Überblick
Wer in einer Unternehmensumgebung nicht nur SAP bedient, sondern Prozesse versteht, bewertet und bei Systementscheidungen mitspricht, braucht mehr als ein einzelnes Modul-Zertifikat. Dieser Spezialistenlehrgang verbindet zwei der zentralen SAP-Domänen – Materialmanagement (MM) und Produktionsplanung (PP) – in einer umfassenden Qualifizierung. Beide Themenbereiche werden von den Grundlagen bis zum Customizing-Wissen durchgängig behandelt; am Ende stehen zwei offizielle SAP-Anwenderzertifizierungen. Das unterscheidet diesen Kurs von den jeweiligen Einzel-Power-User-Kursen: Hier geht es nicht um isoliertes Modulfachwissen, sondern um das Verständnis, wie MM und PP in einer integrierten S/4HANA-Landschaft zusammenwirken und welche Auswirkungen Prozessveränderungen, Systemmigrationen oder Customizing-Entscheidungen auf beide Bereiche haben.
Kursinhalte & Lernziele
Modul 1: SAP S/4HANA Systemüberblick und integrierte Logik (S4H00) Der Einstieg schafft das gemeinsame Fundament für beide Fachbereiche. Besonderer Fokus liegt auf der modulübergreifenden Sicht, da dieser Kurs explizit die Verbindungen zwischen MM, PP und weiteren Modulen herausstellt.
- SAP S/4HANA-Architektur und Abgrenzung zu SAP ECC
- Organisationseinheiten aus MM- und PP-Perspektive: Werk, Lagerort, Planungswerk
- Systemnavigation Fiori-Launchpad und SAP GUI im Vergleich
- Überblick FI/CO (Rechnungswesen), HCM (Personalwirtschaft), SD (Vertrieb) und Vernetzung mit MM/PP
- Belegfluss im integrierten Einkaufs-Fertigungs-Prozess von der Bedarfsmeldung bis zur Einlagerung
- Rollen und Verantwortlichkeiten in MM-PP-Projekten
Modul 2: Materialmanagement – Einkauf und Bestandsführung (S4500, S4520) Der erste Fachblock vermittelt alle MM-Kernprozesse auf Spezialistenniveau. Im Vordergrund stehen nicht nur die operativen Abläufe, sondern auch das Verständnis, wie Einkaufsorganisation und Bestandsführung die Produktionsversorgung sicherstellen.
- Einkaufsorganisation und Einkaufsgruppen einrichten
- Lieferantenstamm und Einkaufsinfosatz anlegen, ändern, sperren
- Bestellanforderungen, Bestellungen, Rahmenverträge und Lieferpläne erzeugen
- Wareneingang buchen, Bestandstypen unterscheiden, Bestandsumbuchung
- Rechnungsprüfung (Logistics Invoice Verification) und Toleranzgruppen
- Bestandsauswertungen und Einkaufsberichte im Überblick
Modul 3: Verbrauchsgesteuerte Disposition und Prognose (S4525) Dieser Block behandelt, wie sich Materialbedarfe aus Verbrauchshistorien ableiten lassen und wie Dispositionsparameter optimal auf den Bedarf des Fertigungsumfelds abgestimmt werden.
- Dispositionsverfahren im Vergleich: Meldepunkt, Bestellrhythmus, stochastische Prognose
- Prognosemodelle für saisonale und trendförmige Verbrauchsverläufe
- Sicherheitsbestand, Meldebestand und Wiederbeschaffungszeit parametrieren
- Bestandsbewertung und Inventurprozess in S/4HANA
- MRP-I- und MRP-II-Logik im Kontext der Fertigungsversorgung
- Verbindung zwischen Disposition MM und Fertigungsplanung PP
Modul 4: Grunddaten Fertigung und Produktmanagement (S4210) Die Produktionsplanung steht und fällt mit der Qualität ihrer Stammdaten. Dieser Block legt besonderes Gewicht auf das Zusammenspiel von Materialstamm, Stückliste, Arbeitsplan und Arbeitsplatz, weil diese Grunddaten sowohl MM als auch PP berühren.
- Materialstamm aus PP-Sicht: Dispositionsdaten, Fertigungsdaten, Prognose
- Stücklisten (BOM): Einzel-, Mehrfach- und Varianten-Stücklisten
- Arbeitspläne und Referenz-Arbeitspläne anlegen und anpassen
- Arbeitsplätze: Kapazitäten, Formeln, Betriebskalender
- Produktionsressourcen- und Werkzeugverwaltung (PRT)
- Änderungsdienst und Gültigkeitssteuerung von Grunddaten
Modul 5: Produktionsplanung und Fertigungsaufträge (S4200, S4220, S4225) Der zweite große Fachblock behandelt die Kernprozesse der PP auf S/4HANA-Basis – von der Bedarfsplanung bis zur Auftragsrückmeldung. Im Gegensatz zum PP-Only-Kurs liegt hier der Fokus auch auf den Material- und Bestandsauswirkungen für die Einkaufsseite.
