Überblick
Aluminiumlegierungen stellen beim Schweißen besondere Anforderungen an Technik und Materialkunde. Dieser Sonderlehrgang baut auf der abgeschlossenen Grundausbildung (Module MAI.1 bis MAI.4) auf und qualifiziert für anspruchsvolle MIG-Schweißaufgaben (Prozess 131) an Aluminiumwerkstoffen. Die Ausbildung umfasst neben der spezifischen Werkstoffkunde von Aluminiumlegierungen insbesondere das Schweißen von V-Nähten und Stumpfnähten an Rohrverbindungen in wechselnden Zwangspositionen sowie die korrekte Handhabung des Schutzgassystems und der aluminiumgerechten Anlagentechnik.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde Aluminiumlegierungen Aluminium und seine Legierungen unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von unlegierten oder niedriglegierten Stählen: geringere Schmelztemperatur, hohe Wärmeleitfähigkeit, ausgeprägte Oxidschichtbildung und die Neigung zu Heißrissen. Diese Eigenschaften machen spezifische Fachkenntnisse erforderlich, die im ersten theoretischen Teil des Lehrgangs grundlegend erarbeitet werden.
- Legierungsgruppen nach EN 573 (Al-Mg, Al-Si, Al-Mg-Si und weitere)
- Auswirkungen der Legierungselemente auf Schweißeignung und Festigkeit
- Oxidhautbildung und deren Einfluss auf die Nahtgüte beim MIG-Schweißen
- Heißrissneigung und Maßnahmen zur Heißrissvermeidung
- Auswahl geeigneter Schweißzusatzdrähte nach EN ISO 18273
- Schutzgasführung bei Aluminium: Argon pur vs. Argon-Helium-Gemische
Aluminiumgerechte Anlagentechnik und Parametereinstellung Aluminium erfordert am Schweißsystem besondere Sorgfalt: Drahtvorschubsysteme für weiche Aluminiumdrähte, spezielle Schlauchpakete und eine angepasste Kontaktrohrgeometrie sind notwendig, um Drahtförderprobleme und Porenbildung zu vermeiden.
- Aufbau und Besonderheiten aluminiumgerechter MIG-Schweißanlagen (Push-Pull-Systeme)
- Pflege und Einstellung des Drahtvorschubsystems für weiche Aluminium-Schweißdrähte
- Kontaktrohr- und Düsenauswahl für Aluminium-Schweißdrähte
- Parameterfenster für MIG-Aluminium: Lichtbogenlänge, Spannung, Vorschubgeschwindigkeit
- Reinigung und Entfettung von Aluminiumoberflächen vor dem Schweißen
- Umgang mit Oxidhäuten beim Heften und beim Mehrlagenauftrag
Naht- und Positionsschweißen in Zwangspositionen Den Schwerpunkt des Lehrgangs bildet das positionsgerechte Schweißen in den Normlagen PC, PD, PF und PE. An Blechen und Rohrverbindungen üben die Teilnehmenden unter den realen Bedingungen, die später in der Prüfung und im Berufsalltag gefragt sind.
