Überblick
Der Bedarf an qualifizierten Energieberater:innen für Wohngebäude wächst mit jedem Jahr — angetrieben durch Klimaschutzziele, steigende Energiepreise und die Förderprogramme der Bundesregierung für energetische Sanierung. Diese Weiterbildung qualifiziert Fachkräfte aus dem Bau- und Handwerksbereich zu Energieeffizienzexpert:innen nach den Anforderungen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Mit dem erfolgreichen Abschluss sind Absolvent:innen berechtigt, Energieberatungen durchzuführen, Energieausweise nach §88 GEG auszustellen und sich in der Expertenliste für das Förderprogramm Bundesförderung für effiziente Gebäude — Wohngebäude (BEG WG) listen zu lassen. Der Kurs gliedert sich in zwei Teile: Energieberatung und Baubegleitung.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock vermittelt die energetischen Grundlagen und bauphysikalischen Zusammenhänge. Teilnehmende erwerben ein fundiertes Verständnis dafür, wie Wärme, Feuchtigkeit und Luftströmungen in einem Gebäude interagieren und wie diese Prozesse energetisch relevant sind. Themen wie Wärmeschutz, Feuchteschutz, Wärmebrücken und Luftdichtheit werden theoretisch erarbeitet und anhand von Gebäudebeispielen praktisch veranschaulicht.
- Bauphysikalische Grundlagen: Wärmeschutz, Feuchteschutz, Dampfdiffusion
- Wärmebrücken: Typen, Entstehung und Vermeidungsstrategien
- Luftdichtheit von Gebäuden und Blower-Door-Test
- Sommerlicher Wärmeschutz und Überhitzungsrisiken
- Normative Grundlagen: GEG, EnEV, DIN 4108, DIN EN ISO 6946
- Energieeffizienzklassen und Primärenergiebedarf
Der zweite Themenblock behandelt Anlagentechnik, erneuerbare Energien und Haustechnik. Teilnehmende lernen die wichtigsten Heizsysteme, Warmwasserbereitungstechnologien, Lüftungsanlagen und Klimatechniken kennen und können deren energetische Leistungsfähigkeit im Bestand und im Neubau bewerten. Besonderer Fokus liegt auf der Integration erneuerbarer Energien in Bestandsgebäude.
- Heizsysteme im Vergleich: Gas, Wärmepumpe, Pellet, Fernwärme
- Warmwasserbereitung: Trinkwarmwasseranlagen, Solarthermie
- Lüftungsanlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung
- Photovoltaik und Gebäudeintegration erneuerbarer Energien
- Hydraulischer Abgleich und Optimierung bestehender Heizanlagen
- Bilanzierungsverfahren nach GEG und EnEV
Der dritte Themenblock widmet sich Dämmstoffen, Dämmsystemen und der Sanierungsplanung. Hier werden die marktüblichen Wärmedämmstoffe und ihre Eigenschaften systematisch behandelt. Außen-, Innen- und Dachdämmung werden als planerische und ausführungstechnische Herausforderung erarbeitet. Teilnehmende lernen, ein vollständiges Sanierungskonzept mit Kostenabschätzung zu erstellen.
- Wärmedämmstoffe: EPS, XPS, Mineralwolle, Hanf, Holzfaser, Zellulose
- Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) und Kerndämmung
- Innendämmung: Chancen, Risiken, konstruktive Lösungen
- Dachdämmung: Aufsparrend, zwischen Sparren, unterseitig
- Schwachstellen der Gebäudehülle identifizieren und beheben
- Sanierungsfahrpläne und Stufensanierung
Der vierte Themenblock ist der Baubegleitung, Qualitätssicherung und dem Förderwesen gewidmet. Teilnehmende erwerben das Know-how für die sachkundige Begleitung und Überwachung von energetischen Sanierungsmaßnahmen vor Ort. Sie lernen, Ausführungsfehler zu erkennen, Abnahmen durchzuführen und Prüfberichte zu erstellen. Gleichzeitig werden alle relevanten Förderprogramme (BAFA, BEG) detailliert behandelt.
- Aufgaben der energetischen Baubegleitung nach BAFA-Anforderungen
- Qualitätssicherung: Blower-Door-Test, Thermografie, Bauteilprüfung
- Abnahme von Sanierungsmaßnahmen und Abschlussberichte
- Förderprogramme BEG WG, BEG EM, BAFA-Energieberatung, KfW
- Ausschreibung und Vergabe von Sanierungsleistungen
- Dokumentation und Nachweisführung für Fördermittelgeber
Der Praxis-Block vertieft alle Themen durch anwendungsorientierte Aufgaben.