- Absatz- und Produktionsprogrammplanung (SOP und Demand Management)
- MRP-Planungslauf und Interpretation der Bedarfssituation
- Geplante Aufträge prüfen und in Fertigungsaufträge umwandeln
- Fertigungsauftrag freigeben, Material entnehmen, Zeiten rückmelden
- Endmeldung und Wareneingang aus Fertigungsauftrag
- Kapazitätsplanung: Bedarfs-Kapazitätsabgleich und Engpassanalyse
- Verbindung Fertigungsauftrag und Einkauf: Fremdbearbeitungsaufträge
Der Praxisteil verbindet beide Domänen in durchgehenden Szenarien, die den Sprung von der Modul-Einzelübung zur integrierten Prozesskette abbilden. Begleitend werden Entscheidungsszenarien aus IT-Anwendungsberatungsprojekten besprochen: Wann lohnt sich eine Prozessharmonisierung, welche Customizing-Eingriffe haben Folgewirkungen, wie bewertet man eine geplante S/4HANA-Migration aus der Logistikperspektive?
- Vollständigen Procure-to-Produce-Prozess vom Lieferanten bis zum Fertigprodukt durchspielen
- Einkaufsinfosatz anlegen und Rahmenvertrag für Fertigungskomponenten abschließen
- MRP-Lauf durchführen und Einkaufsbedarfe für Fertigungskomponenten auslösen
- Stückliste ändern und Auswirkung auf bestehende Fertigungsaufträge prüfen
- Fertigungsauftrag anlegen, Materialbereitstellung verfolgen und Rückmeldung buchen
- Fremdbearbeitung anlegen und Bestellungen für Lohnbearbeiter erzeugen
- Kapazitätsauslastung analysieren und kritische Ressourcen identifizieren
- Bestandssituation in MM nach Fertigungsrückmeldung prüfen und auswerten
- Customizing-Einstellungen für Dispositionsparameter und Fertigungsauftragstypen anpassen
- Inventur für Roh-, Halb- und Fertigwaren im integrierten Kontext durchführen
- Fehlerszenarien: Fehlmengen im Fertigungsauftrag erkennen, Einkaufsprozess anstoßen
- Abschlussszenario: Systemumstellung simulieren – was ändert sich in MM und PP gemeinsam?
Lernziele:
- SAP S/4HANA-Systemlandschaft aus der Perspektive der Lieferkette und Fertigung vollständig überblicken
- Materialstämme, Einkaufsinfosätze und Lieferantenstämme für MM-Prozesse anlegen und pflegen
- Beschaffungsprozesse von der Bestellanforderung bis zur Rechnungsprüfung selbstständig abwickeln
- Verbrauchsgesteuerte Dispositionsverfahren und Prognosemodelle gezielt einsetzen
- Grunddaten der Fertigung – Stücklisten, Arbeitspläne, Arbeitsplätze – anlegen und ändern
- Materialbedarfsplanung (MRP) ausführen und Planungsergebnisse interpretieren
- Fertigungsaufträge erzeugen, einplanen, rückmelden und abschließen
- Schnittstellen zwischen MM und PP im durchgängigen Lieferkettenprozess erkennen und nutzen
- Customizing-Einstellungen in beiden Modulen sachkundig beurteilen und vornehmen
- Bei Change-Management- und Systemumstellungsprojekten fachlich beratend mitwirken
- Vor- und Nachteile von Prozessveränderungen (Harmonisierung, Kostenoptimierung) fachlich einschätzen
- Zwei offizielle SAP-Anwenderzertifizierungen (MM und PP) erfolgreich ablegen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Lehrgang ist auf Fachkräfte ausgerichtet, die in ihrer beruflichen Rolle über einzelne Transaktionsausführung hinausgehen und Entscheidungen im SAP-Umfeld aktiv mitgestalten wollen.
- Erfahrene SAP-Anwender in MM oder PP, die eine zweite Domäne und ein zweites Zertifikat anstreben
- Logistik- und Planungsfachkräfte, die beratende Aufgaben im SAP-Kontext übernehmen wollen
- Disponenten und Einkäufer, die auch die Fertigungsseite in SAP professionell abdecken möchten
- IT-Anwendungsberater im Einstieg, die ein fundiertes MM/PP-Grundlagenwissen aufbauen wollen
- Berufsrückkehrer und Quereinsteiger mit kaufmännischem oder technisch-organisatorischem Hintergrund
Ein Berufsabschluss – kaufmännisch oder technisch – ist vorteilhaft; der Lehrgang steht auch Personen offen, die durch langjährige Berufserfahrung in Logistik, Einkauf, Fertigung oder verwaltend-organisatorischen Tätigkeiten gleichwertige Kompetenz nachweisen können. Sicherer Umgang mit moderner EDV ist obligatorisch, da die Systemarbeit am SAP-Live-Mandanten einen wesentlichen Teil des Unterrichts ausmacht. Gute Deutschkenntnisse sind erforderlich, da Kurssprache und Systemoberfläche überwiegend auf Deutsch eingestellt sind.