- Wannen- und Querposition (PA, PC) als Ausgangsbasis der Technik
- Steigposition (PF) an Rohrverbindungen: Brennerneigung und Vorschubgeschwindigkeit
- Überkopfschweißen (PE) mit Aluminiumlegierungen: Lichtbogenstabilität und Schmelzbadkontrolle
- Waagerecht-Überkopfposition (PD) an verschiedenen Stoßformen
- V-Naht-Ausführung an Blechen: Wurzel-, Füll- und Decklage
- Mehrlagennaht mit Zwischenlagenreinigung an Rohrverbindungen
Praxisblock — Rohrverbindungen und Nahtqualitätskontrolle
- Aufspannen und Heften von Rohrverbindungen in unterschiedlichen Prüflagen
- Ausführung von Stumpfnähten an Rohrverbindungen nach Vorgabe
- Nahtgeometrie und Einbrandtiefe bei Aluminiumlegierungen prüfen
- Sichtbeurteilung nach EN ISO 10042: Porosität, Einbrandkerben, Überhang
- Methoden zur Porosität-Ursachenanalyse und Parameterkorrektur
- Dokumentation von Schweißparametern und Nahtprotokollen
- Vorbereitung der Prüfstücke nach Prüfungsplan
- Eigenbeurteilung und Lehrgangsvergleich gefertigter Proben
- Wiederholung der formalen Anforderungen für die DVS®/IIW/EWF-Prüfung
- Sicherheitsmaßnahmen und Entsorgung beim Schweißen von Aluminiumlegierungen
- Persönliche Schutzausrüstung und Emissionsschutz bei Al-Schweißprozessen
Lernziele:
- Die metallurgischen Eigenschaften gängiger Aluminiumlegierungen und ihre Auswirkungen auf den Schweißprozess kennen
- Den MIG-Prozess (Prozess 131) für Aluminiumlegierungen sicher beherrschen und zuverlässig einstellen
- V-Nähte an Blechen in den Positionen PC, PD, PF und PE im Nachrechts-Schweißen einwandfrei herstellen
- Stumpfnähte an Rohrverbindungen in verschiedenen Stoßarten korrekt ausführen
- Den Brennerhalter in Zwangspositionen präzise und gleichmäßig führen
- Die aluminiumspezifische Anlagentechnik (Drahtvorschub, Schlauchpaket) korrekt konfigurieren und pflegen
- Typische Schweißfehler bei Aluminium wie Porosität, Oxideinschlüsse und Heiß-risse erkennen und vermeiden
- Schutzgasauswahl und Schutzgasdurchfluss auf Aluminiumschweißen abstimmen
- Qualitätsanforderungen der DVS-Merkblätter und IIW/EWF-Normen für Aluminium-Schweißnähte einhalten
- Fertige Nähte nach Sichtprüfungskriterien selbst beurteilen
- Die abschließende DVS®/IIW/EWF-Prüfung souverän ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Sonderlehrgang spricht Personen an, die bereits die Grundmodule MAI.1 bis MAI.4 des MIG-Schweißens absolviert haben und nun Aluminiumlegierungen als spezifisches Materialfeld erschließen möchten.
- Metallbauer, Anlagenmechaniker und Berufe aus der Metallverarbeitung mit Grunderfahrung im MIG-Schweißen
- Schweißerinnen und Schweißer, die im Fahrzeug-, Schiffs- oder Luftfahrzeugbau Aluminiumkomponenten verarbeiten
- Fachkräfte in der Aluminium-Verarbeitungsindustrie, die eine normgerechte Qualifikation benötigen
- Arbeitsuchende mit Schweißerfahrung, die ihre Qualifikation um Aluminium-Werkstoffe erweitern wollen
Voraussetzung für die Teilnahme sind ein vollendetes 18. Lebensjahr sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung oder nachgewiesene Berufspraxis im metallverarbeitenden Bereich. Grundlegende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift (mindestens B1) sind notwendig, da Fachkunde-Unterlagen und Sicherheitsunterweisungen auf Deutsch stattfinden. Körperliche Eignung für das Arbeiten in Zwangspositionen ist erforderlich. Als fachliche Zugangsvoraussetzung gelten die Kenntnisse aus den Grundmodulen MAI.1 bis MAI.4 des MIG-Schweißens.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang wird als Vollzeit-Präsenzkurs in einer Schweißfachschule mit zugelassener Prüfstelle durchgeführt. Fachtheoretische Einheiten zu Werkstoffkunde und Anlagentechnik eröffnen den Lehrgang und schaffen das Verständnis für die nachfolgenden Praxisphasen. Im Wesentlichen verbringen die Teilnehmenden ihre Zeit jedoch am Schweißbrenner und an der Anlage, wobei Schweißlehrende individuell korrigierend eingreifen und die Technik gezielt verbessern. Die Prüfung findet vor einem zertifizierten Prüfer statt.
Der Sonderlehrgang wird in Vollzeit durchgeführt. Die exakte Dauer in Wochen oder Unterrichtsstunden ist vom jeweiligen Lehrgangsanbieter zu erfragen, da sie je nach Gruppenkapazität und Terminplanung variieren kann. Angebote sind bundesweit an mehreren Standorten verfügbar.
Nach bestandener Lehrgangs- und Abschlussprüfung erhalten die Teilnehmenden das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat sowie ein trägerinternes Zertifikat. Das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat ist ein europaweit anerkannter Qualifikationsnachweis, der auf den einschlägigen ISO-Normen für Schweißerprüfungen basiert. Es belegt die nachgewiesene Fähigkeit, Aluminiumlegierungen prozesssicher nach geltenden Normanforderungen zu verschweißen.
