Überblick
Diese Weiterbildung vermittelt fundiertes Wissen über die rechtlichen Rahmenbedingungen der Pflege. Das Pflegerecht ist ein komplexes Rechtsgebiet, das Sozialrecht, Haftungsrecht, Betreuungsrecht und spezialgesetzliche Regelungen des Pflegebereichs miteinander verknüpft. Wer in der Pflege tätig ist — ob als Pflegefachkraft, in der Pflegedienstleitung oder im kaufmännischen Management eines Pflegebetriebs — kommt täglich mit rechtlichen Fragen in Berührung: Wie ist eine Ablehnung von Pflegeleistungen zu dokumentieren? Was ist bei einer Patientenverfügung zu beachten? Wann haften Pflegekräfte persönlich? Dieser Kurs beantwortet diese Fragen systematisch und praxisnah.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: Sozialrecht und Pflegegesetzgebung Das erste Modul legt das rechtliche Fundament: Wie ist das deutsche Sozialrecht aufgebaut, und welche Bücher des Sozialgesetzbuchs sind für die Pflege besonders relevant? Im Mittelpunkt stehen das SGB XI als Grundlage der sozialen Pflegeversicherung und das SGB V als Regelwerk der gesetzlichen Krankenversicherung, ergänzt um das Pflegestärkungsgesetz und das Bundesversorgungsgesetz.
- Aufbau des Sozialgesetzbuchs und seine pflegerelevanten Bücher (SGB V, SGB XI, SGB XII)
- Soziale Pflegeversicherung nach SGB XI: Leistungsarten, Anspruchsvoraussetzungen, Pflegegrade
- Pflegestärkungsgesetz: Wesentliche Änderungen für Leistungsberechtigte und Einrichtungen
- Bundesversorgungsgesetz: Grundzüge und Berührungspunkte zur Pflege
- Schnittstellen zwischen Kranken- und Pflegeversicherung
- Rechtsstreitigkeiten mit Pflegekassen: Widerspruch und Klage im Sozialrecht
Modul 2: Pflegebegutachtung und Pflegekassen Die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) bestimmt, welchen Pflegegrad eine Person erhält und damit, welche Leistungen ihr zustehen. Dieses Modul erklärt, wie das Begutachtungsverfahren abläuft, auf welcher rechtlichen Grundlage es beruht und welche Rechte Pflegebedürftige und deren Angehörige haben.
- Pflegebegutachtung nach SGB XI: Begutachtungsinstrument und Beurteilungsbereiche
- Pflegegrade 1 bis 5: Kriterien und Abgrenzung
- Aufgaben und Rechtsstellung der Pflegekassen als Sozialversicherungsträger
- Leistungsabrechnung zwischen Pflegeeinrichtungen und Pflegekassen
- Widerspruchs- und Klageverfahren gegen Begutachtungsergebnisse
- Begutachtung im Widerspruch zur Pflegedokumentation: rechtliche Konsequenzen
Modul 3: Betreuungsrecht, Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung In der Pflege trifft man regelmäßig auf Personen, die ihre eigenen Angelegenheiten nicht mehr vollständig selbst regeln können. Das Betreuungsrecht schafft dafür den rechtlichen Rahmen. Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen ermöglichen es Personen, für den Fall der eigenen Handlungsunfähigkeit rechtswirksam Vorsorge zu treffen.
- Betreuungsrecht: Voraussetzungen, Bestellung von Betreuerinnen und Betreuern, Aufgabenkreise
- Reform des Betreuungsrechts: Änderungen mit Auswirkung auf Pflegeeinrichtungen
- Vorsorgevollmacht: Inhalt, Form, Rechtswirkung und Grenzen
- Patientenverfügung: Voraussetzungen der Bindungswirkung und Umgang in der Praxis
- Medizinische Entscheidungen am Lebensende: Sterbehilfe, Behandlungsabbruch und Palliativversorgung im Rechtsgefüge
- Heimrecht und Schutzrechte von Heimbewohnerinnen und -bewohnern
Modul 4: Haftungsrecht in der Pflege Wann haften Pflegekräfte persönlich, wann haftet der Träger einer Einrichtung? Das Haftungsrecht in der Pflege berührt sowohl zivilrechtliche als auch strafrechtliche Dimensionen. Dieses Modul gibt einen klaren Überblick über Haftungsgrundlagen, Dokumentationspflichten und strafrechtliche Risikobereiche.
