Überblick
Dieser erweiterte Ausbildungspfad qualifiziert Fach- und Führungskräfte für die verantwortungsvolle Steuerung von KI-Systemen im regulatorischen und operativen Kontext. Im Mittelpunkt stehen die Anforderungen des europäischen AI Acts, der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der internationalen Norm ISO/IEC 42001 für KI-Managementsysteme. Ergänzt wird dies durch die Compliance-Norm ISO 37301, die den Aufbau wirksamer Compliance-Strukturen beschreibt. Teilnehmende lernen, ein KI-Managementsystem (AIMS) aufzubauen, Risikoakten nach den Anforderungen des AI Acts zu führen, Konformitätsdokumentation zu erstellen und Compliance-Berichtssysteme zu etablieren. Der Lehrgang bereitet auf die doppelte Rolle als KI-Manager und AI Compliance Beauftragter vor.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block — Regulatorischer Rahmen AI Act und DSGVO — legt das rechtliche Fundament des Lehrgangs. Teilnehmende erarbeiten die Grundlagen, Systematik und Struktur des AI Acts, verstehen die Risikoklassifizierung von KI-Systemen und lernen, welche Rollen und Pflichten sich aus der Verordnung ergeben. Die Schnittstelle zur DSGVO wird gezielt analysiert.
- Grundlagen, Systematik und Struktur des AI Acts
- Begriffsdefinitionen und Risikoklassifizierung nach AI Act
- Rollenverteilung zwischen Anbietern, Betreibern und Nutzern
- DSGVO-Schnittstellen zu KI: Datenqualität, Zweckbindung und Betroffenenrechte
- Prinzip der organisatorischen Rechenschaftspflicht (Accountability)
- Auswirkungen des AI Acts auf verschiedene Branchen und Unternehmenstypen
Der zweite Block — Rollen, Verantwortlichkeiten und Governance — behandelt die organisatorische Gestaltung von KI-Governance. Teilnehmende entwickeln ein internes Rollenmodell und verstehen, wie Steuerungsgremien, interne Kontrollsysteme und Eskalationsmechanismen aufgebaut werden. Die Anforderungen der ISO 37301 an die Unabhängigkeit der Compliance-Funktion werden dabei besonders berücksichtigt.
- Pflichten nach KI-VO, DSGVO, ISO/IEC 42001 und ISO 37301
- Internes Rollenmodell für KI-Manager, Compliance Officer und Top-Management
- Governance-Strukturen und Steuerungsgremien aufbauen
- Internes Kontrollsystem (IKS) und Eskalationsmechanismen gestalten
- Unabhängigkeit der Compliance-Funktion gemäß ISO 37301, Kapitel 5.3
- Verankerung von Verantwortlichkeit auf Leitungsebene
Der dritte Block — Aufbau eines AIMS gemäß ISO/IEC 42001 — führt in die praktische Implementierung eines KI-Managementsystems ein. Teilnehmende lernen, eine Kontextanalyse durchzuführen, relevante interessierte Parteien zu identifizieren und das AIMS in bestehende Managementsysteme zu integrieren. Interne Audits und Managementbewertungen runden den Block ab.
- Kontextanalyse und Identifikation interessierter Parteien
- Integration mit ISO 37301: Compliance-Kultur und -ziele
- Dokumentationsanforderungen, Abläufe und Zuständigkeiten im AIMS
- Interne Audits für das KI-Managementsystem planen und durchführen
- Managementbewertung und kontinuierliche Verbesserung des AIMS
- Verknüpfung mit bestehenden Managementsystemen (ISO 27001, ISO 9001)
Der vierte Block — AI Risk Management und Risikoakte — behandelt die risikobasierte Steuerung von KI-Systemen gemäß Artikel 9 der KI-VO. Teilnehmende entwickeln Risikoakten, verknüpfen Risikomanagement mit Compliance-Strukturen und lernen, Risikoappetit und Frühwarnindikatoren zu definieren.
- Aufbau und Pflege einer Risikoakte gemäß Artikel 9 der KI-VO
- Verknüpfung mit Compliance-Risikomanagement nach ISO 37301
- Identifikation, Analyse und Bewertung von KI-Risiken
- Definition von Maßnahmen und Dokumentation residualer Risiken
- Risikoappetit, Frühwarnindikatoren und Eskalationsmechanismen
- AI Impact Assessments planen und dokumentieren
Der fünfte Block — Konformitätsdokumentation und Nachweispflichten — behandelt Rechenschaftspflicht als zentrales Prinzip des AI Acts und der ISO 37301. Dieser Block vermittelt, wie Systemakten, Konformitätserklärungen und Risikodokumentation normgerecht erstellt werden und welche Anforderungen an Transparenz und Nachvollziehbarkeit gelten.
