Überblick
Nichtrostende Chrom-Nickel-Stähle stellen beim WIG-Schweißen besondere Anforderungen an Wärmeführung, Schutzgasführung und Schweißnahtmetallurgie. Zu viel Wärmeeinbringung begünstigt Sensibilisierung und Korrosionsanfälligkeit, zu wenig erzeugt Bindefehler. Dieser Sonderlehrgang richtet sich an Schweißfachkräfte, die das WIG-Verfahren aus den Grundmodulen T.1 bis T.6 kennen und ihre Qualifikation nun werkstoffspezifisch auf CrNi-Stähle vertiefen wollen. Kernthemen sind einwandfreie V-Nähte an Rohrverbindungen sowie Stumpfnähte an Blechen in sämtlichen prüfungsrelevanten Zwangspositionen.
Kursinhalte & Lernziele
Werkstoffkunde CrNi-Stähle – Metallurgie, Gruppen, Verarbeitungseigenschaften Chrom-Nickel-Stähle werden nach DIN EN 10088 in verschiedene Hauptgruppen eingeteilt: austenitisch, ferritisch, martensitisch und duplex. Im Schweißbereich dominieren die austenitischen Sorten (z. B. 1.4301, 1.4571), die zwar nicht härtbar, aber sehr empfindlich auf Wärmeeintrag reagieren. Feinkornstähle in diesem Segment erhöhen zusätzlich die Anforderungen an die Schweißparameter.
- Austenitische, ferritische und Duplex-Stähle: Unterschiede in der Schweißeignung
- Sensibilisierung: Mechanismus der Chromkarbidausscheidung und wie sie durch Parameterführung vermieden wird
- Feinkornstähle im CrNi-Segment: Spezielle Anforderungen und Besonderheiten
- Wärmeeinflusszone bei CrNi-Stählen: Gefügeveränderungen und ihre Konsequenzen
- Normenbasis: DIN EN ISO 15614-1, DIN EN 1011-3 und einschlägige DVS-Merkblätter
- Grundlagen der Korrosionsbeständigkeit und wie Schweißfehler sie beeinträchtigen
WIG-Prozess 141 an CrNi-Stählen – Geräte, Parameter, Schutzgasführung Im Gegensatz zum Aluminiumschweißen mit Wechselstrom wird an CrNi-Stählen im Gleichstrom-Minus-Pol-Betrieb (DC–) gearbeitet. Das ermöglicht eine geringere Wärmeeinbringung und eine präzisere Lichtbogenführung. Die Wahl des richtigen Schutzgases und die Sicherung der Wurzelatmosphäre mit Formierschutzgas sind entscheidend für die Korrosionsbeständigkeit der fertigen Naht.
- Gleichstrombetrieb (DC–) für CrNi: Parameter und Geräteeinstellung
- Wolfram-Elektroden: Wolfram-Lanthan oder Wolfram-Cer für CrNi-Anwendungen
- Schutzgas-Auswahl: Argon, Helium-Argon-Gemische und deren Einfluss auf die Nahtqualität
- Formierschutzgas (Wurzelschutz): Einsatz, Dichtigkeit, Durchflussmenge
- Zwischenlagen-Temperaturkontrolle: Messung und Einhaltung der Grenzwerte
- Schweißzusätze nach EN ISO 14343: Auswahl und Verarbeitung
Nahtpositionen und Zwangslagen – Praxistraining an Rohr und Blech Das praktische Kernstück des Sonderlehrgangs besteht aus dem systematischen Aufbau der Schweißkompetenz in allen prüfungsrelevanten Zwangspositionen. Jede Position wird zunächst in Üb ungsdurchgängen erarbeitet, bevor die Qualität anhand der Nahtbewertung nach DVS-Kriterien eingeschätzt wird. Das Nachrechts-Schweißen an CrNi-Rohren ist ein gesonderter Übungsschwerpunkt, der hohe Kontrolle über Fortschrittsgeschwindigkeit und Schmelzbadgröße erfordert.
- Stumpfnähte an Blechen in Position PC (quer)
- Stumpfnähte in Position PD (horizontal überkopf)
- Stumpfnähte in Position PF (steigend)
- Stumpfnähte in Position PE (überkopf)
- V-Nähte an Rohrverbindungen verschiedener Stoßarten: Stumpfstoß, T-Stoß
- Nachrechts-Schweißen an CrNi-Rohren: Technik und Grenzbedingungen
- Elektrodenführung in beengten Positionen: Winkel, Abstand, Vorschub
- Wurzellage, Fülllage, Decklage: Lagenfolge und Temperaturkontrolle zwischen den Lagen
Qualitätsbewertung und Vorbereitung auf die DVS-Prüfung Die abschließende Ausbildungsphase trainiert die Beurteilung der eigenen Nähte und die Vorbereitung auf die DVS®-IIW/EWF-Prüfung. Dabei geht es nicht nur um das Erkennen von Fehlern, sondern um das Verständnis der Zusammenhänge zwischen Parameterführung und Nahtqualität.
