Überblick
Large Language Models haben die Art, wie Software gebaut wird, grundlegend verändert. Entwicklerinnen und Entwickler können heute in Stunden Anwendungen bauen, für die früher Monate an ML-Expertise nötig gewesen wären — vorausgesetzt, sie beherrschen die spezifischen Werkzeuge und Konzepte der LLM-App-Entwicklung. Dieser Kurs richtet sich an Personen mit Grundkenntnissen in Softwareentwicklung, die lernen möchten, LLM-APIs systematisch einzusetzen: angefangen bei Chat-Completion-Endpunkten und strukturiertem Prompt Engineering über Retrieval-Augmented Generation und Vektordatenbanken bis zu Function Calling, Agenten-Architekturen und dem Deployment produktionsreifer KI-Anwendungen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — LLM-API-Grundlagen und Prompt Engineering: Bevor komplexe Anwendungen entstehen können, muss das Fundament sitzen. Dieser Block behandelt, wie LLM-APIs funktionieren, was Tokenisierung bedeutet und wie Prompts systematisch entwickelt werden. Unterschiedliche Prompt-Strategien — Chain of Thought, Few-Shot, System-Prompts — werden praktisch verglichen und bewertet.
- Chat-Completion-API: Request-Struktur, Parameter (Temperature, Top-p, Max Tokens) verstehen
- Tokenisierung: Wie LLMs Text lesen und warum Token-Counts wichtig sind
- Zero-Shot, Few-Shot und Chain-of-Thought Prompting im Vergleich
- System-Prompts und User-Prompts gezielt einsetzen
- Structured Output: JSON-Mode und Formaterzwingung via Pydantic/Zod
- Prompt-Bibliotheken anlegen und versionieren
Modul 2 — Retrieval-Augmented Generation (RAG): RAG ist das Standardmuster für LLM-Anwendungen, die über das Wissen des Basismodells hinaus auf eigene Daten zugreifen müssen. Dieser Block behandelt die vollständige RAG-Pipeline: Daten-Chunking, Embedding-Generierung, Vektordatenbank-Integration und kontextuelle Abfrage.
- Dokumenten-Preprocessing und Text-Chunking-Strategien
- Embedding-Modelle: Auswahl, Trade-offs und Qualitätsbewertung
- Vektordatenbanken einrichten: Pinecone, Chroma, Weaviate, pgvector im Vergleich
- Ähnlichkeitssuche: Cosine Similarity, Approximate Nearest Neighbor
- RAG-Pipeline bauen: Retrieval, Augmentation, Generation im Zusammenspiel
- Erweiterte RAG-Patterns: Hybrid Search, Re-Ranking, HyDE (Hypothetical Document Embeddings)
Modul 3 — Function Calling und Agenten-Architekturen: LLM-Anwendungen, die eigenständig handeln — Daten abfragen, APIs aufrufen, Entscheidungen treffen — sind der nächste Reifegrad. Dieser Block führt in Function Calling als Schnittstelle zwischen Sprachmodell und externen Systemen ein und zeigt, wie Agenten-Schleifen aufgebaut werden.
- Function Calling: Tool-Definitionen schreiben und LLM-Antworten parsen
- Multi-Step-Agenten: ReAct-Pattern und Plan-and-Execute-Architekturen
- Tool-Integration: Websuche, Code-Ausführung, Datenbankabfragen
- Memory-Systeme für Agenten: Short-Term-Context vs. externem Langzeitspeicher
- Frameworks im Vergleich: LangChain, LlamaIndex, direkte API-Nutzung
- Sicherheits-Überlegungen bei autonomen Agenten: Prompt Injection, Tool-Missbrauch
Modul 4 — Deployment, Monitoring und Kostenmanagement: Eine LLM-App, die lokal funktioniert, aber in der Produktion versagt, nutzt nichts. Dieser Block behandelt die technischen und wirtschaftlichen Aspekte des produktionssicheren Betriebs: Containerisierung, Observability, Fehlerbehandlung und Kostenkontrolle.
