Überblick
Diese Weiterbildung verbindet drei eigenständige Fachgebiete zu einem durchgängigen Qualifizierungsprogramm: Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS, spezialisierte Logistikprozesse (Beschaffung, Lager, Transport, Supply Chain) und die digitale Lagerverwaltung mit SAP Extended Warehouse Management (EWM) auf Basis von S/4HANA. Wer alle fünf Module absolviert, ist breit aufgestellt – vom Zollformular bis zum SAP-Berechtigungskonzept – und erwirbt ein offizielles SAP-Zertifikat, das von Arbeitgebern mit SAP-Systemlandschaften direkt abgefragt wird.
Kursinhalte & Lernziele
Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS (ca. 4 Wochen) Das erste Modul bildet die rechtliche und verfahrenstechnische Grundlage für alle Zolltätigkeiten. Teilnehmende lernen die Systematik des deutschen und europäischen Zollrechts und arbeiten praktisch mit ATLAS – dem elektronischen Zollsystem der deutschen Zollverwaltung.
- Prinzipien des Außenhandels: Vertragsrecht, Incoterms, Zahlungsmodalitäten
- Zollmanagement: Behördenstruktur, Zollgebiete, Zollwert
- Elektronischer Zolltarif (EZT) und TARIC der EU: Tarifierung und Anwendung
- Zollanmeldungen mit ATLAS: Einfuhr, Ausfuhr, Überführungen
- ATLAS-Einfuhr im Detail: Überlassung, Abgabenberechnung, Bescheide
- Versand- und Zolllagerverfahren: Grundlagen und NCTS-Verfahren
- summarische Anmeldung zur vorübergehenden Verwahrung
- Veredelungsverfahren: aktive und passive Veredelung im Zollrecht
- Regelungen zur vorübergehenden Verwendung
Spezielle Beschaffungs- und Distributionsprozesse (ca. 4 Wochen) Dieses Modul vertieft die strategische und operative Seite der Beschaffung und Distribution – von der Lieferantenauswahl bis zur Optimierung von Lieferketten.
- Beschaffungslogistik: Bedarfsplanung, Lieferantenauswahl, Bestellmanagement
- Produktionslogistik: JIT, JIS, Kanban-Konzepte
- Sourcing-Strategien: Single, Multiple, Global Sourcing
- E-Procurement: digitale Beschaffungsplattformen und Prozesse
- Distributionslogistik: Lagerstandorte, Distributionsnetzwerke
- Qualitätsmanagement in der Logistik: Wareneingangsprüfung, Reklamationsmanagement
Spezielle Lager- und Transportprozesse (ca. 4 Wochen) Lagerhaltung und Transport sind das operative Herzstück jeder Logistikkette. Dieser Block behandelt Methoden zur Optimierung von Lagerbeständen, Transporten und Haftungsrahmen.
- Lagerorganisation: Funktionstypen, Lagersysteme und Kennzahlen
- Bestandsanalysen: ABC/XYZ-Analyse, Mindestbestand, Sicherheitsbestand
- Logistiksysteme: automatisierte Lagertechnik, Picking-Strategien
- Transportmanagement: Verkehrsträger, Routen- und Kapazitätsplanung
- Haftungsrecht im Transport: CMR, HGB, Luftfrachtrecht
- Versicherungsgrundlagen für Transport und Lager
SAP EWM – Lagerverwaltung mit S/4HANA (ca. 4 Wochen) SAP Extended Warehouse Management ist das zentrale SAP-Modul für die digitale Steuerung komplexer Lagerabläufe. Dieser Modul bereitet direkt auf die SAP-Zertifikatsprüfung vor.
- Überblick SAP S/4HANA und Einbettung von SAP EWM
- Systemarchitektur: Embedded vs. Decentralized EWM
- Benutzeroberfläche und Grundnavigation in SAP EWM
- Lagerstruktur konfigurieren: Lagertypen, Sektionen, Lagerplätze
- Lagerprozesse abbilden: Wareneingang, Einlagerung, Auslagerung, Warenausgang
- Ressourcenmanagement: Transporteinheiten, Arbeitspakete, Ressourcen
- Monitoring und Optimierung: Lageraufträge, Ausnahmemanagement
- Zusatzfunktionen: Qualitätsprüfung, Cross Docking, Kit Building
- Supply Chain Execution: Schnittstellen zu anderen SAP-Modulen
Supply Chain Management (ca. 4 Wochen) Das abschließende Modul hebt den Blick auf die gesamte Lieferkette – von strategischer Netzwerkplanung bis zu nachhaltigem Ressourceneinsatz und digitalem Kettenmanagement.
