Überblick
Photovoltaik, Solarthermie und Wärmepumpen bilden das Rückgrat der dezentralen Wärmewende in Deutschland. Planungsfehler in diesen Bereichen – falsch dimensionierte Wärmepumpen, unterschätzte Netzeinspeiseleistung oder fehlerhaft berechnete solare Deckungsgrade – führen zu technischen Defiziten und wirtschaftlichen Verlusten. Diese Weiterbildung befähigt Fachleute dazu, Solar- und Wärmepumpensysteme nach aktuellen technischen Normen, wirtschaftlichen Kriterien und regulatorischen Anforderungen sicher zu planen. Der Kurs deckt die Projektierungskette für beide Technologiebereiche vollständig ab: von der Ressourcenanalyse und Systemauslegung bis zu Netzanschlussverfahren, Förderung und Betriebsoptimierung.
Kursinhalte & Lernziele
Photovoltaik: Grundlagen, Planung und Netzintegration Photovoltaik ist heute die kostengünstigste Stromerzeugungstechnologie in Deutschland. Damit eine Anlage ihr wirtschaftliches Potenzial voll ausschöpft, muss die Planung Standort, Verschattung, Modulauswahl, Wechselrichterauslegung und Speicherintegration schlüssig zusammenbringen.
- Solarressourcenanalyse: Globalstrahlung, Neigung, Ausrichtung, Verschattungsanalyse
- Systemkomponenten: Solarmodule, Wechselrichter, Batteriespeicher, Monitoringsysteme
- Ertragssimulation mit gängigen Planungstools; spezifischer Jahresertrag
- Netzanschluss nach VDE-AR-N 4105 und TAR Niederspannung; Anmeldefristen beim Netzbetreiber
- Eigenverbrauchs- und Einspeisestrategien; dynamische Netzentgelte und Smart-Meter
- Marktstammdatenregister, EEG-Meldepflichten und Einspeisevergütung
Solarthermie: Systemauslegung und hydraulische Integration Solarthermie ergänzt Wärmepumpe oder Gasheizung um eine emissionsfreie Wärmequelle. Die Auslegung setzt ein Verständnis von Wärmebilanz, Kollektortypen und hydraulischer Einbindung voraus.
- Kollektortechnologien (Flachkollektor, Vakuumröhrenkollektor) im Vergleich
- Solare Deckungsgrade für Warmwasser und Heizungsunterstützung berechnen
- Pufferspeicherauslegung und hydraulische Einbindung in Bestandssysteme
- Systemsimulation und Jahresertragskalkulation
- Überhitzungsschutz, Druckhaltung und Sicherheitsventile
- Wartungsanforderungen und Anlagenmonitoring
Wärmepumpentechnik: Auslegung und Systemintegration Wärmepumpen sind das zentrale Instrument zur Dekarbonisierung der Raumwärme. Ihre Effizienz steht und fällt mit einer fachgerechten Auslegung auf Wärmequelle, Wärmesenke und Gebäudekennlinie.
- Thermodynamische Grundlagen (Kälteprozess, COP, SCOP, JAZ)
- Wärmequellen Luft, Erdreich und Grundwasser: Erschließung und regulatorische Anforderungen
- Heizsystemtemperaturen und Niedertemperaturverteilung als Planungsgrundlage
- Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 als Basis der WP-Dimensionierung
- Bivalente und monovalente Betriebsweisen; Sperrzeiten und Energiemanagementsysteme
- GEG-Anforderungen und Eignungsnachweise für Wärmepumpen im Neubau und Bestand
- Schallschutzplanung für Luft-Wasser-Wärmepumpen (TA Lärm)
- Wasserrechtliche Anforderungen bei Erdwärmenutzung
Wirtschaftlichkeit, Kombinationssysteme und Projektmanagement Die Integration von PV, Solarthermie und Wärmepumpe zu einem optimal aufeinander abgestimmten Gesamtsystem schafft den größten Mehrwert. Dieser Block widmet sich den Planungsschnittstellen, der Wirtschaftlichkeitsanalyse und dem Projektablauf von der Anfrage bis zur Übergabe.