- Systemakte, Konformitätserklärung und Risikodokumentation erstellen
- Transparenz und Nachvollziehbarkeit als normative Anforderungen
- Dokumentation zweckdienlicher Informationen gemäß ISO 37301, Abschnitt 8.5
- Audit-Trail für regulatorische Prüfungen aufbauen und pflegen
- Anforderungen an Verständlichkeit der Dokumentation
- Praktische Übungen zur normgerechten Aktenführung
Die abschließenden Blöcke 6 und 7 — Schnittstellen und Berichterstattung — verbinden KI-Compliance mit bestehenden Unternehmenssystemen und zeigen, wie Berichterstattung und Sensibilisierung wirksam gestaltet werden. Schulungspflichten nach ISO 37301 und dem AI Act werden konkret umgesetzt.
- Verknüpfung von KI-Compliance mit Datenschutz- und Informationssicherheitsmanagement
- Integration in Compliance-Register, Richtlinienmanagement und Meldeverfahren
- Umgang mit Drittparteien, Vertragspartnern und cloudbasierten KI-Services
- Schulungspflichten und Nachweisführung nach ISO 37301, Kapitel 7.3 und KI-VO
- Aufbau von Compliance-Berichtssystemen mit KPI-Sets und Managementreports
- Kontinuierlicher Verbesserungsprozess für die KI-Compliance-Funktion
Der Lehrgang ist durchgehend praxisorientiert und verbindet normative Anforderungen mit operativer Umsetzung in folgenden Bereichen.
- Analyse eines fiktiven KI-Systems hinsichtlich Risikoklassifikation nach AI Act
- Erstellung einer Risikoakte gemäß Artikel 9 der KI-VO für ein Beispiel-System
- Entwicklung eines AIMS-Dokumentationsrahmens für eine Musterorganisation
- Erstellung einer Konformitätserklärung mit Bezug auf ISO/IEC 42001
- Planung und Durchführung eines internen AIMS-Audits anhand von Fallstudienmaterial
- Entwicklung eines KPI-Sets für ein KI-Compliance-Berichtssystem
- Gestaltung eines Rollenmodells mit Governance-Strukturen für eine mittlere Organisation
- Analyse von Schnittstellen zwischen KI-Compliance und DSGVO-Datenschutzmanagement
- Entwurf eines AI Impact Assessments für ein Hochrisiko-KI-System
- Erstellung eines Schulungsplans zur KI-Sensibilisierung gemäß ISO 37301, Kapitel 7.3
- Integration von KI-Risiken in ein bestehendes Compliance-Register
- Präsentation eines vollständigen KI-Governance-Konzepts als Abschlussarbeit
Die Fallstudien orientieren sich an realen regulatorischen Szenarien, die in europäischen Unternehmen nach dem Inkrafttreten des AI Acts entstehen. Damit erhalten Teilnehmende unmittelbar einsetzbare Kenntnisse.
Lernziele:
- Systematik und Struktur des europäischen AI Acts vollständig verstehen und erläutern
- Begriffsdefinitionen, Risikoklassifizierung und Rollenverteilung nach AI Act kennen
- DSGVO-Schnittstellen zu KI-Systemen identifizieren und Betroffenenrechte im KI-Kontext gewährleisten
- Pflichten nach KI-VO, DSGVO, ISO/IEC 42001 und ISO 37301 zusammenführen und umsetzen
- Ein internes KI-Governance-Modell mit klaren Zuständigkeiten entwickeln
- Ein AI Management System (AIMS) gemäß ISO/IEC 42001 aufbauen und betreiben
- Risikoakten gemäß Artikel 9 der KI-VO erstellen und pflegen
- AI Impact Assessments planen und durchführen
- Konformitätsdokumentation und Nachweisführung normgerecht gestalten
- Compliance-Berichtssysteme mit KPI-Sets und Managementreports aufbauen
- Schnittstellen zu ISO 27001, ISO 9001 und weiteren Managementsystemen gestalten
- Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen zur KI-Compliance im Unternehmen etablieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Ausbildungspfad richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die KI-Managementsysteme und Compliance-Prozesse verantworten oder zukünftig verantworten sollen. Ein grundlegendes Verständnis für Managementsysteme wird vorausgesetzt.
- Datenschutzbeauftragte, die ihre Aufgaben um den KI-Bereich erweitern
- Compliance Officer in Unternehmen mit KI-Einsatz oder KI-Entwicklung
- IT- und Technologieverantwortliche, die regulatorische Anforderungen umsetzen
- Risikomanager, die KI-Risiken in bestehende Frameworks integrieren
- Führungskräfte aus dem KI-Projektmanagement mit Bedarf an regulatorischem Verständnis
Grundlegende Kenntnisse im Management von Informationssystemen und im Umgang mit KI-Technologien werden vorausgesetzt. Ein Basisverständnis für ISO-Managementsysteme und Informationssicherheit wird für alle Module ausdrücklich empfohlen. Vor Seminarbeginn findet ein individuelles Beratungsgespräch statt, in dem ein auf die Vorkenntnisse abgestimmter Lernplan erstellt wird.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang wird überwiegend im Combined-Learning-Format angeboten, das Live-Online-Phasen mit selbstgesteuerten Lernabschnitten kombiniert. Ergänzend steht ein Online-Seminar-Format zur Verfügung. Fallstudien, Dokumentationsübungen und Gruppenarbeiten wechseln sich ab. Erfahrene Fachkräfte aus den Bereichen KI-Recht, Compliance und Managementsysteme begleiten den Lehrgang und stehen für praxisnahe Rückfragen zur Verfügung.
