Überblick
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen und Behörden stellt Organisationen vor neue Herausforderungen in den Bereichen Governance, Compliance und Risikomanagement. Der Kurs zum Künstliche-Intelligenz-Beauftragten (KI/AI) qualifiziert Fach- und Führungskräfte umfassend für diese neue Schnittstellenfunktion. Im Mittelpunkt steht die internationale Norm ISO/IEC 42001, die einen strukturierten Rahmen für den Aufbau und den Betrieb eines AI-Managementsystems (AIMS) vorgibt. Teilnehmende lernen die technologischen Grundlagen von KI-Systemen ebenso kennen wie die normativen Anforderungen, die an eine verantwortungsvolle KI-Organisation gestellt werden. Der Abschluss des Kurses öffnet die Tür zur offiziellen Zertifizierung als KI-Beauftragter.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 — Grundlagen von KI-Systemen und Managementansätzen Der Einstieg in den Kurs schafft ein gemeinsames Begriffsverständnis und führt Teilnehmende in die verschiedenen Ausprägungen von KI-Technologie ein. Gerade in organisations- und management-orientierten Ausbildungen fehlt häufig das technische Fundament, das notwendig ist, um KI-bezogene Entscheidungen sachkundig zu treffen. Dieser Block schließt diese Lücke und behandelt folgende Themen.
- Begriffe, Definitionen und Abgrenzungen: KI, KI-System, KI-Modell, künstliche neuronale Netze
- Überblick über KI-Modelltypen: symbolisch, sub-symbolisch, generativ (Large Language Models)
- Architektur und Lebenszyklus von KI-Systemen von der Datenbeschaffung bis zum Inferenz-Betrieb
- Einführung in das Konzept des AI Management Systems (AIMS) nach ISO/IEC 42001
- Rolle, Aufgabe und Verantwortung des KI-Beauftragten in der Organisation
- Abgrenzung zu verwandten Rollen: Datenschutzbeauftragter, Chief AI Officer, KI-Projektleitung
Modul 2 — Technologische Grundlagen der KI-Anwendung Ein fundiertes Verständnis technischer Konzepte ist Voraussetzung dafür, KI-Systeme verantwortungsvoll zu bewerten und zu steuern. Dieses Modul vermittelt die technischen Grundlagen, die KI-Beauftragte benötigen, ohne in algorithmische Details abzugleiten. Im Fokus stehen die folgenden Themengebiete.
- Datenqualität, Trainingsdaten und ihre Auswirkungen auf die Modellleistung
- Bias und Fairness: Entstehung algorithmischer Verzerrungen und Maßnahmen zur Mitigation
- Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit von KI-Systemen (Explainability)
- Herausforderungen und bekannte Grenzen heutiger KI-Modelle (Halluzinationen, Robustheit)
- Technologieüberblick: maschinelles Lernen, NLP, LLMs, neuronale Netze und APIs
- Rollen technischer Komponenten im Betrieb: Modell, Inferenz-Schicht, Trainingsinfrastruktur
Modul 3 — Aufbau eines AI-Managementsystems (AIMS) Dieses Modul vermittelt die organisatorischen und normativen Grundlagen für den Aufbau eines strukturierten AIMS. Es bildet den strategischen Kern der Ausbildung und stellt sicher, dass Teilnehmende KI-Governance in ihrer Organisation methodisch implementieren können. Die behandelten Themen sind nachfolgend aufgeführt.
- Struktur und Zielsetzung eines AIMS nach ISO/IEC 42001
- Interessierte Parteien, Anwendungsbereich und Kontextanalyse der Organisation
- Risiken und Chancen bei der Nutzung von KI systematisch identifizieren und bewerten
- Relevanz für Wirtschaft, öffentliche Verwaltung und kritische Infrastrukturen (KRITIS)
- Einbettung des AIMS in bestehende Managementsysteme: ISMS, QMS, DMS
- Dokumentationsanforderungen und Pflichten zur internen Kommunikation
Modul 4 — ISO/IEC 42001: Normensystem und Anforderungen Dieser Block führt systematisch durch die Struktur der ISO/IEC 42001 und befähigt Teilnehmende, die Norm in ihrer eigenen Organisation anzuwenden. Normkenntnisse sind die Grundlage für jede interne Auditierung und für die Vorbereitung auf externe Zertifizierungsverfahren. Folgende Themen werden behandelt.
