Überblick
Dieser Kurs richtet sich an Personen, die neben fundiertem Wissen in Zollabwicklung und Supply Chain Management gezielt Kenntnisse in SAP EWM (Extended Warehouse Management auf S/4HANA) aufbauen möchten. Der entscheidende Unterschied zu verwandten Logistikweiterbildungen liegt in der SAP-Komponente: Teilnehmende lernen SAP EWM als führendes System für digitale Lagerverwaltung kennen und erwerben die Grundlage für das SAP-Zertifikat. Ergänzend deckt der Kurs Außenhandel mit ATLAS-Zollabwicklung, spezialisierte Beschaffungs- und Lager-/Transportprozesse, internationale Außenwirtschaft sowie Vertriebsmanagement ab. Die Weiterbildung läuft im Combined-Learning-Format in Vollzeit und dauert mehr als sechs Monate bis zu einem Jahr.
Kursinhalte & Lernziele
Außenhandel und Zollabwicklung mit ATLAS (ca. 4 Wochen) Das Zollmodul legt die rechtliche Basis für den grenzüberschreitenden Warenverkehr. Im Mittelpunkt steht die praktische Handhabung des deutschen Zollinformationssystems ATLAS für Einfuhr- und Ausfuhranmeldungen.
- Grundprinzipien des Außenhandels und der deutschen und europäischen Zollverwaltung
- Versand- und Zolllagerverfahren im EU-Gemeinschaftsrecht
- Zollanmeldungen mit ATLAS: Einfuhr- und Ausfuhrprozesse Schritt für Schritt
- Überblick über ATLAS-Einfuhrvorgänge und anwendbare Abgabenarten
- Regelungen zur vorübergehenden Verwahrung und zu Zolllagern
- Elektronischer Zolltarif (EZT) und TARIC: Tarifnummernerstellung und Zollsatzabfrage
- Veredelungsverfahren (aktive/passive Veredelung) im Zollrecht
Logistikspezialist: Beschaffungs- und Distributionsprozesse (ca. 4 Wochen) Dieser Block vertieft die Steuerung von Waren- und Informationsflüssen entlang der Beschaffungs- und Distributionskette, mit Fokus auf moderne Sourcing-Strategien und E-Procurement.
- Aufbau und Steuerung von Beschaffungs- und Produktionslogistik
- Strategisches Sourcing: Make-or-Buy-Entscheidungen, Global Sourcing, Lieferantenbewertung
- E-Procurement-Plattformen und elektronische Bestellprozesse
- Qualitätsmanagement in logistischen Prozessen (QM-Standards, Audit-Grundlagen)
Logistikspezialist: Lager- und Transportprozesse (ca. 4 Wochen) Hier werden spezielle Prozesse der Lagerführung und des Transports behandelt — von Analysemethoden zur Bestandsoptimierung bis zu rechtlichen Rahmenbedingungen des Transportwesens.
- Lager- und Logistiksysteme: Hochregallager, automatisierte Lagersysteme, WMS-Grundlagen
- ABC/XYZ-Analyse zur Klassifizierung von Artikeln und Beständen
- Haftungs- und Versicherungsrecht im Lager- und Transportbereich
- Zollaspekte bei inner- und außerbetrieblichen Transportketten
Produkt- und Außenwirtschaft / Außenhandel (ca. 8 Wochen) Der umfangreichste Einzelblock behandelt die kaufmännischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des internationalen Handels — von Außenwirtschaftskontrolle bis Frachtorganisation.
- Außenwirtschaftssysteme: Exportkontrolle, Dual-Use-Güter, Embargovorschriften
- Internationaler Zahlungsverkehr: Akkreditiv, Dokumenteninkasso, SEPA
- Frachtabwicklung: Incoterms-Klauseln, multimodale Transportketten, Spediteurvertrag
- Zollverfahren im internationalen Vergleich und Präferenzkalkulationen
SAP EWM Anwender Lagerverwaltung mit S/4HANA (ca. 4 Wochen) Dieser Block ist das technologische Kernstück des Kurses. Teilnehmende lernen SAP Extended Warehouse Management auf der S/4HANA-Plattform von der Systemarchitektur bis zu Optimierungsfunktionen kennen — mit dem Ziel, die SAP-Zertifizierung abzulegen.
- Systemarchitektur und Überblick über SAP S/4HANA und SAP EWM
- Benutzeroberfläche, Konfigurationswerkzeuge und Lagerstrukturierung
- Kernprozesse der Lagerverwaltung: Wareneingang, Einlagerung, Auslagerung, Warenausgang
- Ressourcenmanagement: Arbeitswellenprogramme, Aufgabeninterleaving, Lagergerätesteuerung
- Monitoring, Reporting und Zusatzfunktionen in SAP EWM
- Supply Chain Execution: Integration von EWM in übergeordnete SAP-Prozesse
- Vorbereitung auf die SAP-Zertifizierungsprüfung EWM/S/4HANA
Vertriebsmanagement (ca. 4 Wochen) Der abschließende Block beleuchtet die Schnittstelle zwischen Lieferkette und Vertrieb — wie Auftragsabwicklung und Kundenbeziehungen die Anforderungen an Logistik und SCM beeinflussen.
