Überblick
Wer als SAP-FI-Consultant arbeitet, denkt anders als ein Anwender: Nicht das eigene Buchen steht im Mittelpunkt, sondern das Gestalten, Konfigurieren und Vernetzen der betriebswirtschaftlichen Prozesse im SAP-System. Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die sich zum zertifizierten SAP-Berater im Bereich Financial Accounting und Business Process Integration qualifizieren wollen. Das Ziel sind die beiden offiziellen SAP S/4HANA-Beraterzertifikate für FI und Business Process Integration – eine Doppelqualifikation, die im Beratungsmarkt für Implementierungsprojekte explizit nachgefragt wird.
Kursinhalte & Lernziele
Im ersten Modul wird SAP S/4HANA als Gesamtplattform eingeführt. Beratende müssen die Systemarchitektur nicht nur aus Anwendersicht kennen, sondern auch verstehen, wie Datenpersistenz, In-Memory-Verarbeitung und die neue Datenstruktur von S/4HANA (Universal Journal) die Konfigurationsmöglichkeiten grundlegend verändern – und welche Auswirkungen das auf FI-Customizing-Entscheidungen hat.
- Architektur von SAP S/4HANA und die HANA-Datenbank im Überblick
- Universal Journal: Konsolidierung von FI- und CO-Buchungsbelegen
- Navigation, Mandantenstruktur und systemweite Konzepte
- Organisationsstrukturen konfigurieren: Buchungskreis, Kontenplan, Geschäftsbereich
- Benutzerverwaltung und Berechtigungskonzept aus Beraterblick
- Systemlandschaft und Transportwesen im Customizing-Kontext
Das zweite Modul behandelt die Customizing-Konfiguration der Finanzbuchhaltung. Dies ist der Kernbereich eines FI-Consultants und unterscheidet diese Qualifikation grundlegend von einer Anwenderschulung: Hier geht es darum, das System so einzurichten, dass Anwender optimal buchen können. Consultants kennen jede Einstellung, die Buchungsverhalten und Auswertungen beeinflusst.
- Hauptbuch konfigurieren: Sachkonten, Kontengruppen, Feldstatusgruppen
- Debitoren- und Kreditorenstammdaten im Customizing anlegen
- Zahlungsprogramm und Mahnsystem konfigurieren
- Anlagenbuchhaltung einrichten: Bewertungsbereiche, Abschreibungsschlüssel, Kontenermittlung
- Belegsteuerung: Belegarten, Buchungsschlüssel, Toleranzgruppen
- Jahresabschluss und Periodenabschluss aus Customizing-Perspektive
Das dritte Modul widmet sich der Business Process Integration – dem Herzstück dieser Doppelqualifikation. Beratende lernen, wie FI-Buchungen aus Logistikprozessen entstehen, wie HR-Daten in die Finanzbuchhaltung einfließen und wie systemübergreifende Szenarien konfiguriert werden. Wer diese Zusammenhänge beherrscht, ist in Projekten mehr als ein Modulbetreuer.
- Integration SD/FI: Erlöskontenfindung, Debitorenbuchung aus dem Vertrieb
- Integration MM/FI: Wareneingangsbuchungen, Rechnungsprüfung, WE/RE-Konto
- Integration HCM/FI: Personalabrechnung und Buchung von Personalkosten
- SAP SuccessFactors im S/4HANA-Verbund und Schnittstellenüberblick
- Intercompany-Szenarien und unternehmensübergreifende Buchungslogiken
- Belegflüsse über Modulgrenzen hinweg analysieren und konfigurieren
Der Beraterkurs lebt von der Übertragung von Anforderungen in Systemlösungen. Typische Aufgaben aus realen Implementierungsprojekten bilden die Übungsgrundlage und bereiten gezielt auf Projekteinsätze vor.