- Aufbau und Kapitelstruktur der ISO/IEC 42001
- Verbindung zur ISO High-Level Structure (Annex SL) und anderen ISO-Normen
- Überblick über Steuerungsmaßnahmen in Annex A der Norm
- Anforderungen an Dokumentation, Kommunikation, Kompetenznachweis und Aufsicht
- Einführung in zentrale normative Begriffe: KI-Politik, KI-Risikomanagement, Transparenzpflichten
- Zusammenhang mit dem EU AI Act und anderen regulatorischen Rahmenbedingungen
Modul 5 — Rollen, Verantwortlichkeiten und KI-Governance Im abschließenden inhaltlichen Block geht es um den praktischen Aufbau einer KI-Governance-Struktur im Unternehmen. Teilnehmende erarbeiten ein Rollenmodell, definieren Zuständigkeiten und lernen, wie KI-bezogene Entscheidungswege dokumentiert und kommuniziert werden. Die inhaltlichen Schwerpunkte dieses Moduls sind nachfolgend aufgeführt.
- Rollenmodell im AIMS: KI-Beauftragter, KI-Verantwortliche in Fachbereichen, Top-Management
- Anforderungen an Qualifikation, Schulung und Aufsichtspflichten für KI-Anwender
- Aufbau einer verantwortlichen KI-Organisation (intern und extern mit Dienstleistern)
- Schnittstellen zu Datenschutz, Informationssicherheit und Qualitätsmanagement
- Dokumentation und Governance von KI-bezogenen Entscheidungswegen und Eskalationsprozessen
- Vorbereitung auf das Zertifizierungsverfahren zum offiziellen KI-Beauftragten
Praxisübungen und Anwendungsfälle Die theoretischen Inhalte werden durch praxisnahe Übungen und Fallstudien vertieft, die reale Szenarien aus Wirtschaft und Verwaltung aufgreifen. Zu den Übungsszenarien gehören unter anderem folgende Aufgaben.
- Analyse eines bestehenden KI-Projekts nach ISO/IEC 42001-Anforderungen
- Erstellung eines einfachen Risikobewertungsdokuments für ein fiktives KI-System
- Entwicklung eines Rollenmodells und einer AIMS-Richtlinie für eine Beispielorganisation
- Diskussion von Fallbeispielen zu Bias, Datenschutz und Transparenz in realen KI-Anwendungen
- Vorbereitung auf das schriftliche Assessment zur Zertifizierung als KI-Beauftragter
Nach Abschluss der Übungsphase werden zentrale Erkenntnisse im Plenum besprochen und konsolidiert. Die Dozentinnen und Dozenten geben strukturiertes Feedback und zeigen auf, wo in der Praxis die größten Umsetzungshürden liegen.
Lernziele:
Nach Abschluss dieses Kurses haben Sie folgende Kompetenzen erworben.
- Grundlegende Konzepte, Begriffe und Abgrenzungen rund um KI, KI-Systeme und KI-Modelle sicher anzuwenden
- Den Lebenszyklus und die Architektur von KI-Modellen zu beschreiben und in organisatorische Kontexte einzuordnen
- Die Struktur und Anforderungen der ISO/IEC 42001 zu erläutern und auf die eigene Organisation anzuwenden
- Rolle, Aufgaben und Verantwortlichkeiten eines KI-Beauftragten im Unternehmen zu definieren
- Technische Konzepte wie Datenqualität, Bias, Erklärbarkeit und Fairness in der Praxis zu bewerten
- Risiken und Chancen des KI-Einsatzes für Wirtschaft, Verwaltung und kritische Infrastrukturen einzuschätzen
- Ein kontextgerechtes AI-Managementsystem (AIMS) strukturell aufzubauen und zu dokumentieren
- KI-Governance-Strukturen inklusive Rollenmodell, Aufsichtspflichten und Entscheidungswegen zu etablieren
- Die Zusammenarbeit zwischen KI-Beauftragten, Datenschutz, Informationssicherheit und Qualitätsmanagement zu koordinieren
- Anforderungen aus Annex A der ISO/IEC 42001 (Steuerungsmaßnahmen) zu interpretieren und umzusetzen
- KI-bezogene Dokumentations- und Kommunikationspflichten zu erfüllen
- Den eigenen Betrieb auf externe Audits und Zertifizierungsverfahren nach ISO/IEC 42001 vorzubereiten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die in ihrer Organisation Verantwortung für den KI-Einsatz übernehmen oder eine formelle Funktion als KI-Beauftragter anstreben. Zu den konkreten Zielgruppen zählen folgende Personengruppen.