- Customer-Relationship-Management (CRM): Grundlagen und Systeme
- Auftragsakquise, Angebotsmanagement und Auftragsbestätigung
- Auftragsdurchführung und Terminverfolgung aus SCM-Perspektive
- Verkaufstechniken und Bestandskundenpflege
- Schnittstellen zwischen Vertriebs- und Logistikprozessen
Der praktische Übungsanteil ist breit und durchzieht alle sechs Module. In der ATLAS-Komponente werden Zollanmeldungen für Einfuhr- und Ausfuhrszenarien in Simulationsumgebungen erstellt und EZT-Tarifnummern für unterschiedliche Warengruppen systematisch ermittelt. Im SAP-EWM-Block richten Teilnehmende Grundfunktionen in einer Übungsumgebung ein, buchen Lagerbewegungen (Wareneingang, Einlagerung, Kommissionierung, Warenausgang) und planen Lagerressourcenmanagement-Szenarien. ABC/XYZ-Analysen werden auf Beispielsortimente angewandt, um Lagerplatzzuordnungen zu optimieren. Sourcing-Entscheidungen werden mit quantitativen Bewertungsmatrizen begründet, außenwirtschaftliche Exportkontrollprüfungen für fiktive Güterexporte durchgeführt und Frachtkosten für multimodale Lieferketten unter Anwendung der korrekten Incoterms kalkuliert. Vertriebsszenarien mit Kundenauftragsabwicklung und CRM-Eskalationsmanagement ergänzen den Kursalltag. Supply-Chain-Kennzahlen werden aus SAP-Berichten abgelesen und interpretiert; abschließende end-to-end-Fallstudien verbinden alle Teilbereiche — von der Bestellung über Lagerprozesse bis zur Zollanmeldung bei der Ausfuhr. Die SAP-Fortbildungen werden im Rahmen einer SAP-Bildungspartnerschaft durchgeführt. Die AZAV-Zulassung ermöglicht bei Vorliegen der Fördervoraussetzungen eine vollständige Finanzierung über Bildungsgutschein (SGB III/II), Rentenversicherungsträger oder den ESF.
Lernziele:
- SAP S/4HANA und SAP EWM in Architektur und Systemlogik verstehen
- Lagerprozesse, Ressourcenmanagement und Monitoring in SAP EWM konfigurieren und steuern
- Zollanmeldungen mit ATLAS für Einfuhr- und Ausfuhrvorgänge korrekt durchführen
- Elektronischen Zolltarif (EZT) und EU-TARIC-Systematik sicher anwenden
- Beschaffungs- und Produktionslogistik mit modernen Sourcing-Ansätzen planen
- ABC/XYZ-Analysen zur Lageroptimierung und Transportplanung einsetzen
- Haftungs- und Versicherungsfragen im Speditions- und Lagerrecht einordnen
- Außenwirtschaftsrechtliche Systeme und internationale Frachtabwicklung organisieren
- CRM-Grundlagen und Vertriebsprozesse als Schnittstelle zur Supply Chain verstehen
- Das SAP-Zertifikat (EWM/S/4HANA) als Karriereziel gezielt ansteuern
- Digitale Lieferkettenprozesse end-to-end über alle Module hinweg verknüpfen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Die Weiterbildung richtet sich an Personen, die bereits erste Erfahrungen oder Grundkenntnisse in Logistik oder kaufmännischen Berufen mitbringen und sich in Richtung IT-gestützter Lieferkettensteuerung qualifizieren möchten — insbesondere mit dem Ziel, SAP-Kenntnisse im Lager- und Zollbereich nachzuweisen.
- Logistikfachkräfte, die ihre Kenntnisse um SAP EWM erweitern möchten
- Kaufmännische Fachkräfte aus Außenhandel oder Spedition, die SAP-Kenntnisse aufbauen
- Personen, die die SAP-Zertifizierung (EWM/S/4HANA) als Karriereziel anstreben
- Arbeitssuchende mit logistischer oder kaufmännischer Grundlage und Förderung
- IT-affine Quereinsteiger, die Lager- und Zollprozesse systemisch verstehen möchten
Die Weiterbildung setzt gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift voraus. Da SAP EWM ein komplexes Softwaresystem ist, sind IT-Grundkompetenz und logistische oder kaufmännische Vorkenntnisse empfehlenswert. Ein persönliches Eignungsgespräch klärt die individuelle Ausgangssituation; bei öffentlich geförderter Teilnahme gelten zudem die Anforderungen des jeweiligen Kostenträgers.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung läuft im Combined-Learning-Format in Vollzeit: Begleitete Online-Lernmodule in einer digitalen Lernumgebung wechseln sich mit synchronen Unterrichtseinheiten ab. Die SAP-Einheiten erfordern praktische Systemarbeit in einer Übungsumgebung — dieser handlungsorientierte Anteil unterscheidet den Kurs besonders von reinen Theorieangeboten. Für die Zollmodule kommen ATLAS-Simulationen zum Einsatz. Alle Module sind inhaltlich so verknüpft, dass Lernfortschritte aus einem Block in späteren Modulen direkt wieder aufgegriffen werden.
