Überblick
Das Metallschutzgasschweißen (MAG, Prozess 135) gehört zu den am weitesten verbreiteten Verfahren im Stahlbau und Maschinenbau. Seinen industriellen Einsatzbereich erreicht es jedoch erst dann voll, wenn Schweißerinnen und Schweißer nicht nur in der Wannenlage, sondern auch in den anspruchsvollen Zwangspositionen zuverlässige Ergebnisse liefern. Dieser Sonderlehrgang baut auf dem MAG-Grundkurs auf und vermittelt die Fähigkeit, einwandfreie V-Nähte in verschiedenen Stoßarten und an Rohrverbindungen in den DVS®-Pflichtpositionen PC, PD, PF und PE herzustellen. Der Lehrgang schließt mit einer DVS®-IIW/EWF-Prüfung ab.
Kursinhalte & Lernziele
Verfahrensgrundlagen und Parametereinstellung für Stahl MAG ist kein einheitliches Verfahren — Schutzgaszusammensetzung, Drahtdurchmesser und Stromkennlinie müssen auf den Grundwerkstoff abgestimmt werden. Diese Einheit legt den Grundstein für die gesamte Praxis.
- Kurzlichtbogen, Mischlichtbogen, Sprühlichtbogen: Einsatzbereiche und Unterschiede
- Schutzgase für Stahl: M21, M23, C1 — Auswirkung auf Nahtgeometrie und Einbrand
- Drahtauswahl für unlegierte Stähle und Feinkornstähle (z. B. S355)
- Parameterdiagramme lesen und praxisgerecht übertragen
- Maschinen-Setup am Schweißgerät: Drahtvorschubkalibrierung, Gasströmungsmessung
- Typische Parameterprobleme und ihre Symptome an der Naht
Brennertechnik in Zwangspositionen Der Schwerpunkt des Lehrgangs liegt in der Beherrschung der Zwangslagen. Jede Position stellt andere Anforderungen an Handgelenk, Körperhaltung und Geschwindigkeit des Brenners.
- Position PC (Querposition): Brennerneigung, Vorschubgeschwindigkeit, Schlackenmanagement
- Position PD (Überkopf-Querposition): Kurzlichtbogen-Einsatz, Schutz vor Tropfenfall
- Position PF (steigend): Dreiecksbewegung oder Stufentechnik, Wandstärkenabhängigkeit
- Position PE (Überkopf): Minimale Streckenergie, kurze Schweißraupen, Brennerabstand
- Nachrechts-Schweißen: Arbeitsrichtung, Sichtwinkel, Übergang zwischen Lagen
- Körper- und Armhaltung in Zwangslagen: Ergonomie und Ermüdungsvermeidung
Rohrschweißen und V-Naht-Technik Das Rohr ist das Prüfstück der DVS®-Abschlussprüfung. An seiner Geometrie treffen Positionswechsel und Nahtanforderungen zusammen, die im betrieblichen Alltag häufig auftreten.
- Fugenvorbereitung: Schnittwinkel, Stegbreite, Luftspalt für die V-Naht an Rohr
- Heftung und Einspannung: Verhinderung von Verzug beim Herstellen der Wurzellage
- Wurzellage am Rohr: Brennerwinkel beim Positionswechsel entlang des Umfangs
- Mehrlagenaufbau: Lag- und Fülllagen auf gekrümmter Oberfläche
- Übergang von Position PF nach PE am Rohrumfang ohne Nahtunterbrechung
- Abschlusskontrolle und Sichtprüfung der Rohrnaht vor Prüfungseinreichung
Praxislabor: Eigenständige Übungen und Fehleranalyse Der größte Anteil der Unterrichtszeit ist praxisorientiert. Übungen steigern die Schwierigkeit schrittweise — vom Blech in der Wannenlage bis zur Rohrverbindung in der Überkopfposition.
- Einstellübungen: Parametervariation und Beurteilung der Nahtgeometrie am Probestück
- Stumpfnaht-Sequenz an Blechen in PC, PD, PF, PE — Beurteilung nach EN ISO 5817
- Erster Rohransatz: Wurzellage an Rohrsegment in Position PF
- Vollständige Rohrverbindung mit allen Lagen in wechselnden Positionen
- Dokumentation der Schweißparameter für jedes Prüfstück
- Gemeinsame Fehleranalyse: Ursachen für Bindefehler, Einbrandkerben, Poren beim MAG-Schweißen
- Nahtvergleich mit Referenznaht: Was qualifiziert als Klasse B, was liegt außerhalb?
