Überblick
Aluminium stellt beim WIG-Schweißen besondere Anforderungen an Technik und Werkstoffverständnis: Die Oxidschicht, die Wärmeleitfähigkeit und die Legierungseigenschaften unterscheiden sich grundlegend vom Stahlschweißen. Dieser Sonderlehrgang baut auf den Grundmodulen des WIG-Schweißens auf und vertieft gezielt das Nachrechts-Schweißen von Aluminium-Rohrverbindungen in den anspruchsvollen Zwangspositionen PC, PD, PF und PE. Teilnehmende lernen, saubere V-Nähte an Rohrverbindungen herzustellen, die spezifischen Eigenschaften unterschiedlicher Aluminiumlegierungen einzuordnen und den Brenner auch in beengten Arbeitspositionen sicher zu führen. Der Lehrgang richtet sich an alle mit Interesse am Schweißhandwerk, die ihre WIG-Fertigkeiten gezielt auf Aluminium erweitern wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Werkstoffkunde Aluminium für die Schweißpraxis Aluminium verhält sich beim Schweißen grundlegend anders als Stahl. Dieses Modul vermittelt das notwendige Werkstoffverständnis, um Schweißparameter und Nahtvorbereitung korrekt auf die jeweilige Legierung abzustimmen.
- Aluminiumlegierungsgruppen und ihre schweißtechnischen Eigenschaften
- Wirkung von Silizium auf Kornstruktur und Nahtqualität
- Feinkornbildung und ihre Bedeutung für die Festigkeit der Schweißnaht
- Wärmeleitfähigkeit und Ausdehnungsverhalten von Aluminium im Vergleich zu Stahl
- Die Oxidschicht: Entstehung, Entfernung und Auswirkung auf die Schweißqualität
- Auswahl des passenden Zusatzwerkstoffs je nach Grundwerkstoff
Modul 2 — Nachrechts-Schweißtechnik am Rohr Das Nachrechts-Schweißen ist eine anspruchsvolle Technik, die besondere Brennerführung und Handkoordination erfordert. Dieses Modul übt die Technik systematisch an Rohrverbindungen mit steigendem Schwierigkeitsgrad.
- Grundprinzip und Vorteile der Nachrechts-Technik gegenüber anderen Schweißrichtungen
- Brennerwinkel und Zusatzwerkstoffzufuhr beim Nachrechts-Schweißen
- Aufbau gleichmäßiger Nahtraupen an Rohrverbindungen
- Einwandfreie V-Nähte in unterschiedlichen Stoßarten herstellen
- Vermeidung typischer Nahtfehler wie Bindefehler und Poren
- Kontrolle der Durchschweißung bei Rohrwandstärken unterschiedlicher Dicke
Modul 3 — Schweißen in Zwangspositionen Rohrverbindungen müssen häufig in Positionen geschweißt werden, die sich der Schwerkraft entgegenstellen. Dieses Modul behandelt die vier zentralen Zwangspositionen und die jeweils erforderliche Anpassung von Technik und Körperhaltung.
- Position PC: horizontale Rohrnaht mit fester Rohrachse
- Position PD: Überkopf-Rohrnaht mit besonderen Anforderungen an die Nahtkontrolle
- Position PF: steigende Naht am Rohr
- Position PE: Überkopfposition am Blech
- Anpassung von Stromstärke und Brennerführung je nach Zwangsposition
- Körperhaltung und Werkzeugführung zur Reduktion von Ermüdung bei längeren Nähten
Modul 4 — Brennerführung in beengten Arbeitspositionen Viele reale Schweißaufgaben an Aluminiumkonstruktionen erfordern Arbeiten unter eingeschränkten Platzverhältnissen. Dieses Modul übt die präzise Brennerführung dort, wo wenig Bewegungsspielraum bleibt.