Ablauf & Abschluss
Das Lehrformat verbindet angeleitete Unterrichtseinheiten – im virtuellen oder Präsenz-Format – mit ausgedehnten Eigenübungsphasen am SAP-Übungsmandanten. In Kleingruppen können die Teilnehmenden gezielt auf ihren Wissensstand eingehen; erfahrene Trainer erläutern nicht nur die Systembedienung, sondern auch die betriebswirtschaftliche Logik hinter den Prozessen. Die integrierte Praxisphase, in der MM- und PP-Prozesse gemeinsam durchgespielt werden, ist ein zentrales didaktisches Element dieses Spezialistenlehrgangs, das ihn von separaten MM- und PP-Einzel-Kursen abhebt.
Der Spezialistenlehrgang wird in Vollzeit absolviert. Durch die Breite der behandelten Themen (zwei vollständige SAP-Modulkomplexe mit Customizing-Wissen und integrierten Praxisübungen) ist mit einer längeren Gesamtdauer als bei Einzel-Power-User-Kursen zu rechnen. Die genaue Laufzeit und Stundenzahl entnehmen Sie den aktuellen Angeboten des jeweiligen Anbieters.
Der Lehrgang schließt mit zwei offiziellen SAP-Anwenderzertifizierungen ab: „SAP User Certification in Material Management" und „SAP User Certification in Production Planning", beide ausgestellt von SAP SE. Die Zertifizierungsprüfungen finden nach entsprechender Vorbereitung im Lehrgang statt. Zusätzlich wird ein trägerinternes Zertifikat über den Abschluss des Gesamtlehrgangs ausgestellt. Mit zwei SAP-Zertifikaten in komplementären Domänen ist der Abschluss in der Logistik- und Fertigungsbranche ein deutlich differenzierterer Leistungsnachweis als ein einzelnes Modulzertifikat.
Nutzen & Perspektiven
Wer sowohl MM als auch PP in SAP S/4HANA beherrscht, versteht die Lieferkette von beiden Seiten: wie Materialien beschafft und disponiert werden und wie sie in der Fertigung verarbeitet und geplant werden. Dieses Doppelwissen ist in der Praxis besonders wertvoll, wenn Abteilungen eng zusammenarbeiten oder wenn Prozessoptimierungen beide Bereiche gleichzeitig betreffen – was in integrierten S/4HANA-Umgebungen die Regel ist. Der Spezialistentitel ist kein Marketing-Wort, sondern spiegelt wider, was der Kurs über die Power-User-Ebene hinaus bietet: das Wissen, bei Customizing-Entscheidungen sachkundig zu urteilen, bei einer Systemumstellung die Auswirkungen auf beide Domänen einzuschätzen und Change-Management-Prozesse fachlich zu begleiten. Genau das verlangen Stellenausschreibungen für SAP-Anwendungsberater im MM/PP-Umfeld. Zwei SAP-Zertifikate von SAP SE in einem Lehrgang: Das ist die komprimierte Form einer Qualifizierung, für die man sonst zwei separate Kurse absolvieren müsste. Zeiteinsatz und Synergie-Effekte beim gemeinsamen Lernen beider Domänen machen diesen Weg nicht nur effizienter, sondern auch inhaltlich tiefer – weil das Zusammenspiel von MM und PP im gemeinsamen Unterricht explizit thematisiert wird statt implizit vorausgesetzt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet diesen Kurs vom SAP Power User PP?
Der Power User PP fokussiert ausschließlich auf Produktionsplanung und endet mit einem einzigen PP-Zertifikat. Dieser Spezialistenkurs behandelt zusätzlich das komplette Materialmanagement (MM) und schließt mit zwei SAP-Zertifikaten ab. Besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Zusammenspiel beider Module und auf Customizing- und Beratungskompetenz.
Welche zwei SAP-Zertifikate erhalte ich nach diesem Kurs?
Teilnehmende erwerben nach bestandenen Prüfungen beide offiziellen SAP-Anwenderzertifikate: „SAP User Certification in Material Management" und „SAP User Certification in Production Planning", ausgestellt von SAP SE.
Welche SAP-Kurseinheiten (Modulcodes) werden behandelt?
Der Lehrgang umfasst S4H00, S4500, S4520, S4525 (MM-Seite) sowie S4210, S4200, S4220 und S4225 (PP-Seite). Durch die integrierte Verbindung beider Modulreihen werden Schnittstellen sichtbar, die in separaten Einzelkursen nicht explizit gelehrt werden.
Inwiefern eignet sich dieser Kurs für eine Anwendungsberaterrolle?
Neben der Systembedienung werden im Spezialistenlehrgang explizit Entscheidungskompetenzen gefördert: Customizing-Einstellungen sachkundig beurteilen, Vor- und Nachteile einer Prozessharmonisierung oder Systemumstellung einschätzen und bei Change-Management-Projekten fachlich mitwirken. Das geht über die reine Power-User-Rolle hinaus.
Muss ich den MM-Kurs und den PP-Kurs separat absolviert haben, bevor ich diesen Lehrgang besuche?
Nein, dieser Lehrgang baut beide Domänen von Grund auf auf und setzt keine vorigen SAP-Kursbesuche voraus. Er ist auch für Einsteiger geeignet, die beide Module parallel in einem kompakten Lehrgang erlernen möchten.
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