Überblick
Unternehmen, die ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 betreiben wollen, brauchen Fachkräfte, die nicht nur die Norm kennen, sondern Energieflüsse analysieren, Einsparpotenziale identifizieren und Effizienzmaßnahmen systematisch planen können. Diese Weiterbildung vermittelt das praxisnahe Wissen, das für Aufbau, Betrieb und Weiterentwicklung eines Energiemanagementsystems erforderlich ist. Die Inhalte umspannen rechtliche Anforderungen, einschlägige DIN-Normen, die technischen Systeme in Gebäuden und Industrieanlagen sowie Methoden der Wirtschaftlichkeitsberechnung. Sie richten sich an Personen mit technischem Studium, Meisterabschluss oder staatlichem Technikerabschluss in einer einschlägigen Fachrichtung.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Rechtliche Grundlagen und DIN-Normen Das Normen- und Rechtsumfeld des Energiemanagements ist komplex und verändert sich durch politische Vorgaben kontinuierlich. Dieses Modul gibt Ihnen einen systematischen Überblick über die maßgeblichen Regelwerke und ihre Anwendung in der Praxis. Das Gebäudeenergiegesetz bildet dabei den aktuellen Ordnungsrahmen für Neubau und Bestand in Deutschland; die einschlägigen DIN-Normen konkretisieren die technischen Anforderungen.
- Gebäudeenergiegesetz (GEG): Anforderungen an Neubau und Sanierung
- DIN EN 16247: Energieaudits — Anforderungen und Ablauf
- DIN V 18599: Energetische Bewertung von Gebäuden
- DIN EN 12831: Heizlastberechnung
- ISO 50001: Aufbau und Anforderungen eines Energiemanagementsystems
- ISO 14001: Schnittmengen mit dem Umweltmanagementsystem
Modul 2 — Gebäudehülle und Anlagentechnik Gebäude sind für einen erheblichen Teil des Energieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Dieses Modul behandelt die thermische Hülle als erste Effizienzmaßnahme und die Haustechnik als zweite Stellschraube. Sie lernen, sowohl Neubauprojekte als auch Bestandsgebäude energetisch zu beurteilen und Maßnahmen zu priorisieren.
- Wärmeschutz der Gebäudehülle: Dämmstoffe, U-Werte, Wärmebrücken
- Energetische Schwachstellenanalyse im Bestand
- Wärmeerzeuger im Vergleich: Wärmepumpe, Gas, Biomasse, Nah- und Fernwärme
- Wärmeverteilung und -speicherung: Rohrnetzoptimierung, Pufferspeicher
- Kältetechnik: Kälteerzeugung, Kältemittel, Free Cooling
- Wärmerückgewinnung in Lüftungsanlagen
Modul 3 — Querschnittstechnologien und erneuerbare Energien Neben der Wärmeversorgung prägen elektrische Querschnittstechnologien den Energieverbrauch in Industrie und Gewerbe erheblich. Druckluft, elektrische Antriebe und Beleuchtung bieten oft unterschätzte Einsparpotenziale. Ergänzend werden erneuerbare Energielösungen behandelt, die zunehmend Teil betrieblicher Energiekonzepte werden.
- Druckluft: Erzeugung, Verteilung, Leckagen und Einsparpotenziale
- Elektrische Antriebe: Wirkungsgrade, IE-Klassen, Frequenzumrichter
- Beleuchtung: LED-Technologie, Tageslichtsensoren, Lichtmanagementsysteme
- Photovoltaik: Systemkomponenten, Ertragsabschätzung, Eigenverbrauchsoptimierung
- PVT-Anlagen: Kombination von Photovoltaik und thermischer Nutzung
- Stromspeichersysteme: Batterieprinzipien, Dimensionierung, Betrieb
Modul 4 — Wirtschaftlichkeit, Fördermittel und Managementsystem ISO 50001 fordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch eine wirtschaftliche Perspektive und organisatorische Verankerung. Energiemaßnahmen müssen finanzierbar sein und intern kommuniziert werden. Dieses Modul vermittelt die methodischen Werkzeuge dafür.
- Wirtschaftlichkeitsberechnung: Kapitalwertmethode, Amortisationsrechnung
- Lebenszyklus-Kostenanalyse: Investitions- und Betriebskosten über den Zeitraum
- Überblick Förderprogramme: BAFA, KfW und weitere
- Aufbau eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001: Plan-Do-Check-Act
- Rollen im Energiemanagement: Aufgaben und Befugnisse Energiebeauftragter
- Berichterstattung, Dokumentation und interne Kommunikation
Praxisanwendung — Analyse und Planungsübungen Die Inhalte werden anhand von Berechnungsaufgaben, Fallstudien und Planungsszenarien erarbeitet, die dem Arbeitsalltag von Energiemanagementbeauftragten nahekommen. Im Combined-Learning-Format wechseln sich angeleitete Lernphasen mit eigenständiger Aufgabenbearbeitung ab, sodass das Gelernte unmittelbar angewendet werden kann.
