Überblick
Im Bauwesen treffen zwei Wissensfelder aufeinander, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, in der Praxis jedoch eng verzahnt sind: das Kostenmanagement nach nationalen Normen und die Abbildung dieser Prozesse in ERP-Systemen. Wer Baukostenplanung, Ausschreibung und Abrechnung professionell beherrscht und dazu die führende Unternehmenssoftware SAP bedienen kann, ist in Bauunternehmen, Immobilienverwaltungen und technischen Gebäudeservices ein gesuchtes Profil. Diese Weiterbildung verbindet beide Themenstränge in zwei aufeinanderfolgenden Modulen: Im ersten Modul erarbeiten Sie die normativen Grundlagen und Instrumente des Baukostenmanagements — Honorar- und Kostenermittlung nach HOAI, Vergabe nach VOB sowie Ausschreibungs- und Abrechnungsprozesse (AVA). Im zweiten Modul erlernen Sie SAP auf Anwenderebene und schließen mit der SAP Certified User Foundation Level-Zertifizierung (SAP FL) ab. Die Dauer der Weiterbildung liegt bei ein bis drei Monaten in Vollzeit.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Bau- und Kostenmanagement nach HOAI, VOB und AVA Das Baukostenmanagement ist das Herzstück dieses Moduls. Ausgehend von der HOAI — dem Preisrahmen für Architektur- und Ingenieurleistungen — wird die gesamte Kostenkette vom Grundstück bis zur Fertigstellung durchleuchtet. Besondere Bedeutung hat dabei die DIN 276 als Gliederungssystem für Baukosten, das in Ausschreibungen, Finanzierungen und Abrechnungen branchenübergreifend eingesetzt wird.
- Honorarermittlung nach HOAI: Leistungsbilder, Leistungsphasen, anrechenbare Kosten
- Kostenermittlung nach DIN 276: Kostengruppen 100–700, Kostengliederung in den Planungsphasen
- Flächen- und Raumberechnung nach DIN 277 und Wohnflächenverordnung (WoFlV)
- Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen: VOB/A (Vergabe), VOB/B (Vertrag), VOB/C (Ausführung)
- AVA-Prozess: Ausschreibung, Vergabe, Abrechnung — Struktur und Dokumentationspflichten
- Rechtliche Rahmenbedingungen im Bau: BGB-Werkvertragsrecht, aktuelle Urteile und deren Auswirkungen
Modul 2 — SAP Certified User Foundation Level (SAP FL) SAP ist in Unternehmen ab einer gewissen Größe das Standard-ERP-System. In Bauunternehmen, Immobilienverwaltungen und technischen Dienstleistern werden über SAP Aufträge, Beschaffungen, Abrechnungen und Investitionskontrollen abgebildet. Dieses Modul führt Sie auf Anwenderebene in SAP ein und bereitet auf die offizielle Foundation-Level-Zertifizierung vor.
- SAP-Systemlandschaft: Mandanten, Systemtypen, Transaktionskennungen
- Bedienung der SAP-Oberfläche: Logon, GUI, Navigation, Favoriten, personalisierbare Einstellungen
- SAP-Produktpalette und Lösungsbereiche: ERP, S/4HANA, BusinessObjects, NetWeaver
- Kernprozesse in SAP: Einkauf (MM), Finanzwesen (FI), Controlling (CO) — Grundkonzepte
- SAP-Services und Integrationsarchitektur: SOA-Konzepte, SAP NetWeaver als Technologiebasis
- SAP Certified User Foundation Level: Prüfungsinhalte, Aufgabentypen, Vorbereitung
Praxis-Block — Anwendungen aus dem Bau- und SAP-Kontext In den praktischen Übungen werden die Lerninhalte beider Module in konkreten Szenarien verankert. Der Bauschwerpunkt stellt sicher, dass die SAP-Kenntnisse im relevanten Fachkontext verankert bleiben.
