Überblick
Dieser Kombinationskurs bringt zwei Gebiete zusammen, die in der modernen Unternehmensrealität immer öfter aufeinandertreffen: die Steuerung komplexer Projekte nach der PRINCE2-Methodik und die verantwortungsvolle Einführung, Entwicklung und Überwachung von KI-Systemen im Licht aktueller Governance-Anforderungen. PRINCE2 Practitioner — das fortgeschrittene Zertifizierungsniveau des von Axelos publizierten Frameworks — gibt Projektleiterinnen und -leitern das methodische Werkzeug, um KI-Vorhaben strukturiert, kontrollierbar und stakeholdergerecht zu managen. AI Ethics and Governance liefert den normativen Rahmen: Welche Pflichten entstehen durch den EU AI Act? Wie wird Fairness in KI-Systemen sichergestellt? Wer trägt die Verantwortung, wenn ein KI-Modell fehlerhafte Entscheidungen trifft? Teilnehmende erwerben eine Doppelkompetenz, die in der Praxis der nächsten Jahre entscheidend sein wird: methodisches Projektmanagement auf Professional-Niveau plus die Fähigkeit, KI-Projekte ethisch und rechtlich belastbar zu führen.
Kursinhalte & Lernziele
Der Kurs strukturiert sich in einen PRINCE2-Domänenblock und einen AI-Ethics-Domänenblock, die in einem integrierten Praxisblock zusammengeführt werden. Themenblock 1 — AI Ethics and Governance: Verantwortungsvolle KI als Projektaufgabe Dieser Block beleuchtet KI-Ethik und Governance aus der Perspektive von Projektverantwortlichen. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, die Projektleitende bei der Beauftragung, Entwicklung und Einführung von KI-Systemen beantworten müssen — nicht aus der Entwicklerperspektive, sondern aus der Steuerungs- und Verantwortungsperspektive.
- Was ist verantwortungsvolle KI? Grundprinzipien (Erklärbarkeit, Fairness, menschliche Aufsicht, Robustheit) aus Projektleitungssicht
- EU AI Act im Überblick: Welche KI-Projekte sind betroffen? Was sind die Pflichten für Hochrisikosysteme?
- Risikoklassifizierung im Projektalltag: Wie bestimmt man, ob ein KI-Vorhaben in die Hochrisikokategorie fällt?
- Bias und Fairness in KI-Projekten: Typische Quellen von Verzerrungen im Projektlebenszyklus und wie man sie adressiert
- Ethische Anforderungen im Business Case: Wie werden Governance-Anforderungen wirtschaftlich bewertet?
- Datenschutz (DSGVO) und KI: Einwilligung, Datensparsamkeit und Recht auf Erklärung als Projektziele
Themenblock 2 — PRINCE2 Practitioner: Professionelle Projektsteuerung mit sieben Prinzipien Dieser Block vermittelt die PRINCE2-Practitioner-Kompetenzen vollständig. PRINCE2 ist das von Axelos lizenzierte Projektmanagement-Framework mit sieben Prinzipien, sieben Themen und sieben Prozessen. Die Practitioner-Zertifizierung prüft die situative Anwendung des Frameworks und muss nach drei Jahren rezertifiziert werden.
- Die sieben PRINCE2-Prinzipien: fortlaufende Rechtfertigung, klare Verantwortlichkeiten, phasenorientiertes Management, Ausnahmemanagement, Produktorientierung, angepasste Methodik, Lernen aus Erfahrungen
- Die sieben PRINCE2-Themen: Business Case, Organisation, Qualität, Pläne, Risiko, Änderungen, Fortschritt
- Die sieben PRINCE2-Prozesse: Projektvorbereitung, Projektlenkung, Projektinitiierung, Phasenkontrolle, Produktlieferung, Phasengrenze, Projektabschluss
- Managementprodukte im Detail: PID, Projektplan, Qualitätsstrategie, Risikologbuch, Highlight Report, Abweichungsbericht
- Anpassung von PRINCE2 an Projekt- und Unternehmenskontexte (Tailoring)
- Practitioner-Prüfungsformat: situative Fragen, Anpassungsaufgaben, Fallstudie als Grundlage
Themenblock 3 — KI-Projekte mit PRINCE2 führen: Integration und Fallstudien Dieser Block bringt beide Domänen in einem anwendungsorientierten Format zusammen. Teilnehmende erleben, wie PRINCE2-Struktur konkret bei der Planung und Steuerung von KI-Vorhaben hilft.
- Business-Case-Entwicklung für ein KI-Einführungsprojekt unter Einbezug von Governance-Kosten und Compliance-Risiken
- PRINCE2-Phasenmodell für KI-Projekte: Welche Phasen ergeben sich aus dem KI-Entwicklungslebenszyklus?
- Risikologbuch für KI: Typische ethische und regulatorische Risiken (Bias, Datenlecks, Modellversagen) als PRINCE2-Risiken erfassen
- Qualitätsstrategie und Abnahmekriterien: Wie werden KI-Modelle im PRINCE2-Kontext abgenommen?
