Überblick
Supply-Chain-Management ist weit mehr als Logistik. Es umfasst die strategische Steuerung aller Prozesse entlang der Lieferkette — von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis zur Auslieferung beim Endkunden. In einer globalisierten Wirtschaft, in der Lieferkettenstörungen unmittelbar auf Umsatz und Wettbewerbsfähigkeit durchschlagen, ist fundiertes SCM-Wissen ein Schlüsselwert. Diese Weiterbildung vermittelt systematisch strategische Planungskompetenz, operative Steuerungsmethoden und das nötige Handwerkszeug für einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Sie richtet sich an Fachkräfte aus Industrie, Handel, Logistikdienstleistung, Beschaffung und Materialwirtschaft sowie an erfahrene Quereinsteiger aus angrenzenden Bereichen.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste thematische Block widmet sich dem strategischen Supply-Chain-Management. Hier lernen Teilnehmende, wie Lieferketten als strategischer Hebel für Wettbewerbsvorteile eingesetzt werden können und welche Risikomanagement-Rahmenwerke dabei helfen, Störungen frühzeitig zu erkennen. Nachhaltigkeit und ethische Anforderungen — etwa aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz — werden praxisnah eingeordnet.
- Strategieentwicklung: Porter's Value Chain, SCOR-Modell
- Risiken erkennen: Lieferkettenstörungen, geopolitische Faktoren, Lieferantenausfälle
- Risikominderung: Dual Sourcing, Sicherheitsbestände, Alternative Logistikwege
- Nachhaltigkeit in der Lieferkette: CO2-Bilanzierung, soziale Standards
- Ethik und Compliance: Sorgfaltspflichten, Transparenzanforderungen
Der zweite Block behandelt die operative Steuerung von Produktion und Materialfluss. Bewährte Methoden wie Kanban-Boards, Andon-Systeme und Just-in-Sequence/Just-in-Time-Konzepte werden erklärt und in Planungsszenarien angewendet. Der richtige Umgang mit Sicherheitsbeständen schützt vor Lieferengpässen, ohne übermäßig Kapital zu binden.
- Kanban zur Produktionssteuerung: Karten, Regeln, digitale Varianten
- Andon-Systeme für Prozessvisualisierung und schnelle Reaktion
- JIS und JIT: Synchronisierung von Lieferung und Produktion
- Sicherheitsbestände berechnen: Servicelevel, Streuung, Wiederbeschaffungszeit
- Bestandsoptimierung: ABC/XYZ-Analyse, Bestandscontrolling
Der dritte Block vertieft kontinuierliche Verbesserung und Qualitätsmanagement mit Lean-Methoden und Six Sigma. Diese Werkzeuge sind in der Supply-Chain besonders wirksam, weil sie Verschwendung systematisch sichtbar machen und Ursache-Wirkungs-Ketten von Problemen aufdecken.
- PDCA-Zyklus: Planen, Testen, Prüfen, Handeln
- 8D-Report: Teambasierte Problemlösung in acht Schritten
- 5S-Methode: Sortieren, Setzen, Säubern, Standardisieren, Selbstdisziplin
- Lean Management: Wertstromanalyse, Muda-Erkennung
- Six Sigma: DMAIC-Zyklus, Prozesskennzahlen, Capability-Analyse
- TOC: Engpassidentifikation, Drum-Buffer-Rope
Der vierte Block behandelt strategisches Beschaffungsmanagement. Hier lernen Teilnehmende, wie Einkauf und Beschaffung zur Wertschöpfung beitragen — von der Lieferantenanalyse und -auswahl über Verhandlungsführung bis zur vertraglichen Absicherung.