- Schutzgasausfall und Brennerstörung: Erkennung und sofortige Reaktion im Betrieb
- Arbeitssicherheit: Rauch und Dämpfe beim MAG-Schweißen, PSA, Absaugpflicht
- Prüfungsablauf nach DVS®: Einreichung, Prüfkriterien, Dokumentation
- Praxiswiederholung kritischer Positionen auf Basis der Vorübungen
- Abschlusskontrolle aller Prüfstücke vor der offiziellen Abnahme
Lernziele:
- MAG-Schweißparameter (Stromstärke, Spannung, Drahtvorschub, Schutzgaszusammensetzung) für Stahl- und Feinkornstahlwerkstoffe gezielt einstellen
- Den Schweißbrenner in allen vier Zwangspositionen (PC, PD, PF, PE) sicher und reproduzierbar führen
- V-Nähte in verschiedenen Stoßarten an Rohrverbindungen einwandfrei herstellen
- Stumpfnähte an Blechen im Nachrechts-Schweißen in Positionen PC bis PE ausführen
- Lagenaufbau und Brennerwinkel für Füll- und Decklagen an Rohrverbindungen systematisch planen
- Nahtfehler (Bindefehler, Einbrandkerben, Poren, Spritzer) erkennen, ursächlich einordnen und vermeiden
- Nahtqualität nach EN ISO 5817 beurteilen und Toleranzklassen B und C unterscheiden
- DVS®-Normen und IIW/EWF-Regelwerke für Prozess 135 kennen und dokumentiert anwenden
- Gefahren beim MAG-Schweißen (Dämpfe, Strahlung, Brandschutz) und Schutzmaßnahmen benennen
- Vorbereitungsarbeiten (Fugenvorbereitung, Heftung, Reinigung) normgerecht ausführen
- Prüfstücke für die DVS®-Abschlussprüfung eigenständig vorbereiten und einreichen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Sonderlehrgang richtet sich an Fachkräfte aus metallverarbeitenden Berufen, die über MAG-Grundkenntnisse (Module M.1 bis M.4) verfügen und diese durch eine normgerechte Zwangslagen-Qualifikation ergänzen wollen.
- Schweißer und Schweißerinnen aus dem Stahl- und Rohrleitungsbau
- Konstruktionsmechaniker und Anlagenmechaniker mit Erfahrung im MAG-Verfahren
- Metallbauer und Fachkräfte aus stahlbauintensiven Gewerken
- Rohrleitungsbauer, die an Druckbehältern oder Versorgungsleitungen arbeiten
- Fachkräfte, die eine bestehende MAG-Qualifikation nach DVS®-Standard nachweisen oder erneuern wollen
Mindestalter 18 Jahre. Abgeschlossene Berufsausbildung in einem Metallberuf oder nachgewiesene Berufspraxis in der Metallverarbeitung ist Pflicht. Als fachliche Voraussetzung gelten die MAG-Grundlagenmodule M.1 bis M.4 oder vergleichbare Kenntnisse im Prozess 135 — ohne diese Basis ist die Teilnahme am Sonderlehrgang nicht sinnvoll, da die Brennerführungstechnik in Zwangslagen direkt auf diesen Grundlagen aufbaut. Deutschkenntnisse auf B1-Niveau sind erforderlich. Körperliche Eignung für Schweißtätigkeiten in Überkopfpositionen ist Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Sonderlehrgang findet ganztägig im Schweißlabor als Präsenzveranstaltung statt. Theoretische Inhalte — Werkstoffkunde, Parameterdiagramme, Normen — werden in direkten Bezug zur praktischen Übungssequenz des jeweiligen Tages gesetzt. Demonstrationen durch Schweißfachleute zeigen die korrekte Brennerführung in Echtzeit; danach wechseln die Teilnehmenden unmittelbar an ihr eigenes Gerät. Feedback ist nahtbezogen und technisch konkret. Es gibt keine Online-Phasen, da das handwerkliche Können ausschließlich durch wiederholte Übung unter realen Bedingungen aufgebaut wird.
