Überblick
Der Im- und Export zählt zu den anspruchsvollsten kaufmännischen Tätigkeitsfeldern: Zollvorschriften, Außenwirtschaftsrecht, internationale Zahlungsbedingungen und digitale Softwaresysteme greifen unmittelbar ineinander. Diese Weiterbildung verbindet drei Lernbereiche zu einem kompakten Berufsprofil — die elektronische Zollabwicklung mit ATLAS, die Praxiswerkstatt des Außenhandels sowie die SAP-gestützte Auftragsabwicklung im Vertrieb. Wer in der Logistik, im Einkauf, im Vertrieb oder in der Zollabteilung tätig ist oder werden möchte, erhält hier das vollständige Handwerkszeug, um Im- und Exportvorgänge souverän, rechtssicher und effizient zu bearbeiten.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der Außenwirtschaft und des Außenhandelsrechts Das Fundament jeder Im- und Exporttätigkeit bildet ein solides Verständnis der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Teilnehmenden lernen den Aufbau der deutschen Außenwirtschaftsordnung, die Rolle supranationaler Institutionen (EU-Zollkodex, WTO) sowie die wichtigsten Vertragsgrundlagen im internationalen Warenverkehr kennen.
- Aufbau der deutschen Außenwirtschaftsordnung und EU-Regelungen
- Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und Außenwirtschaftsverordnung (AWV)
- Umsatzsteuer und Einfuhrumsatzsteuer im grenzüberschreitenden Handel
- Warenklassifizierung mit dem Harmonisierten System (HS) und der Kombinierten Nomenklatur
- Ausfuhrkontrolle und Sanktionslistenprüfung
- Incoterms in der Vertragsgestaltung: Pflichten, Risiken, Lieferbedingungen
ATLAS — Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System ATLAS ist das zentrale elektronische Verfahren der deutschen Zollverwaltung. Dieser Block vermittelt den vollständigen Bedienungsablauf, von der Registrierung bis zur elektronischen Anmeldung, praxisnah und fallbezogen.
- Systemarchitektur und Teilnahmevoraussetzungen für ATLAS
- Zollanmeldung im summarischen und vereinfachten Verfahren
- Überführung von Waren in Zollverfahren: Überlassung, Lagerung, Transit, aktive Veredelung
- Präferenzrecht: Ursprungsnachweise und Lieferantenerklärungen korrekt erstellen
- Elektronische Kommunikation mit der Bundeszollverwaltung
- Fehlerbehandlung, Korrekturen und Nacherhebungen
Praxiswerkstatt Im- und Export: Dokumentenwesen und Zahlungsverkehr Internationale Handelsgeschäfte erfordern ein lückenloses Dokumentenmanagement. Die Praxiswerkstatt übt anhand realer Fallbeispiele alle relevanten Dokumente und Absicherungsinstrumente.
- Handelsrechnung, Packliste und Proforma-Rechnung: Form und Pflichtangaben
- Transportdokumente nach Verkehrsträger: Konnossement, CMR, Luftfrachtbrief, CIM
- Ursprungszeugnis, EUR.1, ATA-Carnet und weitere Bescheinigungen
- Zahlungsverkehr: Dokumentenakkreditiv (Letter of Credit), Dokumenteninkasso, Vorauszahlung
- Warenversicherung und Kreditversicherung im Außenhandel
- Ausgestaltung vollständiger Im- und Exportfallbeispiele von Auftragseingang bis Zahlung
SAP-Modul SD — Auftragsabwicklung im Vertrieb Die SAP-Vertriebskomponente (SD) deckt den gesamten Order-to-Cash-Prozess ab. Dieser Block vermittelt Bedienung und Logik des Systems praxisnah, sodass Teilnehmende Aufträge selbstständig anlegen, steuern und abschließen können.
