Überblick
Die Lohnabrechnung im Baugewerbe unterscheidet sich erheblich von der allgemeinen Lohnbuchhaltung. Schlechtwettergeld, poliervertragliche Besonderheiten, Auslöseansprüche, Sozialkassenverfahren nach SOKA-Bau, der Baulohn-Tarifvertrag mit seinen komplexen Lohngruppen und spezifische Jahresabschlussarbeiten machen diesen Bereich zu einer echten Spezialdisziplin. Dieser Kurs vermittelt das Fachwissen, um die Baulohnabrechnung mit DATEV korrekt und rechtssicher durchzuführen — von der Neuanlage einer Baulohn-Abrechnungsstelle bis zu den branchenspezifischen Jahresabschlussarbeiten.
Kursinhalte & Lernziele
Das Curriculum ist auf die spezifischen Herausforderungen der Baulohnabrechnung ausgerichtet. Es verbindet die Kenntnis der tarifvertraglichen und gesetzlichen Grundlagen mit der konkreten Anwendung in der DATEV-Software. Modul 1 — Grundlagen der Baulohnabrechnung Das Baugewerbe hat ein eigenes tarifvertragliches System mit eigenem Mindestlohn, eigenen Lohngruppen, eigenem Urlaubsverfahren und einem branchenspezifischen Sozialkassenverfahren. Dieses Modul legt die konzeptionelle Grundlage für alle weiteren Themen.
- Aufbau des Bau-Tarifvertrags: Lohngruppen, Lohnstufen, Mindestlöhne
- Abgrenzung zwischen Bau- und Nicht-Baulohn in gemischten Betrieben
- SOKA-Bau: Urlaubskasse und Zusatzversorgungskasse der Bauwirtschaft
- Meldepflichten gegenüber SOKA-Bau und Konsequenzen bei Fehlanmeldungen
- Allgemeinverbindlichkeit von Bau-Tarifverträgen und Geltungsbereich
- Kurzüberblick Bau-Arbeitszeitrecht und Schicht-/Nachtarbeit im Baugewerbe
Modul 2 — Stammdaten und Neuanlage in DATEV Die korrekte Anlage von Mitarbeiterstammdaten ist die Voraussetzung für eine fehlerfreie laufende Abrechnung. Im Baugewerbe gibt es dabei besondere Pflichtfelder und spezifische Abrechnungsparameter.
- Baulohn-Abrechnungsstelle in DATEV einrichten und parametrisieren
- Stammdaten für gewerbliche Mitarbeiter anlegen: Lohngruppe, Lohnstufe, Kostenstellen
- Besonderheiten bei der Neuanlage: Sozialkassen-Felder, tarifliche Einstufung
- Berücksichtigung baulohnspezifischer Besonderheiten bei der Stammdatenpflege
- Arbeitsstunden, Schichtmodelle und Mehrarbeit korrekt hinterlegen
- Stammdatenpflege im laufenden Betrieb: Änderungen und Korrekturen
Modul 3 — Laufende Abrechnung und Besonderheiten Der Kernbereich des Kurses behandelt die laufende monatliche Abrechnung mit allen baulohnspezifischen Besonderheiten, die in der Standard-Lohnbuchhaltung nicht vorkommen.
- Schlechtwettergeld: Anspruchsvoraussetzungen, Berechnung und Abrechnung in DATEV
- Auslöseansprüche und Fahrtkostenerstattung im Baugewerbe
- Abrechnung von Sozialzeiten und Abgrenzung zum entschuldigten Fehlen
- Unentschuldigtes Fehlen und seine Auswirkungen auf die Abrechnung
- Mehrarbeitszuschläge, Nachtarbeit und Feiertagsarbeit im Baugewerbe
- Tarifvertragliche Sonderleistungen: Weihnachtsgeld und vermögenswirksame Leistungen
Praxisblock — Monats- und Jahresabschluss Die Abschlussarbeiten im Baulohn folgen einem klaren Rhythmus — und wer diesen Rhythmus einmal sicher beherrscht, arbeitet auch unter Zeitdruck strukturiert. Im Praxisteil werden die wichtigsten Abschlussszenarien direkt in DATEV durchgearbeitet.
