Überblick
Qualifizierte Energieberatung ist heute ohne leistungsfähige Berechnungs- und Planungssoftware nicht mehr praxistauglich. Die Tools, die im deutschen Energieberatungsmarkt dominieren, darunter Softwarelösungen von Hottgenroth und ETU sowie vergleichbare CAD- und TGA-Planungsprogramme, decken ein breites Spektrum ab: von der Heizlast- und Rohrnetzdimensionierung über Lüftungskonzepte für Wohn- und Nichtwohngebäude bis zu Trinkwasser- und Abwassernetzen in der 3D-CAD-Umgebung. Dieser Kurs gibt Energieberaterinnen und Energieberatern, TGA-Planerinnen und TGA-Planern sowie BIM-Fachkräften den strukturierten Einstieg in diese Software-Ökosysteme, von der Installation über die Projektverwaltung bis zu den anspruchsvollen Berechnungsmodulen. Voraussetzung ist eine nachgewiesene Grundqualifikation als Energieberater nach GEG § 88, da die Kursinhalte direkt auf diese Fachebene aufbauen.
Kursinhalte & Lernziele
Installation, Konfiguration und Projektverwaltung Der Einstieg in professionelle TGA- und Energieberatungssoftware beginnt mit der Einrichtung der Arbeitsumgebung. Dieser Block behandelt die Installation der verwendeten Programme, die grundlegende Systemkonfiguration und die Struktur der Projektverwaltung, denn schlecht organisierte Projektdateien sind eine häufige Fehlerquelle in der Planungspraxis. Außerdem werden die verschiedenen Bildtypen erklärt, mit denen die Software arbeitet, und die Bildverwaltung für komplexere Gebäude eingeführt.
- Systemvoraussetzungen, Installationsablauf und Lizenzaktivierung
- Benutzeroberfläche und Programmstruktur: Menüführung, Werkzeugleisten, Kontextmenüs
- Projektverwaltung: Anlegen, Strukturieren, Archivieren und Sichern von Projekten
- Bildtypen: Plan, Schnitt, Ansicht, Detail und deren technische Unterschiede im Einsatz
- Bildverwaltung in mehrgeschossigen oder komplexen Gebäuden
- Import und Export von Daten: IFC, DXF/DWG, PDF-Pläne als Unterlagenraster
Heizlastberechnung und Rohrnetzdimensionierung Die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist eine der Kernaufgaben in der Energieberatung und Heizungsplanung. Dieser Block zeigt, wie das Berechnungsmodul genutzt wird, welche Eingabedaten erforderlich sind und wie Ergebnisse interpretiert und für die Heizungsauslegung genutzt werden. Anschließend wird die Rohrnetzdimensionierung behandelt, ein entscheidender Schritt für den hydraulischen Abgleich und die Effizienz des Heizungssystems.
- Gebäudeparameter eingeben: U-Werte, Fenster, Infiltration, Orientierung
- Raumweise Heizlastberechnung und Ergebnisauswertung
- Dimensionierung von Heizkörpern auf Basis der Raum-Heizlasten
- Rohrnetzdimensionierung: Durchflüsse, Druckverluste, Rohrquerschnitte
- Hydraulischer Abgleich: Software-Unterstützung und Ausgabeformate
- Protokollierung und Dokumentation für Förderprogramme (BEG/KfW)
Trinkwassernetzberechnung und 3D-CAD-Planung Trinkwasserinstallationen unterliegen strengen hygienischen und technischen Anforderungen. Dieser Block trainiert die rechnergestützte Auslegung von Trinkwassernetzen nach DIN EN 806 und DVGW-Regelwerk sowie die Erstellung der zugehörigen Planunterlagen im integrierten 3D-CAD-Modul. Teilnehmende arbeiten dabei mit dem vollständigen Workflow von der Bedarfsermittlung bis zur druckfähigen Planausgabe.
