Überblick
KI-gestützte Produkte stellen UX-Designer vor fundamentale neue Fragen: Wie kommuniziert eine Oberfläche, dass eine Entscheidung von einem Algorithmus getroffen wurde? Wie viel Transparenz braucht ein System, damit Nutzerinnen und Nutzer ihm vertrauen? Wie wird Bias in Datensätzen zu einem Interface-Problem — und wie können Designer gegensteuern? Dieser Kurs adressiert genau diese Schnittstelle zwischen Designpraxis und KI-System-Eigenschaften. Teilnehmende lernen, KI-Features nicht nur zu verkleiden, sondern bewusst zu gestalten: mit Erklärbarkeits-Patterns, Override-Mechanismen, ethisch fundierten Designentscheidungen und einem Grundverständnis des europäischen Regulierungsrahmens (EU AI Act).
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen: KI-Systeme aus Designperspektive verstehen: Bevor eine Oberfläche gestaltet werden kann, muss das Designteam verstehen, wie KI-Systeme arbeiten — und wo ihre Grenzen liegen. Dieser Block gibt keine Einführung ins Machine Learning, sondern vermittelt das konzeptionelle Wissen, das Designer brauchen, um sinnvoll mit Entwicklern und Produktmanagern über KI-Features zu sprechen.
- Was KI-Systeme leisten können und wo sie versagen: Trainingsdaten, Modell-Output, Konfidenz
- Deterministische vs. probabilistische Systeme: Was bedeutet das für den Interface-Entwurf?
- Die sieben Designprinzipien für vertrauenswürdige KI nach EU-Richtlinien
- Mental Models von Nutzern gegenüber KI: Erwartungen, Missverständnisse, Vertrauensaufbau
- KI-Klassifizierung nach EU AI Act: Hochrisiko-Systeme und ihre Anforderungen an Interfaces
- Designethik in KI-Projekten: Wer trägt Verantwortung für algorithmische Entscheidungen?
Modul 2 — Erklärbarkeit und Transparenz: Explainable AI (XAI): Nutzerinnen und Nutzer, die nicht verstehen, warum ein System eine bestimmte Empfehlung oder Entscheidung trifft, reagieren mit Misstrauen oder Fehlverhalten. Dieser Block behandelt die Interface-Patterns, die Systemtransparenz auf verständliche Weise kommunizieren — ohne die Benutzeroberfläche zu überfordern.
- XAI-Grundkonzepte: Was müssen Nutzer über eine KI-Entscheidung wissen?
- Erklärbarkeits-Pattern-Bibliothek: Feature-Importance-Balken, Entscheidungsbaum-Visualisierungen, Gegenbeispiele
- Konfidenz-Kommunikation: Prozentwerte, Farben, Balken — was wirkt wie?
- Progressive Disclosure für KI-Erklärungen: wann zeige ich wie viel?
- Override-Mechanismen: Wie gestalte ich Einspruchs- und Korrektur-Flows?
- Fallstudie: Kreditentscheidungs-UI, Diagnoseunterstützung, Recruiting-Screening
Modul 3 — Bias, Ethik und Human-Centered AI: Algorithmischer Bias ist kein rein technisches Problem — er manifestiert sich in Interfaces. Wer welche Empfehlungen bekommt, wessen Gesicht die Gesichtserkennung schlechter erkennt, welche Sprache das Modell bevorzugt — all das ist für Designer relevant und gestaltbar. Dieser Block schärft das Bewusstsein und gibt konkrete Methoden.
- Bias-Arten und ihre Interface-Manifestationen: Representation Bias, Measurement Bias, Aggregation Bias
- Fairness-Definitionen im UX-Kontext: Gleiche Fehlerquoten, Chancengleichheit, individuelle Fairness
- Methoden zur Bias-Erkennung im UX-Research: Audit-Protokolle, diverse Testgruppen
- Feedback-Mechanismen gestalten, die systemische Fehler an Entwickler zurückmelden
- Datenschutz-by-Design in KI-Produkten: Minimaldatenerhebung, Opt-out-Flows
- EU AI Act High-Risk-Anforderungen: Dokumentation, Aufsicht, Erklärbarkeit für Endnutzer
Modul 4 — Conversational UI, Adaptive Interfaces und KI-Werkzeuge im UX-Prozess: Chatbasierte KI-Interfaces und sich anpassende Systeme sind die häufigsten KI-Feature-Typen, mit denen Designer heute konfrontiert werden. Dieser Block behandelt die Besonderheiten dieser Interface-Klassen und zeigt außerdem, wie KI-Werkzeuge im eigenen UX-Prozess sinnvoll eingesetzt werden können.