- Compliance- und Datenschutzbeauftragte, die ihr Tätigkeitsfeld auf KI erweitern möchten
- IT-Leiterinnen und IT-Leiter sowie Projektmanager aus KI-Einführungsprojekten
- Führungskräfte aus Unternehmen und Behörden, die KI verantwortungsvoll einsetzen wollen
- Qualitätsmanagerinnen und -manager, die AIMS in bestehende QM-Strukturen integrieren
- Interne Auditorinnen und Auditoren, die KI-Systeme in ihre Prüftätigkeit einbeziehen
Empfohlen werden grundlegende Kenntnisse im Management von Informationssystemen und ein Basisverständnis für ISO-Managementsysteme (z. B. ISO 27001 für Informationssicherheit oder ISO 9001 für Qualitätsmanagement). Erfahrung im Umgang mit KI-Technologien ist hilfreich, aber nicht zwingend erforderlich, da das Kursdesign den technischen Einstieg strukturiert begleitet. Vor Kursbeginn findet ein individuelles Beratungsgespräch statt, bei dem ein auf die Vorkenntnisse abgestimmter Lernplan erstellt wird.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird überwiegend im Combined-Learning-Format durchgeführt, das synchrone Online-Seminarphasen mit selbstgesteuerten Lernphasen verbindet. Ergänzend werden Präsenzveranstaltungen angeboten. Die Inhalte werden durch Fallstudien, Gruppenarbeiten und praxisnahe Assessments vertieft. Dozentinnen und Dozenten sind ausgewiesene Expertinnen und Experten mit Erfahrung in KI-Governance und ISO-Zertifizierungen. Der Kurs ist sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit buchbar; individuelle Startzeitpunkte sind auf Anfrage möglich.
Die Kursdauer beträgt mehr als einen Monat bis zu drei Monate, abhängig vom gewählten Lernformat und individuellem Lernplan. Der Umfang der Lerninhalte ist substanziell: Neben den fünf inhaltlichen Modulen sind Prüfungsvorbereitungseinheiten und praktische Assessments eingeplant. Im Teilzeitformat können die Lerninhalte berufsbegleitend absolviert werden.
Bei erfolgreichem Abschluss aller Prüfungsleistungen erhalten Teilnehmende die offizielle Zertifizierung als KI-Beauftragter. Ergänzend wird ein Lehrgangszertifikat ausgestellt. Das Zertifikat ist international anerkannt und dokumentiert die Befähigung, ein AI-Managementsystem nach ISO/IEC 42001 in einer Organisation aufzubauen und zu betreiben.
Nutzen & Perspektiven
Der EU AI Act und die zunehmende regulatorische Aufmerksamkeit rund um KI-Systeme machen die Funktion des KI-Beauftragten in vielen Organisationen zu einer strategisch notwendigen Position. Wer diese Funktion mit fundiertem Wissen ausübt, schafft nicht nur Compliance-Sicherheit, sondern positioniert seine Organisation als vertrauenswürdigen und verantwortungsvollen KI-Anwender gegenüber Kunden, Partnern und Behörden. Dieser Wettbewerbsvorteil wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Für Einzelpersonen eröffnet die Zertifizierung als KI-Beauftragter ein deutlich erweitertes Berufsprofil. Compliance-Fachleute, IT-Manager und Qualitätsmanagerinnen und -manager können ihre bisherige Expertise um ein hochrelevantes Zukunftsfeld ergänzen und damit ihre Beschäftigungsfähigkeit nachhaltig stärken. Der Markt für KI-Governance-Expertise wächst schnell, und zertifizierte Fachleute sind gefragt. Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist diese Weiterbildung in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen je nach individueller Situation Mittel des Qualifizierungschancengesetzes, Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben der Deutschen Rentenversicherung oder die Berufsförderung der Bundeswehr in Betracht. Das Beratungsgespräch zu Beginn des Kurses klärt die optimale Förderroute.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Empfohlen werden ein Grundverständnis für ISO-Managementsysteme und Informationssicherheit. Technische KI-Kenntnisse sind nicht vorausgesetzt; der Kurs führt strukturiert in die technologischen Grundlagen ein.
Was ist der Unterschied zwischen KI-Beauftragtem und Datenschutzbeauftragtem?
Der Datenschutzbeauftragte fokussiert auf die Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung. Der KI-Beauftragte ist zusätzlich für das gesamte AI-Managementsystem, Risikobeurteilungen von KI-Systemen und die Einhaltung von KI-spezifischen Normen wie ISO/IEC 42001 und dem EU AI Act verantwortlich. Beide Rollen ergänzen sich.
Welches Zertifikat erhalte ich am Ende?
Bei erfolgreichem Abschluss aller Prüfungsleistungen erhalten Sie die offizielle Zertifizierung als KI-Beauftragter sowie ein trägerausgestelltes Lehrgangszertifikat. Das Zertifikat ist international anerkannt.
Ist der Kurs über einen Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über Bildungsgutschein in der Regel möglich. Auch das Qualifizierungschancengesetz oder Leistungen der Deutschen Rentenversicherung können je nach Situation genutzt werden.
Kann ich den Kurs berufsbegleitend absolvieren?
Ja, der Kurs ist im Teilzeitformat und auch als Online-Seminar buchbar. Individuelle Startzeitpunkte sind auf Anfrage möglich, sodass eine Vereinbarkeit mit einer laufenden Berufstätigkeit gut gelingt.
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