- Anpassung der Brennerhaltung bei eingeschränkter Zugänglichkeit
- Sichtkontrolle des Schmelzbads unter erschwerten Bedingungen
- Stabilisierung der Handführung bei beengten Arbeitsräumen
- Vermeidung von Kollisionen zwischen Brenner und Bauteil
- Anpassung der Zusatzwerkstoffzufuhr bei eingeschränkter Beweglichkeit
- Optimierung der Arbeitsposition zur Reduktion von Fehlernähten
Der praktische Anteil des Lehrgangs macht den größten Teil der Ausbildungszeit aus: Teilnehmende schweißen unter Anleitung wiederholt V-Nähte an Rohrverbindungen und Stumpfnähte an Blechen, bis die Nahtqualität den Anforderungen des DVS-Regelwerks entspricht. Jede Naht wird gemeinsam mit der Ausbilderin oder dem Ausbilder besprochen und bei Bedarf nachgebessert. Der Lehrgang schließt mit einer praktischen Prüfung, in der die erlernte Nachrechts-Technik an einer Rohrverbindung in einer der geübten Zwangspositionen unter Beweis gestellt wird.
Lernziele:
- Prozess 141 (WIG-Schweißen) sicher auf Aluminiumwerkstoffe anwenden
- Einwandfreie V-Nähte an Rohrverbindungen in verschiedenen Stoßarten herstellen
- Stumpfnähte an Blechen in den Positionen PC, PD, PF und PE ausführen
- Nachrechts-Schweißtechnik am Rohr korrekt anwenden
- Eigenschaften unterschiedlicher Aluminiumlegierungen einordnen
- Wirkung von Silizium und Feinkornbildung im Schweißgut verstehen
- Brennerhalter in beengten Zwangspositionen präzise führen
- Wärmeeinbringung bei Aluminium im Vergleich zu Stahl korrekt steuern
- Vor- und Nachbehandlung der Oxidschicht bei Aluminiumbauteilen durchführen
- Schutzgasparameter für unterschiedliche Aluminiumlegierungen einstellen
- Nahtfehler bei Aluminiumschweißungen erkennen und vermeiden
- Sichtprüfung fertiger Nähte nach den Kriterien des DVS-Regelwerks durchführen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Sonderlehrgang richtet sich an alle mit Interesse am Schweißhandwerk, die ihre WIG-Fertigkeiten gezielt auf Aluminium und anspruchsvolle Rohrverbindungen erweitern möchten. Er baut unmittelbar auf den Grundmodulen des WIG-Schweißens auf und vertieft eine spezifische, in der Praxis gefragte Technik.
- Personen mit abgeschlossenen WIG-Grundmodulen, die sich auf Aluminium spezialisieren möchten
- Arbeitnehmende in Metall- und Rohrleitungsbau-Berufen
- Arbeitsuchende mit Interesse an einer Spezialisierung im Schweißhandwerk
- Weiterbildungsinteressierte mit handwerklichem Hintergrund
- Personen, die eine Zertifizierung im Aluminiumschweißen anstreben
Teilnehmende müssen das 18. Lebensjahr vollendet haben und über eine abgeschlossene Berufsausbildung oder entsprechende Berufspraxis verfügen. Erforderlich sind zudem Deutschkenntnisse in Wort und Schrift auf mindestens B1-Niveau sowie die körperliche Eignung für schweißtechnische Tätigkeiten. Kenntnisse aus den vorangehenden WIG-Grundmodulen werden vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang findet in Präsenz an der Schweißkabine statt und ist als Vollzeitausbildung angelegt. Nach einer kurzen theoretischen Einführung zu Werkstoffkunde und Technik verbringen die Teilnehmenden den überwiegenden Teil der Zeit mit angeleiteten Schweißübungen, bei denen jede Naht individuell korrigiert wird.
Der Sonderlehrgang ergänzt die Module TAI.1 bis TAI.4 des WIG-Schweißens und ist als kompakte Vollzeitausbildung in Präsenzform konzipiert. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der praktischen Schweißausbildung an Rohr und Blech.