- Anwendungen mit FastAPI oder ähnlichen Frameworks als API bereitstellen
- Docker-Containerisierung für LLM-Apps und Deployment auf Cloud-Plattformen
- Token-Kosten berechnen und Budget-Limits implementieren
- Logging, Tracing und Monitoring für LLM-Calls (Langfuse, Helicone oder ähnliche Tools)
- Fehlerbehandlung: Rate Limits, Timeouts, Fallback-Strategien
- A/B-Testing für Prompts und Modelle in der Produktion
Praxis-Block — Eigene LLM-Anwendungen bauen
- Chatbot mit persistentem Gesprächsverlauf und System-Prompt implementieren
- RAG-System über eine eigene Dokumentensammlung aufbauen
- Tool-verwendenden Agenten für eine konkrete Aufgabe entwickeln
- Vektordatenbank mit eigenen Texten befüllen und Suchanfragen optimieren
- API-Endpunkt für eine LLM-gestützte Funktion mit FastAPI bereitstellen
- Token-Budget-Tracking in eine bestehende Anwendung einbauen
- Einfachen Prompt-Evaluierungsrahmen entwickeln und Ergebnisse vergleichen
- Streaming-Responses in eine Web-Oberfläche integrieren
- Containerisiertes Deployment auf einer Cloud-Plattform durchführen
- Monitoring-Dashboard für API-Calls und Latenzen einrichten
- Capstone-Projekt: Vollständige LLM-App von der Anforderung bis zum Deployment
Lernziele:
- LLM-APIs (Chat Completion, Embeddings, Function Calling) in eigenen Anwendungen integrieren
- Prompts strukturiert entwickeln, testen und auf Konsistenz und Qualität überprüfen
- Retrieval-Augmented Generation (RAG) von Grund auf implementieren
- Vektordatenbanken für semantische Suche einrichten und abfragen
- Agenten-Systeme mit Tool Use und autonomen Entscheidungsschleifen bauen
- Token-Verbrauch messen, optimieren und Kostenkalkulationen für den Produktionsbetrieb erstellen
- LLM-Anwendungen containerisiert deployen und mit Monitoring-Tools überwachen
- Teststrategien für nicht-deterministische KI-Systeme entwickeln und umsetzen
- Fehlerquellen in LLM-Pipelines (Halluzinationen, Kontextlängen, Latenzen) systematisch behandeln
- Sicherheits- und Datenschutzanforderungen beim Einsatz externer LLM-APIs berücksichtigen
- Eine vollständige LLM-Applikation von der Idee bis zum produktionsfähigen Deployment aufbauen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Personen mit Grundkenntnissen in Softwareentwicklung oder Product Engineering, die LLM-APIs gezielt in Anwendungen einsetzen wollen. Auch technikaffine Quereinsteiger, die bereits erste Berührungspunkte mit Code und APIs haben, können den Kurs erfolgreich absolvieren.
- Softwareentwickler, die KI-Features in bestehende Anwendungen integrieren wollen
- Product Engineers, die eigenständig LLM-gestützte Produkte bauen möchten
- Technische Gründer, die KI-Anwendungen ohne großes ML-Forschungsteam entwickeln
- Quereinsteiger mit digitalem Hintergrund und ersten Programmierkenntnissen
- Fachkräfte aus dem Bereich Product Management oder Data, die technische LLM-Konzepte verstehen wollen
Grundkenntnisse in Softwareentwicklung oder Product Engineering werden erwartet — erste Erfahrungen mit Python oder einer vergleichbaren Sprache sowie Verständnis von API-Aufrufen und JSON-Strukturen sind sinnvoll. Deutschkenntnisse auf mindestens B2-Niveau sind erforderlich. Vorkenntnisse in Machine Learning oder Deep Learning sind nicht notwendig.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist konsequent projekt- und codegetrieben. Statt Theorie-Blöcken mit angehängten Übungen wird jedes Konzept sofort in Code umgesetzt — Teilnehmende schreiben von der ersten Stunde an echte LLM-Anwendungen. Code-Reviews, Peer-Feedback und Live-Coding-Sessions sind feste Bestandteile des Formats. Die Entwicklungsumgebung ist Python-basiert; Colab-Notebooks oder lokale Setups sind beide möglich.