- Marktanalyse: Beschaffungsmärkte kartieren, Preisindizes nutzen
- Lieferantenbewertung: Scorecards, Audit, Total Cost of Ownership
- Verhandlungsführung: Vorbereitung, Strategien, Taktiken
- Vertragsmanagement: Rahmenverträge, Pönalen, Gewährleistung
- Risikomanagement in der Beschaffung: Single-Source-Risiko, Qualitätsprobleme
Alle Methoden werden in Fallstudien und Planungsübungen erprobt, die typische SCM-Situationen aus Industrie und Handel abbilden. Dabei werden Entscheidungen unter Unsicherheit trainiert und der Transfer von Theorie in betriebliche Praxis gezielt gefördert.
- Lieferkettenrisiken in einer globalen Fallstudie kartieren
- Kanban-System für einen fiktiven Produktionsprozess auslegen
- Sicherheitsbestand mit gegebenen Parametern berechnen
- 5S-Workshop: Arbeitsplatz analysieren und Maßnahmen ableiten
- PDCA-Zyklus auf einen realen oder fiktiven Qualitätsfehler anwenden
- 8D-Report für ein Teamproblem erarbeiten
- ABC/XYZ-Analyse eines Artikelstamms durchführen
- Lieferanten-Scorecard erstellen und Bewerbungsunterlagen bewerten
- Beschaffungsmarktanalyse für ein konkretes Produktsegment anfertigen
- Verhandlungssimulation: Preisverhandlung mit einem Lieferanten führen
- SCOR-Modell auf eine eigene Lieferkettensituation anwenden
- CO2-Fußabdruck einer einfachen Lieferkette schätzen
Die Übungen orientieren sich an branchenüblichen Datensätzen und Werkzeugen, sodass Teilnehmende den Praxistransfer in ihre konkrete berufliche Situation unmittelbar vollziehen können. Besonderes Gewicht liegt auf der Verbindung von strategischen Entscheidungen und operativen Auswirkungen — ein zentrales Prinzip moderner Supply-Chain-Führung.
Lernziele:
- Supply-Chain-Strategien aus Unternehmenszielen ableiten und operationalisieren
- Risiken in globalen Lieferketten erkennen, bewerten und durch Maßnahmen mitigieren
- Nachhaltigkeits- und Ethikanforderungen in Beschaffungsentscheidungen integrieren
- Produktionssteuerung mit Kanban, Andon und JIT/JIS-Methoden umsetzen
- Sicherheitsbestände korrekt berechnen und Bestandskosten minimieren
- PDCA-Zyklus und 8D-Report für strukturierte Problemlösung im Team einsetzen
- 5S-Methode am Arbeitsplatz einführen und nachhaltig verankern
- Lean-Management-Prinzipien und Six-Sigma-Werkzeuge auf reale Prozesse anwenden
- Theory of Constraints (TOC) und Operations Research als Optimierungsmethoden kennen
- Lieferantenmärkte analysieren, Lieferanten bewerten und strategisch auswählen
- Verhandlungen führen und Verträge sicher gestalten
- Risiken in der Beschaffung systematisch identifizieren und durch Vertragsklauseln absichern
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen aus Logistik, Produktion, Handel und Beschaffung, die ihre strategischen und operativen SCM-Kompetenzen auf ein neues Niveau heben möchten. Auch Quereinsteiger aus Vertrieb, Qualitätssicherung oder Projektmanagement finden hier wertvolle Inhalte.
- Logistik- und Beschaffungsfachkräfte aus Industrie und Handel
- Supply-Chain-Analysten und Projektmanager in Lieferkettenumgebungen
- IT-Fachkräfte, die mit Lieferkettensoftware (ERP, WMS) arbeiten
- Führungskräfte, die Lieferkettenprojekte leiten und strategisch steuern
- Quereinsteiger mit kaufmännischem, technischem oder IT-Hintergrund
Deutschkenntnisse auf B2-Niveau sowie grundlegende Englischkenntnisse sind Voraussetzung. Eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium im kaufmännischen, wirtschaftswissenschaftlichen, technischen, logistischen oder IT-Bereich wird vorausgesetzt. Berufserfahrung in einem angrenzenden Bereich erleichtert den Einstieg in die komplexeren Strategiethemen erheblich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Combined-Learning-Format statt. Präsenz- und Online-Phasen wechseln sich ab, ergänzt durch Selbstlernmaterialien und Fallstudienarbeit. Vollzeit absolviert, ermöglicht dieses Format einen intensiven Kompetenzaufbau in vergleichsweise kurzer Zeit. Gruppenarbeiten und praxisnahe Planspiele fördern das Transferlernen und stärken die Teamkompetenz, die im SCM-Alltag unverzichtbar ist.