- Systemkonzepte: PV plus Wärmepumpe, PV plus Speicher plus Wärmepumpe, Solarthermie plus Wärmepumpe
- Eigenverbrauchsoptimierung und Sektorkopplung
- Investitionskostenplanung, Amortisationsrechnung und LCOE-Analyse
- Förderprogramme: Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG), Bundesförderung Wärmepumpe (BEW), KfW-Kredit
- Angebotserstellung, Ausschreibungsunterlagen und Übergabeprotokolle
- Inbetriebnahme, Systemcheck und Abnahmedokumentation
- Monitoring, Betriebstagebuch und Optimierung nach dem ersten Betriebsjahr
- Kommunikation mit Netzbetreibern, Behörden und Endkunden
- Qualitätssicherung und typische Planungsfehler vermeiden
- Aktuelle Marktentwicklungen: Agri-PV, Floating-PV, Großwärmepumpen für Wärmenetze
- Digitale Werkzeuge für Systemplaner
- Projektabschluss und Kundendokumentation
Der Kurs ist stark auf praktische Planungsaufgaben ausgerichtet. Teilnehmende erstellen während des Lehrgangs Planungsszenarien für typische Wohngebäude und kleine Gewerbeobjekte und üben, Ergebnisse fachgerecht zu dokumentieren und zu kommunizieren. Alle Themenblöcke bauen systematisch aufeinander auf, sodass am Ende ein vollständiges Planungsbild entsteht, das sowohl Einzelanlagen als auch kombinierte Systeme abdeckt. Ergänzend werden technische Randbedingungen behandelt, die in der täglichen Beratungspraxis immer wieder auftauchen: Blitzschutz und Überspannungsschutz bei PV-Anlagen, Inselbetrieb und Netzparallelbetrieb, Schallgutachten für Luft-Wasser-Wärmepumpen in sensiblen Lagen sowie typische Planungsfehler bei der Wärmedämmung der Verrohrung zwischen Speicher und Wärmepumpe. Dieser Praxisbezug unterscheidet den Kurs von rein akademisch angelegten Einführungen.
Lernziele:
- Solare Einstrahlungsdaten und PV-Ertragssimulationen methodisch auswerten
- Photovoltaikanlagen einschließlich Speicher und Eigenverbrauchsoptimierung dimensionieren
- Solarthermieanlagen für Trinkwassererwärmung und Heizungsunterstützung auslegen
- Wärmepumpen in verschiedenen Quell-Senken-Konfigurationen (Luft-Wasser, Sole-Wasser, Wasser-Wasser) fachgerecht planen
- Kombinierte Solar-Wärmepumpen-Systeme im Gesamtsystem analysieren und optimieren
- Netzanschlussanforderungen für PV-Anlagen und Wärmepumpen kennen und anwenden
- Wirtschaftlichkeitsberechnungen (Amortisation, Levelized Cost of Energy) eigenständig durchführen
- Aktuelle Normen und Regelwerke (DIN VDE, VDI, TAR) auf Planungsaufgaben anwenden
- Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) in Bezug auf Wärmepumpenpflichten einordnen
- Förderprogramme (BEW, BEG, KfW) projektbezogen einsetzen
- Planungsunterlagen und Angebote professionell erstellen und präsentieren
- Betriebsmonitoring und Systemoptimierung nach Inbetriebnahme gestalten
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fachleute aus dem Energie-, Bau- und Handwerksbereich, die ihre Planungskompetenz im Bereich Solar und Wärmepumpe systematisch aufbauen oder vertiefen wollen. Besonders angesprochen sind Ingenieure, SHK-Fachkräfte und Energieberater.
- Ingenieurinnen und Ingenieure aus Versorgungs-, Gebäude- oder Elektrotechnik
- SHK-Fachkräfte (Sanitär, Heizung, Klima), die in die Planungsebene wechseln möchten
- Energieberaterinnen und Energieberater, die ihr Beratungsportfolio erweitern
- Projektentwicklerinnen und -entwickler im Bereich Erneuerbare Energien
- Quereinsteiger mit technisch-naturwissenschaftlicher Ausbildung und Praxiserfahrung
Vorausgesetzt werden eine technische Berufsausbildung oder ein Studium in einem natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Fach. Quereinsteiger mit beruflich erworbener technischer Grundkompetenz können zugelassen werden. Kenntnisse in Grundlagen der Thermodynamik und Elektrotechnik erleichtern den Einstieg erheblich; gute PC-Kenntnisse sind für die Arbeit mit Planungssoftware und Simulationstools erforderlich.
Ablauf & Abschluss
Der Lehrgang verbindet Onlinelernphasen mit tutorbegleiteten Seminareinheiten. Technische Auslegungsaufgaben (Ertragssimulation, Heizlastberechnung, Wirtschaftlichkeitsrechnung) werden von Teilnehmenden eigenständig erarbeitet und anschließend im Plenum besprochen. Musterprojekte aus dem Wohngebäude- und Kleinkommunalbereich dienen als durchgängige Fallbeispiele. Der Selbststudienanteil ermöglicht eine berufsbegleitende Teilnahme.
