Überblick
Nichtwohngebäude – Büros, Krankenhäuser, Schulen, Gewerbehallen – stehen im Fokus der europäischen und deutschen Klimaschutzpolitik. Ihr Einsparpotenzial bei Heizung, Kühlung, Lüftung und Beleuchtung ist erheblich; die technische Komplexität ihrer Energiebilanzierung übersteigt die von Wohngebäuden erheblich. Dieser Kurs erweitert die Qualifikation von Energieberaterinnen und -beratern, die bereits im Wohngebäudebereich tätig sind, auf das Segment der bestehenden Nichtwohngebäude. Die Ausbildung orientiert sich am Regelheft der Energieeffizienzexperten-Liste des BAFA, richtet sich nach GEG §88 und legt die methodische Grundlage für die Ausstellung von Energieausweisen sowie für Beratungsleistungen im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG-NWG).
Kursinhalte & Lernziele
Rechtlicher Rahmen und Bilanzierungsgrundlagen Energieberatung für Nichtwohngebäude bewegt sich in einem dichten Regelwerk. Dieses Modul legt den normativen Rahmen und die methodischen Grundlagen der Bilanzierung fest, die für alle weiteren Kurseinheiten maßgeblich sind.
- GEG im Überblick: Anforderungen für bestehende Nichtwohngebäude, Ausweispflichten, Ausnahmen
- EU-Gebäuderichtlinie (EPBD): Ziele, Zeitpläne, nationale Umsetzungsanforderungen
- EDL-Gesetz: Energiedienstleistungen und Auditpflichten für Nichtwohngebäude
- DIN V 18599 Struktur und Zonenmodell: Gebäude in Nutzungszonen einteilen und bilanzieren
- Unterschiede zur Wohngebäudebilanzierung nach DIN V 18599
- Energieausweise für Nichtwohngebäude: Bedarfsausweis und Verbrauchsausweis korrekt erstellen
Gebäudehülle und passive Systeme Die Qualität der Gebäudehülle bestimmt maßgeblich den Energiebedarf eines Nichtwohngebäudes. Fassadensysteme, Fenster, Dachkonstruktionen und Wärmebrücken werden in diesem Modul auf ihre energetische Wirkung hin analysiert.
- Wärmedämmstoffe für Fassaden: Materialien, Wärmeleitfähigkeiten, Anwendungsbereiche
- Fassadensysteme (WDVS, Vorhangfassaden, Glasfassaden) energetisch bewerten
- Fenster und transparente Bauteile: g-Wert, U-Wert, Verschattung
- Dach- und Bodendämmung in Nichtwohngebäuden
- Wärmebrücken erkennen und in der Bilanz berücksichtigen
- Luftdichtheitskonzept: Bedeutung und Messmethoden für Gewerbegebäude
Technische Gebäudeausrüstung – Heizung, Lüftung, Kälte, Beleuchtung Nichtwohngebäude haben in der Regel eine komplexere technische Gebäudeausrüstung als Wohngebäude. Dieses Modul behandelt alle relevanten Anlagensysteme aus Perspektive der Energiebilanzierung.
- Heizungstechnik in Nichtwohngebäuden: Kesselanlagen, Nah- und Fernwärme, Kraft-Wärme-Kopplung
- Warmwasserbereitung für gewerbliche Nutzungen und Sondernutzungen
- Lüftungsanlagen: zentrale vs. dezentrale Systeme, Wärmerückgewinnung, Luftqualität
- Kältetechnik und Raumkühlung: grundlegende Systemtypen und ihre Bilanzierung
- Beleuchtungssysteme: Lichtplanung, LED-Effizienz, Tageslichtnutzung und Beleuchtungssteuerung
- Erneuerbare Energien: Solarthermie, Photovoltaik, Wärmepumpen im Nichtwohngebäude-Kontext
Förderung, Ausschreibung, Qualitätssicherung und Beratungspraxis Energieberatung für Nichtwohngebäude endet nicht mit der Bilanzierung. Dieses Modul behandelt die praktische Umsetzungsseite: Förderprogramme vermitteln, Sanierungsmaßnahmen ausschreiben und die Qualität der Umsetzung sichern.