- Zivilrechtliche Haftung: Vertragliche und deliktische Haftungsgrundlagen
- Haftung des Einrichtungsträgers nach §§ 280, 823 BGB
- Persönliche Haftung von Pflegekräften: Sorgfaltspflicht und Verschulden
- Freiheitsentziehende Maßnahmen und ihre Rechtfertigungsvoraussetzungen
- Strafrechtliche Haftung in der Pflege: Körperverletzung, Freiheitsberaubung, unterlassene Hilfeleistung
- Pflegedokumentation als Beweismittel: Was muss wann wie dokumentiert werden?
Lernziele:
- Aufbau und Systematik des Sozialrechts im Pflegekontext einschließlich SGB XI und SGB V verstehen
- Die Regelungen des Pflegestärkungsgesetzes und deren Auswirkungen auf den Pflegealltag kennen
- Pflegebegutachtungsverfahren nach SGB XI nachvollziehen und Ergebnisse korrekt einordnen
- Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen rechtssicher ausstellen, prüfen und im Pflegealltag anwenden
- Das Betreuungsrecht und die Aufgaben gesetzlicher Betreuerinnen und Betreuer kennen
- Die Struktur und Aufgaben von Pflegekassen im deutschen Gesundheitssystem erläutern
- Rechtliche Anforderungen an die Pflegedokumentation erfüllen und Dokumentationsfehler vermeiden
- Zivilrechtliche Haftung von Pflegekräften und Einrichtungsträgern einschätzen
- Strafrechtliche Risiken in der Pflege benennen und im Berufsalltag präventiv handeln
- Bundesversorgungsgesetz in seinen pflegerelevanten Grundzügen einordnen
- Typische Rechtsfragen aus der Pflegepraxis eigenständig rechtlich einordnen
- Rechtliche Grenzen und Handlungsspielräume in schwierigen Pflegesituationen kennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die in der Pflege tätig sind oder den beruflichen Einstieg in diesen Bereich planen und einen sicheren Umgang mit den rechtlichen Rahmenbedingungen anstreben.
- Pflegefachkräfte in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen
- Pflegedienstleitungen und Heimleitungen, die rechtlich fundiert handeln wollen
- Mitarbeitende in Pflegebetrieben aus kaufmännischen oder verwaltenden Bereichen
- Personen im Quereinstieg in pflegenahe oder soziale Berufsfelder
- Führungskräfte, die für rechtssichere Prozesse in Pflegebetrieben verantwortlich sind
Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich. Fachliche Vorkenntnisse im Pflegerecht sind nicht zwingend notwendig; Grundkenntnisse im Pflegealltag oder in verwandten sozialen Berufsfeldern sind jedoch hilfreich. Vor Kursbeginn findet ein persönliches Eignungsgespräch im Rahmen einer Fachberatung statt.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format angeboten und verbindet strukturierten Online-Unterricht mit praxisorientierten Fallbeispielen aus dem Pflegealltag. Rechtliche Regelungen werden nicht abstrakt vermittelt, sondern anhand konkreter Situationen — Begutachtungsgespräch, Patientenverfügung im Akutfall, Dokumentationslücke — veranschaulicht und eingeübt. Das Programm ist als Vollzeitkurs konzipiert.
Der Kurs dauert mehr als eine Woche bis zu einem Monat und wird in Vollzeit durchgeführt. Die kompakte Dauer macht das Format besonders geeignet für Berufstätige, die ihre Rechtskenntnisse in kurzer Zeit systematisch aufbauen oder auffrischen wollen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Teilnehmenden ein Trägerzertifikat mit der Bezeichnung „Spezielle Rechtsprechung: Pflegerecht". Die Maßnahme ist nach AZAV durch die Cert-IT als fachkundige Stelle zugelassen, was eine Förderung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen ermöglicht.
