Überblick
Dieser Kurs verbindet zwei Domänen, die in der Praxis nicht mehr sinnvoll getrennt betrachtet werden können: die technische Implementierung von KI-Lösungen auf Microsoft Azure und die konzeptionelle Auseinandersetzung mit KI-Ethik und Governance. Wer KI-Systeme entwirft, trifft täglich Entscheidungen über Fairness, Transparenz und Datenschutz — oft ohne explizites Bewusstsein dafür. Dieser Kurs macht diese Entscheidungsebene sichtbar und liefert gleichzeitig das technische Handwerkszeug, um Responsible-AI-Prinzipien in Azure-Architekturen zu verankern. Das Ergebnis ist eine Qualifikation, die technische Implementierungskompetenz mit der zunehmend gefragten Governance-Perspektive verbindet. Die externe Microsoft-Prüfung AI-102 ist nicht im Kurspreis enthalten, wird aber gezielt vorbereitet.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Azure AI Services und technische Implementierung (AI-102) Dieser Block deckt die technischen Inhalte der Microsoft-Prüfung AI-102 ab. Im Mittelpunkt stehen die Azure-KI-Dienste, die in der Praxis für Sprach-, Bild-, Text- und Entscheidungsaufgaben eingesetzt werden, sowie deren sichere Konfiguration und Integration in Applikationsarchitekturen.
- Azure Cognitive Services: Language (Text Analytics, Translator, QnA Maker), Vision (Computer Vision, Face API, Form Recognizer), Speech (STT, TTS, Custom Voice)
- Azure OpenAI Service: GPT-Modelle einbinden, System-Prompts gestalten, Deployment-Typen (Standard vs. Provisioned) konfigurieren, Content-Filter einstellen
- Azure Machine Learning: Experimente erstellen, Trainings-Pipelines konfigurieren, Modelle registrieren und in Endpoints deployen
- Sicherheit in Azure KI-Projekten: Managed Identities für Service-zu-Service-Authentifizierung, Azure Key Vault für Credentials, Private Endpoints für Netzwerkisolation
- Überwachung von KI-Diensten: Azure Monitor-Metriken, Application Insights für Latenz- und Fehler-Tracking, Alerting-Regeln
- Prüfungsrelevante AI-102-Domänen: Plan and Manage an Azure AI Solution, Implement Decision Support Solutions, Implement Computer Vision, Implement NLP, Implement Knowledge Mining
Modul 2 — KI-Ethik und Governance: Responsible AI in der Praxis Ethik in der KI ist kein abstraktes Philosophieproblem. Sie tritt konkret in Form von diskriminierenden Kreditentscheidungen, intransparenten Empfehlungssystemen oder unsicheren Medizindiagnosen auf. Dieser Block vermittelt, wie man diese Risiken strukturiert erkennt, bewertet und in der Systemgestaltung adressiert.
- Microsofts Responsible-AI-Framework: Fairness, Zuverlässigkeit und Sicherheit, Datenschutz, Inklusivität, Transparenz, Verantwortlichkeit — und deren konkrete Implikationen für Systemdesign
- Bias und Fairness: demographische Parität, gleiche Trefferquoten, Kalibrierung als Fairness-Metriken; Quellen von Verzerrungen in Daten, Labels und Modellarchitektur
- Erklärbarkeit und Transparenz: SHAP-Werte verstehen und interpretieren, LIME für lokale Erklärungen, Azure Responsible AI Dashboard als integriertes Werkzeug
- EU AI Act: Risikoklassen und ihre Anforderungen, welche KI-Systeme als Hochrisiko gelten (HR-Systeme, Kreditentscheidungen, biometrische Identifikation), Konformitätsbewertungsprozess
- KI-Governance im Unternehmen: Aufbau von AI Ethics Committees, Entwicklung interner Richtlinien und Review-Prozesse, Verantwortlichkeitsstrukturen in KI-Projekten
- Datenschutz by Design: Privacy-Preserving ML-Ansätze, DSGVO-Artikel 22 (automatisierte Einzelentscheidungen), Datenschutz-Folgenabschätzung für KI-Systeme
Modul 3 — Integration: Responsible AI technisch in Azure umsetzen Dieser Block verbindet die beiden Hauptdomänen. Wie setzt man Fairness-Anforderungen konkret in einer Azure-ML-Pipeline um? Wie konfiguriert man Content-Filter im Azure OpenAI Service, um Governance-Anforderungen zu erfüllen? Wie dokumentiert man KI-Systeme so, dass Auditoren und Regulatoren sie bewerten können?
- Azure Responsible AI Dashboard in der Praxis: Fairness-Analyse für einen Klassifikator durchführen, Fehleranalysen nach Subgruppen, Counterfactual-Erklärungen generieren
- Model Cards nach aktuellem Dokumentationsstandard erstellen: Zweck, Leistungsmetriken, Fairness-Befunde, Einschränkungen
- Content-Filterung im Azure OpenAI Service: Severity-Level konfigurieren, Filterverhalten testen und protokollieren
- Datenschutz-Folgenabschätzung (DSFA) für ein Azure-KI-System strukturiert durchführen
- Audit-Readiness: Dokumentations-Checkliste für KI-Systeme nach EU-AI-Act-Hochrisikokategorie
Die Übungen verbinden technische Azure-Konfiguration mit Ethics-Review-Schritten, sodass die Brücke zwischen beiden Domänen explizit erfahrbar wird.