- Neues Unternehmen in SAP S/4HANA als Buchungskreis vollständig konfigurieren
- Kontenpläne einrichten und Feldstatusgruppen für Buchungsmasken definieren
- Debitorengruppe mit spezifischen Zahlungsbedingungen und Mahnprofil anlegen
- Wareneingangsbuchung aus MM-Modul in FI-Belegsicht nachvollziehen und konfigurieren
- Erlöskontenfindung für Vertriebsprozesse einrichten
- Anlagenbewertungsbereich mit eigenen Abschreibungsparametern definieren
- Intercompany-Buchungslogik zwischen zwei Buchungskreisen konfigurieren
- Zahlungsprogrammlauf testen und Protokoll auswerten
- Belegarchivierung und Dokumentensteuerung anpassen
- Fehlerszenarien in der FI-SD-Integration analysieren und beheben
- Transportauftrag anlegen und Customizing-Einstellungen sichern
- Abschluss-Checkliste für einen FI-Implementierungs-Go-live erstellen
Die Übungen sind durchgängig auf Projektrealität ausgerichtet – von der Anforderungsanalyse über die Systemkonfiguration bis zur Übergabe an den Anwender.
Lernziele:
Diese Weiterbildung befähigt dazu, die Architektur von SAP S/4HANA und die Rolle des FI-Moduls im Gesamtsystem zu erklären. Systemweite Konzepte wie Mandant, Buchungskreis und Kontenplan werden konfiguriert. Das FI-Modul wird durch Customizing an betriebliche Anforderungen angepasst. Debitoren- und Kreditorenprozesse werden aus Beratersicht entworfen und eingerichtet. Die Integration zwischen FI und angrenzenden Modulen ist verständlich und umsetzbar. Logistikprozesse werden aus FI-Perspektive bewertet und Buchungslogiken abgeleitet. SAP SuccessFactors und Human Capital Management werden im S/4HANA-Verbund eingeordnet. Lösungsszenarien für typische Customizing-Anforderungen können entwickelt werden. Systemweite Schnittstellen und Business-Process-Integrationsszenarien lassen sich analysieren. Testszenarien für FI-Implementierungsprojekte werden entworfen. Kundenseitige Anforderungen werden in SAP-Konfigurationsaufgaben übersetzt. Beide Beraterprüfungen – FI und Business Process Integration – werden inhaltlich vollständig vorbereitet.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung ist für Personen konzipiert, die eine Karriere als SAP-Berater im Finanzbereich anstreben oder sich gezielt für Beratungsprojekte qualifizieren wollen.
- Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Wirtschaftswissenschaftler mit SAP-Interesse
- Fachkräfte aus dem Rechnungswesen, die in die Beratertätigkeit wechseln möchten
- Juniorberater, die ihre SAP-FI-Zertifizierung nachholen wollen
- IT-Fachleute mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund und ersten SAP-Erfahrungen
- Personen mit abgebrochenem wirtschaftswissenschaftlichem Studium und fundierter Praxis
Teilnehmende sollten ein abgeschlossenes oder abgebrochenes wirtschaftswissenschaftliches Studium mitbringen – alternativ fundierte Berufserfahrung im Rechnungswesen. Ein grundlegendes Verständnis für Datenmodelle und die Abbildung betriebswirtschaftlicher Prozesse in Datenbanken ist wichtig, da Customizing ohne dieses Konzeptverständnis schwer zugänglich ist. Grundlegende Englischkenntnisse werden vorausgesetzt, da SAP-Dokumentation, Prüfungsfragen und Systemoberflächen teilweise englisch sind. Erste Erfahrungen mit dem SAP-System erleichtern den Einstieg, auch wenn die Weiterbildung strukturiert von Grundlagen ausgeht.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs kombiniert konzeptionelle Wissensvermittlung mit konkreten Konfigurationsübungen am SAP-Testsystem. Beraterwissen entsteht nicht durch passives Zuhören, sondern durch eigenständiges Lösen von Konfigurationsaufgaben – dieser Ansatz zieht sich durch den gesamten Kurs. Lernphasen wechseln mit Phasen ab, in denen Teilnehmende reale Projektszenarien eigenständig umsetzen und dabei Rückmeldungen erhalten. Das Vollzeitformat ermöglicht die nötige Intensität, um beide Zertifizierungsmodule inhaltlich vollständig vorzubereiten.
Die Weiterbildung ist auf die Vorbereitung zweier separater SAP-Beraterzertifikate ausgerichtet und deshalb als intensive Vollzeitmaßnahme über mehrere Wochen angelegt. Der genaue Zeitrahmen variiert je nach Durchführungsort. Die Kombination aus FI-Customizing und Business-Process-Integration erfordert ausreichend Übungszeit, damit Prüfungsstoff und Praxiskompetenz Hand in Hand gehen.
