Überblick
Bioenergie gehört zu den tragenden Säulen der Energiewende: Biomasse, Biogas und die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) decken einen erheblichen Anteil des regenerativen Strom- und Wärmemix in Deutschland. Diese Weiterbildung vermittelt das technische, planerische und rechtliche Rüstzeug, um Bioenergieanlangen und Blockheizkraftwerke (BHKW) professionell zu konzipieren, zu dimensionieren und in den Netzbetrieb zu integrieren. Vom Biogasfermentationsprozess über die maschinentechnische Auslegung von BHKW-Modulen bis hin zu Netzanschlussverfahren und Fördersystematik des EEG deckt der Kurs die gesamte Projektierungskette ab.
Kursinhalte & Lernziele
Grundlagen der Bioenergie und Biogaserzeugung Bioenergie ist nicht gleich Bioenergie: Je nach Substrat, Vergärungstyp und Nachverwertung entstehen sehr unterschiedliche Systeme. Dieser Block legt das naturwissenschaftliche und verfahrenstechnische Fundament.
- Biochemie der anaeroben Vergärung (Hydrolyse, Acidogenese, Methanogenese)
- Substratklassen und Inputmanagement (Gülle, NawaRos, Bioabfälle, Co-Substrate)
- Biogasertrag und Methanpotenzial verschiedener Substrate (Gasausbeute-Tabellen)
- Fermentertechnologien (Durchfluss-, Batch-, Feststoffvergärung) im Vergleich
- Biogasaufbereitung und Einspeisung von Biomethan ins Erdgasnetz
- Emissionen, Gärrestmanagement und Geruchsminimierung
Blockheizkraftwerke (BHKW): Technik und Dimensionierung Das Herzstück vieler Bioenergieprojekte ist das BHKW-Modul. Dieser Block behandelt Maschinentypen, elektrische und thermische Kenngrößen sowie die Systemintegration.
- Motortypen (Ottomotor, Zündstrahlmotor, Mikrogasturbine) und Wirkungsgrade
- Elektrische und thermische Leistungskurven; Kennlinienanalyse
- Wärmeauskopplung, Pufferspeicher und Wärmenetzanbindung
- Parallelbetrieb mehrerer BHKW-Module und Leistungsregelung
- Kälteauskopplung (Absorptionskälte) und Trigeneration
- Wartungsplan, Laufzeitziele und Ersatzteilemanagement
Rechtliche Rahmenbedingungen und Genehmigung Bioenergieprojekte bewegen sich in einem dichten Geflecht aus Energie-, Immissions- und Baurecht. Dieser Block erschließt die relevanten Normen systematisch.
- EEG-Vergütungsstruktur für Biogas und Biomasse; Ausschreibungsverfahren
- Netzanschluss und technische Anschlussregeln (BDEW-Mittelspannungsrichtlinie, VDE-AR-N 4105)
- Genehmigungsverfahren nach BImSchG (Anlage der 4. BImSchV) und baurechtliche Voraussetzungen
- Wasserrechtliche Anforderungen an Gärrestelager (WHG, AbwV)
- Mess- und Eichrecht für KWK-Strom und Wärmemengenzählung
- KWK-Gesetz und KWK-Zuschlag für BHKW-Betreiber
Wirtschaftlichkeit, Standort und Projektmanagement Von der Potenzialanalyse bis zur Inbetriebnahme: Dieser Block vermittelt die planerischen und kaufmännischen Werkzeuge für eine vollständige Projektabwicklung.