- Azure Language-API einrichten, Anfragen senden und Ergebnisse strukturiert auswerten
- Azure Vision-Dienst für Bildklassifikation konfigurieren und Bias-Analyse über Subgruppen durchführen
- Azure OpenAI Service: Prompt-Engineering-Übung, Content-Filter auf unterschiedlichen Severity-Leveln testen
- Fairness-Analyse mit dem Azure Responsible AI Dashboard auf einem Musterdatensatz
- SHAP-Visualisierung für ein Azure-ML-Modell interpretieren und in eine Model Card einarbeiten
- EU-AI-Act-Risikoklassifikation für drei fiktive KI-Anwendungsfälle (HR, Kredit, Medizin) durchführen und begründen
- Governance-Review-Checkliste für ein internes Unternehmens-KI-Projekt ausarbeiten
- Datenschutz-Folgenabschätzung für ein fiktives HR-KI-System auf Azure dokumentieren
- Abschlussprojekt: KI-Lösung auf Azure entwerfen mit integriertem Responsible-AI-Review und Governance-Dokumentation
Lernziele:
- KI-Lösungen auf Microsoft Azure mit Azure Cognitive Services, Azure Machine Learning und Azure OpenAI Service entwerfen und implementieren
- Sprach-, Bild-, Text- und Entscheidungs-APIs von Azure konfigurieren und in Anwendungsarchitekturen einbinden
- Azure AI-Infrastruktur absichern: Managed Identities, Azure Key Vault, Private Endpoints und Netzwerkkonfiguration
- Monitoring und Logging von Azure-KI-Diensten mit Azure Monitor und Application Insights einrichten
- Microsofts sechs Responsible-AI-Prinzipien auf konkrete Systemdesign-Entscheidungen anwenden
- Bias in Trainingsdaten und Modellausgaben erkennen und durch Fairness-Metriken messbar machen
- Erklärbarkeit von KI-Modellen mit Azure Responsible AI Dashboard, SHAP und LIME umsetzen
- EU AI Act Risikoklassifikationen (inakzeptables Risiko, Hochrisiko, begrenzt, minimal) auf eigene KI-Projekte anwenden
- Governance-Frameworks für den unternehmensweiten KI-Einsatz strukturieren und intern kommunizieren
- Datenschutzanforderungen (DSGVO, sektorale Regulierung) in Azure-KI-Architekturen abbilden
- KI-Projekte durch einen strukturierten Ethics-Review-Prozess begleiten und dokumentieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Fachkräfte, die KI-Lösungen technisch umsetzen und gleichzeitig die Verantwortungsdimension dieser Arbeit ernst nehmen.
- Cloud-Entwickler und Softwareingenieure mit Azure-Erfahrung, die AI-102 anstreben
- KI-Projektverantwortliche, die Governance- und Compliance-Anforderungen in technische Architekturen übersetzen müssen
- Datenschutz- und Compliance-Fachleute, die KI-Systeme bewerten und für Audits vorbereiten
- Solution Architects, die KI-Komponenten in größere Azure-Architekturen integrieren
- Einsteiger mit Cloud-Grundkenntnissen, die ein zeitgemäßes KI-Profil mit Governance-Kompetenz aufbauen wollen
Grundlegende Azure-Kenntnisse auf AZ-900-Niveau und Programmiererfahrung in Python oder C# sind empfehlenswert, da AI-102 praktische Implementierungsaufgaben enthält. Tiefes KI-Modellierungswissen ist nicht notwendig — der Kurs setzt auf dem Azure-Dienst-Layer auf, nicht auf dem mathematischen Fundament von ML-Algorithmen. Für den Ethics-Teil sind keine technischen Voraussetzungen nötig; analytisches Interesse und die Bereitschaft zur konzeptionellen Auseinandersetzung sind wichtiger als Vorkenntnisse.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht findet im Combined-Learning-Format statt und verbindet technische Lab-Übungen in Azure-Sandboxumgebungen mit konzeptionellen Diskussionen, Fallstudienanalysen und gezielter Prüfungsvorbereitung für AI-102. Die Ethics-Abschnitte werden durch Szenarien aus der Unternehmenspraxis konkretisiert: Diskussionsfälle aus Kredit-, Gesundheits- und Personalentscheidungssystemen zeigen, wo Governance-Lücken in realen Systemen entstehen. Teilnahme ist sowohl aus dem Homeoffice als auch vom New-Horizons-Center mit vollausgestattetem Dual-Monitor-Arbeitsplatz möglich.
Die Weiterbildung dauert mehr als einen Monat bis maximal drei Monate in Vollzeit. Die genaue Länge hängt davon ab, welche Tiefe im AI-102-Vorbereitungsteil und im Governance-Modul gewählt wird. Modulare Anpassung und individuelle Starttermine sind auf Anfrage möglich.
