Überblick
Die Weiterbildung „Supply Chain Management — CSR und Compliance gemäß LkSG" vermittelt ein strategisches Gesamtbild nachhaltiger Lieferketten: vom Aufbau internationaler Liefernetzwerke über die Integration von Corporate-Social-Responsibility-Prinzipien bis zur strukturellen Verankerung von Compliance-Anforderungen aus dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Im Unterschied zu operativen LkSG-Kursen, die Risikoanalyse-Methodik und Beschwerdeverfahren im Unternehmensinneren trainieren, steht hier die gesamte Lieferkette im Blick: Wie gestaltet man Lieferantenbeziehungen so, dass Menschenrechts- und Umweltstandards strukturell eingehalten werden? Welche Audit- und Monitoring-Instrumente bewähren sich in globalen Netzwerken? Und wie nutzt man Digitalisierung, um Transparenz und Compliance skalierbar zu machen? Diese strategisch-systemische Perspektive prägt den Kurs von Anfang bis Ende.
Kursinhalte & Lernziele
Supply Chain Management: Grundlagen und globale Netzwerkstrukturen Das erste Modul schafft das SCM-Fundament, auf dem die weiteren Kursmodule aufbauen. Teilnehmende verstehen die Architektur globaler Lieferketten, die Rollen der beteiligten Akteure und die zentralen Steuerungsmodelle, die in der Praxis eingesetzt werden.
- Grundbegriffe des Supply Chain Managements: Wertschöpfungskette, Lieferantenstufen, Tier-1 bis Tier-N
- Internationale Liefernetzwerke: Komplexität, Volatilität, geografische und geopolitische Abhängigkeiten
- Lieferkettenmodelle und -strategien: Just-in-time, Nearshoring, Reshoring und ihre Nachhaltigkeitsdimension
- Supply-Chain-Risikotypen: Lieferrisiko, Reputationsrisiko, regulatorisches Risiko, Menschenrechtsrisiko
- Transparenz in der Lieferkette als Wettbewerbsvorteil und regulatorische Anforderung
- Überblick relevanter Normen und Standards: ISO 20400, UN Global Compact, OECD-Leitsätze
Corporate Social Responsibility in der Lieferkette Das zweite Modul erschließt CSR als strategisches Steuerungsinstrument — von der Grundsatzerklärung über den Lieferantenkodex bis zur gelebten Einkaufspraxis. CSR ist hier keine Kommunikationsaufgabe, sondern ein Governance-Thema.
- CSR im Unternehmenskontext: Definition, Stakeholder-Erwartungen, strategische Verankerung
- Lieferantenkodex (Supplier Code of Conduct): Inhalte, Formulierung, Integration in Vertragswerke
- CSR-Anforderungen in der Lieferantenauswahl und -qualifizierung
- Nachhaltiges Lieferantenmanagement: Scorecards, KPIs und Incentive-Strukturen
- Kommunikation von CSR-Anforderungen entlang der Wertschöpfungskette — auch bei indirekten Zulieferern
- Spannungsfelder: Kosteneffizienz vs. Nachhaltigkeitsanforderungen in der Einkaufspraxis
LkSG-Compliance: Struktur, Umsetzung und Monitoring Das dritte Modul übersetzt die Anforderungen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes in die strategische SCM-Perspektive. Im Unterschied zur operativen LkSG-Umsetzung im Unternehmen geht es hier um die lieferkettenweite Compliance-Architektur.
- Anforderungen und Inhalte des LkSG: Geltungsbereich, Sorgfaltspflichtenzyklus, Schutzgüter
- Risikoanalyse auf Lieferketten-Ebene: Länderprofil, Branchenrisiko, Lieferantenprofil
- Präventionsmaßnahmen in der Lieferkette: Schulungen für Zulieferer, Capacity Building, Zertifizierungsanforderungen
- Abhilfemaßnahmen bei identifizierten Verstößen: Eskalationslogik und Konsequenzmanagement
- Dokumentation und Berichterstattung als SCM-Aufgabe: Datenflüsse zwischen Einkauf, CSR und Rechtsabteilung
- Schnittstelle LkSG und CSRD: Welche Lieferkettendaten fließen in den Nachhaltigkeitsbericht?
Auditierung, Digitalisierung und Zukunftstrends Das vierte Modul widmet sich den Instrumenten, die eine skalierbare und zukunftssichere Lieferketten-Compliance ermöglichen. Audits, digitale Plattformen und regulatorische Ausblicke stehen im Vordergrund.
