Überblick
Als SAP S/4HANA Consultant Sales (SD) trägt man Verantwortung für eines der zentralen Module jedes SAP-Projekts: die Abbildung und Konfiguration von Vertriebsprozessen im System. Dieser Kurs ist explizit als Berater-Ausbildung konzipiert – er vermittelt nicht nur Anwenderwissen, sondern das systemische Verständnis und die Customizing-Kompetenz, die Unternehmen von externen oder internen SAP SD-Consultants erwarten. Darüber hinaus deckt das Programm die Business Process Integration (BPI) ab, die das Zusammenspiel von SD mit den Modulen MM und FI behandelt. Ziel sind zwei offizielle SAP S/4HANA Beraterzertifikate: eines für Sales (SD) und eines für Business Process Integration.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1 – SAP S/4HANA Überblick und Organisationsstrukturen in SD Das Modul führt in die Logik von SAP S/4HANA als integriertes ERP-System ein und legt besonderes Gewicht auf die Organisationsstrukturen, die den SD-Prozessen zugrunde liegen. Das Verständnis dieser Strukturen ist die Basis für jede Konfigurationsarbeit in SD-Projekten.
- Mandantenkonzept, Unternehmensstruktur und Buchungskreise in SAP
- Verkaufsorganisation, Vertriebsweg, Sparte und Vertriebsbereich
- Lagerortkonzept und logistische Verknüpfungen
- Werke, Versandstellen und ihre Bedeutung für Lieferprozesse
- Einführung in das IMG (Implementation Guide / Customizing-Werkzeug)
- Navigation in SAP Fiori Launchpad und klassischem SAP GUI
Modul 2 – Stammdaten und Konditionstechnik Stammdaten sind das Fundament jedes SD-Prozesses. Dieses Modul behandelt Anlage, Pflege und Strukturierung aller relevanten Stammdatenobjekte sowie das technisch anspruchsvolle Konditionsschema für Preise, Rabatte und Zuschläge.
- Debitorenstamm: allgemeine Daten, Buchungskreisdaten, Vertriebsbereichsdaten
- Materialstamm aus Vertriebssicht (Verkaufsorganisations- und Vertriebsbereichsebene)
- Kundenmaterialinfosätze und Listungsverfahren
- Konditionstechnik: Zugriffsfolgen, Konditionsarten, Kalkulationsschemata
- Preisfindung in Verkaufsbelegen: manuelle Eingriffe, Gruppen, Kundenrabatte
- Kreditmanagement und Kreditlimitprüfung im Überblick
Modul 3 – SD-Belegfluss und Lieferprozesse Der Kern der SD-Beratung liegt in der Konfiguration des vollständigen Belegflusses – von der Anfrage bis zur Rechnung. Dieses Modul behandelt alle Belegtypen, ihre Steuerung und das Zusammenspiel mit Logistik und Finanzbuchhaltung.
- Anfragen und Angebote: Typen, Gültigkeiten, Übernahme in Aufträge
- Kundenauftragstypen: Standardauftrag, Eilauftrag, Konsignation, Streckengeschäft
- Lieferabwicklung: Anlage, Kommissionierung, Warenausgang, Transportintegration
- Fakturierung: Rechnungsarten, Sammelrechnungen, Gutschrift- und Retourenabwicklung
- Einzel- und Sammelverarbeitung im Versand
- Integration SD/FI: Buchung beim Warenausgang und bei der Faktura
Modul 4 – Business Process Integration (SD/MM/FI) Das BPI-Modul betrachtet SAP S/4HANA aus der Perspektive durchgängiger Unternehmensprozesse. Hier wird deutlich, wie SD-Vorgänge mit Einkauf (MM) und Finanzbuchhaltung (FI) verzahnt sind – unverzichtbares Wissen für jeden Consultant, der in Projekten über Modulgrenzen hinaus denkt.