Der Kurs bereitet auf zwei offizielle externe SAP S/4HANA-Beraterzertifikate vor: die Zertifizierung im Bereich Financial Accounting sowie die Business-Process-Integration-Zertifizierung. Beide werden als externe Prüfungen abgelegt und von SAP SE ausgestellt. Zusätzlich erhalten Teilnehmende ein trägerinternes Abschlusszertifikat. Die SAP-Beraterzertifikate sind in Implementierungs- und Beratungsprojekten weltweit anerkannt und gelten als Qualitätsmerkmal für FI-Consulting-Rollen.
Nutzen & Perspektiven
Zertifizierte SAP-FI-Consultants sind in SAP-Implementierungsprojekten gefragte Spezialistinnen und Spezialisten. Unternehmen, die SAP S/4HANA einführen oder migrieren, benötigen Beratende, die nicht nur einzelne Transaktionen kennen, sondern das System als Ganzes konfigurieren und auf Kundenbedürfnisse zuschneiden können. Diese Doppelqualifikation – FI plus Business Process Integration – macht Absolventen zu vollständigen Projektpartnern, die Verantwortung über Modulgrenzen hinweg übernehmen können. Der besondere Wert liegt in der Verbindung: Wer FI-Customizing und modulübergreifende Integration beherrscht, kann in Projekten sowohl auf der FI-Seite konfigurieren als auch die Schnittstellen zu Vertrieb, Einkauf und HR verantworten. Das macht diese Qualifikation breiter verwertbar als eine rein modulbezogene FI-Spezialisierung und erhöht die Einsatzfähigkeit in unterschiedlichen Projektphasen – von der Anforderungsaufnahme bis zum Go-live. Für Quereinsteiger aus dem Rechnungswesen öffnet diese Weiterbildung den Weg in eine deutlich besser vergütete Beratertätigkeit. Das erworbene Customizing-Wissen, kombiniert mit dem beruflichen Erfahrungshintergrund aus der Buchhaltung, ergibt ein Profil, das externe Berater ohne kaufmännische Praxis selten mitbringen. In der Praxis schätzen Kunden genau diese Kombination – jemanden, der sowohl die Fachprozesse aus dem Alltag kennt als auch das System dahinter konfigurieren kann.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Consultant-Kurs von einem FI-Anwenderkurs?
Ein Anwenderkurs zeigt, wie man im SAP-System Buchungsvorgänge korrekt durchführt. Dieser Consultant-Kurs lehrt, wie das System konfiguriert und auf betriebliche Anforderungen zugeschnitten wird – durch Customizing, Systemeinstellungen und die Integration verschiedener SAP-Module. Das Berufsprofil ist damit ein anderes: Beratende gestalten Systeme, Anwender nutzen sie.
Welche zwei SAP-Zertifikate können nach dieser Weiterbildung erworben werden?
Die Weiterbildung bereitet auf zwei offizielle externe SAP S/4HANA-Beraterzertifikate vor: die Financial-Accounting-Zertifizierung sowie die Business-Process-Integration-Zertifizierung. Beide Prüfungen werden separat abgelegt und von SAP SE ausgestellt.
Muss ich bereits SAP-Erfahrung mitbringen?
Erste Erfahrungen im SAP-System sind hilfreich und erleichtern den Einstieg, sind aber keine Pflichtvoraussetzung. Wichtiger ist ein wirtschaftswissenschaftlicher Hintergrund – entweder durch Studium oder durch Berufserfahrung im Rechnungswesen – sowie ein grundlegendes Verständnis für Datenmodelle.
Was bedeutet Business Process Integration in diesem Kurs konkret?
Business Process Integration bezeichnet die Vernetzung von SAP FI mit anderen Modulen wie SD (Vertrieb), MM (Materialwirtschaft) und HCM (Personalwesen). Consultants lernen, wie Buchungen aus Logistik- und HR-Prozessen automatisch in die Finanzbuchhaltung fließen, und wie diese Schnittstellen konfiguriert werden.
Für wen ist dieser Kurs besonders geeignet?
Besonders profitieren Buchhalterinnen und Buchhalter, die in die SAP-Beratung wechseln möchten, sowie Wirtschaftswissenschaftler, die sich für SAP-Implementierungsprojekte qualifizieren wollen. Die Kombination aus kaufmännischem Hintergrund und SAP-Beraterwissen ist auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt.
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