- Strategien im Supply Chain Management: Push/Pull, Bullwhip-Effekt vermeiden
- digitale Lieferketten: IoT, Track-and-Trace, Plattformmodelle
- Nachhaltigkeit in der Logistik: CO₂-Footprint, Green Logistics
- Prozessoptimierung: Lean-Ansätze im SCM
- Controlling-Tools: Balanced Scorecard im Logistikkontext
- Kennzahlensysteme: OTD, Fill Rate, Lagerumschlagshäufigkeit
Lernziele:
Die fünf Module qualifizieren Teilnehmende für ein breites Aufgabenspektrum in Logistik, Zoll und SAP –
- Zollanmeldungen über ATLAS korrekt einreichen und Verfahrensarten unterscheiden
- Außenhandelsprinzipien und Zollmanagement-Grundlagen anwenden
- Versand- und Zolllagerverfahren sowie Veredelungsverfahren einordnen und abwickeln
- Beschaffungs- und Produktionslogistik-Konzepte verstehen und anwenden
- Sourcing-Strategien und E-Procurement-Prozesse gestalten
- Lager- und Transportprozesse optimieren und Bestände analysieren (ABC/XYZ-Analyse)
- SAP S/4HANA und SAP EWM in der Systemarchitektur einordnen
- Lagerstruktur und Lagerprozesse in SAP EWM konfigurieren und überwachen
- Supply-Chain-Strategien entwickeln und digitale Lieferketten gestalten
- Nachhaltigkeitsaspekte und Ressourceneffizienz in Logistikprozessen berücksichtigen
- Kennzahlen und Controlling-Tools zur Steuerung logistischer Leistungen einsetzen
- die SAP EWM-Anwenderzertifizierungsprüfung erfolgreich ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung spricht Personen an, die eine umfassende Qualifikation in Logistik, Spedition und digitaler Lagerverwaltung anstreben. Typische Ausgangspunkte sind –
- Berufseinsteiger/innen mit kaufmännischem Abschluss, die in Logistik und Spedition einsteigen möchten
- Fachkräfte aus Lager und Transport, die sich für SAP-Systeme qualifizieren möchten
- Quereinsteiger/innen mit Interesse an außenwirtschaftlichen Prozessen
- Personen, die ihre SAP-Kenntnisse durch eine offizielle Zertifizierung dokumentieren möchten
- Zollsachbearbeiter/innen, die ihre Systemkenntnisse auf SAP EWM ausweiten wollen
Deutschkenntnisse in Wort und Schrift sind erforderlich. Ein kaufmännisches Grundverständnis erleichtert den Einstieg in die logistischen und außenwirtschaftlichen Themen, ist aber keine formale Voraussetzung. Die Zulassung richtet sich bei geförderten Teilnehmenden auch nach den Anforderungen des jeweiligen Kostenträgers.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt: Online-Lernphasen mit digitalen Unterlagen und Videos wechseln sich mit betreuten Übungssessions ab. Die SAP EWM-Module finden an Live-Systemen statt – Teilnehmende arbeiten direkt in SAP, nicht an Screenshots. Die Zollabwicklung mit ATLAS wird ebenfalls praxisnah in einer Übungsumgebung vermittelt. Die SAP-Fortbildungsanteile laufen im Rahmen einer Bildungspartnerschaft mit einem SAP-autorisierten Bildungspartner.
Die Weiterbildung gliedert sich in fünf Module à je rund vier Wochen und umfasst damit insgesamt etwa 20 Wochen in Vollzeit. Der Kurs wird ganztägig durchgeführt.
Der Kurs schließt mit einem offiziellen SAP-Zertifikat (SAP EWM-Anwender Lagerverwaltung) und einem trägerinternen Abschlusszertifikat ab. Das SAP-Zertifikat wird nach einer externen Prüfung ausgestellt und ist international anerkannt. Es ist auf dem Stellenmarkt für SAP-Umgebungen ein zentrales Qualifikationsmerkmal.
