Überblick
Einkauf ist weit mehr als Preisverhandlung. Wer als Einkäuferin oder Einkäufer tätig ist, steuert einen der größten Kostenhebel im Unternehmen: Materialien, Dienstleistungen und Investitionen werden beschafft, Lieferantenbeziehungen langfristig aufgebaut und Bestände so gesteuert, dass Produktion oder Dienstleistungserbringung ohne Engpässe läuft. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung das Berufsfeld grundlegend: Beschaffungsmarktforschung findet online statt, Bestellprozesse werden automatisiert, und Nachhaltigkeits- sowie Compliance-Anforderungen wachsen. Diese Weiterbildung vermittelt die Grundlagen und das handwerkliche Rüstzeug für eine Berufstätigkeit im Einkauf – von den kaufmännischen Kernprinzipien der Materialwirtschaft über Lieferantenmanagement und Einkaufscontrolling bis hin zu den Anforderungen des digitalisierten Einkaufs 4.0. Die Voraussetzung ist eine kaufmännische Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der Materialwirtschaft und Beschaffung Bevor operative Einkaufsaufgaben sinnvoll ausgeführt werden können, müssen die systemischen Grundlagen verstanden sein: Was ist der Unterschied zwischen strategischer und operativer Beschaffung, welche Güter werden wie beschafft, und wie fügt sich der Einkauf in die Unternehmenslogistik ein?
- Objekte der Beschaffung: A-, B- und C-Teile, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Dienstleistungen
- ABC-Analyse und XYZ-Analyse als Steuerungsgrundlage
- Beschaffungsarten: Einzelbeschaffung, Vorratshaltung, Just-in-Time, Konsignationslager
- Schnittstellen zwischen Einkauf, Produktion, Lager und Buchhaltung
- Organisationsformen des Einkaufs: zentral, dezentral, hybride Modelle
- Stellenwert des Einkaufs für Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit
Beschaffungsmarktforschung und Lieferantenmanagement Der Einkauf entscheidet maßgeblich, mit welchen Lieferanten ein Unternehmen zusammenarbeitet – und diese Entscheidung hat langfristige Konsequenzen für Qualität, Verlässlichkeit und Kosten. Dieses Modul vermittelt die Methoden der Marktforschung und des systematischen Lieferantenmanagements.
- Beschaffungsmarktforschung: Quellen, Recherchemethoden, Marktinformationen auswerten
- Lieferantenauswahl: Kriterienkatalog, Anfrage, Angebotsvergleich, Verhandlung
- Lieferantenbewertung: Qualitätsaudits, Scoring-Modelle, kontinuierliche Beurteilung
- Lieferantenentwicklung: Partnerschaftliche Zusammenarbeit, Qualitätsverbesserungen initiieren
- Single Sourcing vs. Multiple Sourcing: Risiken und Chancen
- Lieferantenvertragsgestaltung: SLAs, Lieferbedingungen, Haftungsklauseln
Materialdisposition und Bestandsmanagement Zu viel Bestand bindet Kapital und verursacht Lagerkosten; zu wenig Bestand führt zu Engpässen und Produktionsausfällen. Die richtige Disposition ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben im Einkauf.
- Bestandsarten: Mindestbestand, Sicherheitsbestand, Meldebestand, Maximalbestand
- Dispositionsverfahren: verbrauchsgesteuerte Disposition (Bestellpunkt, Bestellrhythmus), bedarfsgesteuerte Disposition
- Bestellmengenoptimierung: klassische Losgrößenformel (Andler-Formel) und Grenzen in der Praxis
- Lagerkennzahlen: Umschlagshäufigkeit, Reichweite, Lagerkosten
- Engpassmanagement und Notfallbeschaffung
- IT-gestütztes Bestandsmanagement: ERP-Systeme und ihre Dispositionsfunktionen
Beschaffungscontrolling und rechtliche Grundlagen Wer Einkauf verantwortet, muss Ergebnisse messbar machen und rechtlich sauber handeln. Dieses Modul verbindet Kennzahlensystematik mit den kaufmännischen Grundlagen des Einkaufsrechts.
- Einkaufskennzahlen: Einkaufsvolumen, Einsparquote, Liefertreue, Reklamationsquote
- Preisstrukturanalyse: Was steckt im Angebotspreis eines Lieferanten?
- Beschaffungsverträge nach BGB und HGB: Kaufvertrag, Werkvertrag, Dienstleistungsvertrag
- Incoterms: Bedeutung und Anwendung in nationalen und internationalen Einkaufsprozessen
- Zahlungsbedingungen, Skonto, Liefer- und Zahlungsverzug
- Compliance im Einkauf: Vermeidung von Interessenkonflikten, Antikorruptionsregeln
Praxisanwendung: Einkaufsprozesse simulieren Im Praxisblock werden typische Einkaufsszenarien von der Bedarfsermittlung bis zur Rechnungsprüfung durchgespielt, sodass Teilnehmende ein vollständiges Bild des Einkaufsalltags entwickeln.
