Überblick
Die Weiterbildung zum Energieeffizienz-Experten bereitet auf eine der gefragtesten Fachpositionen im Bauwesen vor. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise, verschärfter gesetzlicher Anforderungen durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) und ambitionierter Klimaschutzziele wächst der Bedarf an qualifizierten Fachleuten, die Gebäudebesitzer und Unternehmen bei der energetischen Modernisierung kompetent begleiten können. Der Kurs vermittelt das gesamte Spektrum der Energieberatung: von der bauphysikalischen Analyse über die Bilanzierung nach DIN V 18599 bis hin zur Erstellung rechtssicherer Sanierungsfahrpläne und Energieausweise. Absolventen sind befähigt, sich in die Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) einzutragen und Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zu beantragen.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 - Rechtliche und politische Rahmenbedingungen Das erste Modul gibt einen systematischen Überblick über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) als zentrale Rechtsgrundlage für energieeffizientes Bauen und Sanieren in Deutschland. Behandelt werden die Anforderungen an Neubauten, die Pflichten bei der Sanierung im Bestand sowie die Übergangsregelungen. Ergänzend werden die Förderprogramme des Bundes (BEG - Einzelmaßnahmen und Bundesförderung effiziente Gebäude Wohngebäude/Nichtwohngebäude) vorgestellt, einschließlich der Antragsverfahren beim BAFA und bei der KfW.
- Systematik und Aufbau des Gebäudeenergiegesetzes (GEG)
- Mindestanforderungen an den Jahresprimärenergiebedarf und den Transmissionswärmeverlust
- Anforderungen an Wärmebrücken und Luftdichtheit
- Förderprogramme BEG EM, BEG WG, BEG NWG im Überblick
- Rolle der dena-Expertenliste und Qualifikationsvoraussetzungen
- Energieausweispflichten für Bestandsgebäude und Neubauten
Modul 2 - Bauphysik und Gebäudehülle Dieses Modul legt die bauphysikalischen Grundlagen für die spätere Sanierungsplanung. Im Fokus stehen Wärmeschutz, Feuchteschutz und Luftdichtheit als die drei wesentlichen Säulen energetischer Gebäudebewertung. Anhand konkreter Konstruktionsbeispiele werden Dämmsysteme für opake Bauteile (Außenwände, Dächer, Bodenplatten) und transparente Bauteile (Fenster, Glasfassaden) bewertet.
- U-Wert-Berechnung für opake und transparente Bauteile
- Wärmebrückenanalyse und wärmebrückenfreie Konstruktionsdetails
- Feuchteschutznachweis nach Glaser-Verfahren
- Luftdichtheitskonzepte und Blower-Door-Test
- Dämmstoffe und ihre Eigenschaften im Vergleich
- Sommerlicher Wärmeschutz und Übertemperaturhäufigkeit
Modul 3 - Gebäudetechnische Anlagen und Bilanzierung Der Schwerpunkt dieses Moduls liegt auf der Bilanzierung von Heiztechnik, Lüftungsanlagen und Trinkwarmwassersystemen nach DIN V 18599. Es werden verschiedene Heizungserzeuger - von konventionellen Gas- und Ölkesseln bis hin zu Wärmepumpen und Solarthermie - hinsichtlich ihrer Effizienz und ihrer Einbindung in die Gesamtbilanz bewertet. Lüftungskonzepte und deren Einfluss auf den Gesamtenergiebedarf werden systematisch erläutert.
- Bilanzierungsmethodik nach DIN V 18599 für Wohn- und Nichtwohngebäude
- Heizungserzeuger: Effizienzklassen, Jahresnutzungsgrade, Aufwandszahlen
- Wärmepumpen: Heizleistung, JAZ und systemische Einbindung
- Solarthermie: Ertragssimulation und Deckungsgrade
- Lüftungsanlagen mit und ohne Wärmerückgewinnung
- Trinkwarmwasserbereitung und Solarunterstützung
Praxisblöcke und Anwendungsbeispiele In praxisorientierten Übungseinheiten werden Berechnungen und Bewertungen an realen oder realitätsnahen Fallbeispielen durchgeführt. Die Teilnehmenden erwerben so Sicherheit im Umgang mit den einschlägigen Berechnungsmethoden und Softwarewerkzeugen.