- Procure-to-Pay-Prozess: Bedarfsplanung aus Verkaufsaufträgen und MM-Integration
- Order-to-Cash-Prozess als Gesamtprozess über SD und FI
- Buchungsintegration: Konten, Belegtypen, Steuer- und Kontenfindung
- Intercompany-Prozesse und Streckenabwicklung
- Bestands- und Verfügbarkeitsprüfung (ATP): SD-Anforderung trifft MM-Bestand
- Überblick Logistik-Integration: Produktionsplanung (PP) und Lagerverwaltung (EWM)
Praxisblock – Customizing-Projekte und Berater-Szenarien In praktischen Übungssequenzen konfigurieren die Teilnehmenden ein vollständiges SD-Customizing-Szenario im IMG und durchlaufen reale Beratungssituationen –
- Anlage einer vollständigen Unternehmensstruktur (Verkaufsorganisation, Vertriebsweg, Sparte)
- Konfiguration eines kundenspezifischen Konditionsschemas mit Staffelrabatten
- Vollständiger Belegfluss: Angebot → Auftrag → Lieferung → Faktura mit Systemprüfung
- Konfiguration von Sondergeschäften (Reklamation, Retoure, Gutschrift)
- Einrichtung von Kreditlimitprüfungen und Freigabeverfahren
- Testläufe und Fehlerbehebung in SD-Belegflüssen
- Interaktive BPI-Szenarien: modulübergreifende Prozessanalyse und Konfiguration
- Analyse und Lösung typischer Customizing-Fehler (fehlende Kontenfindung, Konditionslücken)
- Simulation von Kundenanforderungen und deren Umsetzung im IMG
- Präsentation und Dokumentation von Customizing-Entscheidungen
- Fallstudien aus echten SAP-Projekten als Gruppenszenarien
- Vertiefungsübungen zu zertifikatsrelevanten SD- und BPI-Themen
Alle Übungen werden in SAP-Systemen durchgeführt; Fallstudien orientieren sich an typischen Projektszenarien aus dem Mittelstands- und Konzernumfeld. Die Unterrichtsgestaltung setzt auf das Prinzip „configure, run, analyse": Die Teilnehmenden konfigurieren zunächst einen Prozessschritt, führen ihn im System aus und analysieren das Ergebnis – so entsteht ein technisch fundiertes Prozessverständnis, das über reines Faktenwissen hinausgeht.
Lernziele:
Nach Abschluss des Kurses verfügen die Teilnehmenden über folgende Fähigkeiten –
- die SAP S/4HANA-Systemlandschaft in ihren wesentlichen Strukturen (Mandant, Buchungskreis, Verkaufsorganisation, Vertriebsweg) beschreiben und konfigurieren
- Stammdaten im SD-Modul anlegen und pflegen – Debitorenstamm, Materialstamm aus Vertriebssicht, Konditionen
- den vollständigen SD-Prozess (Anfrage → Angebot → Auftrag → Lieferung → Faktura → Zahlung) in SAP S/4HANA abbilden
- Vertriebsaufträge verschiedener Typen konfigurieren und organisatorische Zuordnungen pflegen
- die Konditionstechnik (Preisfindung, Rabatte, Zuschläge, Surchargen) im IMG einstellen
- Auslieferungsprozesse und Lagerverwaltungsintegration im SD-Kontext konfigurieren
- Fakturierungsprozesse, Abrechnungsläufe und Rechnungstypen verstehen und anpassen
- Schnittstellen zwischen SD und FI (Buchungsintegration, Debitorenkonten) nachvollziehen und konfigurieren
- die Integration von SD mit MM (Materialbedarf aus Verkaufsaufträgen, Bestandsprüfung) erläutern
- Business Process Integration als Gesamtprozessbetrachtung über Modulgrenze hinaus anwenden
- Kundeneigene Entwicklungen (User Exits, Erweiterungskonzepte) im SD-Customizing einordnen
- die Anforderungen beider SAP-Zertifikatsprüfungen (SD und BPI) systematisch abdecken
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die SAP S/4HANA als Berater im Vertriebsumfeld einsetzen wollen – nicht als Endanwender, sondern als Systemkonfigurator und Projektspezialist.
- Kaufmännische Fachkräfte mit mehrjähriger Vertriebserfahrung, die in die SAP-Beratung wechseln wollen
- Wirtschaftsinformatiker und Betriebswirte, die eine Spezialisierung auf SAP SD anstreben
- IT-affine Vertriebsmitarbeitende und Key User, die vom Anwender zum Berater werden wollen
- Quereinsteiger mit Hochschulhintergrund in Wirtschaft oder Ingenieurwesen und Vertriebsbezug
- Junior-Consultants, die ihre SAP-SD-Kenntnisse systematisch auf Beraterlevel heben wollen
Verlangt werden fundierte betriebliche Kenntnisse aus dem Vertriebsumfeld – etwa aus Auftragsbearbeitung, Kundenmanagement, Lieferabwicklung oder Fakturierung. Ein abgeschlossenes oder abgebrochenes Hochschulstudium (Wirtschaft oder Ingenieurwesen) oder gleichwertige langjährige Berufserfahrung bildet die formale Eingangsvoraussetzung. Grundlegende Kenntnisse zu Datenmodellen und Datenbankstrukturen helfen dabei, SAP-spezifische Konzepte schneller zu verstehen. Englischkenntnisse auf Grundniveau werden benötigt, da SAP-Dokumentation und Zertifizierungsunterlagen weitgehend auf Englisch verfasst sind. Direkte SAP-Vorerfahrung ist keine Bedingung.
Ablauf & Abschluss
Das Kursformat orientiert sich an realen SAP-Beratungssituationen: Nicht Klickanleitungen stehen im Mittelpunkt, sondern das Verstehen und Entscheiden – warum wird ein Konditionsschema so konfiguriert, welche Folgen hat eine Einstellung im Organisationsmodell? Lehrende sind SAP-Praktiker mit Projekterfahrung, die typische Fallstricke und Erfolgsmuster aus echten Implementierungen einbringen. Die Vollzeit-Intensivstruktur ermöglicht ein tiefes Eintauchen in die Materie; die Arbeit am System wechselt mit strukturierten Theoriephasen und Fallstudien-Diskussionen ab.