Nutzen & Perspektiven
Aluminium ist einer der meistgefragten Leichtbauwerkstoffe in der modernen Industrie. Automobil-, Luft- und Raumfahrt-, Schiffbau- sowie Bauindustrie setzen verstärkt auf Aluminiumlegierungen, um Gewicht zu reduzieren und Korrosionsbeständigkeit zu erzielen. Der Bedarf an qualifizierten Aluminiumschweißerinnen und -schweißern übersteigt in vielen Regionen das verfügbare Fachkräfteangebot — wer diese Qualifikation nachweisen kann, findet schnell Anschluss an offene Stellen in wachsenden Industriezweigen. Besonders im Nutzfahrzeug- und Schienenfahrzeugbau, in der Klimatechnik und in der Fertigung von Druckbehältern aus Aluminium wird gezielt nach zertifizierten Fachkräften gesucht. Das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat macht die erworbenen Fähigkeiten auch über Unternehmensgrenzen und Landesgrenzen hinaus sichtbar. Wer diesen Sonderlehrgang abschließt, bringt einen Nachweis mit, der im europäischen Anlagenbau, in international ausgerichteten Fertigungsbetrieben und bei zertifizierungsfordernden Auftraggebern direkt akzeptiert wird. Anders als bloße Erfahrungsnachweise bietet das DVS®/IIW/EWF-Zertifikat eine normkonforme Grundlage, auf der Unternehmen bei der Vergabe sicherheitsrelevanter Schweißaufgaben verlassen können. Das schafft für die Inhaber des Zertifikats eine klare, messbare Verhandlungsposition. Die Kombination aus solider Werkstoffkunde und geübter Praxistechnik in Zwangspositionen bereitet auf reale Arbeitsbedingungen vor, bei denen selten perfekte Wannenposition herrscht. In der Praxis entstehen Schweißaufgaben an bereits montierten Baugruppen, an Rohrleitungen im installierten Zustand und in beengten Einbausituationen — genau jene Szenarien, die dieser Sonderlehrgang in seinen Übungseinheiten abbildet. Wer Aluminium-Nähte auch überkopf und in steigender Position zuverlässig ausführt, ist für die anspruchsvollsten Fertigungsaufgaben gerüstet und kann in einem Betrieb die Aufgaben übernehmen, an denen andere scheitern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet MIG-Schweißen mit Aluminium von anderen Werkstoffen?
Aluminium bildet sofort nach der Reinigung wieder eine Oxidschicht, hat eine hohe Wärmeleitfähigkeit und ist anfällig für Porosität und Heißrisse. Das erfordert besonders saubere Oberflächen, angepasste Anlagentechnik (Push-Pull-Systeme) und spezifische Schutzgasführung mit reinem Argon oder Argon-Helium-Gemischen.
Welche Voraussetzungen muss ich für die Lehrgangsaufnahme erfüllen?
Sie benötigen die Grundmodule MAI.1 bis MAI.4 des MIG-Schweißens, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis im Metallbereich sowie Deutschkenntnisse mindestens B1. Außerdem ist körperliche Eignung für Zwangspositionen erforderlich.
Welche Positionen werden im Kurs geübt?
Der Lehrgang umfasst das Schweißen in den Positionen PC (quer), PD (waagerecht überkopf), PF (steigend) und PE (überkopf) — jeweils an Blechen und Rohrverbindungen. Das Nachrechts-Schweißen von V-Nähten und Stumpfnähten steht im Mittelpunkt der praktischen Ausbildung.
In welchen Berufsfeldern ist diese Qualifikation besonders wertvoll?
Aluminium-Schweißkenntnisse sind besonders in Fahrzeugbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Schiffbau und im Leichtbau-Anlagenbau gefragt. Überall dort, wo Leichtbau und Korrosionsbeständigkeit verbunden werden müssen, sind zertifizierte Aluminium-Schweißer eine gefragte Fachkraft.
Wie lange ist das DVS®/IIW/EWF-Prüfzertifikat gültig?
Die Gültigkeitsdauer und die Verlängerungsmodalitäten richten sich nach den einschlägigen DVS-Merkblättern und der zugrundeliegenden EN ISO 9606-2. In der Regel sind turnusmäßige Bestätigungen oder Verlängerungsprüfungen vorgesehen. Details erhalten Sie beim Prüfungsanbieter.
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