Überblick
Dieser Kurs vermittelt die Grundlagen der ABAP-Programmierung speziell für die SAP S/4HANA-Umgebung. ABAP ist die proprietäre Programmiersprache des SAP-Ökosystems und bildet das technische Rückgrat fast aller SAP-Systemanpassungen. Wer SAP-Lösungen konfigurieren, erweitern oder eigenständig entwickeln möchte, kommt an soliden ABAP-Kenntnissen nicht vorbei. Dieser erste Kursteil führt systematisch von den syntaktischen Grundelementen über Datenbankzugriffe mit modernem ABAP SQL bis hin zu Berechtigungsprüfungen und Debugging-Techniken. Er richtet sich an Entwicklerinnen und Entwickler mit Hochschulhintergrund oder vergleichbarer Programmiererfahrung, die den Einstieg in SAP-Technologien gezielt und strukturiert angehen wollen.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der ABAP-Programmierung In diesem Einstiegsblock werden Aufbau und Syntax der Programmiersprache ABAP von Grund auf vermittelt. Kenntnisse aus anderen Sprachen helfen, die Unterschiede und Besonderheiten von ABAP schnell einzuordnen. Lernende entwickeln erste lauffähige Programme und verstehen die Ausführungslogik im ABAP-Laufzeitsystem.
- Programm-Struktur: Deklarationen, Verarbeitungsblöcke und Ereignisse
- Datentypen, Variablen und Strukturen in ABAP
- Kontrollstrukturen: Schleifen, Bedingungen und Fallunterscheidungen
- Modularisierungsformen: Unterprogramme, Funktionsbausteine und Methoden
- Fehlerbehandlung mit Ausnahmen und CATCH-Blöcken
- Einfache Ausgaben und Protokollierung mit Syslog
Interne Tabellen und Leistungsoptimierung Interne Tabellen sind das wichtigste Datencontainer-Konzept in ABAP. Dieser Block vertieft deren Deklaration, Befüllung und Verarbeitung und zeigt, wie man häufige Performancefallen vermeidet. Im Mittelpunkt stehen sortierte Tabellen, Hash-Tabellen und der Einsatz von Table Keys für effiziente Lesezugriffe.
- Tabellenarten: Standard-Tabelle, sortierte Tabelle, Hash-Tabelle
- Befüllung mit APPEND, INSERT und COLLECT
- Lesezugriffe mit READ TABLE und Binärsuche
- Schleifenverarbeitung mit LOOP AT und WHERE-Bedingungen
- Modifikation und Löschung von Tabelleneinträgen
- Typische Performancemuster und Anti-Pattern bei internen Tabellen
ABAP SQL und Code-Pushdown Mit der Einführung von SAP HANA hat sich die Art, wie ABAP-Programme Datenbankzugriffe formulieren, grundlegend gewandelt. Dieser Block vermittelt modernes ABAP SQL und erklärt, wann und wie Berechnungslogik sinnvoll auf die Datenbankschicht verlagert wird. Code-Pushdown reduziert Datentransporte zwischen Datenbankserver und Applikationsschicht erheblich.
- SELECT-Varianten: Einfachzugriff, JOIN, GROUP BY, HAVING
- Unterabfragen und korrelierte Unterabfragen
- Aggregatfunktionen und analytische Fensterfunktionen in ABAP SQL
- CDS-Views (Core Data Services) als Grundlage für Pushdown
- AMDP (ABAP Managed Database Procedures) im Überblick
- Einschränkungen beim Pushdown: Was soll wirklich auf DB-Ebene?
Berechtigungen, Debugging und Qualitätssicherung Dieser abschließende Block deckt Querschnittsthemen ab, die in jeder produktiven ABAP-Entwicklung unerlässlich sind. Berechtigungsprüfungen schützen sensible Geschäftsdaten; der Debugger ist das zentrale Werkzeug zur Fehlersuche; Code Inspector und Unit-Tests sorgen für wartbaren, qualitätsgesicherten Quellcode.