Vollzeitveranstaltung in Präsenz. Die Gesamtdauer richtet sich nach dem Trainingsplan des Anbieters und den DVS®-Mindestanforderungen für die Prüfungsvorbereitung. Teilzeitformate oder hybride Varianten sind nicht vorgesehen.
Nach bestandener Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmenden ein DVS®-IIW/EWF-Prüfzertifikat für MAG-Schweißen (Prozess 135) an Stahl. Das Zertifikat ist nach IIW/EWF-Standard international anerkannt und gilt als formaler Qualifikationsnachweis für den Betrieb. Ergänzend wird ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Die Gültigkeitsdauer des Prüfzertifikats richtet sich nach der einschlägigen DVS-Prüfordnung.
Nutzen & Perspektiven
Der entscheidende Unterschied zwischen einem MAG-Grundkurs und diesem Sonderlehrgang liegt in der Anwendungsbreite. Wer nur in der Wannenlage (PA) schweißen kann, ist auf Werkstücke angewiesen, die sich entsprechend positionieren lassen. In der Praxis — an Rohrleitungssystemen, Schweißbaugruppen oder Großkonstruktionen — ist diese Flexibilität selten gegeben. Der Sonderlehrgang schließt diese Lücke. Das DVS®-IIW/EWF-Zertifikat für Prozess 135 ist auf Baustellen, in Fertigungshallen und bei der Werkstoffprüfung unmittelbar vorlegbar. Auftraggeber aus dem Anlagen- und Rohrleitungsbau setzen es häufig voraus — insbesondere wenn Schweißnähte nach EN ISO 3834 dokumentiert oder drucktragende Verbindungen hergestellt werden sollen. Wer den Sonderlehrgang abschließt, verfügt über eine handwerklich und normativ vollständige Qualifikation für das MAG-Schweißen an Stahl. Diese bildet zugleich die Grundlage für weiterführende Spezialisierungen, etwa auf höherfeste Stähle, dünne Bleche im Automobilbau oder kombinierte Prozessqualifikationen nach EN ISO 9606.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen den MAG-Grundlagenmodulen und dem Sonderlehrgang?
Die Grundlagenmodule M.1 bis M.4 vermitteln das MAG-Schweißen in zugänglichen Positionen — vor allem in der Wannenlage. Der Sonderlehrgang konzentriert sich auf die Zwangslagen PC, PD, PF und PE sowie auf das Rohrschweißen, das im industriellen Alltag häufig verlangt wird. Er setzt die Grundmodule voraus und baut direkt auf deren Inhalten auf.
Für welche Branchen ist das DVS®-Zertifikat besonders relevant?
Das Zertifikat ist besonders gefragt im Anlagen- und Rohrleitungsbau, im Druckbehälterbau, in der Petrochemie und überall, wo Schweißnähte nach EN ISO 3834 dokumentiert werden müssen. Auftraggeber in diesen Bereichen verlangen nachweisgültige Qualifikationen für die eingesetzten Schweißverfahren und -positionen.
Welche Schweißpositionen werden im Lehrgang geprüft?
Geprüft werden die Positionen PC (quer), PD (Überkopf-quer), PF (steigend) und PE (Überkopf) sowie das Rohrschweißen mit wechselnden Positionen entlang des Rohrumfangs. Die Prüfung entspricht den Anforderungen der DVS®-IIW/EWF-Prüfordnung für Prozess 135.
Ist der Kurs auch in Teilzeit oder als Online-Variante buchbar?
Nein. Der Sonderlehrgang ist als Präsenzveranstaltung in Vollzeit konzipiert. Das praktische Training an realen Werkstücken, das für die DVS®-Prüfungszulassung erforderlich ist, lässt sich nicht in ein Fernlernformat übersetzen.
Wie lange ist das DVS®-Prüfzertifikat gültig?
Die Gültigkeitsdauer ist in der DVS-Prüfordnung geregelt und erfordert in der Regel eine periodische Verlängerung durch Nachweis fortlaufender Schweißtätigkeit oder eine erneute Prüfung. Die genauen Fristen und Verlängerungsbedingungen teilt der Prüfbetrieb mit.
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