- Visuelle Nahtprüfung an CrNi-Nähten nach DIN EN ISO 5817
- Typische Fehlerbilder: Poren, Bindefehler, Anlauffarben, Kerben, unvollständige Einbrandtiefe
- Schweißnahtvorbereitung für die DVS-Prüfung
- Prüfungsablauf und Bewertungsmaßstäbe des DVS®-IIW/EWF-Zertifikats
- Dokumentation: Schweißprotokolle und Parameteraufzeichnung nach Norm
Lernziele:
- WIG-Prozess 141 an austenitischen und ferritischen Chrom-Nickel-Stählen sicher beherrschen
- Verschiedene CrNi-Stahlsorten und Feinkornstähle anhand ihrer Schweißeigenschaften einordnen
- Wärmeeinbringung kontrollieren und Sensibilisierung (Chromkarbidausscheidung) vermeiden
- Den Elektrodenhalter in Zwangspositionen präzise und reproduzierbar führen
- Stumpfnähte an Blechen in den Positionen PC, PD, PF und PE fachgerecht ausführen
- Rohrverbindungen mit V-Naht in verschiedenen Stoßarten schweißen
- Nachrechts-Schweißtechnik an CrNi-Rohren zuverlässig anwenden
- Schutzgas und Gegengas (Formierschutzgas) für die Wurzellage korrekt einsetzen
- Häufige Schweißfehler an CrNi-Stählen erkennen und ursächlich einordnen
- Arbeitssicherheitsanforderungen beim Schweißen von CrNi-Stählen umsetzen (Chromat-Staub, Abluft)
- DVS®-IIW/EWF-Prüfungsanforderungen verstehen und die eigene Arbeit daran messen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Lehrgang ist für Fachkräfte konzipiert, die im verfahrenstechnischen Anlagenbau, im Rohrleitungsbau, in der Lebensmittelindustrie oder in Betrieben tätig sind, die nichtrostende Stähle verarbeiten.
- WIG-Schweißer mit abgeschlossenen Grundmodulen T.1–T.6 oder gleichwertiger Berufserfahrung
- Anlagenmechaniker, die Rohrverbindungen aus nichtrostendem Stahl herstellen
- Metallbauer mit Schwerpunkt Edelstahlverarbeitung
- Rohrleitungsbauer, die in der Chemieverfahrenstechnik oder Nahrungsmittelindustrie eingesetzt werden
- Fachkräfte, die ihre Qualifikation für den Einsatz in regulierten Bereichen (Druckbehälter, Pharmaanlagen) nachweisen müssen
Teilnehmende müssen das vollendete 18. Lebensjahr erreicht haben und eine abgeschlossene Berufsausbildung im metallverarbeitenden Bereich oder vergleichbare praktische Berufserfahrung mitbringen. Grundlegende Deutschkenntnisse auf B1-Niveau sind für die Sicherheitsunterweisungen und theoretischen Einheiten notwendig. Körperliche Eignung für Tätigkeiten am Schweißarbeitsplatz wird vorausgesetzt. WIG-Vorkenntnisse aus den Modulen T.1 bis T.6 sind inhaltliche Voraussetzung – wer das WIG-Grundverfahren nicht beherrscht, sollte zunächst einen Grundkurs absolvieren.
Ablauf & Abschluss
Der Sonderlehrgang findet vollständig als Präsenzunterricht statt. Kurze theoretische Einheiten wechseln sich mit längeren Praxisphasen ab, in denen an echten Werkstücken trainiert wird. Die Lehrfachkraft gibt unmittelbares, nahtbezogenes Feedback; Fehler werden direkt am Übungsstück besprochen und korrigiert. Jede neue Position wird zunächst demonstriert, dann unter Aufsicht geübt und schließlich selbständig wiederholt, bis die Nahtqualität die Prüfungsanforderungen erreicht. Das Verhältnis von Praxis zu Theorie ist im Sonderlehrgang deutlich zugunsten der Werkstattpraxis verschoben.