- Bedarfsermittlung: Gleichzeitigkeitsfaktoren und Spitzendurchfluss nach DIN EN 806-3
- Dimensionierung von Steigleitungen, Steigsträngen und Stockwerksleitungen
- Zirkulation und Warmwasserbereitung: Auslegung und Temperaturhaltung
- 3D-CAD-Planung: Rohrleitungsführung, Armaturen, Symbolbibliothek
- Planausgabe: Maßstab, Planrahmen, Legende, Druckoptionen
- Schnittstelle zum Abwassernetz: kombiniertes Planungsmodell
Abwassernetzberechnung und Lüftungsplanung Abwassernetze und Lüftungsanlagen sind in der TGA-Planung eng mit dem Gesamtentwurf eines Gebäudes verknüpft. Dieser Block behandelt die Berechnung von Abwassernetzen nach DIN EN 12056 sowie die Planung von Lüftungskonzepten und -anlagen sowohl für Wohn- als auch für Nichtwohngebäude.
- Abwassernetz: Schmutzwasser, Regenwasser, Mischwasser und Bemessungsgrundlagen
- Berechnungsmodul Abwasser: Fallleitungen, Sammelleitungen, Anschlussleitungen
- Lüftungskonzepte für Wohngebäude nach DIN 1946-6: Lüftungsstufen, Volumenströme
- Planung mechanischer Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung (KWL)
- Lüftungsanlagen für Nichtwohngebäude: Raumart, Nutzungszeit, Außenluftmenge
- Kanalquerschnitt und Druckverlusttool: Auslegung und Leitungsführung
Praxisblock
- Installation und Erstkonfiguration der Software an einem frischen Arbeitsplatz-Setup
- Anlegen eines Musterprojekts für ein Einfamilienhaus aus den 1990er Jahren
- Raum-für-Raum-Heizlastberechnung für das Mustergebäude
- Dimensionierung des Heizungsrohrnetzes und Protokollerstellung für KfW-Nachweis
- Trinkwassernetzberechnung für ein dreigeschossiges Wohngebäude
- Erstellung des Trinkwasserplans im 3D-CAD mit korrekter Planrahmenbeschriftung
- Abwassernetzberechnung mit Fallleitungsnachweis nach DIN EN 12056
- Lüftungskonzept für eine 120-Quadratmeter-Wohnung nach DIN 1946-6 mit Stufenberechnung
- Planung einer einfachen KWL-Anlage und Kanalquerschnitts-Dimensionierung
- Export der Berechnungsergebnisse in das Beratungsdossier
- Fehleranalyse: typische Modellierungsfehler und ihre Korrekturen
- Abschluss-Workflow: vollständiges Projekt von der Eingabe bis zur Ausgabe für den Endkunden
Die Software-Vertiefung ermöglicht Energieberaterinnen und Energieberatern, ihre fachlich erworbenen GEG-Kenntnisse in der Praxis effizient einzusetzen, ohne wertvolle Projektzeit mit Software-Bedienungsfragen zu verlieren. Dieser Kurs schließt eine konkrete Lücke im Kompetenzprofil vieler Fachkräfte: Wer die Energieberatungs-Grundlagen kennt, aber mit der Software auf Einsteigerniveau arbeitet, verliert Zeit und Sicherheit bei der Ergebnisqualität. Hier wird genau diese operative Souveränität aufgebaut.