- Standortanalyse: Substratpotenzial, Wärmesenken, Infrastruktur
- Investitions- und Betriebskostenplanung; Kapitalwertmethode für Bioenergieanlagen
- Erlösstruktur (Stromeinspeisevergütung, Wärmeerlöse, Biomethanverkauf)
- Risikoanalyse: Substratpreisentwicklung, Vergütungsabsenkung, technische Ausfallzeiten
- Projektphasen: Voruntersuchung, Planfeststellung, Ausführungsplanung, Inbetriebnahme
- Stakeholderkommunikation mit Gemeinden, Landwirten, Netzbetreibern und Banken
- Digitale Werkzeuge für BHKW-Monitoring und Fernwartung
- Dokumentation, Betriebstagebuch und Nachweisführung nach EEG
- Betriebsoptimierung: Stromgeführte vs. wärmegeführte BHKW-Fahrweise
- Versicherungstechnische Absicherung (Maschinenbruch, Betriebsunterbrechung)
- Qualitätssicherung bei der Inbetriebnahme
- Übergabe an Betriebsführer und Schulung des Bedienungspersonals
Der Kurs verbindet fachlich fundierte Theorie mit konkreten Planungsaufgaben an realen Projektbeispielen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer bearbeiten eigenständig Dimensionierungsaufgaben, rechnen Wirtschaftlichkeitsszenarien durch und üben die Aufbereitung von Genehmigungsunterlagen. Die Projektierungstiefe des Lehrgangs ist so angelegt, dass Absolventinnen und Absolventen anschließend sowohl in Ingenieurbüros als auch auf Betreiber- und Investorenseite sofort handlungsfähig sind. Neben den vier Hauptblöcken werden im Kurs Querschnittsthemen behandelt, die in realen Bioenergieprojetken regelmäßig auftreten: Brandschutzkonzepte für Biogasanlagen, Lärm- und Geruchsimmissionen in der Genehmigung, Gasqualitätsmessung und Gasmesstechnik sowie Betreiberverantwortung und Haftungsfragen nach EnWG. Diese Themen tauchen in Quellmaterialien selten als Kursmodule auf, sind aber für den Projektalltag unverzichtbar und runden das Qualifikationsprofil ab.
Lernziele:
- Technologie und Funktionsprinzip der anaeroben Vergärung verstehen und auf verschiedene Substratklassen anwenden
- BHKW-Module nach Leistungsbedarf und Wärmenutzer dimensionieren
- Die Systemgrenzen verschiedener Bioenergiekonzepte (Strom, Wärme, Biomethan) kennen und vergleichen
- Netzanschlusspflichten und technische Anschlussregeln (TAR) einhalten
- Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in seiner aktuellen Fassung auf Biogasprojekte anwenden
- Wirtschaftlichkeitsberechnungen für BHKW-Projekte eigenständig erstellen
- Genehmigungsverfahren nach BImSchG und Baurecht systematisch vorbereiten
- Standortanalysen für Biogasanlagen und BHKW-Aufstellorte durchführen
- Wärmenetze und Nahwärmeversorgung in Bioenergiekonzepte einbinden
- Betriebssicherheit, Wartungsintervalle und Monitoring von BHKW-Einheiten planen
- Risiken und Einschränkungen verschiedener Substratquellen (Gülle, Energiepflanzen, Bioabfall) bewerten
- Projektkommunikation gegenüber Netzbetreibern, Genehmigungsbehörden und Investoren sicher führen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fachleute mit technisch-naturwissenschaftlichem Hintergrund, die in der Energie-, Agrar- oder Umweltbranche tätig sind oder den Wechsel dorthin anstreben.
- Ingenieurinnen und Ingenieure aus den Bereichen Verfahrenstechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Umwelttechnik
- Agrartechnikerinnen und -techniker sowie Landwirtinnen und Landwirte, die Biogasprojekte auf eigenen Flächen planen
- Projektentwickler und Energieberater, die ihr Portfolio um BHKW und Bioenergie erweitern möchten
- Mitarbeitende in Stadtwerken, Energieversorgungsunternehmen oder kommunalen Betrieben
- Quereinsteiger mit naturwissenschaftlich-technischer Vorbildung und nachgewiesener Praxiserfahrung
Empfohlen werden eine abgeschlossene technische oder agrarwirtschaftliche Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss in einem ingenieurs- bzw. naturwissenschaftlichen Fach. Quereinsteiger mit vergleichbarer naturwissenschaftlich-technischer Berufserfahrung können ebenfalls zugelassen werden. Grundkenntnisse in Thermodynamik und Elektrotechnik helfen beim Einstieg; gute PC-Kenntnisse werden für die Arbeit mit Planungs- und Simulationssoftware vorausgesetzt.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang kombiniert kompakte Theoriephasen mit praxisnahen Projektaufgaben und Fallstudien. Typischerweise wechseln Online-Seminarblöcke mit Selbststudienphasen ab, in denen Berechnungsaufgaben und Planungsszenarien eigenständig erarbeitet werden. Fachlich moderierte Gruppenübungen vertiefen die Anwendung von Dimensionierungstools und rechtlichen Normen. Der Kurs ist so gestaltet, dass Berufstätige ihn berufsbegleitend absolvieren können.
Der Kurs ist auf einen mehrwöchigen Intensivlehrgang ausgelegt. Genauer Beginn, Dauer und Wochenstunden variieren je nach Durchführungsformat und Anbieter. Interessierte erhalten nach Anfrage konkrete Terminangaben.