- Conversational-UI-Flows: Turn-Taking, Fehlerbehandlung, Onboarding und Offboarding
- Chatbot-Designprinzipien: Klare Fähigkeitskommunikation, Graceful Degradation, Handoff zu menschlichem Support
- Adaptive Interfaces: Personalisierung, Kontext-Awareness, Nutzerkontrolle vs. Automatisierung
- KI-Werkzeuge im Research: Syntheseassistenten, Affinity-Diagramm-Tools, automatische Transkripte
- KI-Werkzeuge im Design: Generative UI-Vorschläge, Accessibility-Prüfung, Varianten-Exploration
- Kritischer Umgang mit KI-generierten Designvorschlägen: Qualitätsprüfung und Kuratierung
Praxis-Block — Designprojekte und Prototypen für KI-Interfaces
- XAI-Pattern anwenden: Entscheidungs-Erklärung für einen Empfehlungsalgorithmus prototypen
- Konfidenz-Kommunikation gestalten: Drei Varianten einer Unsicherheits-Anzeige testen
- Override-Flow für eine KI-Scoring-Anwendung entwickeln und iterieren
- Bias-Audit an einem existierenden Interface-Prototyp durchführen
- Conversational-UI-Fluss für einen Onboarding-Bot skizzieren und testen
- Adaptive Navigation für unterschiedliche Nutzungskontexte entwerfen
- EU AI Act: Checkliste für ein Hochrisiko-KI-Interface erstellen
- Wizard-of-Oz-Usability-Test für ein KI-Feature planen und auswerten
- Persona-Set für KI-Nutzer mit unterschiedlichem Tech-Vertrauen entwickeln
- KI-Werkzeug im eigenen UX-Research-Prozess erproben und kritisch bewerten
- Portfolio-Stück: Vollständiges UX-Konzept für ein KI-gestütztes Feature
Lernziele:
- Die besonderen UX-Herausforderungen von KI-Systemen (Unsicherheit, Erklärbarkeit, Autonomie) benennen und einordnen
- Explainable-AI-Interface-Patterns entwickeln, die Systementscheidungen transparent kommunizieren
- Konfidenzanzeigen gestalten und Nutzer über Unsicherheiten in KI-Ausgaben informieren
- Override-Mechanismen und Human-in-the-Loop-Patterns in Interfaces integrieren
- Algorithmischen Bias in Trainingsdaten und Modellergebnissen als Designproblem identifizieren
- Ethisch fundierte Designentscheidungen treffen und in Designreviews argumentieren
- Conversational-UI-Flows für chatbasierte KI-Schnittstellen konzipieren und prototypen
- Adaptive Interfaces entwerfen, die sich an Nutzerverhalten und Kontextbedingungen anpassen
- KI-Werkzeuge im UX-Forschungsprozess (User Research, Synthese, Persona-Generierung) einsetzen
- Grundprinzipien des EU AI Acts für Designer einordnen und in Projekten anwenden
- UX-Forschungsmethoden für KI-Produkte (Wizard-of-Oz-Testing, Expectation-Mapping) durchführen
- Prototypen für KI-gestützte Features entwickeln und mit Nutzerinnen und Nutzern testen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an UX- und UI-Designer sowie Product Designer, die mit KI-Features konfrontiert werden und deren Besonderheiten im Designprozess aktiv gestalten wollen. Auch UX-Researcher und Product Manager mit Designhintergrund profitieren von den Methoden und Frameworks.