- Sozial- und Umweltaudits: SA 8000, SMETA, Sedex, amfori BSCI — Konzepte und Einsatz
- Monitoring-Systeme für Lieferkettenkompetenz: KPIs, Frühwarnsysteme, Datenaktualisierung
- Digitale Tools zur LkSG-Compliance: Supply-Chain-Transparency-Plattformen, ERP-Integration
- Blockchain und Lieferkettentransparenz: Potenziale und Grenzen
- Zukunftstrends: EU-CSDDD, Scope-3-Emissionen als LkSG-Erweiterungsfeld, sektorale Verordnungen
- Green Procurement: Nachhaltige Beschaffung als strategischer Hebel
Im abschließenden Praxisblock werden alle Kursinhalte in komplexen, realistischen Lieferketten-Szenarien zusammengeführt. Die Teilnehmenden üben, SCM-Entscheidungen unter Nachhaltigkeits- und Compliance-Gesichtspunkten zu treffen.
- Fallstudie globale Elektroniklieferkette: Konfliktmineralien, Tier-2-Risiken, Audit-Auswahl
- Übungsfall Textilbeschaffung in Asien: Lieferantenbewertung nach CSR-Kriterien, Maßnahmenplanung
- Gruppenaufgabe Supplier Code of Conduct: Entwicklung und Abstimmung mit Zulieferern
- Digitale Tool-Demo: Einführung in eine LkSG-Compliance-Plattform
- Szenario LkSG-Berichterstellung: Welche Daten werden wo im Unternehmen erhoben?
- Zukunftssimulation: Wie verändert CSDDD die SCM-Praxis in Europa?
- Analyse eines realen Lieferkettenskandals: Was hätte CSR/LkSG-Compliance verändert?
- Schnittstellenmanagement SCM — Einkauf — Rechtsabteilung — CSR
- Entwicklung eines Monitoring-Konzepts für eine mittelständische Lieferkette
- Transfer: Welche SCM-Prozesse müssen im eigenen Unternehmen für LkSG-Compliance angepasst werden?
- Abschlussdiskussion: Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil oder Compliance-Last?
Lernziele:
- Supply-Chain-Grundstrukturen, Akteure und Steuerungsmodelle im globalen Kontext beschreiben
- Internationale Liefernetzwerke auf Komplexität, Risiken und Abhängigkeiten analysieren
- Corporate Social Responsibility als strategischen Unternehmenswert in der Lieferkette verankern
- Anforderungen und Schutzgüter des LkSG auf die gesamte Lieferkette übertragen
- Risikoanalyse und Risikomanagement auf Lieferketten-Ebene strukturieren
- Präventions- und Abhilfemaßnahmen lieferkettenübergreifend implementieren
- Dokumentations- und Berichterstattungsanforderungen des LkSG für das Gesamtunternehmen koordinieren
- Menschenrechts- und Umweltstandards in der Lieferantenkommunikation und Vertragsgestaltung verankern
- Lieferantenmanagement-Prozesse auf CSR-Kriterien ausrichten und Lieferanten-Scorecards entwickeln
- Auditierungs- und Monitoring-Konzepte für Sozial- und Umweltstandards in globalen Lieferketten entwerfen
- Digitale Tools und Softwarelösungen für LkSG-Compliance und Lieferkettentransparenz auswählen und einsetzen
- Zukunftstrends im nachhaltigen Lieferkettenmanagement — CSDDD, EU Green Deal, Scope 3 — antizipieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die Supply-Chain-Strukturen strategisch gestalten und gleichzeitig Nachhaltigkeits- und Compliance-Anforderungen lieferkettenübergreifend verankern müssen.
- Supply Chain Manager:innen und Logistikverantwortliche in internationalen Unternehmen
- Einkaufsleiter:innen, die strategische Lieferantenentwicklung mit CSR-Anforderungen verknüpfen
- Nachhaltigkeits- und CSR-Manager:innen mit Fokus auf Lieferkette und externe Wertschöpfung
- Compliance-Verantwortliche, die LkSG-Anforderungen in SCM-Prozesse integrieren
- Fachkräfte, die einen beruflichen Aufstieg in die strategische SCM-Verantwortung anstreben
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem relevanten kaufmännischen oder logistischen Bereich, alternativ ein Hochschulstudium oder ausreichende Berufserfahrung im SCM, Einkauf oder einer verwandten Funktion. Grundlegende EDV-Kenntnisse sind ebenso erforderlich wie gute Deutschkenntnisse; Grundkenntnisse in Englisch sind für das internationale Kontext-Verständnis hilfreich.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs verbindet Wissensvermittlung zu Lieferketten, CSR und LkSG mit einem starken Fallstudienanteil. Reale Lieferketten-Szenarien aus verschiedenen Branchen werden in Kleingruppen analysiert und Maßnahmenpläne entwickelt. Eine Tool-Demo vermittelt einen praxisnahen Einblick in digitale LkSG-Compliance-Plattformen. Der Kurs findet im Combined-Learning-Format in Vollzeit statt.