Die Weiterbildung dauert mehr als einen Monat bis zu drei Monaten bei Vollzeitteilnahme. Innerhalb dieses Rahmens werden strategisches Management, operative Steuerung, Lean-Methoden und Beschaffung vollständig durchlaufen. Die genaue Stundenzahl und Semesterstruktur legen die einzelnen Anbieter fest.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieser Nachweis dokumentiert die erworbenen Kenntnisse im strategischen und operativen Supply-Chain-Management gegenüber Arbeitgebern. Es handelt sich nicht um ein staatlich anerkanntes Abschlusszeugnis, jedoch um ein in der Branche akzeptiertes Qualifizierungsdokument.
Nutzen & Perspektiven
Supply-Chain-Krisen haben in den letzten Jahren dramatisch gezeigt, wie verletzlich globale Lieferketten sind und wie teuer Unwissenheit über Risikomanagement wird. Unternehmen suchen deshalb intensiv nach Fachkräften, die sowohl strategisch denken als auch operativ umsetzen können. Wer nach dieser Weiterbildung souverän zwischen Lean-Werkzeugen, Beschaffungsstrategien und SCM-Risikokonzepten wechseln kann, ist für Führungsaufgaben in Logistik und Operations exzellent positioniert. Der breite thematische Bogen — von Six Sigma und TOC bis zu Vertragsmanagement und Nachhaltigkeitsanforderungen — macht diesen Kurs besonders wertvoll für Fachkräfte, die sich nicht auf eine Nische beschränken, sondern das gesamte Lieferkettengeschehen überblicken und gestalten möchten. Gerade mittelständische Unternehmen in Industrie und Handel schätzen Generalisten mit tiefem SCM-Verständnis, da sie interne Silos überwinden und Prozesse end-to-end optimieren können. Die Weiterbildung wird bei AZAV-zertifizierten Trägern angeboten und ist in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus können das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr, Rehabilitationsförderung sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung je nach individueller Situation in Betracht kommen. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt die beste Option.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Eine abgeschlossene Ausbildung oder ein Studium in einem kaufmännischen, logistischen, technischen oder IT-Bereich wird vorausgesetzt. Berufserfahrung in angrenzenden Bereichen wie Vertrieb oder Qualitätssicherung erleichtert den Einstieg erheblich.
Ist der Kurs auch für Quereinsteiger geeignet?
Ja, explizit. Quereinsteiger aus Vertrieb, Produktion oder Qualitätssicherung mit relevanter Berufserfahrung finden in diesem Kurs wertvolle Inhalte, um den Wechsel ins Supply-Chain-Management strukturiert zu vollziehen.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Sie erhalten ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Das ist kein Staatsexamen, aber ein anerkannter Nachweis in der Branche, der Ihre erworbenen Kompetenzen dokumentiert.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Ja, bei AZAV-zertifizierten Trägern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Bundesagentur für Arbeit förderbar. Auch das Qualifizierungschancengesetz und weitere Instrumente können in Frage kommen.
Wie praxisnah ist der Kurs aufgebaut?
Sehr praxisnah: Alle Methoden werden in Fallstudien, Planspielen und Übungsaufgaben direkt angewendet. Planspiele zu Verhandlungsführung, Kanban und Risikoanalyse sind fester Bestandteil, kein optionaler Anhang.
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