- Stakeholder-Kommunikation bei KI-Projekten: Highlight Reports für technische und nicht-technische Empfänger
- Post-Projekt-Review: Governance-Lernen systematisch in die nächste Phase überführen
Praxisblock — Fallstudie KI-Projekt und Prüfungsvorbereitung
- PRINCE2-Fallstudie: Steuerung eines KI-Einführungsprojekts über alle sieben Prozesse hinweg
- Business-Case-Übung: Fiktives KI-Projekt wirtschaftlich und governance-basiert begründen
- Risikologbuch-Übung: Ethische Risiken eines Machine-Learning-Modells als PRINCE2-Risikoeinträge dokumentieren
- Qualitätsstrategie-Übung: Abnahmekriterien für ein KI-Klassifikationssystem festlegen
- EU-AI-Act-Check: Bewertung von drei fiktiven KI-Projekten nach dem Risikoklassifizierungsschema
- Stakeholder-Mapping: Identifikation von Governance-Stakeholdern in einem KI-Projekt
- Mock-Prüfung PRINCE2 Practitioner: vollständige Übungsklausur im Fallstudienformat mit Auswertung
- Peer-Analyse: gegenseitige Bewertung von Risikologbuch-Einträgen zu KI-spezifischen Governance-Risiken
- Gruppenarbeit: Entwicklung eines PRINCE2-angepassten Projektplans für ein fiktives KI-Vorhaben
- Diskussion: Aktuelle KI-Governance-Entwicklungen und ihre Relevanz für PRINCE2-Projektleitende
- Präsentation: Vorstellung eines eigenen KI-Governance-Konzepts im Projektmanagement-Rahmen
- Prüfungssimulation: Situative PRINCE2-Anpassungsfragen mit Fokus auf KI-Projektszenarien
Theoretische PRINCE2-Inputs werden durch fallstudienbasierte Übungen und analytische Governance-Einheiten ergänzt. Das Format fördert die situative Anwendungskompetenz, die für die Practitioner-Prüfung entscheidend ist, und entwickelt gleichzeitig die Fähigkeit, KI-spezifische Herausforderungen im Projektmanagement-Kontext zu adressieren.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses sind Teilnehmende in der Lage, folgende Kompetenzen eigenständig anzuwenden —
- Die sieben PRINCE2-Prinzipien, Themen und Prozesse auf ein konkretes Projektszenario anwenden
- PRINCE2-Managementprodukte (Business Case, Projektplan, Risikologbuch) für ein KI-Projekt erstellen
- Governance-Strukturen für KI-Projekte entwickeln, die den PRINCE2-Verantwortlichkeitsrahmen nutzen
- Prinzipien verantwortungsvoller KI (Transparenz, Fairness, Rechenschaftspflicht) in Projektphasen verankern
- Den EU AI Act in seinen Kernpunkten beschreiben und KI-Projekte in das Risikoklassifizierungssystem einordnen
- Bias-Risiken im Lebenszyklus eines KI-Projekts identifizieren und in das PRINCE2-Risikologbuch überführen
- Stakeholder-Kommunikation zu KI-Entscheidungen transparent und nachvollziehbar gestalten
- Abnahmekriterien für KI-Systeme formulieren, die sowohl funktionale als auch ethische Anforderungen abdecken
- PRINCE2-Kontrollmechanismen (Toleranzen, Berichtswesen, Eskalation) für KI-spezifische Risiken nutzen
- Die PRINCE2 Practitioner-Prüfungsaufgaben (situative Fragen, Anpassungsaufgaben) sicher bearbeiten
- Post-Projekt-Review-Prozesse für KI-Systeme designen, die Governance und Lernen kombinieren
- Rezertifizierungspflichten und Gültigkeitszeiträume von PRINCE2 Practitioner korrekt einordnen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs eignet sich besonders für Personen, die KI-Projekte verantworten oder daran beteiligt sind und ihren methodischen Rahmen professionell aufstellen wollen.
- Projektmanagerinnen und -manager, die regelmäßig IT- und KI-Projekte leiten oder koordinieren
- IT-Projektleitungen in Unternehmen, die KI-Systeme einführen oder betreiben
- PRINCE2-Foundation-Zertifizierte, die den nächsten Qualifikationsschritt anstreben
- Compliance- und Governance-Verantwortliche, die an KI-Projekten beteiligt sind
- Programm- und Portfolio-Manager, die KI-Initiativen strategisch steuern
Für die PRINCE2-Practitioner-Prüfung ist der Nachweis einer PRINCE2-Foundation-Zertifizierung oder einer gleichwertigen Qualifikation erforderlich. Grundlegende Projekterfahrung wird vorausgesetzt. Für den Governance-Teil sind keine spezifischen Vorkenntnisse nötig — allgemeines Projektleitungs-Know-how und ein Verständnis für Compliance-Anforderungen in Unternehmen sind ausreichend. Im Beratungsgespräch wird der Wissensstand individuell besprochen und ein passender Lernplan erstellt.