- Berechtigungsobjekte und AUTHORITY-CHECK in ABAP
- ABAP-Debugger: Breakpoints, Watchpoints und Schrittverfolgung
- Code Inspector: Regeln, Varianten und statische Codeanalyse
- ABAP Test Cockpit (ATC) für transportrelevante Prüfungen
- ABAP Unit: Aufbau von Testklassen und Testmethoden
- Inlinedokumentation und ABAP Doc
Praktische Übungen
- Eigenes ABAP-Programm mit Datenbankzugriff und interner Tabellenverarbeitung erstellen
- SELECT-Abfragen schrittweise optimieren und Ausführungsplan analysieren
- JOIN zwischen Standardtabellen formulieren und Ergebnisse aufbereiten
- Berechtigungsprüfung in ein bestehendes Programm einbauen und im Test verifizieren
- Programm mit dem Debugger schrittweise durchlaufen und Variablenwerte beobachten
- Code-Inspector-Variante konfigurieren und Befunde beheben
- Unit-Test für eine einfache Klasse schreiben und ausführen
- Syntaxfehler und häufige Laufzeitfehler aus realen Dumps analysieren
- Programmdokumentation vollständig ergänzen
- Transferprojekt: kleines Datenpflege-Tool für eine Kundentabelle entwickeln
- Pushdown-Beispiel: Aggregation auf DB-Ebene statt in der Applikationsschicht rechnen
- Reviewing: Gegenseitiges Codecheck im Pair-Modus nach ATC-Regeln
Jede Übungsaufgabe läuft in einer isolierten SAP-Systemumgebung, sodass keine Produktionsdaten berührt werden. Fehler dürfen und sollen passieren – der Lerneffekt liegt im strukturierten Analysieren und Beheben der Probleme. Nach dem Praxis-Block besprechen Teilnehmende ihre Transferprojekte im Plenum. Unterschiedliche Lösungsansätze werden verglichen, Vor- und Nachteile diskutiert und individuelle Verbesserungshinweise gegeben.
Lernziele:
- Grundsyntax und Sprachkonstrukte in ABAP verstehen und anwenden
- Interne Tabellen effizient anlegen, befüllen und verarbeiten
- Datenbankzugriffe mit ABAP SQL formulieren und optimieren
- Code-Pushdown-Prinzipien für HANA-optimierten Datenbankzugriff einsetzen
- Berechtigungsprüfungen programmgesteuert einbauen und testen
- Programme mit ABAP Debugger analysieren und Fehler lokalisieren
- Quellcode mit Code Inspector und ABAP Test Cockpit prüfen
- Einfache Unit-Tests in ABAP (ABAP Unit) erstellen
- ABAP-Programme dokumentieren und wartbar strukturieren
- Grundlegende Datenbankoperationen mit OpenSQL sicher beherrschen
- Performanceprobleme durch gezielte Analyse der Datenbankzugriffe erkennen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich vorrangig an Hochschulabsolventinnen und -absolventen der Informatik oder Wirtschaftsinformatik, die in SAP-Projekte wechseln möchten. Auch Quereinsteiger mit nachweislicher Berufserfahrung in anderen Programmiersprachen sind geeignete Kandidaten.
- Softwareentwicklerinnen und -entwickler, die in SAP-Beratung oder -Entwicklung einsteigen
- Wirtschaftsinformatik-Absolventinnen mit technischem Interessenschwerpunkt
- IT-Beraterinnen und Berater, die Systemanpassungen künftig selbst durchführen wollen
- Technische Mitarbeitende aus SAP-Betrieb und Basis-Administration
Erwartet werden ein abgeschlossenes oder zumindest weit fortgeschrittenes Hochschulstudium der Informatik, Wirtschaftsinformatik oder eines verwandten technischen Fachs oder alternativ langjährige Berufspraxis in der Softwareentwicklung. Eigene Erfahrungen in einer strukturierten Programmiersprache (z. B. Java, C#, Python) helfen erheblich beim Erlernen der ABAP-Syntax. Relationale Datenbanken und SQL sollten in Grundzügen bekannt sein. Deutschkenntnisse auf B2-Niveau sowie englische Lesekompetenz für SAP-Dokumentation sind Voraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet systematische Wissensvermittlung mit unmittelbarem praktischen Tun im SAP-System. Theoriephasen führen Konzepte anhand konkreter Beispiele ein, danach üben Teilnehmende sofort in realen ABAP-Entwicklungsumgebungen. Typische Fehler aus der Praxis werden bewusst eingebaut und gemeinsam analysiert. Kleingruppenarbeit und Code-Reviews gehören fester zur Methodik, um den Blick für fremden Code zu schärfen.