Lernziele:
- Energieeffizienz-Software (Hottgenroth, ETU und vergleichbare Produkte) installieren, konfigurieren und in der täglichen Projektarbeit einsetzen
- Projekt- und Datenverwaltung innerhalb der Software-Oberfläche strukturiert handhaben
- Heizlastberechnungen nach DIN EN 12831 mit dem Software-Tool eigenständig durchführen und Ergebnisse interpretieren
- Heizungssysteme und Rohrnetze für Gebäude nach TGA-Anforderungen mit der Software dimensionieren
- Trinkwassernetze berechnen und mit dem integrierten 3D-CAD-Modul Planunterlagen erstellen
- Abwassernetze nach DIN EN 12056 berechnen und Entwässerungspläne erstellen
- Lüftungskonzepte für Wohngebäude nach DIN 1946-6 mit der Software erarbeiten
- Lüftungsanlagen für Nichtwohngebäude planen und dimensionieren
- Bildtypen und Bildverwaltung in der Software (Plan-, Schnitt-, Ansichtstypen) korrekt einsetzen
- Berechnungsergebnisse exportieren, dokumentieren und in Beratungsunterlagen einbinden
- Fehlerquellen in Berechnungsmodellen erkennen und systematisch beheben
- Software-Updates und Änderungen in Normen und GEG-Anforderungen eigenständig nachvollziehen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich ausschließlich an Personen mit nachgewiesener Grundqualifikation als Energieberater nach GEG § 88, da sämtliche Software-Inhalte direkt auf diese Fachebene aufbauen.
- Energieberaterinnen und Energieberater, die ihre Software-Kompetenz systematisch aufbauen oder auf den aktuellen Versionsstand bringen möchten
- TGA-Planerinnen und TGA-Planer, die Energieberatungssoftware in ihren Planungs-Workflow integrieren
- BIM-Fachkräfte, die TGA-Berechnungsmodule in ihren Projekten nutzen möchten
- Ingenieurinnen und Ingenieure, die aus verwandten Fachrichtungen in die Energieberatung einsteigen und die Software-Seite aufholen müssen
- Selbstständige Energieberater, die bislang auf Subunternehmer für die Berechnungsaufgaben angewiesen waren
Zwingende Voraussetzung ist eine nachgewiesene Grundqualifikation nach GEG § 88 für alle Kategorien der Energieberatung, entweder durch ein einschlägiges Hochschulstudium (Energietechnik, Elektrotechnik, Verfahrenstechnik, Umwelttechnik, Technische Gebäudeausrüstung, Versorgungstechnik, Bauingenieurwesen, Physik, Maschinenbau, Architektur oder verwandte naturwissenschaftliche oder ingenieurwissenschaftliche Studiengänge mit entsprechendem Ausbildungsschwerpunkt) oder durch einen staatlich anerkannten Techniker- oder Meisterabschluss in einschlägigen Fachbereichen wie Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Elektro-, Kälte-, Metall-, Umwelt-, Bau-, Isolier-, Maschinenbau- oder Physiktechnik. Grundlegende Computerkenntnisse und Erfahrung mit CAD-ähnlichen oder technischen Programmen sind notwendig; reine Software-Einsteiger ohne technischen Hintergrund sind für diesen Kurs nicht geeignet.
Ablauf & Abschluss
Der gesamte Kurs ist hands-on ausgerichtet: Theoretische Erläuterungen zu Berechnungsgrundlagen (DIN EN 12831, DIN 1946-6, DIN EN 806) werden unmittelbar durch Software-Übungen vertieft. Teilnehmende arbeiten durchgehend mit der eigenen Software-Installation an einem durchgehenden Mustergebäude-Projekt, das von der ersten Eingabe bis zur Enddokumentation vollständig abgeschlossen wird. Screen-Sharing und Live-Demonstrationen ermöglichen das direkte Nachvollziehen von Bedienabläufen.
Der Kurs ist als intensiviertes Format konzipiert, da Software-Lernen von kontinuierlichem Üben lebt. Die konkrete Laufzeit variiert je Anbieter; Intensivformate über mehrere aufeinanderfolgende Tage oder Wochen sind üblich. Nähere Angaben zu Stundenzahl und Ablauf enthält das Angebotsdatenblatt des jeweiligen Anbieters.
Teilnehmende erhalten nach Abschluss eine qualifizierte Teilnahmebescheinigung (trägerinternes Zertifikat). Da der Kurs auf professionelle Software-Anwendung in der Energieberatungspraxis ausgerichtet ist, kommt es nicht auf einen formal anerkannten Prüfungsabschluss an; entscheidend ist die operative Kompetenz, die in den Praxisübungen direkt nachgewiesen wird.