Der Lehrgang hat eine Gesamtdauer von in der Regel mehr als einem Monat bis zu drei Monaten. Je nach gewähltem Intensitätsformat und individuellem Lernfortschritt kann die tatsächliche Dauer variieren. Vollzeit- und Teilzeitoptionen stehen zur Verfügung. Individuelle Starttermine können mit dem Anbieter vereinbart werden.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein international anerkanntes Herstellerzertifikat sowie ein Lehrgangszertifikat des Anbieters New Horizons. Das Zertifikat bestätigt die erworbene Qualifikation als KI-Manager und AI Compliance Beauftragter gemäß ISO/IEC 42001. Die erworbene Qualifikation signalisiert am Arbeitsmarkt, dass der Träger in der Lage ist, KI-Managementsysteme regulatorisch sicher aufzubauen und zu betreiben.
Nutzen & Perspektiven
Der AI Act stellt europäische Unternehmen vor erhebliche regulatorische Herausforderungen. Wer KI-Systeme entwickelt, betreibt oder nutzt, muss Nachweispflichten erfüllen, Risikoakten führen und Governance-Strukturen aufbauen. Dieser Lehrgang vermittelt genau die Fähigkeiten, die Unternehmen benötigen, um diese Anforderungen operativ umzusetzen. Absolventen können die Rolle des KI-Managers und AI Compliance Beauftragten eigenverantwortlich übernehmen. Die Kombination aus AI Act, DSGVO, ISO/IEC 42001 und ISO 37301 ist am deutschen und europäischen Arbeitsmarkt eine gefragte Qualifikation. Compliance-Abteilungen, Rechtsabteilungen und IT-Governance-Funktionen suchen zunehmend nach Fachkräften, die das Zusammenspiel dieser Regelwerke praxistauglich beherrschen. Wer diesen Lehrgang abschließt, hat einen klaren Vorsprung gegenüber Mitbewerbern, die einzelne Normen nur oberflächlich kennen. Bei AZAV-zertifizierten Anbietern kann dieser Lehrgang über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden. Je nach persönlicher Situation kommen auch Förderungen nach dem Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur Rehabilitation sowie Förderungen der Deutschen Rentenversicherung in Betracht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist dieser Lehrgang geeignet?
Der Lehrgang richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die KI-Managementsysteme und Compliance-Prozesse verantworten. Ein Grundverständnis für ISO-Managementsysteme und Informationssicherheit wird empfohlen. Typische Teilnehmende kommen aus den Bereichen Compliance, Datenschutz, Risikomanagement und IT-Governance.
Was ist ISO/IEC 42001 und warum ist sie relevant?
ISO/IEC 42001 ist die internationale Norm für KI-Managementsysteme. Sie definiert Anforderungen an Governance, Risikomanagement und Dokumentation von KI-Systemen in Organisationen. In Kombination mit dem europäischen AI Act ist sie ein zentrales Rahmenwerk für rechtssichere KI-Nutzung in europäischen Unternehmen.
Wie verhält sich der Lehrgang zum europäischen AI Act?
Der AI Act steht im Mittelpunkt des regulatorischen Rahmens dieses Lehrgangs. Teilnehmende lernen, die Anforderungen des AI Acts in operative Strukturen umzusetzen, Risikoakten gemäß Artikel 9 zu führen und Nachweispflichten gegenüber Behörden zu erfüllen. Die Verzahnung mit DSGVO, ISO/IEC 42001 und ISO 37301 wird explizit erarbeitet.
Welche Zertifikate werden vergeben?
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein international anerkanntes Herstellerzertifikat sowie ein Lehrgangszertifikat des Anbieters. Das Zertifikat bestätigt die Qualifikation als KI-Manager und AI Compliance Beauftragter gemäß ISO/IEC 42001.
Ist der Lehrgang über Förderprogramme finanzierbar?
Bei AZAV-zertifizierten Anbietern ist eine Förderung über den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters möglich. Auch das Qualifizierungschancengesetz, Leistungen zur Rehabilitation und Förderungen der Deutschen Rentenversicherung kommen je nach Situation in Betracht. Eine individuelle Beratung klärt die geeigneten Förderwege.
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