Überblick
Gebäude sind für einen erheblichen Anteil der Treibhausgas-Emissionen und des Primärenergieverbrauchs in Deutschland verantwortlich. Wer im Bau- und Immobiliensektor tätig ist, kommt heute nicht mehr an der Ökobilanzierung vorbei: Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Bauen (QNG) und die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) machen die Lebenszyklusanalyse (LCA) zur Pflichtvoraussetzung für Förderfähigkeit und Zertifizierung. Diese Weiterbildung vermittelt das methodische Wissen und die praktischen Fertigkeiten, um LCA-Berechnungen für Wohn- und Nichtwohngebäude eigenständig durchzuführen. Sie lernen, die Berechnungssoftware eLCA einzusetzen, Ökobilanzen gemäß QNG-Anforderungen zu erstellen und Ergebnisse gegenüber Auftraggebern und Förderinstitutionen zu kommunizieren.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Block legt die konzeptionellen Grundlagen der Ökobilanzierung und des nachhaltigen Bauens. Sie lernen, warum Gebäude im Fokus der Klimaschutzpolitik stehen, und wie internationale und nationale Ziele in rechtliche und normative Anforderungen übersetzt werden. Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Bauen (QNG) und die damit verknüpften Förderprogramme werden detailliert vorgestellt.
- Klimaschutzziele der EU und Deutschlands: Paris-Abkommen, Klimaschutzgesetz, Gebäudesektor-Anteil
- Einfluss von Wohn- und Nichtwohngebäuden auf Treibhausgas-Emissionen und Primärenergiebedarf
- Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Bauen (QNG): Kriterien, Nachweisverfahren, Auditor-Prozess
- Förderprogramme BEG und KFN: Struktur, Fördervoraussetzungen, QNG-Bedingungen
- Aktuelle Förderbedingungen und Änderungen im Überblick
- Abgrenzung LCA, Ökobilanz, EPD (Environmental Product Declaration) und ihre Beziehung zueinander
Im zweiten Block erlernen Sie die methodischen Grundlagen der Ökobilanzierung sowie die für Gebäude relevanten Lebenszyklusphasen und Kennzahlen. Besonderes Gewicht liegt auf dem Verständnis von GWP und PENRT als zentralen Indikatoren für Förderfähigkeit und QNG-Zertifizierung.
- Grundlagen der Ökobilanzierung nach DIN EN ISO 14040/14044 und DIN EN 15978
- Lebenszyklusphasen von Gebäuden: Herstellung (A1-A5), Nutzung (B1-B7), Rückbau (C1-C4), Beyond Battery (D)
- Treibhausgaspotenzial (GWP) als Indikator für Klimarelevanz
- Nicht erneuerbarer Primärenergiebedarf (PENRT): Berechnung und Bedeutung
- Systemgrenzen und Bilanzgrenzen gemäß QNG: was wird einbezogen, was nicht
- Datengrundlage für die Ökobilanzierung: ökologische Produktdeklarationen (EPD), generische Daten, ÖKOBAUDAT
Im dritten Block steht die praktische Bilanzierung von Gebäuden im Mittelpunkt. Sie lernen, wie ein vollständiger LCA-Nachweis strukturiert ist, und welche Besonderheiten bei Wohn- und Nichtwohngebäuden zu beachten sind. Der Sockelbetrag für TGA und die Einzelerfassung technischer Anlagen werden detailliert behandelt.
- Bilanzierung von Wohngebäuden: Systemgrenzen, Datenerfassung, Berechnungsschritte
- Bilanzierung von Nichtwohngebäuden: Besonderheiten und Unterschiede zu Wohngebäuden
- Sockelbetrag für technische Gebäudeausrüstung (TGA): Herleitung und Anwendung
- Einzelerfassung technischer Anlagen: Heizung, Lüftung, Elektroanlage, Sanitär
- Projektspezifischer Anforderungswert gemäß QNG: Ermittlung und Nachweis
- Berechnungsschritte zur Ökobilanzierung gemäß QNG und Dokumentationsanforderungen
Der vierte Block widmet sich der Software eLCA und der Variantenoptimierung. Die Beherrschung der Berechnungssoftware ist in der Praxis unverzichtbar, und die Fähigkeit zur Variantenbetrachtung ermöglicht es, Planungsentscheidungen mit belastbaren ökologischen Zahlen zu unterlegen.
- Einführung in die Berechnungssoftware eLCA: Benutzeroberfläche, Dateneingabe, Ergebnisausgabe
- Beispielrechnung anhand eines Referenzgebäudes (Schritt für Schritt)
- Selbstrechenübungen mit vorbereiteten Beispielgebäuden
- Variantenvergleich: Baustoffe, Energieversorgungssysteme, TGA-Komponenten
- Optimierungsstrategien für Gebäude nahe der QNG-Grenzwerte
- Kommunikation der Berechnungsergebnisse: Berichte, Präsentationen, Dokumentation
Praxis-Block — Neben den Lehreinheiten führen Sie eigenständige Berechnungen und Übungsaufgaben durch.