Nutzen & Perspektiven
Für selbstständige Energieberaterinnen und Energieberater, die bislang Berechnungsaufgaben an externe Büros vergeben haben, kann dieser Kurs direkt die Wertschöpfung aus dem eigenen Beratungsportfolio steigern. Wer Heizlastberechnung, Rohrnetzdimensionierung und Lüftungskonzepte selbst erstellt, ist weder von Subunternehmern noch von deren Terminkalendern abhängig und hat die vollständige fachliche Kontrolle über die Ergebnisqualität der eigenen Beratungsleistung. Für Angestellte in Planungsbüros, Energieversorgungsunternehmen oder Ingenieurdienstleistern bedeutet Software-Souveränität in diesem Bereich: kürzere Berechnungszyklen, weniger Rückfragen an spezialisierte Kolleginnen und Kollegen und höhere Flexibilität bei der Projektbearbeitung. Software-Kompetenz ist in vielen Büros der faktische Engpass, nicht Fachwissen, weil Fachwissen vorhanden ist, aber die sichere Tool-Beherrschung fehlt. Schließlich ist dieser Kurs ein sinnvoller Baustein in einem modularen Qualifizierungsweg für Energieberater: Nach der fachlichen Grundqualifikation (GEG, Gebäudetechnik, Bauphysik) und dem Besuch des Kurses zur Energieeffizienz für Wohngebäude ist der Software-Deep-Dive die operative Abschlussstufe, die aus dem fachlichen Wissen produktive Beratungskapazität macht.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche Software wird im Kurs konkret eingesetzt?
Im Kurs werden Softwarelösungen eingesetzt, die in der deutschen Energieberatungs- und TGA-Planung verbreitet sind, darunter Programme der Anbieter Hottgenroth und ETU sowie vergleichbare Tools. Die Unterlagen beziehen sich auf konkrete Programmoberflächen; vorab sollte beim jeweiligen Anbieter nachgefragt werden, welche Version zum Kurszeitpunkt eingesetzt wird.
Für wen ist dieser Kurs geeignet und für wen nicht?
Der Kurs richtet sich ausschließlich an Personen mit nachgewiesener GEG-§-88-Grundqualifikation, die ihre Software-Kompetenz aufbauen oder vertiefen möchten. Wer noch keine Energieberater-Grundqualifikation hat, sollte zunächst den Kurs Energieeffizienz für Wohngebäude absolvieren. Für reine Software-Einsteiger ohne fachlichen Hintergrund in der Gebäudetechnik ist dieser Kurs nicht geeignet.
Brauche ich eine eigene Softwarelizenz?
Das hängt vom Kursformat ab. Einige Anbieter stellen während des Kurses Test- oder Studentenlizenzen zur Verfügung; andere setzen eine vorhandene Lizenz voraus. Diese Information sollte vor der Anmeldung direkt beim Anbieter eingeholt werden.
Wie unterscheidet sich dieser Kurs vom allgemeinen Energieeffizienz-Wohngebäude-Kurs?
Der Energieeffizienz-Wohngebäude-Kurs vermittelt die fachlichen und rechtlichen Grundlagen (GEG, Bauphysik, Haustechnik, Energieausweis), also das inhaltliche Wissen. Dieser Software-Deep-Dive-Kurs setzt dieses Wissen voraus und trainiert ausschließlich den professionellen Einsatz von Berechnungs- und Planungssoftware in der täglichen Praxis.
Welche Berechnungsnormen werden in der Software abgedeckt?
Die Software-Berechnungsmodule decken DIN EN 12831 (Heizlastberechnung), DIN EN 806 (Trinkwasser), DIN EN 12056 (Abwasser) und DIN 1946-6 (Lüftung Wohngebäude) ab. Für Nichtwohngebäude werden die relevanten Auslegungsstandards für Lüftungsanlagen behandelt. Die Normen werden nicht theoretisch erläutert, sondern direkt in der Software-Anwendung erschlossen.
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