- Checkliste Monatsabschluss Baulohn: von der Dateneingabe bis zur Lohnsteueranmeldung
- Urlaubsabgrenzung mit SOKA-Bau: Abrechnung und Erstattungsverfahren
- Jahresabschlussarbeiten: Jahressonderzahlungen, Bescheinigungen, Beitragsnachweise
- Typische Fehler in der Baulohnabrechnung und wie man sie erkennt
- DATEV-Auswertungen für die Bauwirtschaft: Lohnjournal, Baulohnauswertung
- Korrekturbuchungen und Nachberichtigungen in DATEV
- Umgang mit Lohnpfändungen und Abtretungen bei Bauarbeitern
- Praxis-Fallstudien: Abrechnung eines Bauarbeiters von Eintritt bis Austritt
- Abschlussübungen: Schlechtwetterabrechnung, SOKA-Bau-Meldung, Jahresabschluss
Im praktischen Teil der Schulung werden Abrechnungsfälle mit DATEV direkt am System durchgearbeitet. Ziel ist es, am Ende des Kurses typische Monatssituationen im Baulohn eigenständig und korrekt abwickeln zu können. Die Fallszenarien sind so gewählt, dass sie die typischen Stolperstellen des Baulohns abdecken — Schlechtwetterabrechnung mit korrekten Sozialversicherungsauswirkungen, SOKA-Bau-Meldung mit Plausibilitätsprüfung, Jahresabschluss mit Sonderzahlungsabrechnung. Fehler, die in der Praxis häufig passieren, werden im Kurs aktiv thematisiert: Wer die typischen Fehlermuster kennt, meidet sie in der eigenen Abrechnung von Anfang an.
Lernziele:
- Die strukturellen Unterschiede zwischen allgemeiner Lohnabrechnung und Baulohnabrechnung erkennen und einordnen
- Die wichtigsten tarifvertraglichen Regelungen des Baugewerbes kennen und korrekt anwenden
- Baulohn-Mitarbeiter in DATEV anlegen und alle baulohnspezifischen Felder korrekt befüllen
- Schlechtwettergeld, Auslöse und Reisekostenersatz im Baugewerbe berechnen und abrechnen
- Sozialkassenverfahren und Meldepflichten gegenüber SOKA-Bau korrekt handhaben
- Sozialzeiten, Urlaubsabgrenzung und unentschuldigtes Fehlen im Baugewerbe richtig erfassen
- Tarifvertragliche Sonderleistungen wie Weihnachtsgeld und vermögenswirksame Leistungen abrechnen
- Monatsabschlussarbeiten strukturiert und vollständig durchführen
- Jahresabschlussarbeiten im Baugewerbe mit DATEV korrekt abschließen
- Typische Fehler in der Baulohnabrechnung erkennen und vermeiden
- DATEV-Auswertungen und Nachweise für die Bauwirtschaft erstellen
- Meldungen, Bescheinigungen und Nachweise rechtskonform erstellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte in Lohn- und Gehaltsbuchhaltung oder Finanzbuchhaltung, die ihre Kenntnisse auf die speziellen Anforderungen der Baulohnabrechnung ausweiten möchten.
- Lohnbuchhalter und Personalabrechner mit Erfahrung außerhalb der Bauwirtschaft
- Finanzbuchhalter, die in Baubetrieben auch die Lohnabrechnung übernehmen sollen
- Mitarbeiter von Steuerberatungsbüros mit Mandanten in der Bauwirtschaft
- Kaufmännische Fachkräfte, die in Bauunternehmen in den Lohnbereich wechseln wollen
Kaufmännischer Berufsabschluss oder vergleichbare Berufspraxis im kaufmännischen Bereich wird vorausgesetzt. Darüber hinaus sind grundlegende Kenntnisse in der Durchführung von Lohnabrechnungsvorgängen mit DATEV erforderlich — reine Ersteinsteiger ohne DATEV-Erfahrung sollten zunächst eine allgemeine DATEV-Lohngrundlagen-Schulung absolvieren. DATEV-Grundkenntnisse sind also keine Empfehlung, sondern sachliche Voraussetzung für einen sinnvollen Kurseinstieg.
Ablauf & Abschluss
Theorie und Praxis wechseln sich in kurzen Abständen ab. Konzeptionelle Grundlagen zu Tarifrecht und Sozialkassenverfahren werden kompakt erläutert und direkt mit Anwendungsbeispielen in DATEV verknüpft. Fallbasierte Übungen simulieren typische Monatssituationen — von der einfachen Schlechtwetterabrechnung bis zum komplexen Jahresabschluss. Die Unterlagen sind auf die DATEV-Lohnsoftware abgestimmt.
Die genaue Kursdauer variiert je nach Anbieter und gewähltem Format. Praxisanteile mit Rechnerarbeit an DATEV sind in der Gesamtdauer enthalten. Das Themenspektrum reicht von den Grundlagen bis zu den Jahresabschlussarbeiten und deckt damit den vollständigen Abrechungszyklus für das Baugewerbe ab.