- Eingabe eines vollständigen Wohngebäudes in eLCA mit allen relevanten Bauteilen
- Berechnung von GWP und PENRT für ein Beispielprojekt
- Überprüfung der Förderfähigkeit anhand der QNG-Anforderungswerte
- Variantenrechnung: Vergleich von zwei Dämmstoffen hinsichtlich GWP
- Berechnung des TGA-Sockelbetrags für ein konkretes Gebäude
- Einzelerfassung einer Wärmepumpenanlage in eLCA
- Simulation der Auswirkungen eines Photovoltaik-Systems auf den PENRT
- Überarbeitung eines Gebäudeentwurfs zur Einhaltung der QNG-Grenzwerte
- Erstellung einer Ergebniszusammenfassung für einen Bauherrn
- Interpretation typischer Rechenfehler und Korrektur
- Recherche in ÖKOBAUDAT und Auswahl geeigneter Datensätze
- Abschlussübung: vollständiger LCA-Nachweis für ein Beispielprojekt mit Kommentierung
Nach den Praxisübungen erfolgt eine gemeinsame Auswertung. Häufige Fehler und Missverständnisse in der eLCA-Anwendung werden besprochen und typische Stolperstellen in der QNG-Dokumentation werden geklärt. Abschließend erhalten Teilnehmende Empfehlungen für weiterführende Qualifizierungen, zum Beispiel im Bereich auditorielle Nachweisführung oder ergänzende Nachhaltigkeitszertifizierungen.
Lernziele:
- Sie erläutern die nationalen und europäischen Klimaschutzziele und können quantifizieren, welchen Anteil der Gebäudesektor an Treibhausgas-Emissionen und Primärenergiebedarf hat.
- Sie kennen die Anforderungen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Bauen (QNG) für Wohn- und Nichtwohngebäude und können prüfen, ob ein Projekt die Kriterien erfüllt.
- Sie verstehen die Struktur und Bedingungen der Förderprogramme BEG und KFN und wissen, welche Anforderungen für eine QNG-konforme Förderung gelten.
- Sie können die Lebenszyklusphasen eines Gebäudes (Herstellung, Betrieb, Rückbau) ökobilanzierend beschreiben und abgrenzen.
- Sie berechnen den Treibhausgaspotenzial-Wert (GWP) und den nicht erneuerbaren Primärenergiebedarf (PENRT) für Wohn- und Nichtwohngebäude korrekt.
- Sie wenden Systemgrenzen und Bilanzgrenzen gemäß QNG-Vorgaben an und verstehen, welche Komponenten und Lebenszyklusphasen in die Bilanzierung einfließen.
- Sie berücksichtigen den Sockelbetrag für technische Gebäudeausrüstung (TGA) und können Einzelerfassungen technischer Anlagen durchführen.
- Sie nutzen die Berechnungssoftware eLCA eigenständig, um Ökobilanzen zu erstellen und Variantenvergleiche durchzuführen.
- Sie ermitteln projektspezifische Anforderungswerte gemäß QNG und können beurteilen, ob ein Gebäudeentwurf die Grenzwerte einhält.
- Sie optimieren Gebäudeentwürfe im Hinblick auf Baustoffe, Energieversorgung und TGA-Komponenten und können Optimierungsmaßnahmen mit Zahlen belegen.
- Sie kommunizieren Berechnungsergebnisse verständlich und fachgerecht an Bauherren, Architekten und Förderstellen.
- Sie sind in der Lage, selbstständig Beispielrechnungen durchzuführen und typische Fehlerquellen in der Ökobilanzierungspraxis zu vermeiden.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich an Fach- und Führungskräfte aus der Bau- und Immobilienbranche, die Ökobilanzierung als Kernkompetenz aufbauen oder vertiefen möchten. Sowohl Planende als auch Beratende und Entscheidungsträger profitieren von den vermittelten Inhalten.
- Architekten und Bauingenieure, die LCA-Nachweise für Förderanträge und QNG-Zertifizierungen eigenständig erstellen möchten
- Energieberater, die ihre Beratungsleistungen um Ökobilanzierung erweitern wollen
- Projektentwickler und Investoren, die Nachhaltigkeitsanforderungen in ihrer Planung frühzeitig berücksichtigen möchten
- Nachhaltigkeitsbeauftragte und Umweltmanager in Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft
- Studierende und Wissenschaftler, die sich für nachhaltiges Bauen und Ökobilanzierung interessieren
Für die Teilnahme werden grundlegende PC-Kenntnisse und ein gutes Sprachniveau in Deutsch vorausgesetzt. Darüber hinaus ist ein technisches Grundverständnis in Physik, Chemie oder Ingenieurwesen wichtig, um die Konzepte der Ökobilanzierung nachvollziehen zu können. Berufserfahrung oder ein Studium in Bauwesen, Architektur, Ingenieurwesen oder Energieberatung ist hilfreich und wird von den meisten Anbietern empfohlen. Kenntnisse in Wirtschaftlichkeitsanalyse, fachspezifische Vorkenntnisse zu Treibhausgas-Emissionen oder Primärenergiebedarf sind von Vorteil, aber keine formale Zulassungsvoraussetzung.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung findet als Combined Learning statt und kombiniert Lehrvorträge, geführte Software-Übungen und eigenständige Berechnungsaufgaben. Die Durchführung in Vollzeit ermöglicht eine intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff innerhalb weniger Wochen. Die Lehreinheiten wechseln zwischen konzeptionellen Erklärungen und unmittelbarer praktischer Anwendung in eLCA. Beispielgebäude und vorbereitete Datensätze ermöglichen es, bereits im Kurs realistische Berechnungen durchzuführen und sofortiges Feedback zu erhalten. Bei der Abschlussübung erstellen Teilnehmende einen vollständigen LCA-Nachweis, der als Referenz für spätere Praxisprojekte verwendet werden kann.