Der Lehrgang schließt mit einem DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat sowie einer trägerinternen Bescheinigung ab. Beide Nachweise dokumentieren die erworbene Qualifikation im WIG-Schweißen von Aluminium nach anerkanntem Regelwerk.
Nutzen & Perspektiven
Aluminiumschweißen zählt zu den technisch anspruchsvollsten Disziplinen im Metallhandwerk, weil Werkstoffverhalten, Wärmeeinbringung und Nahtvorbereitung deutlich mehr Feingefühl erfordern als beim Stahlschweißen. Wer die Nachrechts-Technik an Rohrverbindungen in allen vier Zwangspositionen beherrscht, verfügt über eine Fertigkeit, die in Rohrleitungsbau, Fahrzeugbau und Anlagenbau gleichermaßen gefragt ist. Die intensive Übung an echten Rohrverbindungen unter Anleitung sorgt dafür, dass Teilnehmende nicht nur die Theorie der Aluminiumlegierungen verstehen, sondern die Technik auch unter praxisnahen Bedingungen beherrschen. Gerade das Arbeiten in beengten Positionen, wie es auf vielen Baustellen und in Anlagen tatsächlich vorkommt, wird gezielt trainiert. Mit dem DVS-anerkannten Prüfzertifikat weisen Absolventinnen und Absolventen ihre Qualifikation gegenüber Arbeitgebern im Metall- und Rohrleitungsbau nach. Die erworbene Spezialisierung auf Aluminium erweitert das Einsatzspektrum erheblich und eröffnet Zugang zu anspruchsvolleren Schweißaufgaben, die über das reine Stahlschweißen hinausgehen. Da Aluminiumbauteile in Fahrzeugbau, Anlagenbau und zunehmend auch im Leichtbau eine wachsende Rolle spielen, ist die hier erworbene Nachrechts-Technik keine Randkompetenz, sondern eine gefragte Zusatzqualifikation. Wer Rohrverbindungen zuverlässig in allen vier Zwangspositionen schweißt, kann auch in Betrieben eingesetzt werden, die bislang aus Mangel an entsprechend ausgebildetem Personal auf externe Spezialisten für Aluminiumarbeiten angewiesen waren. Der Lehrgang legt zudem großen Wert darauf, dass die erlernte Technik nicht nur unter Idealbedingungen funktioniert, sondern auch dort, wo reale Bauteile und beengte Platzverhältnisse den Bewegungsspielraum einschränken. Genau diese Übertragbarkeit auf den tatsächlichen Werkstattalltag macht den Unterschied zwischen einer bestandenen Prüfung und einer im Berufsalltag verlässlich abrufbaren handwerklichen Fertigkeit aus.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Lehrgang von den WIG-Grundmodulen?
Der Sonderlehrgang baut auf den Modulen TAI.1 bis TAI.4 auf und vertieft gezielt das Nachrechts-Schweißen von Aluminium-Rohrverbindungen in den anspruchsvollen Zwangspositionen PC, PD, PF und PE.
Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen?
Erforderlich sind das vollendete 18. Lebensjahr, eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Berufspraxis, Deutschkenntnisse mindestens B1, körperliche Eignung sowie abgeschlossene WIG-Grundmodule.
Warum ist Aluminiumschweißen anspruchsvoller als Stahlschweißen?
Aluminium hat eine andere Wärmeleitfähigkeit, eine schützende Oxidschicht und je nach Legierung unterschiedliche Eigenschaften, die eine angepasste Technik und genaues Werkstoffverständnis erfordern.
Welche Zwangspositionen werden geübt?
Geübt werden die Positionen PC, PD, PF und PE an Rohrverbindungen und Blechen, jeweils mit angepasster Brennerführung, Stromstärke und Körperhaltung.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Der Lehrgang schließt mit einem DVS-IIW/EWF-Prüfzertifikat sowie einer trägerinternen Bescheinigung ab, die die erworbene Qualifikation im Aluminiumschweißen dokumentieren.
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