Nach Abschluss des Kurses wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Kein staatlicher oder branchenverbandlicher Abschluss ist damit verbunden; die Bescheinigung dokumentiert die fachliche Weiterbildung in einem spezialisierten Bereich der Lohnbuchhaltung.
Nutzen & Perspektiven
Die Baulohnabrechnung ist eine der anspruchsvollsten Spezialisierungen in der Lohnbuchhaltung. Wer sie beherrscht, hat in einem klar abgegrenzten Segment des Arbeitsmarkts ein Alleinstellungsmerkmal — Bauunternehmen, Bauträger und Steuerberatungsbüros mit Bau-Mandanten suchen regelmäßig Fachkräfte mit genau dieser Kombination aus DATEV-Kompetenz und branchenspezifischem Tarifwissen. Fehler in der Baulohnabrechnung haben oft unmittelbare Konsequenzen: Falsche SOKA-Bau-Meldungen führen zu Nachmeldungen und Verzugszinsen, fehlerhafte Schlechtwettergeldberechnungen zu Rückforderungen der Bundesagentur für Arbeit. Fundiertes Fachwissen schützt den Betrieb vor kostspieligen Korrekturen und schafft Sicherheit in der täglichen Arbeit. Für Fachkräfte, die aus der allgemeinen Lohnbuchhaltung in die Bauwirtschaft wechseln wollen, schließt dieser Kurs gezielt die Wissenslücke — konzentriert auf das Wesentliche und praxisnah mit DATEV. Nach dem Kurs lassen sich Baulohnabrechnungen von Anfang bis Ende eigenständig durchführen. Ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird: Bauunternehmen arbeiten häufig saisonal, mit wechselnden Arbeitszeitmodellen und hoher Personalfluktuation. Diese Dynamik macht Stammdatenpflege, Korrekturmöglichkeiten und Meldungsgenauigkeit besonders wichtig — und genau diese Aspekte stehen im Kurs nicht als theoretische Randthemen, sondern als praktische Kernanforderung im Vordergrund. Wer die Baulohnabrechnung wirklich beherrscht, ist auf all diese Situationen vorbereitet.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich schon DATEV-Kenntnisse für diesen Kurs?
Ja. Der Kurs setzt grundlegende Kenntnisse in der DATEV-Lohnabrechnung voraus. Wer bislang noch nie mit DATEV gearbeitet hat, sollte zunächst eine allgemeine Einführungsschulung absolvieren. Dieser Kurs baut gezielt auf vorhandenen DATEV-Kenntnissen auf und erweitert sie um die baulohnspezifischen Besonderheiten.
Was ist SOKA-Bau und warum ist das Thema so wichtig?
SOKA-Bau ist die Sozialkasse des Baugewerbes und umfasst die Urlaubskasse sowie die Zusatzversorgungskasse. Baubetriebe sind tarifvertraglich zur Teilnahme verpflichtet, und Meldungen müssen termingerecht und korrekt erfolgen. Fehler führen zu Nachmeldungen und können Strafzahlungen nach sich ziehen — ein zentrales Thema des Kurses.
Gilt dieser Kurs auch für Steuerberatungsbüros mit Bau-Mandanten?
Ja. Mitarbeiter von Steuerberatungsbüros, die Baulohn-Mandate betreuen oder übernehmen wollen, sind eine wichtige Zielgruppe. Das Wissen um Tarifrecht, SOKA-Bau und die DATEV-spezifische Umsetzung ist in diesem Kontext genauso relevant wie im Baubetrieb selbst.
Welches Zertifikat bekomme ich nach dem Kurs?
Es wird eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Das ist kein staatlich anerkannter Abschluss, dokumentiert aber die fachliche Weiterbildung in einem spezialisierten Bereich — was im Baulohnumfeld von Arbeitgebern und Mandanten als Nachweis der Zusatzqualifikation anerkannt wird.
Wo liegt der Unterschied zwischen allgemeiner Lohnbuchhaltung und Baulohn?
Baulohn hat ein eigenes Tarifgefüge mit spezifischen Lohngruppen, ein branchenspezifisches Urlaubskassenverfahren über SOKA-Bau, das Schlechtwettergeld als besondere Lohnersatzleistung sowie eigene Regelungen zu Sozialzeiten und Auslöseansprüchen. Diese Kombination aus Besonderheiten macht die Baulohnabrechnung zu einer echten Spezialdisziplin.
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