- BEG-NWG: Fördervoraussetzungen, Antragstellung, Aufgaben des Energieeffizienzexperten
- Weitere Förderprogramme für Nichtwohngebäude (BAFA, KfW, Landesförderungen)
- Ausschreibung energetischer Sanierungsmaßnahmen: Leistungsbeschreibung und vergaberechtliche Grundlagen
- Qualitätskontrolle und Abnahme: was der Energieeffizienzexperte auf der Baustelle prüft
- Dokumentation und Nachweisführung für die Förderabrechnung
- Energieberaterbericht für ein Nichtwohngebäude erstellen: Struktur, Pflichtinhalte, Qualitätskriterien
Praxisblock – Fallstudie Nichtwohngebäude Im abschließenden Praxisteil wird ein realistisches Nichtwohngebäude-Szenario von der Bestandsaufnahme bis zum fertigen Beraterbericht durchgearbeitet.
- Bestandsaufnahme eines Bürogebäudes oder einer Schuleinrichtung strukturieren
- Nutzungszonierung nach DIN V 18599 vornehmen
- Energiebilanz mit geeigneter Software aufstellen
- Schwachstellen identifizieren und Maßnahmenpaket zusammenstellen
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtung der Maßnahmen
- Fördermittelstrategie entwickeln und dokumentieren
- Ausschreibungstext für eine ausgewählte Sanierungsmaßnahme formulieren
- Energieberaterbericht strukturieren und wesentliche Abschnitte ausarbeiten
- Mündliche Präsentation der Ergebnisse (Prüfungsübung)
- Schriftliche Abschlussprüfung: Gesamtbilanzierung und Maßnahmenempfehlung
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Kurses können die Teilnehmenden folgende Fachkompetenzen selbständig einsetzen.
- Die Bilanzierungsmethodik für Nichtwohngebäude nach DIN V 18599 vollständig anwenden
- Energieausweise für Nichtwohngebäude nach §88 GEG ausstellen
- Anforderungen der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) und ihre nationale Umsetzung im GEG einordnen
- Energetische Qualität von Fassaden, Dächern und Fenstern von Nichtwohngebäuden beurteilen
- Heizungs-, Warmwasserbereitungs- und Lüftungsanlagen in Nichtwohngebäuden energetisch bewerten
- Kältetechnik und Gebäudekühlung im Kontext der Gesamtbilanz einordnen
- Beleuchtungssysteme nach Effizienzkriterien analysieren und Einsparpotenziale ableiten
- Erneuerbare-Energien-Potenziale für Nichtwohngebäude identifizieren und in der Bilanz berücksichtigen
- Fördermöglichkeiten im Rahmen des BEG-NWG-Programms und weiterer Programme kennen und kommunizieren
- Ausschreibungsunterlagen für energetische Sanierungsmaßnahmen vorbereiten
- Qualitätssicherung und Abnahme energetischer Sanierungen begleiten
- Einen vollständigen Energieberaterbericht für ein Nichtwohngebäude erstellen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Fachleute mit einschlägiger technischer oder bauplanerischer Qualifikation, die ihre Beratungskompetenz gezielt auf Nichtwohngebäude ausweiten möchten.
- Architekten und Ingenieure technischer oder naturwissenschaftlicher Fachrichtungen
- Meister und Techniker in zulassungspflichtigen Bau-, Ausbau- oder anlagentechnischen Gewerken
- Bestehende Energieberater für Wohngebäude, die das Marktsegment Nichtwohngebäude erschließen wollen
- Energieberaterinnen und -berater, die sich für die Energieeffizienzexperten-Liste (BEG-NWG) qualifizieren möchten
- Fachplanerinnen und Fachplaner im Bereich technische Gebäudeausrüstung
Die Teilnahme setzt eine berufliche Qualifikation gemäß §88 Absatz 1 GEG voraus – dies umfasst Architekten, Ingenieure technischer oder naturwissenschaftlicher Fachrichtungen sowie Meister und Techniker zulassungspflichtiger Bau- und Ausbaugewerke. Je nach angestrebter Listung als Energieeffizienzexperte für BEG-NWG können zusätzlich Basismodulinhalte nachzuweisen sein, die in separaten Modulen erworben werden können. Der regelmäßige Umgang mit dem PC und Deutschkenntnisse auf C1-Niveau sind erforderlich. Berufserfahrung und betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse sind wünschenswert.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Vollzeit-Format als Combined Learning statt, das Online-Präsenzphasen mit Selbstlernphasen verbindet. Die Kombination aus fachtheoretischem Input und Fallstudienarbeit spiegelt die Beratungspraxis wider: Berechnungen, Berichterstellung und Präsentation werden an realistischen Gebäudebeispielen geübt. Der Kurs schließt mit einer mündlichen Prüfung (Beraterbericht-Präsentation) und einer schriftlichen Abschlussprüfung ab.