Die genaue Laufzeit hängt vom jeweiligen Anbieter und der Durchführungsform ab. Das Curriculum ist modular aufgebaut: Die vier Kernmodule bauen aufeinander auf und münden in einem abschließenden Capstone-Projekt, das den gesamten Entwicklungszyklus einer LLM-Anwendung abdeckt. Vollzeitformate von mehreren Wochen sind ausreichend; berufsbegleitende Teilzeitvarianten sind je nach Anbieter ebenfalls möglich.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein Zertifikat des jeweiligen Anbieters, das die Qualifikation im Bereich LLM-Applikationsentwicklung belegt. Das Capstone-Projekt — eine selbst entwickelte LLM-Anwendung — ist der greifbarste Kompetenznachweis und kann in eigenen Projekten, Repositories oder Portfolios eingesetzt werden. Anders als reine Theorie-Zertifikate beweist dieses Portfolio-Stück konkret, was technisch umsetzbar ist.
Nutzen & Perspektiven
LLM-App-Entwicklung ist eine der gefragtesten Fähigkeiten im Softwaremarkt. Unternehmen aller Branchen suchen Entwicklerinnen und Entwickler, die KI-Funktionalität nicht nur beschreiben, sondern tatsächlich implementieren können — von der API-Integration bis zum produktionsfähigen Deployment. Wer diesen Kurs absolviert, kann sofort produktive Beiträge in realen Projekten leisten, weil alle behandelten Patterns direkt auf echte Codebases übertragbar sind. Der Kurs setzt bewusst auf technische Tiefe statt oberflächlicher Prompting-Tipps. RAG-Implementierung, Agenten-Architekturen und Monitoring-Strategien sind Fähigkeiten, die über das Niveau einfacher Chatbot-Wrapper hinausgehen und am Arbeitsmarkt entsprechend höher bewertet werden. Wer diese Konzepte beherrscht, kann auch komplexe KI-Produktanforderungen strukturiert angehen und anderen Teammitgliedern erklären, warum bestimmte Architekturentscheidungen getroffen wurden. Das Capstone-Projekt ist dabei mehr als eine Abschlussaufgabe: Es ist ein konkretes Artefakt, das zeigt, was entstanden ist. Ob Dokument-Chat-System, interner Wissensassistent oder API-basierter Datenanalyst — das Endprodukt ist ein reales Beispiel für eigene LLM-Entwicklungskompetenz und ein Gesprächsthema in jedem technischen Einstellungsgespräch.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich Machine-Learning-Vorkenntnisse?
Nein. Der Kurs setzt keine ML-Kenntnisse voraus. Der Fokus liegt auf der Applikations-Entwicklungsschicht — also der Nutzung von LLM-APIs —, nicht auf dem Training von Modellen. Grundkenntnisse in Python und APIs sind wichtiger.
Welche Programmiersprache wird im Kurs verwendet?
Der Kurs ist Python-basiert, da Python die dominante Sprache im LLM-Ökosystem ist. Alle wesentlichen Bibliotheken — LangChain, LlamaIndex, OpenAI-SDK, FastAPI — haben Python als primäre Sprache.
Was ist RAG und warum ist es wichtig?
RAG steht für Retrieval-Augmented Generation. Damit können LLM-Anwendungen auf eigene Dokumente, Datenbanken oder Wissenbasen zugreifen, statt nur auf das vortrainierte Modellwissen angewiesen zu sein. Das ist der Schlüssel für die meisten realen Unternehmensanwendungen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Teilnehmende erhalten ein Zertifikat des jeweiligen Kursanbieters. Daneben entsteht im Rahmen des Capstone-Projekts eine vollständige LLM-Anwendung, die als Portfolio-Stück und Kompetenznachweis verwendet werden kann.
Welche Berufsfelder werden durch diesen Kurs erschlossen?
Der Kurs qualifiziert für Rollen als KI-Entwickler/in, AI Engineer oder AI Application Developer. Einsatzmöglichkeiten bestehen in Softwareunternehmen, digitalen Agenturen, Startups und in technischen Einheiten größerer Unternehmen.
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