Die Ausbildung umfasst mehrere Monate Vollzeitunterricht und deckt in dieser Zeit alle relevanten SAP-Beraterthemen für SD und BPI ab. Der Umfang orientiert sich an den offiziellen SAP-Schulungsempfehlungen für die beiden angestrebten Zertifikate. Durch das Vollzeitformat ist eine komprimierte, intensive Qualifizierung möglich, die direkt auf den Berufseinstieg als SAP-Consultant ausgerichtet ist.
Nach Abschluss des Kurses und Bestehen der externen Prüfungen erhalten die Teilnehmenden zwei offizielle SAP-Beraterzertifikate: das SAP S/4HANA-Zertifikat für Sales (SD) und das Zertifikat für Business Process Integration. Beide Zertifikate werden von SAP SE ausgestellt und sind im SAP-Consulting-Markt international anerkannt. Zusätzlich wird ein trägerinternes Abschlusszeugnis ausgestellt. Die externen Prüfungen werden bei autorisierten SAP-Testcentern abgelegt.
Nutzen & Perspektiven
SAP SD-Consultants mit Business Process Integration-Kompetenz sind auf dem SAP-Markt besonders gefragt, weil sie Vertriebsprozesse nicht isoliert, sondern im Kontext der gesamten Unternehmensprozesslandschaft verstehen und konfigurieren können. Unternehmen, die SAP S/4HANA einführen oder migrieren, benötigen genau diese Kombination aus Fachverständnis und Systemkompetenz. Das Doppelzertifikat – SD plus BPI – signalisiert Arbeitgebern und Kunden, dass der Inhaber nicht nur ein Modul beherrscht, sondern systemübergreifend denken kann. Dies macht den Unterschied zwischen einem Anwendungsexperten und einem vollwertigen SAP-Berater, der Implementierungsprojekte eigenständig begleiten kann. Mit zunehmender Projekterfahrung wächst das berufliche Spektrum weiter: Vom Junior Consultant über den Senior Consultant bis hin zu Rollen als Solution Architect oder SAP-Projektleiter sind viele Karrierewege offen. SAP-Consulting zählt in der IT-Branche zu den stabilsten Karrierepfaden – besonders im deutschsprachigen Raum, wo SAP eine besonders hohe Marktdurchdringung aufweist.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche zwei SAP-Zertifikate werden in diesem Kurs vorbereitet?
Der Kurs bereitet auf das offizielle SAP S/4HANA Beraterzertifikat für Sales (SD) sowie auf das Zertifikat für Business Process Integration vor. Beide Prüfungen werden bei SAP als externe Zertifizierungsprüfungen abgelegt und sind international als SAP-Beraterzertifikate anerkannt.
Was versteht SAP unter Business Process Integration (BPI)?
Business Process Integration beschreibt das Zusammenspiel der verschiedenen SAP-Module – insbesondere SD, MM und FI – in einem durchgehenden Geschäftsprozess. Das BPI-Zertifikat zeigt, dass ein Consultant nicht nur das Vertriebsmodul isoliert beherrscht, sondern modulübergreifend denken und Prozesse systemweit konfigurieren kann.
Was ist Customizing in SAP SD und warum ist es für Berater zentral?
Customizing bezeichnet die systemseitige Konfiguration von SAP-Standardfunktionen auf die Anforderungen eines konkreten Unternehmens – ohne Programmierung. SAP SD-Berater konfigurieren zum Beispiel Verkaufsorganisationsstrukturen, Konditionsschemas für die Preisfindung oder Lieferprozesse über das IMG (Implementation Guide). Customizing-Kompetenz ist für jeden SD-Consultant unverzichtbar.
Welche Vorkenntnisse aus dem Vertrieb werden erwartet?
Erwartet werden fundierte Kenntnisse betrieblicher Vertriebsprozesse aus dem Berufsalltag – etwa in den Bereichen Auftragsannahme, Lieferplanung, Fakturierung oder Kundenstammdatenpflege. Direkte SAP-Vorkenntnisse sind kein Muss; Fachleute mit mehrjähriger Praxiserfahrung im Vertrieb können diese Basis für das SAP-Customizing nutzen.
Für wen ist dieser Kurs besonders geeignet?
Der Kurs richtet sich explizit an Personen, die eine Beraterlaufbahn im SAP SD-Umfeld anstreben. Er ist keine reine Anwenderqualifizierung, sondern eine Consultant-Ausbildung – das heißt, die Teilnehmenden lernen, SAP-Systeme für Unternehmen zu konfigurieren und Projekte zu begleiten, nicht nur selbst als Endanwender zu bedienen.
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