- Kostenermittlung nach DIN 276 für ein Mustergebäude in den Kostengruppen durchführen
- HOAI-Honorar für eine Planungsleistung berechnen und dokumentieren
- Flächenberechnung nach DIN 277 für ein Grundrissbeispiel erstellen
- AVA-Prozessablauf anhand eines Musterprojekts nachvollziehen und dokumentieren
- VOB-relevante Vertragssituationen anhand von Fallbeispielen einordnen
- SAP-Oberfläche anhand von Navigationsübungen sicher bedienen
- Einfache Buchungsvorgänge und Transaktionen in SAP-Übungsszenarien durchführen
- SAP-Systembestandteile anhand von Strukturdiagrammen erkennen und benennen
- Verknüpfung von AVA-Prozessen mit SAP-Modulen konzeptionell erarbeiten
- SAP Foundation Level-Prüfungsaufgaben üben und auswerten
- Kostencontrolling-Konzept für ein Bauprojekt in SAP-Logik übersetzen
Lernziele:
- Sie kennen die Struktur und Anwendungsbereiche der HOAI und können Honorare für Planungsleistungen einordnen
- Sie ermitteln Baukosten nach DIN 276 in den Kostengruppen und schätzen Kostenstände in den Leistungsphasen
- Sie wenden die Flächen- und Raumberechnungsnormen DIN 277 und WoFlV korrekt an
- Sie kennen die Vergabe- und Vertragsordnung VOB/A, VOB/B und VOB/C und deren praktische Bedeutung
- Sie begleiten Ausschreibungs-, Vergabe- und Abrechnungsprozesse (AVA) methodisch korrekt
- Sie kennen relevante rechtliche Rahmenbedingungen für das Bauprojektmanagement
- Sie navigieren in der SAP-Oberfläche (Logon, GUI, Menüsteuerung) sicher und effizient
- Sie verstehen SAP-Systemarchitektur: Produkte, Lösungen, NetWeaver-Grundlagen
- Sie führen typische Anwendertätigkeiten in SAP durch und kennen die wesentlichen Transaktionen
- Sie sind auf die SAP Certified User Foundation Level-Prüfung vorbereitet
- Sie können SAP-Kenntnisse auf baubranchenspezifische Anwendungsszenarien übertragen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte mit Bezug zum Bauwesen, Immobilien- oder technischen Gebäudemanagement, die ihre Kenntnisse um SAP erweitern und gleichzeitig die normativen Grundlagen des Baukostenmanagements systematisch aufarbeiten möchten.
- Baukaufleute, Bautechniker und Hochbautechnikerinnen, die SAP-Kenntnisse aufbauen wollen
- Sachbearbeiter in Bauunternehmen oder Wohnungswirtschaft ohne formale SAP-Qualifikation
- Beschäftigte im Facility Management oder technischen Gebäudemanagement mit HOAI-/VOB-Bedarf
- Quereinsteiger in Bau- oder Immobilienberufe mit kaufmännischer Grundbildung
- Fachkräfte, die SAP FL als international anerkanntes Einsteiger-Zertifikat erwerben möchten
Gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind Grundvoraussetzung. Allgemeine PC-Kenntnisse werden erwartet. Vorkenntnisse in der Bauwirtschaft sind hilfreich, aber nicht zwingend: Das Baukostenmodul beginnt mit den normativen Grundlagen. SAP-Vorkenntnisse werden nicht vorausgesetzt; das SAP-Modul führt von der Oberfläche an systematisch in die Anwendung ein.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht findet im Combined-Learning-Format in Vollzeit statt. Beide Module setzen auf praxisorientierte Aufgaben: Im Baukostenmodul werden Normen und Berechnungsverfahren anhand von Musterbeispielen angewendet. Im SAP-Modul stehen Übungen in einer SAP-Übungsumgebung im Vordergrund, da die Oberflächen- und Transaktionskenntnis direktes Ausprobieren verlangt. Der Kurs ist klar strukturiert und folgt dem Ablauf der Zertifizierungsprüfung im SAP-Modul.
Die Gesamtdauer liegt bei einem bis drei Monaten in Vollzeit. Jedes der beiden Module umfasst ca. vier Wochen, sodass ein schrittweiser Wissenserwerb und eine gezielte Vorbereitung auf die SAP-Zertifizierungsprüfung möglich sind.