Das Angebot liegt je nach Anbieter im Bereich von 4 bis 6 Wochen Kurszeit. Die genaue Wochenstundenbelastung variiert nach gewählter Zeitform (Vollzeit oder Teilzeit). Gesamtstunden und Termine sind abhängig vom jeweiligen Kursstart – aktuelle Angaben finden sich in den Kursdetails der Anbieter.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des jeweiligen Anbieters. Offizielle SAP-Zertifizierungsprüfungen (z. B. C_TAW12 oder vergleichbare Examen) sind nicht Bestandteil dieses Kursteils. Sie können separat beim SAP-Schulungszentrum abgelegt werden. Wer plant, eine SAP-Zertifizierung anzustreben, findet in diesem Kurs eine fundierte inhaltliche Vorbereitung.
Nutzen & Perspektiven
ABAP-Entwicklerinnen und -Entwickler sind auf dem deutschen SAP-Markt stark gesucht. SAP S/4HANA ist die strategische ERP-Plattform, auf die nahezu alle großen und mittelständischen SAP-Kunden migrieren – der Bedarf an Fachleuten, die S/4HANA-spezifische Entwicklung beherrschen, wächst entsprechend. Wer ABAP solide beherrscht, kann SAP-Systeme nicht nur nutzen, sondern technisch mitgestalten, was in Projekten deutlich mehr Einfluss und Verantwortung bedeutet. Dieser Kurs legt gezielt das Fundament für weiterführende Qualifikationen. Wer Teil 1 abschließt, ist in der Lage, einfache Eigenentwicklungen und Systemanpassungen eigenständig durchzuführen und sich in größere ABAP-Projekte einzubringen. Darauf aufbauend kann man objektorientiertes ABAP, ABAP für SAP Fiori oder spezifische Entwicklungsszenarien für SAP BTP vertiefen. Der Einstieg über den strukturierten Grundlagenkurs ist erfahrungsgemäß effizienter als das autodidaktische Herantasten an ABAP – die Sprache hat viele Eigenheiten, die ohne Anleitung zu schlechten Gewohnheiten führen, die später aufwendig korrigiert werden müssen. Mit dem Kursabschluss haben Teilnehmende nicht nur Syntax gelernt, sondern verstehen die Denkweise hinter SAP-Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Programmiervorkenntnisse sind nötig?
Vorausgesetzt werden nachweisbare Kenntnisse in mindestens einer Programmiersprache sowie Grundverständnis relationaler Datenbanken. ABAP selbst kann auch neu erlernt werden.
Deckt der Kurs die aktuelle SAP S/4HANA-Plattform ab?
Ja, alle Inhalte sind auf SAP S/4HANA ausgerichtet. Der Code-Pushdown-Ansatz und ABAP SQL richten sich explizit an die In-Memory-Architektur der HANA-Datenbank.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Der Kurs schließt mit einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung des Anbieters ab. Offizielle SAP-Zertifizierungen werden separat bei SAP abgelegt und sind nicht Bestandteil dieses Kurses.
Ist dieser Kurs auf einen Folgeteil ausgerichtet?
Ja, als Teil 1 legt er die Grundlagen für weiterführende ABAP-Kurse wie objektorientierte Programmierung in ABAP oder ABAP-Entwicklung für Fiori.
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