- UX-Designer, die KI-Features in digitale Produkte integrieren müssen
- UI-Designer und Product Designer, die auf explainable und ethische KI-Interfaces spezialisieren wollen
- UX-Researcher, die Methoden für die Evaluation von KI-Produkten suchen
- Quereinsteiger mit digitalem Grundverständnis und Interesse an UX/UI-Design
Grundkenntnisse in digitalen Design-Tools und UX-Grundbegriffen werden vorausgesetzt. Interesse an den Schnittstellen von Technologie, Design und Ethik ist wichtiger als tiefes technisches Vorwissen. Deutschkenntnisse mindestens B2 sind erforderlich. Programmierkenntnisse sind nicht notwendig.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet konzeptionelle Diskussionen mit handfester Designarbeit. Fallstudien aus realen KI-Produkten — Kreditbewertungssysteme, medizinische Diagnosetools, Recruiting-Screening — dienen als Ausgangspunkt für eigene Designentscheidungen. Peer-Kritik und strukturiertes Feedback auf Prototypen sind feste Bestandteile des Formats. Der Kurs lässt sich online oder in Präsenz absolvieren.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter und Durchführungsform. Das Curriculum ist modular aufgebaut und kann sowohl in intensiven Vollzeitblöcken als auch berufsbegleitend absolviert werden.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein Zertifikat des jeweiligen Anbieters. Das im Kurs erarbeitete Portfolio-Stück — ein vollständiges UX-Konzept für ein KI-Feature — ist der direkteste Kompetenznachweis für spezialisierte Designrollen im KI-Umfeld.
Nutzen & Perspektiven
KI-Produkte proliferieren — und die meisten von ihnen haben erhebliche UX-Defizite: mangelhafte Erklärbarkeit, fehlende Override-Optionen, unbewusst eingebauter Bias, überfordernde Schnittstellen. Designer, die diese Probleme benennen und lösen können, sind in Tech-Unternehmen, Agenturen und Beratungen gleichermaßen gefragt. Die Auseinandersetzung mit dem EU AI Act gibt dem Kurs eine Dimension, die in Designausbildungen noch selten vermittelt wird: Regulierung als Designanforderung zu verstehen, statt sie als externe Bürokratie zu betrachten. Hochrisiko-Systeme, für die der Act strenge Interface-Anforderungen stellt, sind genau die Systeme, bei denen designkompetente Fachkräfte den größten Unterschied machen. Schließlich positioniert der Kurs seine Absolventinnen und Absolventen in einer Nische, die wächst: AI-Product-Designer und UX Researcher mit KI-Spezialisierung sind gefragte Profile, die den Brückenschlag zwischen Designdenken und algorithmischen Systemem beherrschen — eine Kombination, die am Markt noch selten ist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich technisches KI-Wissen?
Nein. Der Kurs richtet sich an Designer, nicht an Entwickler. Das notwendige Verständnis von KI-Systemeigenschaften — Konfidenz, Bias, Erklärbarkeit — wird im Kurs selbst aufgebaut. Mathematik oder Programmierkenntnisse sind nicht erforderlich.
Was ist Explainable AI (XAI) im Designkontext?
XAI bezeichnet Interface-Muster, die Nutzern kommunizieren, wie und warum ein System zu einer Entscheidung gekommen ist. Das kann eine einfache Konfidenzanzeige sein, ein Gegenbeispiel ("Diese Empfehlung erscheint, weil Sie X angeschaut haben") oder ein Override-Knopf. Der Kurs entwickelt diese Patterns praktisch.
Was hat der EU AI Act mit UX-Design zu tun?
Der EU AI Act legt für bestimmte Hochrisiko-KI-Systeme konkrete Anforderungen an Interfaces fest: Nutzer müssen über die KI informiert werden, Systeme müssen erklärbar sein, und menschliche Aufsicht muss ermöglicht werden. Diese Anforderungen übersetzen sich direkt in Interface-Entscheidungen — und sind damit Designaufgabe.
Kann ich den Kurs auch ohne UX-Grundkenntnisse besuchen?
Grundkenntnisse in digitalen Design-Tools und UX-Konzepten werden vorausgesetzt. Wer noch keine UX-Erfahrung hat, sollte zunächst einen UX-Grundlagenkurs absolvieren. Quereinsteiger mit digitalem Hintergrund und eigenem Interesse an Design sind jedoch willkommen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Teilnehmende erhalten ein Zertifikat des jeweiligen Anbieters sowie ein vollständiges UX-Portfolio-Stück, das die spezifischen KI-Design-Kompetenzen belegt. In einem Portfolio-getriebenen Berufsfeld wie UX-Design ist das der direkteste Kompetenznachweis.
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