Die Weiterbildung umfasst einen Zeitraum von mehr als einer Woche bis zu einem Monat in Vollzeit. Dieser kompakte Rahmen ist auf die spezifischen Inhalte der LCA-Berechnung für Gebäude ausgerichtet. Für eine vollständige Erstberechnung in der Praxis empfiehlt es sich, die Kurszeit durch eigenständige Übungen mit weiteren Beispielgebäuden zu ergänzen.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat bzw. eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung des durchführenden Bildungsträgers. Dieses Dokument bestätigt die Teilnahme am LCA-Kurs und die erworbenen Kompetenzen in der Ökobilanzierung für Gebäude. Es handelt sich um keine staatlich anerkannte Zertifizierung als QNG-Auditor, sondern um einen Qualifizierungsnachweis, der bei Bauträgern, Planungsbüros und Förderinstitutionen als Kompetenzbeleg dienen kann.
Nutzen & Perspektiven
Die Nachfrage nach Fachkräften, die LCA-Nachweise für Gebäude erstellen können, ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Die Verknüpfung von QNG-Zertifizierung und BEG-Förderung hat die Ökobilanzierung von einer Nischenkompetenz zu einer Pflichtqualifikation für viele Planungs- und Beratungsprojekte gemacht. Wer diese Kompetenz beherrscht, positioniert sich als gefragter Spezialist in einem Wachstumsbereich der Bau- und Immobilienwirtschaft. Besonders wertvoll ist die unmittelbare Praxisorientierung des Kurses: Sie verlassen die Weiterbildung nicht nur mit theoretischem Wissen, sondern mit der Fähigkeit, eLCA eigenständig zu bedienen und vollständige LCA-Nachweise zu erstellen. Dies ermöglicht eine direkte Anwendung im Berufsalltag und schafft einen konkreten Mehrwert für Ihr Unternehmen oder Ihre Kunden. Die Weiterbildung ist bei AZAV-zertifizierten Trägern in der Regel über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters förderbar. Darüber hinaus kommen das Qualifizierungschancengesetz für Beschäftigte sowie Leistungen der Deutschen Rentenversicherung oder die Berufsförderung der Bundeswehr je nach individueller Situation als Finanzierungswege infrage.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich eLCA vor dem Kurs kennen?
Nein. Die Software eLCA wird im Kurs von Grund auf eingeführt. Sie benötigen grundlegende PC-Kenntnisse, aber keine Vorkenntnisse in eLCA oder anderer Ökobilanzierungssoftware.
Für welche Gebäudetypen gilt der QNG-Nachweis?
Das QNG-Qualitätssiegel gilt für Wohn- und Nichtwohngebäude. Der Kurs behandelt beide Gebäudetypen, einschließlich der jeweils spezifischen Anforderungswerte für GWP und PENRT sowie der Unterschiede in der Bilanzierung.
Bin ich nach dem Kurs als QNG-Auditor zugelassen?
Die Zulassung als QNG-Auditor erfordert eine gesonderte Akkreditierung, die über diesen Kurs allein nicht erworben wird. Der Kurs vermittelt die fachlichen Grundlagen für LCA-Berechnungen und qualifiziert Sie, in der Praxis mit akkreditierten Auditoren zusammenzuarbeiten oder eine Auditor-Ausbildung gezielt anzuschließen.
Ist dieser Kurs über den Bildungsgutschein förderbar?
Bei AZAV-zertifizierten Trägern ist die Förderung über einen Bildungsgutschein möglich. Außerdem kommen das Qualifizierungschancengesetz und Leistungen der Deutschen Rentenversicherung infrage. Klären Sie die Fördermöglichkeiten mit Ihrer Arbeitsvermittlung oder Ihrem Arbeitgeber.
Welche Datenbank wird für die Ökobilanzierung verwendet?
Der Kurs arbeitet mit ÖKOBAUDAT, der deutschen Referenzdatenbank für ökologische Produktdeklarationen (EPD) im Bauwesen. Sie lernen, wie Sie geeignete Datensätze recherchieren, bewerten und in eLCA einpflegen.
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