Nach Abschluss erhalten Sie das SAP Certified User Foundation Level-Zertifikat (SAP FL) — ein von SAP herausgegebenes Einsteigerzertifikat, das weltweit anerkannt ist und die Grundkompetenz in der SAP-Nutzung bescheinigt. Die SAP-Fortbildungen werden im Rahmen einer SAP-Bildungspartnerschaft durchgeführt, was die Echtheit und Aktualität der Kursinhalte sicherstellt. Zusätzlich erhalten Sie ein Trägerzertifikat über die Gesamtmaßnahme. Bei AZAV-Zulassung ist eine Förderung über einen Bildungsgutschein möglich.
Nutzen & Perspektiven
Baukostenmanagement ohne ERP-Anbindung ist in mittleren und größeren Bauunternehmen heute die Ausnahme. Wer HOAI und DIN 276 beherrscht, aber SAP nicht bedienen kann, muss in der Praxis auf Kolleginnen und Kollegen angewiesen sein oder bleibt auf manuelle Kalkulationstools beschränkt. Diese Weiterbildung schließt diese Lücke gezielt: Sie kombiniert normatives Fachwissen mit der Werkzeugkompetenz, die in der Praxis benötigt wird. Das SAP Foundation Level-Zertifikat signalisiert Arbeitgebern ein verifizierbares Grundverständnis der SAP-Nutzung. Es ist besonders dann wertvoll, wenn jemand in eine Stelle wechselt, in der SAP bereits eingesetzt wird, aber keine tiefe Modul-Spezialisierung verlangt wird. Im Bau- und Immobilienbereich deckt das Foundation-Zertifikat viele praktische Anforderungen ab. Wer nach diesem Kurs tiefer in SAP-Funktionen einsteigen möchte, findet mit modulspezifischen SAP-Schulungen — etwa zu SAP PM für Instandhaltung oder SAP PS für Projektsteuerung — klare Anschlusspfade. Die Grundlage, die SAP FL legt, macht diese weiterführenden Qualifizierungen zugänglicher und verkürzt die Einarbeitungszeit erheblich.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was deckt das SAP Foundation Level-Zertifikat ab?
Das SAP Certified User Foundation Level (SAP FL) bescheinigt grundlegende Kenntnisse in der SAP-Systemnutzung: Navigation in der SAP-Oberfläche, Verständnis der Systemarchitektur und Grundkenntnisse der SAP-Produktpalette. Es ist kein tiefes Modul-Zertifikat, sondern ein Einstiegsnachweis, der die Grundkompetenz für die SAP-Anwendung im Unternehmensalltag belegt.
Für wen ist dieser Kurs geeignet, der keine Bauerfahrung hat?
Quereinsteiger mit kaufmännischer oder technischer Ausbildung können den Kurs besuchen. Das Baukostenmodul beginnt bei den normativen Grundlagen und setzt keine Bauerfahrung voraus. Interesse an technisch-wirtschaftlichen Prozessen im Bauwesen ist allerdings eine hilfreiche Voraussetzung.
Was ist der Unterschied zwischen HOAI und DIN 276?
Die HOAI regelt die Honorare für Architekten und Ingenieure — also was Planungsleistungen kosten dürfen. Die DIN 276 ist ein Gliederungssystem für Baukosten, das die Gesamtkosten eines Bauvorhabens in Kostengruppen strukturiert. Beide Normen spielen im Baukostenmanagement zusammen: Die DIN 276 gibt die Struktur vor, die HOAI bestimmt den Planungsanteil.
Was bedeutet AVA im Baukontext?
AVA steht für Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung. Es beschreibt den Prozess, mit dem Bauleistungen ausgeschrieben, an Unternehmen vergeben und nach Ausführung abgerechnet werden. Der AVA-Prozess ist in Deutschland weitgehend durch die VOB geregelt und Bestandteil vieler Bauprojektmanagement-Stellen.
Ist dieser Kurs förderbar?
Die Maßnahme ist nach AZAV zugelassen. Bei erfüllten persönlichen Fördervoraussetzungen kann die Weiterbildung über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters bis zu 100 Prozent gefördert werden. Ob und in welcher Höhe eine Förderung möglich ist, klären Sie direkt mit Ihrer zuständigen Förderstelle.
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