- Navigation in SAP ERP und SAP S/4HANA: Benutzeroberfläche, Menüstruktur, Transaktionen
- Stammdaten: Kundenstamm, Materialstamm, Konditionen, Preisfindung
- Anlegen und Bearbeiten von Angeboten und Kundenaufträgen
- Lieferabwicklung: Lieferschein erstellen, Kommissionierung, Warenausgang buchen
- Fakturierung: Rechnungslauf, Gutschriften, Stornierungen
- Berichte und Auswertungen im SD-Modul für die operative Steuerung
Praxisblock: Außenhandel und SAP integriert
- Vollständige Auftragsbearbeitung vom Exportauftrag bis zur ATLAS-Anmeldung im Systemverbund
- Zolltarifnummer in SAP hinterlegen und Ausfuhranmeldung vorbereiten
- Kreditlimitprüfungen und Liefersperren in der SAP-Auftragsbearbeitung
- Dokumentenakkreditiv-Abwicklung: Dokumente zusammenstellen und Fristen einhalten
- Erstellen einer vollständigen Exportrechnung mit ATLAS-konformen Pflichtangaben
- Ursprungsnachweis prüfen und Lieferantenerklärungen in SAP archivieren
- Ausfuhrkontrollprüfung integriert in den SAP-Ablauf
- Statistische Meldepflichten: Intrastat und Extrastat korrekt befüllen
- Besonderheiten bei Waren aus dem Bausektor, der Chemie und dem Maschinenbau
- Erstellen kundenspezifischer Konditionen und Rabattstrukturen in SAP
- Fehleranalyse bei abgelehnten Zollanmeldungen und Korrekturworkflow
- Realfallübung: Ein komplettes Im- und Exportgeschäft mit ATLAS und SAP von A bis Z
Die Module bauen didaktisch aufeinander auf: Theorie des Außenhandelsrechts schafft die rechtliche Basis, ATLAS setzt diese elektronisch um, die Praxiswerkstatt verankert das Dokumentenwissen, und die SAP-Komponente integriert alles in ein marktübliches ERP-System. Wer alle vier Bereiche absolviert, kann anschließend in einem Unternehmen ohne lange Einarbeitungszeit in der Im- und Exportabteilung produktiv tätig werden.
Lernziele:
- Aufbau und Bedeutung der Außenwirtschaft im internationalen Kontext verstehen
- Zollrechtliche Grundlagen und das ATLAS-Verfahren sicher anwenden
- Import- und Exportanmeldungen elektronisch erstellen und übermitteln
- Präferenzrecht, Ursprungsregeln und Warentarifierung korrekt beherrschen
- Zahlungsverkehrsinstrumente im Außenhandel (Akkreditiv, Inkasso) kennen und einsetzen
- Handelsklauseln (Incoterms) und Lieferbedingungen präzise vereinbaren
- Exportdokumente (Handelsrechnung, Packliste, CMR, Konnossement, Ursprungszeugnis) korrekt ausfüllen
- Risiken im Außenhandel erkennen und durch geeignete Absicherungsmaßnahmen minimieren
- SAP-Modul SD: Verkaufsaufträge anlegen, bearbeiten und abwickeln
- Lieferungen und Fakturierungsläufe in SAP vollständig durchführen
- Stammdaten in SAP pflegen und kundenspezifische Konditionen hinterlegen
- Außenwirtschaftsrechtliche Vorschriften (Ausfuhrkontrolle, Sanktionslisten) in der Praxis anwenden
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fachkräfte, die in der Außenhandelsabwicklung, im Einkauf, in der Logistik oder im Vertrieb tätig sind oder eine berufliche Neuorientierung in diesen Bereichen anstreben.
- Kaufmännische Angestellte, die ihre Abteilung in Richtung Außenhandel erweitern
- Berufseinsteiger und Quereinsteigende mit kaufmännischer Grundausbildung
- Zollsachbearbeiter, die ihre ATLAS-Kenntnisse systematisieren möchten
- Vertriebsmitarbeiter, die SAP SD in ihrem Unternehmen einsetzen oder einführen
- Sachbearbeiter im Speditions- und Logistikbereich, die den Zollbereich übernehmen sollen
Vorausgesetzt wird ein kaufmännischer Berufsabschluss oder eine vergleichbare berufliche Erfahrung im kaufmännischen Umfeld. Grundlegende Kenntnisse der Im- und Exportprozesse erleichtern den Einstieg erheblich, da der Kurs auf einem kaufmännischen Grundverständnis aufbaut. Sehr gute Englischkenntnisse sind notwendig, da Außenhandelsdokumente, Incoterms und SAP-Transaktionen teils in englischer Sprache vorliegen. Zahlenaffinität und strukturiertes Arbeiten sind unerlässlich für die fehlerfreie Bearbeitung von Zollanmeldungen und SAP-Buchungen.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs kombiniert Lehreinheiten zur rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Theorie mit umfangreichen Praxisübungen am System. ATLAS und SAP SD werden an realen Fallbeispielen trainiert, sodass die Teilnehmenden nach der Weiterbildung unmittelbar einsatzfähig sind. Das Dokumentenwesen wird anhand vollständiger Handelsfälle — von der Auftragsanlage bis zur Zahlung — eingeübt. Der Unterricht findet in Kleingruppen statt, was intensives Arbeiten am System und individuelle Rückmeldung ermöglicht.