- U-Wert-Berechnung und Bauteilbewertung an Praxisbeispielen
- Wohngebäude-Bilanzierung nach DIN V 18599 von Grund auf
- Erstellung eines Bedarfsausweises für ein Einfamilienhaus
- Erstellung eines Verbrauchsausweises für ein Mehrfamilienhaus
- Sanierungsfahrplan (iSFP): Muster-Beratungsbericht strukturieren
- Berechnung und Plausibilisierung von Heizlasten nach EN 12831
- Auslegung und Bewertung einer Luft-Wasser-Wärmepumpe
- Förderantrag BEG-Einzelmaßnahme: Formale Anforderungen
- Wirtschaftlichkeitsberechnung für eine Außenwanddämmung
- Amortisationsrechnung für Fenstertausch und Heizungsaustausch
- Hydraulischer Abgleich: Grundprinzip und Dokumentation
- Erstellung eines vollständigen Energieberatungsberichts
Die Übungen werden softwaregestützt durchgeführt; eingeführt werden marktübliche Berechnungsprogramme für die Energieberatung. Durch die intensive Praxisphase bauen Teilnehmende die Berechnungssicherheit auf, die für die spätere eigenständige Beratungstätigkeit unerlässlich ist. Parallel zur Rechentechnik wird die Beratungskommunikation geschult: Wie erkläre ich einem Gebäudeeigentümer den Unterschied zwischen Bedarfs- und Verbrauchsausweis? Wie priorisiere ich Maßnahmen im Sanierungsfahrplan transparent und nachvollziehbar?
Lernziele:
- Rechtliche und normative Grundlagen des GEG sowie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sicher anwenden
- Gebäudehüllen und gebäudetechnische Anlagen nach bauphysikalischen Kriterien beurteilen und bewerten
- Energiebedarfsberechnungen nach DIN V 18599 durchführen und dokumentieren
- Gesamtenergiebilanzen für Wohn- und Nichtwohngebäude erstellen und interpretieren
- Sanierungsfahrpläne (iSFP) nach den geltenden BAFA-Anforderungen ausarbeiten
- Energieausweise für Neu- und Bestandsgebäude ausstellen
- Wärmedämmmaßnahmen an Fassade, Dach und Keller fachgerecht planen und bewerten
- Heiztechnik, Lüftungsanlagen und regenerative Energiesysteme in die Gesamtbilanzierung einbeziehen
- Investitionsrechnungen und Amortisationsberechnungen für Modernisierungsmaßnahmen erstellen
- Hydraulischen Abgleich und Heizlastberechnung gemäß EN 12831 verstehen und einsetzen
- Beratungsgespräche mit Gebäudeeigentümern strukturiert und zielgruppengerecht führen
- Sich für die dena-Expertenliste qualifizieren und BAFA-Anträge korrekt einreichen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Fachleute aus dem Bauwesen, der Gebäudetechnik und dem Handwerk, die eine anerkannte Qualifikation als Energieberater anstreben. Typische Teilnehmerprofile
- Ingenieurinnen und Ingenieure der Fachrichtungen Bauingenieurwesen, Architektur, Maschinenbau oder Versorgungstechnik
- Techniker mit staatlich geprüftem Abschluss in Gebäudetechnik, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik
- Handwerksmeister aus Heizungs-, Sanitär-, Klimatechnik oder verwandten Gewerken
- Sachverständige und Planer, die ihr Leistungsangebot um Energieberatung erweitern möchten
- Quereinsteiger aus dem Bau- und Immobilienbereich mit technischem Hochschulabschluss
Für die Teilnahme an dieser Weiterbildung wird ein Hochschulabschluss in Ingenieurwesen, Architektur oder einem verwandten technischen Studienfach vorausgesetzt. Alternativ ist ein staatlich geprüfter Technikerabschluss in Gebäudetechnik, Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik ausreichend. Auch bestimmte Handwerksmeister im technischen Ausbau können die formalen Voraussetzungen erfüllen. Gute Computerkenntnisse und Erfahrung im Umgang mit Tabellenkalkulation und technischer Software erleichtern den Einstieg erheblich, da ein Teil der Berechnungsübungen softwaregestützt stattfindet.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs ist als berufsbegleitende Fernweiterbildung konzipiert, die digitales Selbststudium mit betreuten Online-Praxisphasen verbindet. Lernvideos, digitale Skripte und interaktive Übungsaufgaben stehen auf einer Lernplattform zeitflexibel zur Verfügung. Synchrone Online-Sessions ermöglichen den direkten Austausch mit Dozierenden und anderen Teilnehmenden. Berechnungsübungen werden mit praxistauglicher Branchensoftware durchgeführt, sodass Teilnehmende unmittelbar nach der Weiterbildung einsatzfähige Werkzeuge beherrschen.