Nach Kursabschluss erhalten Teilnehmende eine trägerinterne Qualifikationsbescheinigung, die alle absolvierten Module dokumentiert. Der Azure-AI-Engineer-Teil bereitet auf die externe Microsoft-Prüfung AI-102 vor; das Zertifikat Microsoft Certified: Azure AI Engineer Associate wird direkt von Microsoft ausgestellt und erfordert eine separate Prüfungsanmeldung über das Microsoft-Zertifizierungsportal. Es ist ein offizielles Herstellerzertifikat mit weltweiter Anerkennung. Für den Ethics-und-Governance-Teil gibt es kein standardisiertes externes Prüfungsformat; die Kompetenz wird durch die trägerinterne Bescheinigung dokumentiert.
Nutzen & Perspektiven
Der regulatorische Druck auf KI-Entwickler steigt messbar: Der EU AI Act ist seit 2024 in Kraft und stellt für Hochrisiko-KI-Systeme umfangreiche Anforderungen an Dokumentation, Transparenz und menschliche Aufsicht. Gleichzeitig ist technisches Azure-KI-Know-how einer der gefragtesten Qualifikationsbereiche im IT-Stellenmarkt. Dieser Kurs adressiert beide Entwicklungen in einem Programm und schlägt damit eine Brücke, die reine Technik- oder reine Ethikkurse nicht leisten können. Das AI-102-Zertifikat ist auf dem Stellenmarkt für Azure-Entwickler und Cloud-Architekten ein anerkannter Leistungsnachweis, der die Fähigkeit zur eigenständigen Implementierung kompletter KI-Lösungen auf Azure belegt. Wer dazu nachgewiesene Governance-Kompetenz mitbringt, ist für die Rollen attraktiv, in denen nicht nur Code, sondern auch Verantwortung übergeben wird: AI Leads, Principal Engineers und AI Ethics Officers sind solche Rollen — und sie entstehen gerade in großer Zahl in deutschen Unternehmen. Die Verbindung aus technischer Tiefe und ethisch-regulatorischer Kompetenz wird mit zunehmendem KI-Einsatz in sensiblen Bereichen — Personalentscheidungen, Kreditvergabe, Medizin, Strafverfolgung — zur Grundanforderung, nicht zu einem optionalen Zusatz. Wer diese Verbindung jetzt aufbaut, ist für das nächste Jahrzehnt der KI-Regulierung früh positioniert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die AI-102-Prüfung im Kurs enthalten?
Die externe Microsoft-Prüfung AI-102 ist nicht automatisch im Kurs enthalten — der Kurs bereitet gezielt darauf vor, aber die Prüfungsanmeldung erfolgt separat über das Microsoft-Zertifizierungsportal. Bitte beim Anbieter erfragen, ob eine Prüfungsvoucher-Option buchbar ist.
Was unterscheidet diesen Kurs von einem reinen AI-102-Vorbereitungskurs?
Dieser Kurs enthält ein eigenständiges Modul zu KI-Ethik und Governance, das EU AI Act, Microsofts Responsible-AI-Prinzipien, Fairness-Metriken und Azure Responsible AI Dashboard abdeckt. Diese Inhalte gehen über den AI-102-Prüfungsstoff hinaus und bereiten auf Governance-Rollen vor.
Benötige ich Vorkenntnisse in KI oder Machine Learning?
Tiefes ML-Modellierungswissen ist nicht erforderlich. Der Kurs setzt auf dem Azure-Dienst-Layer auf, nicht auf der Mathematik von ML-Algorithmen. Grundlegende Azure-Kenntnisse und Programmiererfahrung in Python oder C# sind hingegen hilfreich.
Was behandelt das EU-AI-Act-Modul konkret?
Das Modul erklärt die vier Risikokategorien des EU AI Act, welche KI-Systeme als Hochrisiko eingestuft werden (z. B. HR-Systeme, Kreditentscheidungen, biometrische Identifikation), welche Konformitätspflichten sich daraus ergeben und wie man die Anforderungen in Azure-Architekturen praktisch umsetzt.
Kann ich den Kurs auch in Teilzeit absolvieren?
Der Kurs wird primär in Vollzeit angeboten. Teilzeitoptionen können im individuellen Beratungsgespräch vor Kursbeginn besprochen und vereinbart werden.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
Konstruktion, CAD und industrielle Fertigung sind durchgehend gefragt — die Transformation Richtung E-Mobilität, Energietechnik und Industrie 4.0 schafft zusätzliche Spezialisten-Rollen. CAD-/Simulation-Software-Kenntnisse sind Türöffner.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- AI Engineer855 Stellen
- Geoinformatik (grundständig)321 Stellen
- Ingenieurinformatiker/Ingenieurinformatikerin161 Stellen
- Assistent/Assistentin für Informatik (technische Informatik)80 Stellen
- Azure AI Engineer3 Stellen
- Cloud Solution Architect - AI0 Stellen