- Bedarfsermittlung für eine Materialgruppe durchführen und dokumentieren
- Angebotsanfrage an drei fiktive Lieferanten formulieren
- Angebotsvergleich erstellen und Entscheidungsempfehlung begründen
- Lieferantenbewertungsbogen ausfüllen und Ergebnis interpretieren
- Bestellmenge nach Andler-Formel berechnen und Sicherheitsbestand festlegen
- Bestellvorgang im ERP-System simulieren: Bestellung anlegen und freigeben
- Eingangsrechnung prüfen: Menge, Preis, Konditionen
- Reklamation gegenüber einem Lieferanten schriftlich formulieren
- ABC-XYZ-Analyse an einem Beispiel-Warenkorb durchführen
- Incoterm für einen fiktiven Import-Beschaffungsvorgang zuordnen
- Compliance-Checkliste für einen neuen Lieferanten ausfüllen
- Abschlussübung: vollständigen Beschaffungsprozess für eine neue Materialgruppe dokumentieren
Durch die strukturierten Praxisübungen verinnerlichen Teilnehmende nicht nur die theoretischen Methoden, sondern entwickeln die Routine für den realen Einkaufsalltag. Das Gelernte ist direkt anwendbar – in Bewerbungsgesprächen ebenso wie am ersten Arbeitstag.
Lernziele:
Nach Abschluss dieser Weiterbildung sind Sie in der Lage,
- die organisatorische Einbettung des Einkaufs im Unternehmen und seine strategische Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit zu beschreiben,
- Beschaffungsmarketing und Beschaffungsmarktforschung eigenständig durchzuführen,
- Einkaufsstrategien für unterschiedliche Materialgruppen und Lieferantenrisiken zu entwickeln,
- Lieferantenauswahl, -bewertung und -entwicklung systematisch zu gestalten und zu dokumentieren,
- Bestellmengen, Sicherheitsbestände und Lagerkennzahlen nach betriebswirtschaftlichen Methoden zu berechnen,
- Materialdispositionsverfahren (verbrauchsgesteuert, bedarfsgesteuert) sachgemäß einzusetzen,
- Beschaffungsverträge kaufmännisch zu gestalten und rechtliche Grundlagen des BGB und HGB anzuwenden,
- Einkaufscontrolling-Kennzahlen zu definieren und auszuwerten,
- die Auswirkungen des digitalen Wandels (Einkauf 4.0, E-Procurement, Nachhaltigkeit) auf das Einkaufsmanagement einzuordnen,
- in einem Einkaufsteam selbstständig und strukturiert zu arbeiten und Beschaffungsvorgänge vollständig zu dokumentieren.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen mit kaufmännischer Grundlage, die in den Einkauf einsteigen oder ihre Einkaufskenntnisse formal nachweisen möchten.
- Kaufleute aus Industrie, Handel und Dienstleistung, die in Einkaufsabteilungen wechseln möchten
- Personen mit kaufmännischer Ausbildung und Berufspraxis, die sich gezielt für den Bereich Materialwirtschaft qualifizieren
- Mitarbeitende aus Lager, Logistik oder Sachbearbeitung, die Einkaufsaufgaben übernehmen sollen
- Quereinsteiger mit nachgewiesener kaufmännischer Praxis und Englischkenntnissen
- Personen, die eine Weiterbildung zum geprüften Einkäufer oder zur Einkaufsleiterin anstreben
Eine kaufmännische Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis im kaufmännischen Bereich bildet die Grundvoraussetzung. Darüber hinaus werden gute Englischkenntnisse vorausgesetzt, da internationale Beschaffungsprozesse und Lieferantenkorrespondenz häufig auf Englisch stattfinden. Grundlegende PC-Kenntnisse und Vertrautheit mit Office-Anwendungen werden erwartet. Spezifisches Einkaufs-Vorwissen ist nicht erforderlich – die Weiterbildung baut notwendige Fachkenntnisse systematisch auf.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Lehrvorträge zu Einkaufsgrundlagen mit Berechnungsübungen, Fallstudien und praktischen Beschaffungsszenarien. Kalkulationsvorlagen, Bewertungsbögen und Muster-Vertragsformulare stehen als Arbeitsmaterialien bereit. Gruppenarbeiten fördern den Austausch von Praxiserfahrungen; Einzelübungen entwickeln die methodische Eigenständigkeit. Das Lernformat kann in Vollzeit oder Teilzeit stattfinden.