- Heizlastberechnung für ein Bestandsgebäude nach DIN EN 12831
- Wirtschaftlichkeitsvergleich zweier Wärmeerzeuger
- Schwachstellenanalyse einer Druckluftanlage
- Dimensionierung einer Photovoltaikanlage inkl. Eigenverbrauchsoptimierung
- Erstellen eines Energieberichts nach ISO 50001-Anforderungen
- Planung einer Mitarbeiterschulung zu Energieeinsparung
- Analyse eines Förderantrags und Prüfung der Förderfähigkeit
- Bewertung von Dämmalternativen mit Lebenszykluskosten
Der Kurs ist darauf ausgelegt, dass Sie nach Abschluss in der Lage sind, die Energiemanagementfunktion in einem Unternehmen oder einer öffentlichen Einrichtung fachkundig auszufüllen — von der ersten Bestandsaufnahme bis zur Dokumentation des verbesserten Energieverbrauchs.
Lernziele:
- Sie erläutern die Anforderungen der ISO 50001 an Aufbau, Betrieb und Verbesserung eines Energiemanagementsystems.
- Sie wenden das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in der Praxis an und ordnen Planungs- und Bestandsprojekte korrekt ein.
- Sie kennen die relevanten DIN-Normen (DIN EN 16247, DIN V 18599, DIN EN 12831, ISO 50001, ISO 14001) und können deren Anforderungen auf konkrete Vorhaben anwenden.
- Sie analysieren den Energiebedarf von Gebäudehüllen und wählen geeignete Dämmmaßnahmen aus.
- Sie beurteilen Anlagentechnik für Wärme- und Kälteerzeugung, -verteilung und -speicherung nach Effizienzgesichtspunkten.
- Sie erklären Funktionsprinzipien von Querschnittstechnologien wie Lüftung, Beleuchtung, Druckluft und elektrischen Antrieben.
- Sie beschreiben aktuelle Photovoltaik- und PVT-Konzepte sowie Speichertechnologien für erneuerbare Energie.
- Sie führen Wirtschaftlichkeitsberechnungen durch und bewerten Effizienzmaßnahmen mit der Lebenszyklus-Kostenanalyse.
- Sie planen und kommunizieren Mitarbeiterschulungen zu energiebewusstem Verhalten.
- Sie kennen Berichtspflichten im Rahmen von ISO 50001 und erstellen entsprechende Dokumentationen.
- Sie benennen relevante Förderprogramme und berücksichtigen diese bei der Wirtschaftlichkeitsbewertung von Maßnahmen.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung wendet sich an technische Fachkräfte, die Energiemanagementaufgaben übernehmen sollen oder wollen. Grundvoraussetzung ist ein fachlicher Hintergrund in Ingenieur- oder Naturwissenschaften, als staatlich geprüfter Techniker oder als Meister in einer einschlägigen Fachrichtung.
- Ingenieure und Ingenieurinnen der Fachrichtungen Energietechnik, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Maschinenbau oder Bauingenieurwesen
- Staatlich geprüfte Techniker/innen aus Heizungs-, Klima-, Lüftungs- oder Elektrotechnik
- Meister/innen aus technischen Fachrichtungen, die Energiemanagementverantwortung übernehmen
- Betriebliche Energiebeauftragte, die ihr Wissen systematisieren wollen
Erforderlich ist ein Abschluss als Hochschul- oder Fachhochschulabsolvent/in in einer einschlägigen Ingenieur- oder Naturwissenschaft, als staatlich geprüfte/r Techniker/in oder als Meister/in in einer technischen Fachrichtung. Deutschkenntnisse auf C1-Niveau werden vorausgesetzt. Sicherer Umgang mit dem PC ist notwendig, da der Kurs im Combined-Learning-Format digital abläuft.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs läuft als Vollzeitprogramm im Combined-Learning-Format: Selbstgesteuertes Lernen mit Lernvideos, Skripten und digitalen Übungsaufgaben wechselt mit tutoriell begleiteten Online-Einheiten ab. Berechnungsaufgaben und Planungsszenarien verankern die normativen Inhalte in der Anwendungspraxis. Die inhaltliche Tiefe ist auf einen Studien- oder Technikerabschluss ausgerichtet, sodass komplexe Zusammenhänge zwischen verschiedenen Normen, Technologien und betriebswirtschaftlichen Anforderungen erarbeitet werden können.