Nutzen & Perspektiven
Logistik ist einer der arbeitsmarktintensivsten Sektoren in Deutschland – aber qualifizierte Fachkräfte, die sowohl Zollprozesse als auch digitale Lagerverwaltung mit SAP beherrschen, sind selten. Diese Kombination aus Zoll, Spedition, SCM und SAP EWM ist auf dem Stellenmarkt direkt verwertbar, weil sie mehrere Qualifikationslücken auf einmal schließt. Das SAP-Zertifikat als externer Abschluss hebt diesen Kurs von rein trägerzertifizierten Weiterbildungen ab. SAP-Kenntnisse werden in Stellenanzeigen für Logistik-Positionen zunehmend als Anforderung genannt – wer das Zertifikat vorweisen kann, überzeugt Arbeitgeber ohne lange Einarbeitungsphase. Wer diesen Kurs abschließt, ist für eine breite Palette logistischer Tätigkeiten qualifiziert: von der Zollabfertigung über die operative Lagersteuerung bis hin zur strategischen Lieferkettenplanung. Diese Breite verschafft berufliche Flexibilität und öffnet Türen zu unterschiedlichen Positionen in Speditions-, Handels- und Industrieunternehmen jeder Größe. Die Vollzeit-Struktur über rund 20 Wochen macht das Programm besonders für Berufswechsler und Wiedereinsteiger geeignet, die sich in einem überschaubaren Zeitraum umfassend neu qualifizieren möchten. Am Ende stehen sowohl die fachliche Kompetenz als auch das SAP-Zertifikat als sofort verwertbarer Nachweis bereit – ein konkreter Vorsprung gegenüber Mitbewerbern ohne strukturierte Logistikausbildung. Wer alle fünf Bereiche absolviert hat, ist nicht auf eine einzige Nische festgelegt, sondern kann je nach Arbeitsmarktlage als Zollsachbearbeiter, Lagerverantwortlicher mit SAP-Kenntnis oder SCM-Koordinator eingesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist SAP EWM und warum ist es Teil des Kurses?
SAP Extended Warehouse Management (EWM) ist das führende SAP-Modul für die digitale Lagerverwaltung, integriert in SAP S/4HANA. Die Zertifizierung als SAP EWM-Anwender wird von Unternehmen mit SAP-Systemen direkt gefragt. Der Kurs schließt eine offizielle SAP-Zertifikatsprüfung ein, die über die Bildungspartnerschaft mit COMCAVE durchgeführt wird.
Was ist ATLAS und wofür wird es eingesetzt?
ATLAS (Automatisiertes Tarif- und Lokales Zoll-Abwicklungs-System) ist das elektronische Zollsystem der deutschen Zollverwaltung. Im Kurs lernen Teilnehmende, Zollanmeldungen über ATLAS einzureichen, Einfuhr- und Ausfuhrverfahren abzuwickeln und den Elektronischen Zolltarif (EZT) zu nutzen.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs vom reinen ATLAS-Import-Kurs?
Dieser Kurs ist breiter angelegt: Er umfasst neben Zollabwicklung mit ATLAS auch Spedition, Beschaffungs- und Distributionslogistik, Lager- und Transportprozesse, Supply Chain Management und SAP EWM. Der ATLAS-Import-Kurs (ZODIAK GE) ist dagegen ein Spezialkurs, der sich ausschließlich auf die Import-Seite der Zollabwicklung mit der Software ZODIAK GE konzentriert.
Welche Zertifikate erhalte ich?
Der Kurs schließt mit einem offiziellen SAP-Zertifikat (SAP EWM-Anwender Lagerverwaltung) und einem trägerinternen Kursabschluss ab. Das SAP-Zertifikat ist ein international anerkanntes Qualifikationsdokument und wird von SAP selbst ausgestellt.
Wie lange dauert die Weiterbildung?
Die Weiterbildung ist in fünf Module à je rund vier Wochen gegliedert und umfasst damit insgesamt etwa 20 Wochen in Vollzeit. Der Kurs wird im Combined-Learning-Format durchgeführt.
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