Wer die Weiterbildung erfolgreich abschließt, erhält ein trägerinternes Zertifikat der Anbieter. Dieses dokumentiert die erworbenen Kompetenzen in Projektierung, Technologie und Betriebswirtschaft von Bioenergiesystemen und BHKW und ist bei Arbeitgebern, Investoren und Planungsbüros ein anerkannter Kompetenznachweis. Externe Prüfungen durch staatliche oder herstellerbezogene Stellen sind nicht Bestandteil des Kurses.
Nutzen & Perspektiven
Deutschland hat ambitionierte Ausbauziele für Bioenergie und KWK. Die Nachfrage nach Fachleuten, die BHKW-Projekte von der ersten Skizze bis zur Netzeinspeisung verantwortungsvoll begleiten können, ist in Planungsbüros, Stadtwerken und bei Anlagenbauern deutlich gewachsen. Wer diese Weiterbildung abschließt, kann eigenständig Biogasanlagen und BHKW-Installationen konzipieren, Wirtschaftlichkeitsnachweise erstellen und Genehmigungsverfahren steuern – eine Kombination, die auf dem Arbeitsmarkt weiterhin knapp ist. Der Kurs stärkt zudem das Verständnis für die Systemzusammenhänge innerhalb der Energiewende: BHKW-Anlagen sind keine Einzelanlagen, sondern Teil eines integrierten Energieversorgungskonzepts. Wer versteht, wie KWK-Strom in einem stromgeführten Fahrplan eingesetzt, Überschusswärme in Nah- oder Fernwärmenetze eingespeist und Biomethan als Saisonspeicher genutzt wird, kann Mandanten und Auftraggeber strategisch fundiert beraten. Nicht zuletzt zahlt sich diese Spezialisierung mittel- bis langfristig aus: Mit der schrittweisen Abkehr von fossilen Wärmeerzeugern in Industrie und Kommunen rücken dezentrale KWK-Lösungen stärker in den Fokus. Absolventinnen und Absolventen dieses Lehrgangs sind mit den planerischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen bestens ausgestattet, um diese Marktchance aktiv zu gestalten. Die Kombination aus Biogastechnik, BHKW-Maschinenkunde, Energierecht und Betriebswirtschaft macht diesen Kurs zu einer der wenigen Weiterbildungen, die die vollständige Projektierungskette in einem Lehrgang abdeckt. Das ist ein echter Vorteil gegenüber rein technischen oder rein rechtlichen Einzelkursen, die Querverbindungen oft ausblenden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche technischen Vorkenntnisse brauche ich für diesen Kurs?
Empfohlen wird eine technische oder agrarwirtschaftliche Berufsausbildung bzw. ein ingenieurs- oder naturwissenschaftliches Studium. Grundkenntnisse in Thermodynamik und Elektrotechnik sind hilfreich, da der Kurs direkt in die Dimensionierung von BHKW-Modulen einsteigt. Quereinsteiger mit vergleichbarer Berufspraxis können ebenfalls teilnehmen.
Welcher Abschluss wird nach dem Kurs ausgestellt?
Der Abschluss ist ein trägerinternes Zertifikat des Anbieters. Es bescheinigt die erworbenen Kompetenzen in Bioenergie-Technologie, BHKW-Projektierung und den relevanten Rechtsgrundlagen. Es handelt sich um kein staatliches oder herstellerbezogenes Prüfzertifikat.
Deckt der Kurs auch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab?
Ja. Die EEG-Vergütungsstruktur für Biogas und Biomasse, das Ausschreibungsverfahren sowie der KWK-Zuschlag nach dem KWK-Gesetz sind eigenständige Themenschwerpunkte des Kurses. Teilnehmende lernen, wie sie Einspeiseverträge und Förderbedingungen für konkrete Projektvorhaben korrekt anwenden.
Kann ich diesen Kurs berufsbegleitend absolvieren?
Der Lehrgang ist in einem Format konzipiert, das Selbststudienphasen und Online-Seminarblöcke verbindet, sodass eine berufsbegleitende Teilnahme grundsätzlich möglich ist. Die genaue Taktung (Wochenstunden, Präsenztage) hängt vom jeweiligen Durchführungsformat des Anbieters ab.
Behandelt der Kurs auch Netzanschluss und Genehmigungsrecht?
Ja. Netzanschlussverfahren, die technischen Anschlussregeln (BDEW-Mittelspannungsrichtlinie, VDE-AR-N 4105) sowie das Genehmigungsverfahren nach BImSchG und Baurecht werden ausführlich behandelt. Teilnehmende erhalten einen praxisnahen Überblick über die Schritte von der Antragsstellung bis zur Inbetriebnahme.
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