Überblick
Lieferketten sind das Rückgrat moderner Volkswirtschaften. Wer sie steuert, trägt Verantwortung für Effizienz, Compliance, Nachhaltigkeit und Resilienz — gleichzeitig. Dieser Kurs qualifiziert Fachleute aus Industrie, Handel, Logistik, Beschaffung und verwandten Bereichen zu vollwertigen Senior-Expertinnen und -Experten im Supply Chain Management (SCM). Dabei werden nicht nur Grundlagen vermittelt, sondern alle strategisch relevanten Disziplinen vertieft: SAP-Integration, internationales Logistikmanagement mit IATA-Anforderungen, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG), Krisenmanagement, Lean Management, Six Sigma sowie methodisches Projektmanagement. Der Kurs ist als Vollzeitkurs im Blended-Learning-Format konzipiert und dauert drei bis sechs Monate — ein Zeithorizont, der dem Umfang und der Tiefe der Qualifizierung angemessen ist.
Kursinhalte & Lernziele
Das erste Modul erarbeitet das konzeptionelle Fundament des Supply Chain Managements. Wer SCM-Prozesse optimieren oder Risiken steuern will, muss zunächst die Systemlogik verstehen: Wie sind Lieferketten aufgebaut, welche Kräfte wirken auf sie, und welche Leitprinzipien unterscheiden leistungsfähige von leistungsschwachen Systemen? Dieses Modul schafft den strategischen Rahmen.
- Definition und Bedeutung des SCM in globalen Wirtschaftsstrukturen
- Güter-, Informations- und Finanzflüsse in der Lieferkette
- Kernprinzipien: Integration, Kooperation, Agilität, Transparenz, Nachhaltigkeit
- SCM-Prozesslandschaft: Beschaffung, Produktion, Distribution, Rückführung
- Evolution des SCM und aktuelle Megatrends: Digitalisierung, Nearshoring, Kreislaufwirtschaft
- Best Practices: Referenzmodelle SCOR und CPFR
Das zweite Modul widmet sich der Beschaffung und Distribution als operativen Kerndisziplinen des SCM. Hier lernen die Teilnehmenden, wie Beschaffungsmärkte analysiert, Lieferanten ausgewählt und Vertragsbeziehungen gesteuert werden. Außerdem wird die Logistikkompetenz durch die Behandlung von SAP-Systemen und ERP-Integration gestärkt.
- Beschaffungsstrategien und Lieferantenauswahl
- Vertragsmanagement und Lieferantenentwicklung
- ERP-Systeme im SCM: Überblick und SAP-Integration
- Lagerhaltungskonzepte: FIFO, VMI, Konsignationslager
- Distributionsmanagement und Auswahl der Transportmodalitäten
- Zollabwicklung und Außenhandels-Compliance
Das dritte Modul behandelt das internationale Logistikmanagement mit besonderem Fokus auf Sicherheitsanforderungen und rechtliche Compliance. Luftfracht, Seefracht, Landtransport und multimodale Verkehre haben unterschiedliche Regelwerke — dieses Modul systematisiert das Wissen und macht es betrieblich anwendbar.
- Internationales Logistikmanagement: Überblick Verkehrsträger
- IATA-Vorschriften für den Luftfrachttransport
- Seefrachtrecht und Incoterms
- Risikomanagement in internationalen Transporten
- Gefahrgutvorschriften und ihre Bedeutung für die Lieferkette
- Compliance-Anforderungen im internationalen Handel
Das vierte Modul integriert Nachhaltigkeitsmanagement, das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und Risikomanagement als strategische Kompetenzfelder. Lieferkettenverantwortung ist in Deutschland seit 2023 gesetzlich verankert — Fachkräfte, die dieses Wissen besitzen, sind für ihre Unternehmen unverzichtbar.
- LkSG: Anforderungen, Geltungsbereich und Zeitplan
- Risikoanalysen für Menschenrechts- und Umweltrisiken in der Lieferkette
- Maßnahmenplanung und Präventionspflichten nach LkSG
- Berichterstattungspflichten und öffentliche Transparenz
- Nachhaltigkeitsprinzipien in der Lieferkette: ESG-Kriterien, Scope-3-Emissionen
- Supply-Chain-Risikomanagement: Risikomatrix, Krisenmanagement, Business Continuity
Das fünfte Modul legt den Fokus auf operative Exzellenz mit Lean Management, Six Sigma und modernen Produktionssteuerungsmethoden. Wer Lieferketten optimiert, muss die Logik kontinuierlicher Verbesserung verinnerlicht haben.