Der Kurs wird in Vollzeit und ausschließlich in Präsenz durchgeführt. Die genaue Dauer variiert je nach Anbieter, erstreckt sich jedoch über mehrere Wochen täglicher Werkstattarbeit. Regelmäßige Anwesenheit ist sowohl für den Lernfortschritt als auch für die Zulassung zur Abschlussprüfung nach DVS-Standard erforderlich.
Nach bestandener Prüfung wird das DVS®-IIW/EWF-Prüfzertifikat für WIG-Schweißen an Chrom-Nickel-Stählen ausgestellt. Dieses Zertifikat ist durch die Mitgliedschaft im International Institute of Welding (IIW) und der European Welding Federation (EWF) international anerkannt und erfüllt die Anforderungen, die viele Industrieauftraggeber für die Freigabe von Schweißarbeiten an korrosionsbeständigen Werkstoffen vorschreiben. Zusätzlich erhalten Absolvierende ein trägerinternes Zertifikat, das den Lehrgangsinhalt dokumentiert.
Nutzen & Perspektiven
Chrom-Nickel-Stähle begegnen im Industriebereich in fast jedem Segment, das Hygiene, Korrosionsbeständigkeit oder Hochtemperaturfestigkeit erfordert. Die DVS-Qualifikation für WIG-CrNi ist daher ein handfester Nachweis für Industrieauftraggeber in der Chemie-, Pharma- oder Lebensmittelbranche, die Schweißverbindungen nach anspruchsvollen Werksvorschriften oder normierten Anforderungen zulassen müssen. Die besondere Stärke dieses Sonderlehrgangs liegt im Schwerpunkt auf Zwangspositionen. Viele Betriebe können ebene oder annähernd senkrechte Nähte intern abdecken; für beengte Einbausituationen, Überkopfarbeiten oder die Rohrinnenwurzel fehlen jedoch häufig ausgebildete Fachkräfte. Der Lehrgang schließt genau diese Lücke. Das DVS®-Prüfzertifikat öffnet Türen zu Projekten, die nach DIN EN ISO 15614-1, AD 2000-Merkblatt HP 3 oder vergleichbaren Druckbehälter-Normen ausgeschrieben sind – Bereiche, in denen eine nachgewiesene Schweißqualifikation vom Auftraggeber oder der Prüfbehörde verlangt wird, nicht nur erwünscht ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen CrNi-Sonderlehrgang vom Aluminium-Sonderlehrgang?
Beide Lehrgänge vertiefen das WIG-Schweißen für einen spezifischen Werkstoff – hier jedoch nichtrostende Chrom-Nickel-Stähle statt Aluminium. Schweißverfahren, Elektrodenführung, Schutzgase, Wärmeeinbringung und Werkstoffkunde unterscheiden sich erheblich. CrNi-Stähle werden im Gleichstrombetrieb geschweißt, Aluminium typischerweise mit Wechselstrom. Auch die Prüfungsnachweise betreffen unterschiedliche Werkstoffe und Positionen.
Für welche Branchen ist die CrNi-Schweißqualifikation besonders gefragt?
Nichtrostende Stähle sind Standard in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, der Chemieverfahrenstechnik, im Druckbehälter- und Rohrleitungsbau sowie in der Medizintechnik. Betriebe, die diese Werkstoffe verarbeiten, verlangen von ihren Schweißern häufig explizit einen DVS- oder EN-ISO-Nachweis für das WIG-Schweißen an austenitischen Stählen.
Welche Schweißpositionen werden im Lehrgang geprüft?
Der Lehrgang trainiert und prüft die Positionen PC, PD, PF und PE nach DIN EN ISO 6947, jeweils an Blechen und an Rohrverbindungen in verschiedenen Stoßarten. Das Nachrechts-Schweißen an Rohren ist ein gesonderter Übungsschwerpunkt.
Wie viele Vorerfahrungen sind notwendig?
Der Sonderlehrgang setzt die WIG-Grundmodule T.1 bis T.6 oder eine gleichwertige Praxisqualifikation voraus. Wer noch nie mit dem WIG-Verfahren gearbeitet hat, sollte zunächst einen WIG-Grundkurs absolvieren.
Welches Zertifikat erhalten Absolventen?
Nach bestandener Prüfung wird das DVS®-IIW/EWF-Prüfzertifikat für das WIG-Schweißen an Chrom-Nickel-Stählen ausgestellt. Es ist international durch die Anbindung an den International Institute of Welding (IIW) und den European Welding Federation (EWF) anerkannt. Ergänzend erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat.
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