- Erstellung eines vollständigen Energieberaterberichts an einem realen Objekt
- Berechnung des Jahresprimärenergiebedarfs mit Energieberatungssoftware
- Thermografie-Übung: Schwachstellen in Beispielgebäuden identifizieren
- Blower-Door-Test Auswertung und Dokumentation
- Planung einer Stufensanierung für ein Einfamilienhaus
- Berechnung eines hydraulischen Abgleichs
- Ausschreibungsunterlagen für eine Fassadendämmung prüfen
- Beratungsgespräch mit einem Hausbesitzer simulieren
- Förderantrag für BEG WG vorbereiten und prüfen
- Qualitätssicherungsbericht für eine abgeschlossene Sanierung erstellen
- Schriftliche Prüfungssimulation zu Normenkenntnissen
- Präsentation und mündliche Verteidigung des erstellten Energieberaterberichts
Der Kurs endet mit einer schriftlichen Abschlussprüfung und der mündlichen Verteidigung des im Kurs erstellten Energieberaterberichts an einem realen Objekt. Bei erfolgreicher Prüfung sind alle Voraussetzungen für die BAFA-Zulassung und die Listung als Energieeffizienzexperte erfüllt — sofern auch die berufliche Grundqualifikation nach §88 GEG vorliegt.
Lernziele:
Nach Abschluss der Weiterbildung sind die Teilnehmenden in der Lage, Wohngebäude umfassend energetisch zu analysieren und Optimierungspotenziale systematisch zu identifizieren. Sie können Energieberaterberichte nach BAFA-Anforderungen erstellen, Energieausweise nach GEG ausstellen und als Baubegleiter:in qualitätssichernd tätig sein. Die folgenden Kompetenzen werden im Einzelnen aufgebaut.
- Bauphysikalische Zusammenhänge im Gebäudebereich verstehen und anwenden
- Gebäudehülle, Heizungs- und Lüftungsanlagen energetisch bewerten
- Optimierungspotenziale für Neubau und Sanierung identifizieren
- Energieberaterberichte und Sanierungskonzepte erstellen
- Energieausweise nach §88 GEG ausstellen
- Fördermöglichkeiten (BAFA, BEG) kennen, einschätzen und Kunden beratend begleiten
- Baubegleitung und Qualitätssicherung bei energetischen Sanierungen durchführen
- Ausschreibungsunterlagen und Vergabeunterlagen für Sanierungsmaßnahmen prüfen
- Softwareprogramme für Energieberatung sicher bedienen
- Wärmedämmstoffe und Dämmsysteme fachgerecht beurteilen und empfehlen
- Schriftliche Abschlussprüfung und mündliche Verteidigung eines Energieberaterberichts erfolgreich absolvieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachleute aus dem Bau-, Ausbau- und Anlagentechnikbereich, die die Zusatzqualifikation zum Energieeffizienzexperten für Wohngebäude erwerben möchten. Dazu gehören insbesondere folgende Gruppen.
- Meister:innen und Techniker:innen aus zulassungspflichtigen Bau- und Handwerksberufen
- Architekten, Bauingenieure und Ingenieure der Haustechnik
- Elektrotechniker:innen und Gebäudetechniker:innen mit GEG-relevanter Qualifikation
- Personen aus dem Energieberatungsumfeld, die eine BAFA-Zulassung anstreben
- Fachkräfte, die sich im wachsenden Markt der energetischen Sanierung neu positionieren möchten
Zugelassen sind Personen mit einer beruflichen Qualifikation nach §88 Absatz 1 Nr. 3 oder 4 GEG — also Meister:innen und Techniker:innen aus einem zulassungspflichtigen Bau-, Ausbau- oder Anlagentechnikgewerbe, dessen Schwerpunkt die Beurteilung von Gebäudehülle, Heizungs- oder Lüftungsanlagen umfasst. Personen mit Qualifikation nach §88 Abs. 1 Nr. 2 GEG (z. B. Architekten, Bauingenieure) können direkt in das Aufbaumodul einsteigen. Berufserfahrung und betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind wünschenswert. Teilnehmende sollten sicher mit dem PC umgehen können und Deutschkenntnisse auf C1-Niveau besitzen.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung wird als Combined Learning in Vollzeit durchgeführt. Online-Selbstlernphasen ermöglichen die flexible Erarbeitung theoretischer Grundlagen; synchrone Präsenz- oder Videokonferenzeinheiten dienen der Vertiefung, Übung und dem fachlichen Austausch. Softwareprogramme für die Energieberatung werden praxisnah eingeführt. Das abschließende Praxisprojekt — Erstellung eines Energieberaterberichts an einem Objekt — ist integraler Bestandteil der Qualifizierung und gleichzeitig Grundlage für die mündliche Prüfung.