Der Kurs wird in Vollzeit angeboten und ist als Vertiefungsmodul konzipiert, das – je nach vorhandener Grundqualifikation – auf bestehende Energieberater-Ausbildungen aufbaut. Zwei Anbieter am Markt stellen unterschiedliche Durchführungstermine bereit; die genaue Stundenanzahl richtet sich nach dem gebuchten Kurs.
Der Kurs schließt mit einer schriftlichen Abschlussprüfung und einer mündlichen Prüfung (Präsentation des Energieberaterberichts) ab. Bei erfolgreichem Abschluss wird ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung ausgestellt. Dieses Zertifikat dient als Nachweis für die Listung als Energieeffizienzexperte für das BEG-NWG-Förderprogramm bei der dena-Expertenliste, sofern alle weiteren Voraussetzungen gemäß dem BAFA-Regelheft erfüllt sind. Energieausweise für Nichtwohngebäude können nach §88 GEG ausgestellt werden.
Nutzen & Perspektiven
Die Nachfrage nach qualifizierter Energieberatung für Nichtwohngebäude wächst erheblich: Betriebskosten steigen, die EPBD schreibt ambitioniertere Sanierungspfade vor, und öffentliche wie private Eigentümer stehen unter Druck, Energieausweise und Sanierungsfahrpläne vorzulegen. Energieberaterinnen und -berater, die das Segment Nichtwohngebäude abdecken, erschließen damit einen Markt mit deutlich höheren Beratungsvolumina als im Wohngebäudebereich. Die Qualifikation als Energieeffizienzexperte für BEG-NWG ist dabei nicht nur ein Zertifikat, sondern eine Marktzulassung: Ohne Listung auf der dena-Expertenliste können Kunden das BEG-NWG-Förderprogramm nicht in Anspruch nehmen. Wer diese Listung führt, ist für Gebäudeeigentümer deshalb kein optionaler Berater, sondern eine Pflichtanlaufstelle für geförderte Sanierungen. Der Kurs vermittelt das gesamte Handwerk, das diese Beratungsleistung ausmacht: von der Bilanzierung nach DIN V 18599 über die Beurteilung komplexer technischer Gebäudeausrüstung bis zur Erstellung prüffähiger Berichte. Damit ist er eine vollständige Qualifikationsgrundlage für alle, die im wachsenden Markt der Nichtwohngebäude-Beratung professionell tätig werden oder tätig bleiben wollen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist dieser Kurs geeignet – reicht eine Ausbildung im Handwerk?
Die Teilnahme setzt eine berufliche Qualifikation nach §88 Absatz 1 GEG voraus. Meister und Techniker zulassungspflichtiger Bau-, Ausbau- oder anlagentechnischer Gewerke erfüllen diese Voraussetzung. Auch Architekten und Ingenieure technischer oder naturwissenschaftlicher Fachrichtungen sind zugelassen.
Was ist der Unterschied zwischen diesem Kurs und einer Energieberater-Grundausbildung?
Dieser Kurs ist ein Vertiefungsmodul für bereits ausgebildete Energieberater (oder Personen mit gleichwertiger Qualifikation), die den Wohngebäudebereich auf Nichtwohngebäude erweitern möchten. Die Bilanzierungsmethodik nach DIN V 18599, die Anlagensysteme und die Förderstruktur unterscheiden sich erheblich von der Wohngebäude-Beratung.
Berechtige mich dieser Kurs zur Ausstellung von Energieausweisen für Nichtwohngebäude?
Ja. Nach erfolgreichem Abschluss können Energieausweise für Nichtwohngebäude nach §88 GEG ausgestellt werden, sofern die persönliche Qualifikationsvoraussetzung nach §88 GEG erfüllt ist.
Wie werde ich als Energieeffizienzexperte für BEG-NWG gelistet?
Die Listung auf der dena-Expertenliste setzt den Nachweis aller im BAFA-Regelheft definierten Basismodul- und Vertiefungsmodulinhalte voraus. Dieser Kurs deckt das Vertiefungsmodul für Nichtwohngebäude ab. Je nach persönlicher Ausgangsqualifikation können Basismodulinhalte in separaten Kursen zu erwerben sein.
Welche Software wird für die Bilanzierung im Kurs eingesetzt?
Der Kurs vermittelt die methodischen Grundlagen der DIN-V-18599-Bilanzierung. Die eingesetzte Berechnungssoftware richtet sich nach dem Anbieter; gängige Bilanzierungstools für Nichtwohngebäude werden vorgestellt. Eigene Softwarelizenzen sind in der Regel nicht vorauszusetzen, können aber empfohlen werden.
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