Der Kurs wird als Vollzeitkurs angeboten. Zur genauen Kursdauer liegen aus den verfügbaren Angebotsdaten keine einheitlichen Angaben vor; diese ist beim jeweiligen Anbieter zu erfragen. Die Kombination aus mehreren inhaltlich umfangreichen Modulen und praktischen Berechnungsaufgaben erfordert ausreichend Zeit für eine solide Auseinandersetzung mit den Lerninhalten.
Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Bildungsanbieters ab. Es handelt sich um kein TÜV-Zertifikat oder staatlich anerkanntes Zeugnis, sondern um einen Trägernachweis, der die erworbenen Kenntnisse im Bereich Energiemanagement ausweist. Im beruflichen Kontext dient er als Qualifikationsbeleg gegenüber Arbeitgebern und bei der Übernahme betrieblicher Energiemanagementaufgaben.
Nutzen & Perspektiven
Energiekosten sind für viele Unternehmen zu einem erheblichen Kostenfaktor geworden. Gleichzeitig wächst der regulatorische Druck: ISO 50001 ist für bestimmte Unternehmen Pflicht, um von staatlichen Energie-Steuererleichterungen zu profitieren. Fachkräfte, die ein Energiemanagementsystem aufbauen und betreiben können, sind daher nicht nur in Industrie und Gewerbe gefragt, sondern auch in öffentlichen Einrichtungen, Kommunen und Immobilienverwaltungen. Der Kurs verbindet Normenwissen mit technischem Praxisverständnis: Wer versteht, wie eine Kälteanlage oder eine Druckluftstation arbeitet, kann Einsparpotenziale nicht nur theoretisch benennen, sondern in der Anlage aufspüren und quantifizieren. Diese Kombination unterscheidet einen gut qualifizierten Energiemanagementbeauftragten von jemandem, der die Norm nur aus dem Lehrbuch kennt. Die Wirtschaftlichkeitsmethoden und Kenntnisse über Förderprogramme geben Absolventinnen und Absolventen zudem ein Instrument in die Hand, das in der betrieblichen Realität unmittelbar einsetzbar ist: Wenn Effizienzmaßnahmen mit belastbaren Zahlen begründet werden können und die Förderoptionen bekannt sind, steigen die Chancen, dass notwendige Investitionen intern genehmigt und umgesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist diese Weiterbildung geeignet?
Die Weiterbildung richtet sich an Personen mit einem technischen Hintergrund — als Hochschulabsolvent/in einer einschlägigen Ingenieur- oder Naturwissenschaft, als staatlich geprüfte/r Techniker/in oder als Meister/in in einer einschlägigen Fachrichtung wie Energie-, Elektro- oder Heizungstechnik. Ohne diesen Hintergrund sind die Fachinhalte der Norm und der technischen Systeme kaum sinnvoll zu erarbeiten.
Was ist ISO 50001 und warum ist sie wichtig?
ISO 50001 ist eine internationale Norm, die die Anforderungen an Aufbau, Einführung, Betrieb und Verbesserung eines Energiemanagementsystems festlegt. Für bestimmte Unternehmen (z. B. im Rahmen der Energie- und Stromsteuer-Spitzenausgleichsregelung) ist ein zertifiziertes ISO-50001-System in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Zudem ist sie ein anerkanntes Instrument zur systematischen Senkung von Energiekosten.
Wird nach dem Kurs ein TÜV-Zertifikat ausgestellt?
Nein. Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Anbieters ab. Es handelt sich nicht um ein TÜV-Zertifikat oder einen staatlich anerkannten Abschluss. Wer eine offizielle ISO-50001-Auditorenqualifikation anstrebt, sollte die jeweiligen Anforderungen der Zertifizierungsstellen gesondert prüfen.
Welche DIN-Normen werden im Kurs behandelt?
Der Kurs deckt DIN EN 16247 (Energieaudits), DIN V 18599 (energetische Bewertung von Gebäuden), DIN EN 12831 (Heizlastberechnung), ISO 50001 (Energiemanagementsystem) und ISO 14001 (Umweltmanagementsystem) ab.
Sind Fördermittelthemen Teil des Kurses?
Ja, Förderprogramme wie BAFA- und KfW-Förderungen werden im Modul zu Wirtschaftlichkeit und Energiemanagementsystem thematisiert. Der Kurs vermittelt, wie Fördermittel in die Wirtschaftlichkeitsberechnung von Effizienzmaßnahmen einbezogen werden können.
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