- Lean Management: Grundprinzipien, Verschwendungsarten (7+1 Muda)
- 5S-Methode und Standards für Ordnung und Arbeitsplatzsicherheit
- Kanban, Andon, JIT und JIS zur Taktzeitsteuerung
- PDCA-Zyklus und 8D-Report als Verbesserungsformate
- Six Sigma: DMAIC-Methodik und statistische Grundlagen
- Theory of Constraints (TOC) und Operations Research im SCM
In einem modulbegleitenden Praxisteil werden alle Inhalte anhand von Fallstudien und Übungsaufgaben aus dem betrieblichen Alltag vertieft. Typische Übungen sind
- Entwicklung einer Beschaffungsstrategie für ein fiktives produzierendes Unternehmen
- Durchführung einer Risikoanalyse nach LkSG-Anforderungen anhand eines Fallbeispiels
- Erstellen eines Maßnahmenplans zur LkSG-Compliance mit Verantwortlichkeiten
- Aufbau einer Transportkosten-Kalkulation für eine multimodale Route
- Simulation einer Zollabwicklung mit Dokumentencheck
- Einführungsübung in SAP-Transaktionen aus dem SCM-Modul (MM, WM)
- Erstellung eines Risikoportfolios für eine internationale Lieferkette
- Entwicklung eines Kontinuitätsplans für einen definierten Krisenfall
- Wertstromanalyse einer Supply-Chain-Teilstrecke
- Aufbau und Interpretation eines Kanban-Systems für einen Produktionsprozess
- Anwendung des DMAIC-Ansatzes auf einen realen SCM-Fehler
- Erstellung eines agilen Projektplans für eine SCM-Implementierung
Die Praxisübungen werden durch Fallstudien aus realen Unternehmenskontexten unterstützt. Trainer bringen aktuelle Berufserfahrung aus der SCM-Praxis ein und können die Fallbeispiele unmittelbar mit betrieblichen Realitäten verknüpfen. Besonders die Übungen zu LkSG und SAP-Integration werden praxisnah gestaltet, damit die Teilnehmenden ab dem ersten Arbeitstag operativ handlungsfähig sind.
Lernziele:
- Die Teilnehmenden erklären die Grundbegriffe und Kernprinzipien des Supply Chain Managements und beschreiben, wie Güter-, Informations- und Finanzflüsse in globalen Lieferketten organisiert sind
- Sie analysieren bestehende SCM-Prozesse mit etablierten Methoden und identifizieren Optimierungspotenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette
- Sie navigieren in SAP-Systemen für SCM-relevante Funktionen in den Bereichen Beschaffung, Lagerhaltung und Distribution
- Sie entwickeln Beschaffungsstrategien, führen Marktanalysen durch und managen Vertragsbeziehungen mit Lieferanten professionell
- Sie planen und steuern die Distribution von Gütern mit multimodalen Transportlösungen und beachten dabei Zollvorschriften und Compliance-Anforderungen
- Sie wenden IATA-Vorschriften für den Luftfrachttransport an und berücksichtigen die spezifischen Anforderungen der See- und Landfrachtlogistik
- Sie verstehen die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) und setzen diese im Unternehmen durch Risikoanalysen, Maßnahmenpläne und Berichterstattung um
- Sie identifizieren, bewerten und mitigieren SCM-Risiken systematisch und entwickeln Kontinuitätspläne für Krisen und Unterbrechungen der Lieferkette
- Sie messen Nachhaltigkeitsleistung in der Lieferkette mit gängigen KPIs und entwickeln Maßnahmen zur Reduktion des ökologischen Fußabdrucks
- Sie setzen Lean-Management-Methoden wie 5S, Kanban, Andon, JIT und JIS zur Verbesserung der operativen Produktionssteuerung ein
- Sie wenden Six-Sigma-Prinzipien und den PDCA-Zyklus zur Steigerung der Prozessqualität in der Supply Chain an
- Sie führen Projekte im SCM-Kontext nach etablierten Methoden — klassisch mit Gantt-Diagramm und agil — strukturiert und ergebnisorientiert durch
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachleute, die in der Logistik und Lieferkettenkoordination tätig sind oder in diesem Bereich tätig werden möchten, sowie an Führungskräfte und Berater, die strategisches SCM-Wissen ausbauen wollen.
- Fachkräfte aus Industrie, Handel, Logistik, Beschaffung, Einkauf und Materialwirtschaft
- Berater, Analysten und Projektmanager im Lieferkettenumfeld
- IT-Fachleute, die SCM-Systeme implementieren und betreuen
- Nachhaltigkeits-, Compliance- und Menschenrechtsbeauftragte
- Quereinsteiger aus Vertrieb, Produktion oder Qualitätssicherung mit relevanter Berufserfahrung
Für die Teilnahme werden gute Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 sowie grundlegende Englischkenntnisse vorausgesetzt, da internationale Quellen, IATA-Dokumente und SAP-Interfaces zum Teil auf Englisch sind. Außerdem ist eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium im kaufmännischen, wirtschaftswissenschaftlichen, technischen, logistischen oder IT-Bereich erforderlich. Grundkenntnisse im Umwelt- oder Nachhaltigkeitsmanagement sind erwünscht und erleichtern den Einstieg in die LkSG-Thematik erheblich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird als Blended-Learning-Programm in Vollzeit durchgeführt. Theoretische Grundlagen werden in strukturierten Online-Einheiten erarbeitet; Präsenztage sind für praxisnahe Fallstudien, Gruppenarbeiten und Übungen mit SAP-Systemen vorgesehen. Trainer aus der SCM-Praxis sorgen dafür, dass aktuelle Marktentwicklungen — etwa neue LkSG-Anforderungen oder veränderte IATA-Vorschriften — unmittelbar in den Unterricht einfließen.