Der Kurs erstreckt sich über mehrere Wochen. Genaue Starttermine, Wochenstunden und Durchführungsformate sind beim jeweiligen Anbieter auf Anfrage erhältlich.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Zertifikat, das die Kompetenzen in der Fachplanung von Photovoltaik-, Solarthermie- und Wärmepumpenanlagen bescheinigt. Es handelt sich um kein staatliches Examen, jedoch um einen in der Branche anerkannten Nachweis vertiefter Planungskompetenz.
Nutzen & Perspektiven
Der Wärmepumpenabsatz in Deutschland hat sich in kurzer Zeit vervielfacht, und Photovoltaik wird inzwischen in Millionen von Haushalten installiert. Der Bedarf an Fachleuten, die Solar- und Wärmepumpenanlagen nicht nur installieren, sondern professionell planen, wirtschaftlich beurteilen und in komplexe Gebäudesysteme integrieren können, übersteigt das verfügbare Angebot deutlich. Diese Weiterbildung schließt genau diese Qualifikationslücke. Mit dem Abschluss dieses Kurses können Teilnehmende eigenständig Lastanalysen erstellen, Anlagen dimensionieren, Fördermittel sachgerecht beantragen und Planungsunterlagen für Handwerker und Netzbetreiber erstellen. Diese Breite an Kompetenzen macht Absolventinnen und Absolventen auf dem Arbeitsmarkt flexibel einsetzbar – in Planungsbüros, bei Energieversorgern oder in Beratungsunternehmen. Der Kurs fördert nicht zuletzt ein systemisches Verständnis der Wärmewende: Wer versteht, wie PV-Strom eine Wärmepumpe antreibt, Solarthermie den Wärmebedarf reduziert und Speicher die Netzbelastung glätten, kann Kunden und Auftraggeber ganzheitlich beraten und nachhaltige Lösungen konzipieren, die über Einzeltechnologien hinausgehen. Für Planungsbüros bedeutet dieser Kurs auch einen Qualitätssprung in der Angebotspalette: Wer PV, Solarthermie und Wärmepumpe aus einer Hand planen und wirtschaftlich begründen kann, erschließt Kundensegmente – von der Eigentümergemeinschaft bis zum kommunalen Wärmenetz –, die zuvor separate Fachberater erforderten. Das verschafft Absolventinnen und Absolventen einen spürbaren Wettbewerbsvorteil.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Lerne ich in diesem Kurs sowohl PV als auch Wärmepumpen?
Ja, beide Technologiebereiche werden vollständig behandelt. Der Kurs deckt Photovoltaik (inkl. Speicher und Netzanschluss), Solarthermie sowie Wärmepumpen in allen drei gängigen Quell-Senken-Konfigurationen ab. Ein eigener Themenblock widmet sich der Kombination beider Systeme zur optimierten Sektorkopplung.
Welche Normen und Regelwerke sind Inhalt des Kurses?
Der Kurs behandelt unter anderem DIN EN 12831 (Heizlastberechnung), VDE-AR-N 4105 (Netzanschluss PV), VDI-Richtlinien zur Wärmepumpe sowie das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Förderprogramme wie BEG und BEW werden hinsichtlich Anforderungen und Antragstellung erläutert.
Welchen Abschluss erhalte ich nach dem Kurs?
Der Abschluss ist ein trägerinternes Zertifikat des Anbieters. Es dokumentiert Planungskompetenzen für Solar- und Wärmepumpensysteme. Für staatlich anerkannte Titel wie den dena-Energieeffizienz-Experten sind zusätzliche Qualifikationsnachweise und eine Registrierung erforderlich.
Muss ich Erfahrung mit Planungssoftware mitbringen?
Vorhandene Erfahrung mit gängigen Planungstools ist hilfreich, aber nicht Voraussetzung. Der Umgang mit Ertragssimulationstools und Berechnungssoftware wird im Kurs eingeführt und geübt. Grundlegende PC-Kenntnisse werden erwartet.
Ist der Kurs auch für SHK-Handwerker geeignet, die in die Planung wechseln möchten?
Ja, SHK-Fachkräfte gehören zur Kernzielgruppe. Der Kurs vermittelt das planerische und betriebswirtschaftliche Wissen, das über die handwerkliche Ausführung hinausgeht: Systemauslegung, Wirtschaftlichkeitsrechnung und Kundendokumentation. Eine technische Berufsausbildung ist als Einstiegsvoraussetzung ausreichend.
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