Die Weiterbildung ist auf eine mehrmonatige Vollzeit- oder Teilzeitstruktur ausgelegt. Der genaue Zeitrahmen variiert je nach Lernformat und individueller Studiengeschwindigkeit. Teilnehmende, die die Weiterbildung im Vollzeitformat absolvieren, schließen in der Regel innerhalb weniger Monate ab; bei berufsbegleitender Teilzeit verlängert sich der Zeitraum entsprechend. Detaillierte Informationen zu Umfang und Stundenplan werden bei der Anmeldung kommuniziert.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat ab, das die qualifizierte Weiterbildung als Energieeffizienz-Experte dokumentiert. Auf Grundlage dieser Qualifikation können sich Absolventen für die Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) und für die BAFA-Beratersoftware registrieren lassen, sofern die jeweiligen Vorqualifikationsnachweise vorliegen. Die Eintragung in die dena-Expertenliste ist Voraussetzung dafür, Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) für Antragsteller zu beantragen.
Nutzen & Perspektiven
Energieberatung ist eines der wenigen Berufsfelder im deutschen Bauwesen, in denen staatlich definierte Qualifikationsanforderungen eine echte Marktzutrittsschranke bilden. Wer auf der dena-Expertenliste steht, hat Zugang zu einem regulierten Beratungsmarkt, in dem der Bedarf mit jeder neuen Förderprogrammrunde wächst. Mit dieser Qualifikation erschließen sich tragfähige Einkommensperspektiven - als freiberuflicher Energieberater, als angestellte Fachkraft bei Planungsbüros oder als Inhouse-Experte in Wohnungsbaugesellschaften und Industrieunternehmen. Die Weiterbildung hat einen unmittelbaren beruflichen Mehrwert: Noch während des Kurses bauen Teilnehmende ein belastbares Methodenwissen auf, das sie in ersten Beratungsprojekten direkt einsetzen können. Der Fokus auf praxisnahe Berechnungsübungen sorgt dafür, dass das erworbene Wissen nicht theoretisch bleibt, sondern in professionelle Arbeitsergebnisse überführt wird. Angesichts des Klimaschutzziels der Bundesregierung - Klimaneutralität des Gebäudebestands bis 2045 - steht die Sanierungswelle erst am Anfang. Energieeffizienz-Experten werden in den kommenden Jahrzehnten gebraucht, und eine heute abgeschlossene Qualifikation baut eine Fachkompetenz auf, die dauerhaft nachgefragt wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Voraussetzungen brauche ich für diesen Kurs?
Erforderlich ist ein Hochschulabschluss in Ingenieurwesen, Architektur oder einem vergleichbaren technischen Fach, alternativ ein staatlich geprüfter Technikerabschluss in Gebäudetechnik oder HLK-Technik. Bestimmte Handwerksmeister im technischen Ausbau können die Voraussetzungen ebenfalls erfüllen. Computerkenntnisse werden vorausgesetzt.
Was ist die dena-Expertenliste und warum ist sie wichtig?
Die Expertenliste der Deutschen Energie-Agentur (dena) ist ein offizielles Register qualifizierter Energieberater, deren Eintragung für die Beantragung von Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) beim BAFA vorgeschrieben ist. Nur eingetragene Experten dürfen im Auftrag von Eigentümern BEG-Anträge stellen. Diese Qualifikation eröffnet damit unmittelbaren Zugang zum staatlich geförderten Beratungsmarkt.
Welchen Abschluss erhalte ich nach der Weiterbildung?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat, das Ihre Qualifikation als Energieeffizienz-Experte dokumentiert. In Verbindung mit Ihrem Vorqualifikationsnachweis können Sie dieses Zertifikat für die Registrierung auf der dena-Expertenliste einreichen.
Was ist der Unterschied zwischen einem Bedarfs- und einem Verbrauchsausweis?
Der Bedarfsausweis ermittelt den theoretischen Energiebedarf anhand von Baukonstruktion und technischen Anlagen - unabhängig vom tatsächlichen Nutzungsverhalten. Der Verbrauchsausweis basiert auf den gemessenen Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre. Beide Varianten werden im Kurs behandelt, die Bedarfsberechnung nach DIN V 18599 bildet dabei den methodischen Schwerpunkt.
In welchen Bereichen kann ich nach der Weiterbildung arbeiten?
Die Qualifikation öffnet Türen zu selbstständiger Energieberatung (z. B. als freiberuflicher Sanierungsberater), zu Anstellungen in Planungsbüros, bei Wohnungsbaugesellschaften, Energieversorgern oder kommunalen Energieagenturen. Auch die Rolle als Inhouse-Energiemanager bei industriellen Betreibern von Gebäudeportfolios ist ein typisches Einsatzfeld.
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