Ablauf & Abschluss
Live-Unterricht im virtuellen Klassenzimmer wird durch Fallstudienarbeit, strukturierte Prüfungsvorbereitung und analytische Governance-Übungen ergänzt. PRINCE2-Practitioner-Prüfungen basieren auf einer durchgehenden Fallstudie — entsprechend nehmen Fallstudienanalysen im Kurs breiten Raum ein. Selbststudiumsanteile mit Zugängen zu Übungsklausuren und Begleitmaterialien ergänzen die betreuten Einheiten.
Der Kurs dauert typischerweise zwischen einem und drei Monaten im Vollzeitformat. Teilzeitvarianten sind auf Anfrage möglich und für berufsbegleitende Weiterbildung geeignet. Der Starttermin und das individuelle Lernformat werden im Beratungsgespräch festgelegt.
Teilnehmende, die die PRINCE2-Practitioner-Prüfung bestehen, erhalten das PRINCE2 Practitioner-Zertifikat — ausgestellt von PeopleCert (dem Prüfungspartner von Axelos). Das Zertifikat ist weltweit anerkannt und muss nach drei Jahren durch eine Rezertifizierungsprüfung erneuert werden. Zusätzlich stellt der Bildungsanbieter ein Lehrgangszertifikat aus, das die absolvierten Inhalte beider Themenbereiche dokumentiert.
Nutzen & Perspektiven
PRINCE2 Practitioner ist eine der meistgenutzten Projektmanagement-Zertifizierungen in Deutschland und Europa und wird von öffentlichen Auftraggebern, IT-Dienstleistern und Industrieunternehmen gleichermaßen anerkannt. Die Practitioner-Stufe signalisiert, dass man nicht nur ein Framework kennt, sondern es in realen Projekten situativ und angepasst einsetzen kann — eine Fähigkeit, die im Berufsalltag unmittelbaren Mehrwert hat. Hinzu kommt eine Qualifikation, die angesichts der rasanten KI-Ausbreitung in deutschen Unternehmen enorm an Bedeutung gewinnt: das strukturierte Management von KI-Projekten unter Berücksichtigung ethischer und regulatorischer Anforderungen. Der EU AI Act, der DSGVO-Rahmen und wachsende Governance-Erwartungen von Stakeholdern machen es notwendig, KI-Vorhaben nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und normativ abzusichern. Projektleitende mit dieser Doppelkompetenz sind in der Lage, KI-Einführungen zu steuern, die intern akzeptiert, extern regulierungskonform und nachhaltig erfolgreich sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich PRINCE2 Foundation bereits haben?
Ja, für die PRINCE2-Practitioner-Prüfung ist der Nachweis einer Foundation-Zertifizierung oder gleichwertigen Qualifikation erforderlich. Im Beratungsgespräch wird der Wissenstand besprochen und ein Lernplan erstellt.
Wie lange ist das PRINCE2 Practitioner-Zertifikat gültig?
Das PRINCE2 Practitioner-Zertifikat muss nach drei Jahren durch eine Rezertifizierungsprüfung erneuert werden. Die Foundation-Zertifizierung ist unbefristet gültig.
Was hat PRINCE2 mit KI-Governance zu tun?
PRINCE2 liefert den Verantwortlichkeits- und Kontrollrahmen für KI-Projekte: Wer entscheidet was, wie werden Risiken eskaliert, wie werden Abnahmekriterien festgelegt? In Kombination mit KI-Governance-Anforderungen (EU AI Act, Fairness, Transparenz) entsteht ein vollständiges Steuerungskonzept für KI-Vorhaben.
Welche Zertifizierung erhalte ich?
Nach Bestehen der Prüfung erhalten Sie das PRINCE2 Practitioner-Zertifikat, ausgestellt von PeopleCert im Auftrag von Axelos. Zusätzlich gibt es ein Lehrgangszertifikat des Bildungsanbieters.
Ist der Kurs auch in Teilzeit möglich?
Ja, Teilzeitvarianten sind auf Anfrage verfügbar. Starttermin und Format werden im Beratungsgespräch individuell vereinbart.
Verwandte Kurse
Welche Förderung passt zu dir?
Finde in 30 Sekunden heraus, ob dir ein Bildungsgutschein oder andere Zuschüsse zustehen. Kostenlos & ohne Anmeldung.
Arbeitsmarkt-Report
IT-Berufe sind seit fünf Jahren der größte Fachkräfteengpass am deutschen Arbeitsmarkt. Der Bestand offener IT-Stellen ist 2024 auf einen Rekordstand gestiegen; AI- und Cloud-Skills werden in den nächsten Jahren weiter überdurchschnittlich nachgefragt.
Zielberufe & offene Stellen
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten — mit bundesweit offenen Stellen der letzten 12 Monate.
- Data Analyst1.257 Stellen
- IT-Projektmanager268 Stellen
- Verwaltungsinformatik (grundständig)112 Stellen
- Künstliche Intelligenz (grundständig)63 Stellen
- Technische Informatik (grundständig)59 Stellen
- Informationsmanagement (grundständig)57 Stellen