Die Weiterbildung umfasst mehrere Wochen und wird je nach Format in Vollzeit oder Teilzeit absolviert. Der Zeitrahmen erlaubt, alle Kernbereiche – Materialwirtschaft, Lieferantenmanagement, Disposition und Controlling – gründlich zu behandeln und in praktischen Übungen zu festigen.
Nach Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsträgers. Das Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kompetenzen im Einkauf und dient als nachweisbare Qualifikation gegenüber Arbeitgebern. Für weiterführende anerkannte Abschlüsse – etwa den REFA-Einkäufer oder IHK-Zertifikate – kann dieser Kurs als Grundlage oder Vorbereitung dienen.
Nutzen & Perspektiven
Einkauf ist einer der wenigen Unternehmensbereiche, in denen Kosteneinsparungen direkt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung sichtbar werden. Wer im Einkauf arbeitet, hat einen messbaren Einfluss auf das Betriebsergebnis – das schafft unternehmerische Relevanz und oft auch Verhandlungsmacht bei der eigenen Gehaltsgestaltung. Fachleute mit nachgewiesenen Kenntnissen in Lieferantenmanagement, Disposition und Einkaufscontrolling sind in produzierenden Unternehmen, im Handel und in der Logistik gleichermaßen gefragt. Der Kurs vermittelt außerdem Methodenkompetenz, die in der Breite des Berufsfelds einsetzbar ist: ABC-Analyse, Lieferantenbewertung und Bestellmengenoptimierung sind Grundlagen, die in kleinen Einkaufsabteilungen genauso angewendet werden wie in globalen Supply-Chain-Organisationen. Wer diese Methoden sicher beherrscht, kann in unterschiedlichsten Einkaufsrollen und Branchen eingesetzt werden. Digitalisierung verändert den Einkauf fundamental: E-Procurement, automatisierte Bestellprozesse und datengestützte Lieferantenbewertung sind keine Zukunftsthemen mehr, sondern in vielen Unternehmen bereits Praxis. Wer die Grundlagen des digitalen Einkaufs 4.0 versteht und klassische Einkaufskompetenzen mit digitaler Offenheit verbindet, ist für einen Arbeitsmarkt gerüstet, der sich weiter rasant verändern wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Vorausgesetzt werden eine kaufmännische Ausbildung oder einschlägige Berufspraxis sowie gute Englischkenntnisse für internationale Lieferantenkorrespondenz. Spezifisches Einkaufs-Vorwissen ist nicht notwendig – der Kurs baut alle fachlichen Inhalte systematisch auf.
Was ist der Unterschied zwischen strategischem und operativem Einkauf?
Strategischer Einkauf umfasst die langfristige Gestaltung von Beschaffungsstrategien, Lieferantenpartnerschaften und Materialgruppen-Strategien. Operativer Einkauf meint die tägliche Abwicklung von Bestellprozessen, Angebotsvergleichen und Lieferantenkorrespondenz. Dieser Kurs behandelt beide Ebenen und vermittelt sowohl das strategische Verständnis als auch das operative Handwerk.
Welche Bedeutung haben Incoterms im Einkauf?
Incoterms (International Commercial Terms) regeln, wer bei einem internationalen Kauf welche Transport- und Versicherungskosten trägt und wo das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht. Im internationalen Einkauf sind Incoterms fester Bestandteil jedes Vertrags; wer sie nicht kennt, riskiert unkalkulierte Kosten und Haftungsrisiken.
Was ist eine ABC-Analyse und wozu wird sie im Einkauf genutzt?
Die ABC-Analyse teilt Materialien oder Lieferanten nach ihrem Wertanteil am Gesamteinkaufsvolumen in drei Klassen ein: A-Teile (hoher Wert, geringer Mengenanteil), B-Teile (mittlerer Wert) und C-Teile (geringer Wert, hoher Mengenanteil). Sie hilft dem Einkauf, Prioritäten zu setzen: A-Teile brauchen intensive Betreuung, C-Teile können mit standardisierten Prozessen effizient beschafft werden.
Kann ich mit diesem Kurs direkt als Einkäufer arbeiten?
Der Kurs qualifiziert für Einstiegspositionen im Einkauf und in der Materialwirtschaft – insbesondere für operative Sachbearbeitungsrollen und Einkaufsassistenzfunktionen. Für spezialisierte oder leitende Einkaufsrollen empfehlen sich Aufbaukurse oder zusätzliche Berufspraxis. Das Trägerzertifikat ist ein nachweisbarer Qualifikationsnachweis für Arbeitgeber.
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