele Auftraggeber in der chemischen und petrochemischen Industrie fordern diesen Nachweis ausdrücklich als Vergabekriterium — wer ihn vorlegen kann, ist für diese Aufträge überhaupt erst qualifiziert. Wer diesen Sonderlehrgang erfolgreich abschließt, hat damit nicht nur eine zusätzliche Qualifikationsstufe erworben, sondern beweist auch die Bereitschaft, anspruchsvolle Materialien und Positionen professionell zu beherrschen. In einem Arbeitsmarkt, der qualifizierte Schweißfachkräfte intensiv nachfragt, ist diese Zusatzqualifikation ein überzeugender Wettbewerbsvorteil — insbesondere weil die Kombination aus Chrom-Nickel-Kenntnissen und beherrschten Zwangspositionen vergleichsweise selten vorkommt und daher von Arbeitgebern überdurchschnittlich geschätzt wird. Die Investition in diesen Sonderlehrgang zahlt sich also direkt in erweiterten Einsatzmöglichkeiten und einer stärkeren Verhandlungsposition auf dem Arbeitsmarkt aus.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Sonderlehrgang?
Sie sollten die Grundmodule M.1 bis M.4 des MAG-Schweißens bereits abgeschlossen haben. Außerdem sind eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis im Metallbereich sowie Deutschkenntnisse mindestens auf B1-Niveau erforderlich. Eine körperliche Eignung für das Arbeiten in Zwangspositionen wird vorausgesetzt.
Was unterscheidet diesen Lehrgang vom Standard-MAG-Kurs?
Der Sonderlehrgang konzentriert sich auf legierte Stähle mit Chrom- und Nickelanteilen (CrNi-Stähle), die spezielle Werkstoffkenntnisse und angepasste Schweißparameter erfordern. Hinzu kommt die Ausbildung in Zwangspositionen wie Überkopf- und Steigeschweißen, die in Grundlehrgängen nicht in dieser Tiefe vermittelt werden.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Lehrgang?
Sie erhalten das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat, einen nach europäischen Normen international anerkannten Qualifikationsnachweis, sowie ein trägerinternes Lehrgangszeugnis. Das DVS-Zertifikat belegt Ihre Qualifikation gegenüber Arbeitgebern in Anlagen- und Apparatebau, Lebensmitteltechnik oder Chemieindustrie.
In welchen Branchen ist diese Qualifikation besonders gefragt?
CrNi-Schweißkenntnisse werden vor allem in Branchen mit hohen Korrosionsschutzanforderungen nachgefragt: Lebensmittel- und Pharmaindustrie, chemischer Anlagen- und Apparatebau sowie Offshore- und Energietechnik. Auch im internationalen Maschinen- und Anlagenbau ist das DVS®/IIW/EWF-Zertifikat ein anerkannter Nachweis.
Findet der Kurs in Vollzeit oder Teilzeit statt?
Der Sonderlehrgang wird als Vollzeit-Präsenzunterricht angeboten. Da praktische Übungen am Werkstück den Kern der Ausbildung bilden, sind zusammenhängende Präsenztage in der Schweißfachschule erforderlich. Die genaue Kursdauer erfahren Sie beim jeweiligen Anbieter.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Laserstrahlfachkraft161 Stellen
- Schweißtechniker/Schweißtechnikerin61 Stellen
- Schweißwerkmeister/Schweißwerkmeisterin51 Stellen