Nutzen & Perspektiven
Die Pflege ist eines der am stärksten regulierten Berufsfelder im deutschen Gesundheitssystem. Zwischen sozialversicherungsrechtlichen Leistungsansprüchen, haftungsrechtlichen Pflichten und betreuungsrechtlichen Anforderungen entstehen täglich Situationen, in denen ein unsicherer Umgang mit dem geltenden Recht weitreichende Folgen haben kann — für Pflegebedürftige, für Einrichtungen und für einzelne Pflegekräfte. Wer die rechtlichen Grundlagen kennt, kann schneller und sicherer handeln: in der Dokumentation, in Gesprächen mit Angehörigen und gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuern, bei Begutachtungen und in Konfliktsituationen. Das spart Zeit, vermeidet Fehler und stärkt das Vertrauen aller Beteiligten. Insbesondere die Verbindung von Haftungsrecht und Dokumentationspflichten ist für den Berufsalltag von unmittelbarer Relevanz. Für Pflegedienstleitungen und Heimleitungen ist rechtliches Grundlagenwissen darüber hinaus ein unverzichtbarer Bestandteil kompetenter Führung. Wer Mitarbeitende anleitet, Prozesse gestaltet und Qualitätssicherung verantwortet, braucht ein solides Fundament im Pflegerecht — nicht als juristische Fachkenntnis, sondern als praktisches Werkzeug für rechtssicheres Handeln im Alltag. Die Pflegedokumentation nimmt dabei eine besondere Stellung ein: Sie ist zugleich Kommunikationsmittel, Qualitätsinstrument und im Konfliktfall das zentrale Beweismittel. Wer die rechtlichen Anforderungen an eine lückenlose und korrekte Dokumentation kennt, schützt sich selbst, schützt die Einrichtung und handelt im Interesse der pflegebedürftigen Personen. Dieser Kurs verbindet rechtliches Wissen konsequent mit der Praxis des Pflegealltags.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Rechtsgebiete werden in diesem Kurs behandelt?
Der Kurs behandelt das Sozialrecht (SGB XI, SGB V), das Pflegestärkungsgesetz, das Betreuungsrecht, das Haftungsrecht (zivilrechtlich und strafrechtlich) und rechtliche Anforderungen an die Pflegedokumentation. Auch das Bundesversorgungsgesetz wird in seinen pflegerelevanten Grundzügen vorgestellt.
Muss ich bereits Rechtskenntnisse mitbringen?
Nein. Der Kurs vermittelt die Grundlagen des Pflegerechts verständlich und praxisorientiert. Vorkenntnisse in der Pflege oder in verwandten sozialen Berufsfeldern sind hilfreich, aber keine juristischen Vorkenntnisse erforderlich.
Wie lange dauert der Kurs?
Die Weiterbildung dauert mehr als eine Woche bis maximal etwa einen Monat und wird in Vollzeit absolviert. Das kompakte Format ist besonders für Berufstätige geeignet, die schnell fundiertes Rechtswissen aufbauen möchten.
Kann der Kurs über einen Bildungsgutschein gefördert werden?
Ja. Die Maßnahme ist nach AZAV durch Cert-IT zugelassen. Bei Vorliegen der persönlichen Voraussetzungen ist eine Förderung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters von bis zu 100 % möglich.
Ist dieser Kurs auch für Pflegedienstleitungen geeignet?
Ja, ausdrücklich. Pflegedienstleitungen und Heimleitungen profitieren besonders von den Themen Haftungsrecht, Dokumentationspflichten und Betreuungsrecht, da sie in diesen Bereichen eine besondere Verantwortung tragen.
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Arbeitsmarkt-Report
Pflege- und Gesundheits-Fachkräfte sind seit 2018 durchgehend als Engpassberuf gelistet. Demografische Entwicklung treibt die Nachfrage; höhere Tarife in Pflege und Reform der Pflegeausbildung verbessern Einstiegsbedingungen 2025/26 weiter.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Pflegeberater/Pflegeberaterin224 Stellen
- Lebensmittelkontrolleur/Lebensmittelkontrolleurin (Weiterbildung)106 Stellen
- Bestatter/Bestatterin (Weiterbildung)88 Stellen
- Fachassistent/Fachassistentin Land- und Forstwirtschaft39 Stellen
- Sozialversicherung (grundständig)13 Stellen
- Fachanwalt/Fachanwältin12 Stellen