Der Kurs dauert mehr als drei bis sechs Monate in Vollzeit. Diese Dauer ist dem Umfang der Qualifizierung angemessen — fünf thematische Module, Praxisübungen in SAP und LkSG sowie die Vorbereitung auf verantwortungsvolle Fachpositionen erfordern einen ausreichend langen Lernzeitraum. Die Vollzeitteilnahme sichert die notwendige Tiefe und Nachhaltigkeit des Lernprozesses.
Nach erfolgreichem Abschluss des Kurses erhalten die Teilnehmenden ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsanbieters. Das Zertifikat bestätigt die Weiterbildung zum Supply Chain Manager:in und dokumentiert die erworbenen Kompetenzen in allen behandelten Bereichen. Es ist kein staatlich anerkanntes Prüfungszeugnis, wird aber in der Branche als anerkannter Qualifikationsnachweis für SCM-Fachpositionen eingesetzt.
Nutzen & Perspektiven
Supply Chain Management ist eine der gefragtesten Fachkompetenzen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Der Bedarf an Fachkräften, die Lieferketten nicht nur operativ steuern, sondern auch strategisch gestalten, Risiken proaktiv managen und die LkSG-Compliance sicherstellen können, übersteigt das Angebot deutlich. Wer diesen Kurs abschließt, ist für Unternehmen jeder Größe — von mittelständischen Produktionsbetrieben bis zu internationalen Konzernen — als Fachkraft oder Führungskraft wertvoll. Ein besonderer Mehrwert liegt in der LkSG-Kompetenz: Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe zu konkreten Maßnahmen und Berichten. Fachkräfte, die diese Anforderungen kennen und umsetzen können, sind in Compliance-, Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsabteilungen kaum zu ersetzen und erzielen entsprechend attraktive Gehaltsperspektiven. Bei AZAV-zertifizierten Bildungsträgern ist der Kurs in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Außerdem kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr (BFD), Leistungen zur beruflichen Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung als Finanzierungswege in Betracht. Eine Beratung beim zuständigen Leistungsträger klärt individuell, welche Förderung greift.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und warum ist es relevant?
Das LkSG verpflichtet Unternehmen ab einer bestimmten Größe, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu analysieren, Maßnahmen zu ergreifen und darüber zu berichten. Fachkräfte mit LkSG-Kenntnissen sind in Compliance-, Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsabteilungen stark nachgefragt und für die Vermeidung erheblicher Bußgelder und Reputationsschäden unverzichtbar.
Welche Rolle spielt SAP in diesem Kurs?
SAP ist das meistgenutzte ERP-System im deutschen Mittelstand und Konzernumfeld. Der Kurs vermittelt eine Einführung in relevante SAP-Transaktionen aus dem SCM-Bereich (MM, WM) und zeigt, wie ERP-Systeme in SCM-Prozesse integriert sind. Ziel ist kein SAP-Zertifikat, sondern ein praxistaugliches Verständnis der Systeme.
Für wen ist dieser Kurs geeignet?
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte aus Logistik, Beschaffung, Produktion, Handel und verwandten Bereichen, die ihre strategischen SCM-Kompetenzen systematisch ausbauen möchten. Auch Quereinsteiger aus Vertrieb, IT oder Qualitätsmanagement mit einschlägiger Berufserfahrung können teilnehmen.
Was sind IATA-Vorschriften und warum sind sie Kursinhalt?
Die IATA (International Air Transport Association) gibt Vorschriften für den sicheren und regelkonformen Transport von Fracht im Luftverkehr heraus, darunter Gefahrgutregeln und Verpackungsanforderungen. Da internationale Lieferketten häufig Luftfracht einbeziehen, sind IATA-Kenntnisse für SCM-Fachleute mit internationalem Schwerpunkt unverzichtbar.
Ist der Kurs mit einem Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist dies in der Regel möglich. Neben dem Bildungsgutschein kommen das Qualifizierungschancengesetz, die Berufsförderung der Bundeswehr und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht. Eine Beratung bei der zuständigen Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter klärt den geeigneten Förderweg.
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