Die Weiterbildung dauert mehr als drei Monate und bis zu sechs Monate in Vollzeit. Der Umfang ist durch die umfangreichen BAFA-Anforderungen bedingt und umfasst sowohl den theoretischen Teil (Energieberatung) als auch den praktischen Teil (Baubegleitung und Qualitätssicherung). Die Kursdauer variiert je nach Anbieter, liegt aber in der Regel im genannten Rahmen.
Nach erfolgreich bestandener schriftlicher Abschlussprüfung und mündlicher Verteidigung des Energieberaterberichts erhalten Absolvent:innen ein trägerinternes Zertifikat. Zusätzlich erfüllen sie — in Verbindung mit der beruflichen Grundqualifikation nach §88 GEG — alle Voraussetzungen für die BAFA-Zulassung als Energieberater:in für Wohngebäude und für die Listung als Energieeffizienzexperte im Förderprogramm Bundesförderung für effiziente Gebäude Wohngebäude (BEG WG). Die formelle Listung und BAFA-Zulassung erfolgt auf Antrag der jeweiligen Person nach Kursabschluss.
Nutzen & Perspektiven
Der Markt für energetische Sanierungsberatung wächst kontinuierlich. Staatliche Förderprogramme wie die Bundesförderung für effiziente Gebäude erzeugen eine stabile, wachsende Nachfrage nach qualifizierten Energieeffizienzexpert:innen — und diese Nachfrage übersteigt das Angebot an qualifizierten Fachkräften deutlich. Wer diese Weiterbildung abschließt, positioniert sich in einem Wachstumsmarkt mit langfristiger Perspektive und erweitertem Leistungsportfolio. Die Qualifikation ermöglicht es, vollständige Beratungsdienstleistungen anzubieten: von der ersten Begutachtung über die Erstellung von Fördermittelanträgen bis zur Baubegleitung und Qualitätssicherung. Das eröffnet neue Geschäftsmodelle für Selbstständige und Betriebe im Handwerk und Bauwesen, die ihren Kunden einen Mehrwert von der Planung bis zur Abnahme bieten möchten. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Auch Mittel aus dem Qualifizierungschancengesetz, der Berufsförderung der Bundeswehr sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung können je nach persönlicher Situation in Betracht kommen. Eine frühzeitige Beratung bei der Agentur für Arbeit ist empfehlenswert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was berechtigt mich nach diesem Kurs beruflich?
Nach erfolgreichem Abschluss — in Verbindung mit der beruflichen Grundqualifikation nach §88 GEG — sind Sie berechtigt, Energieberatungen für Wohngebäude durchzuführen, Energieausweise nach §88 GEG auszustellen und sich als Energieeffizienzexperte in der Expertenliste für das Förderprogramm Bundesförderung für effiziente Gebäude Wohngebäude (BEG WG) listen zu lassen.
Welche berufliche Vorqualifikation brauche ich?
Für die BAFA-Zulassung wird eine berufliche Qualifikation nach §88 GEG vorausgesetzt. Meister:innen und Techniker:innen aus zulassungspflichtigen Bau-, Ausbau- oder Anlagentechnikgewerben erfüllen dies in der Regel. Auch Architekten, Bauingenieure und bestimmte Ingenieure der Haustechnik und Elektrotechnik kommen in Frage. Der Kursträger berät im Einzelfall, ob die jeweilige Qualifikation ausreicht.
Was ist der Unterschied zwischen Teil 1 und Teil 2 der Weiterbildung?
Teil 1 deckt die Energieberatung ab: Bauphysik, Anlagentechnik, Dämmung, Energieberaterbericht und Energieausweis. Er endet mit der Erstellung eines Energieberaterberichts an einem realen Objekt. Teil 2 behandelt die Baubegleitung und Qualitätssicherung: sachkundige Bauüberwachung, Qualitätssicherung bei energetischen Sanierungen und die dafür notwendige Dokumentation. Beide Teile zusammen erfüllen die BAFA-Anforderungen.
Kann ich den Kurs über einen Bildungsgutschein finanzieren?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters in der Regel möglich. Auch das Qualifizierungschancengesetz sowie weitere Förderwege kommen je nach Situation in Betracht. Eine Beratung bei der Agentur für Arbeit vor der Buchung ist empfehlenswert.
Wie lange dauert der Kurs und wie ist er aufgebaut?
Die Weiterbildung dauert in der Regel drei bis sechs Monate in Vollzeit und wird als Combined Learning angeboten — eine Kombination aus Online-Selbstlernphasen und synchronen Präsenz- oder Live-Online-Einheiten. Am Ende steht eine schriftliche Abschlussprüfung sowie die mündliche Verteidigung des erstellten Energieberaterberichts.
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- Erneuerbare Energien (weiterführend)2.251 Stellen
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- Energieeffizienzexperte4 Stellen
- Energieberater für Wohngebäude0 Stellen