Die Weiterbildung wird von einem spezialisierten Anbieter mit rund 84 verfügbaren Terminen bundesweit angeboten. Das Vollzeit-Combined-Learning-Format ermöglicht kompaktes, intensives Lernen. Die genaue Kursdauer richtet sich nach dem konkreten Lehrgangsformat des Anbieters.
Nach erfolgreichem Abschluss erhalten Teilnehmende ein Trägerzertifikat, das die Qualifikation im Bereich Supply Chain Management, CSR und LkSG-Compliance dokumentiert. Das Zertifikat ist als Nachweis für Arbeitgeber und potenzielle Geschäftspartner konzipiert.
Nutzen & Perspektiven
Nachhaltige Lieferketten sind kein Nischenthema mehr — sie sind ein strategisches Kernanliegen für Unternehmen, die in Deutschland und der EU geschäftlich tätig sind. Mit LkSG, CSDDD und den ESG-Berichtsanforderungen nach CSRD ist Lieferketten-Compliance von einer freiwilligen Ambition zu einer rechtlichen Mindestanforderung geworden. Fach- und Führungskräfte, die SCM-Kompetenz mit einem tiefen Verständnis dieser Regulierungslandschaft verbinden, sind am Arbeitsmarkt ausgesprochen gefragt. Dieser Kurs vermittelt genau diese Kombination — nicht als punktuelles Compliance-Wissen, sondern als strategisches Managementverständnis: Wer nachhaltige Lieferketten gestaltet, schafft Resilienz gegen Lieferunterbrechungen, Reputationsrisiken und Regulierungsanforderungen gleichzeitig. Die Fähigkeit, CSR-Anforderungen nicht als Kostenfaktor, sondern als Differenzierungsmerkmal zu positionieren, ist ein echter Wettbewerbsvorteil — gerade gegenüber Wettbewerbern, die Nachhaltigkeit noch reaktiv angehen. Mittel- und langfristig entwickelt sich der Beruf des Supply Chain Managers zunehmend in Richtung eines integrierten Nachhaltigkeits- und Compliance-Professionals. Diese Weiterbildung antizipiert diesen Wandel und gibt den Teilnehmenden das Werkzeug — von Audit-Methodik über digitale Monitoring-Plattformen bis zu regulatorischen Zukunftstrends —, um in dieser Entwicklung voranzugehen statt ihr hinterherzulaufen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zu einem operativen LkSG-Beauftragten-Kurs?
Dieser Kurs vermittelt die strategisch-systemische SCM-Perspektive: Wie gestaltet man Lieferantenbeziehungen, Auditprozesse und digitale Monitoring-Systeme lieferkettenübergreifend? Ein operativer LkSG-Kurs hingegen fokussiert auf interne Prozesse wie Risikoanalyse-Methodik, Beschwerdeverfahren nach § 8 LkSG und behördliche Berichtspflichten.
Welche konkreten Tools für LkSG-Compliance werden im Kurs behandelt?
Der Kurs gibt eine Übersicht über Supply-Chain-Transparency-Plattformen, die Audit-Frameworks SMETA und amfori BSCI sowie ERP-Integrationen für LkSG-Datenpunkte. Eine Tool-Demo vermittelt einen praktischen Einblick in den Einsatz digitaler Compliance-Werkzeuge.
Wie behandelt der Kurs das Verhältnis zwischen LkSG und CSDDD?
Der Kurs stellt das LkSG als nationalen Vorreiter dar und zeigt, wie die EU-CSDDD — die zivilrechtliche Haftung einführt und den betroffenen Unternehmenskreis europaweit ausweitet — die SCM-Praxis weiter verändern wird. Die Schnittstelle zur CSRD-Berichterstattung (insbesondere Scope-3-Emissionen) wird ebenfalls behandelt.
Ist der Kurs auch für Einkäufer ohne SCM-Hintergrund geeignet?
Ja, sofern Berufserfahrung im Einkauf oder in einer verwandten Funktion vorhanden ist. Das erste Modul legt SCM-Grundlagen für alle Teilnehmenden verständlich dar, sodass auch Fachkräfte aus Compliance, Recht oder Nachhaltigkeitsmanagement ohne tiefere SCM-Vorerfahrung dem Kurs folgen können.
Welche Auditsysteme für Sozialstandards werden behandelt?
Der Kurs behandelt die gängigsten Praxis-Standards: SA 8000 als managementsystembasierter Ansatz, SMETA (Sedex Members Ethical Trade Audit) als verbreitetes Audit-Format sowie amfori BSCI für die Bewertung von Sozialstandards bei internationalen Zulieferern.
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