Aufgrund der drei Themenblöcke — Außenhandelsrecht und Dokumentenwesen, ATLAS-Zollverfahren und SAP SD — handelt es sich um eine mehrtägige Intensivweiterbildung. Die genaue Stundenanzahl und der genaue Zeitplan variieren je nach Anbieter; üblicherweise umfasst eine solche Kombination mehrere Wochen im Vollzeit- oder Teilzeitkurs. Vollzeitteilnehmende arbeiten täglich mehrere Stunden an Rechner-Übungen und im Lehrgang; Teilzeitformate strecken die Inhalte auf einzelne Wochentage.
Der Kurs schließt mit einem trägerinternen Zertifikat bzw. einer qualifizierten Teilnahmebescheinigung ab. Zusätzlich kann eine DEKRA-Zertifizierung angeboten werden, die das erworbene Wissen extern dokumentiert. Für das SAP-Modul besteht die Möglichkeit, das Wissen durch einen SAP-Anwendernachweis im Bereich Vertrieb belegen zu lassen. Da es sich nicht um eine staatliche Prüfung handelt, ist der Abschluss ein branchenübliches Weiterbildungszertifikat, das bei Arbeitgebern in der Außenhandels- und Logistikbranche als Qualifikationsnachweis anerkannt ist.
Nutzen & Perspektiven
Im- und Exportprozesse werden in deutschen Unternehmen zunehmend digitalisiert — wer ATLAS und SAP SD beherrscht, ist in einer Logistik- oder Handelsabteilung unmittelbar einsetzbar. Der Markt zeigt, dass diese Kombinationskompetenz selten ist: Viele Sachbearbeiter kennen entweder das Zollrecht oder SAP, aber selten beides in der Tiefe, die für eine reibungslose Auftragsabwicklung ohne Nachfragen erforderlich ist. Das Dokumentenwissen schützt vor teuren Fehlern: Eine falsche Zolltarifnummer oder ein unvollständiges Akkreditiv kann die Zahlung verzögern oder sogar verhindern. Das Verständnis für den gesamten Prozess — vom Vertragsschluss über die ATLAS-Anmeldung bis zum Zahlungseingang — macht Teilnehmende zu verlässlichen Ansprechpartnern in ihrem Unternehmen und stärkt die Position bei Gehaltsverhandlungen und internen Beförderungen. Gerade für Quereinsteigende mit kaufmännischem Hintergrund eröffnet die Kombination aus Außenhandelsrecht, ATLAS und SAP den Zugang zu einer Fachkarriere in der Außenhandelsabwicklung. Das erworbene Profil ist branchenübergreifend gefragt: Maschinenbau, Chemie, Automotive, Konsumgüter und Pharma — überall, wo Waren über Ländergrenzen fließen, brauchen Unternehmen Fachkräfte, die sowohl die rechtliche Seite als auch die systemseitige Abwicklung beherrschen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich SAP-Vorkenntnisse, um an diesem Kurs teilzunehmen?
Nein, SAP-Vorkenntnisse sind keine Voraussetzung. Der SAP-Block beginnt mit der Navigation und den Grundbegriffen und baut das Wissen schrittweise auf. Hilfreich sind jedoch kaufmännische Grundkenntnisse und Erfahrung mit EDV-gestützten Arbeitsprozessen.
Was ist ATLAS und warum ist es für den Außenhandel wichtig?
ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System) ist die elektronische Plattform der deutschen Zollverwaltung für Import- und Exportanmeldungen. Ohne ATLAS-Kenntnisse ist eine eigenständige Zollabwicklung in deutschen Unternehmen heute kaum möglich. Der Kurs vermittelt den vollständigen ATLAS-Workflow praxisnah.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Teilnehmende erhalten ein trägerinternnernes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung. Je nach Anbieter kann zusätzlich eine DEKRA-Zertifizierung sowie ein SAP-Anwendernachweis im Bereich Vertrieb ausgestellt werden.
Für welche Branchen ist diese Weiterbildung besonders relevant?
Der Kurs ist branchenübergreifend relevant für alle Unternehmen mit grenzüberschreitendem Warenverkehr — Maschinenbau, Automotive, Chemie, Pharma, Konsumgüter und Handel. Überall dort, wo Waren importiert oder exportiert werden, sind ATLAS- und SAP-Kenntnisse gefragt.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs von einem reinen Zollkurs?
Ein reiner Zollkurs vermittelt nur das rechtliche und verfahrenstechnische Wissen. Dieser Kurs ergänzt das Zollwissen um die SAP-Auftragsabwicklung und die Praxiswerkstatt des Dokumentenwesens, sodass Teilnehmende den gesamten Im- und Exportprozess systemgestützt von A bis Z beherrschen.
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