Die Gesamtdauer der Weiterbildung liegt im Bereich von mehr als sechs Monaten bis zu einem Jahr. Die sechs Themenblöcke (vier davon je ca. 4 Wochen, einer ca. 8 Wochen) ergeben zusammen ein substanzielles Qualifikationspaket, das über eine reine Einführungsweiterbildung deutlich hinausgeht.
Absolventinnen und Absolventen erhalten ein trägerinternes Zertifikat über die gesamte Weiterbildung sowie — bei Bestehen der SAP-Zertifizierungsprüfung — ein international anerkanntes SAP-Zertifikat für Extended Warehouse Management auf S/4HANA. Das SAP-Zertifikat ist ein herstellergebundener Nachweis, der von SAP-nutzenden Unternehmen weltweit als Qualifikationsbeweis anerkannt wird.
Nutzen & Perspektiven
SAP EWM ist in großen und mittelgroßen Logistikunternehmen das dominierende System für Lagerverwaltung. Fachkräfte, die SAP EWM bedienen und konfigurieren können, werden auf dem Arbeitsmarkt aktiv gesucht — und das SAP-Zertifikat macht diese Kompetenz für Personalabteilungen sofort sichtbar. Die Kombination aus SAP-Kenntnissen und ATLAS-Zollpraxis ist dabei besonders selten und für Unternehmen mit Import-/Export-Aktivitäten außerordentlich wertvoll. Die Breite des Kurses — Zoll, Beschaffungslogistik, Lagerprozesse, Außenhandel, SAP und Vertrieb — befähigt Teilnehmende, als Generalisten in SCM-Abteilungen zu arbeiten, die mehrere Schnittstellen gleichzeitig bedienen. In mittelständischen Unternehmen ohne hochspezialisierte Arbeitsteilung ist diese Bandbreite ein echtes Differenzierungsmerkmal gegenüber rein auf ein Tool oder eine Funktion trainierten Bewerberinnen und Bewerbern. Wer die Maßnahme über einen Bildungsgutschein finanziert, investiert ohne eigenes Kapitalrisiko in eine Qualifikation, die sowohl zertifizierte IT-Kompetenz (SAP) als auch regulatorisches Wissen (ATLAS, Außenwirtschaftsrecht) vereint — eine Kombination, die in Stellenanzeigen für Logistik- und SCM-Positionen zunehmend explizit gefordert wird.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist SAP EWM und warum ist es für Logistikfachkräfte relevant?
SAP Extended Warehouse Management (EWM) ist das führende Softwaremodul für komplexe Lagerverwaltungsprozesse in SAP S/4HANA. Es wird in Industrie-, Handels- und Logistikunternehmen weltweit eingesetzt. Fachkräfte mit SAP EWM-Kenntnissen sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, weil das System in vielen Großunternehmen als zentrales Lagersystem im Einsatz ist.
Welches SAP-Zertifikat kann ich nach dem Kurs ablegen?
Der Kurs bereitet auf die SAP-Zertifizierung im Bereich Extended Warehouse Management auf S/4HANA vor. Das Zertifikat wird von SAP selbst vergeben und ist international anerkannt. Es handelt sich um ein herstellerseitiges Zertifikat, nicht um ein Trägerzertifikat.
Was unterscheidet diesen Kurs von der Weiterbildung „Fachpersonal im Import/Export"?
Beide Kurse behandeln Zollabwicklung mit ATLAS und Außenhandel. Der wesentliche Unterschied liegt darin, dass dieser Kurs zusätzlich SAP EWM als digitales Lagerverwaltungssystem vermittelt und auf das SAP-Zertifikat vorbereitet. Er ist damit stärker auf IT-gestützte Logistikarbeit ausgerichtet und dauert deutlich länger (bis zu einem Jahr statt drei bis sechs Monate).
Wird der Kurs über einen Bildungsgutschein gefördert?
Die Maßnahme ist nach AZAV zugelassen. Bei Vorliegen der persönlichen Fördervoraussetzungen kommt eine vollständige Kostenübernahme über einen Bildungsgutschein (Agentur für Arbeit / Jobcenter), durch Rentenversicherungsträger oder den ESF in Betracht.
Brauche ich SAP-Vorkenntnisse für diesen Kurs?
SAP-Vorkenntnisse sind keine formale Voraussetzung; der SAP EWM-Block ist als Einführung konzipiert. IT-Grundkompetenz und logistische oder kaufmännische Berufserfahrung erleichtern jedoch den Einstieg in die SAP-Übungsumgebung erheblich.
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