Überblick
Organisationen sind komplexe soziale Systeme — keine Maschinen, die man durch Restrukturierung repariert. Wer Organisationen wirklich entwickelt, braucht ein Instrumentarium, das dieser Komplexität gewachsen ist: die systemische Organisationsentwicklung. Seit den 1990er Jahren hat sich dieser Ansatz kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute eines der wirkungsvollsten Werkzeuge für nachhaltige Transformation. Im Mittelpunkt stehen Kommunikation und Beziehungsqualität innerhalb von Teams und Organisationen — nicht als weiche Faktoren, sondern als zentrale Steuerungsebene. Diese Weiterbildung kombiniert mehrere thematisch aufeinander abgestimmte Module zu einem integrierten Programm, das systemisches Coaching, Change-Management, Trainerkompetenz, Leadership und agiles Management verbindet.
Kursinhalte & Lernziele
Das Programm besteht aus mehreren Modulen, die jeweils circa 20 Tage umfassen. Die Module können individuell kombiniert werden; für das vollständige Bild der systemischen Organisationsentwicklung empfiehlt sich die Durchführung aller Bausteine. Modul: Zertifizierter Coach (QRC) Den Ausgangspunkt bildet die Coach-Ausbildung, die das individuelle Handwerkszeug für die Begleitung von Einzelpersonen und Teams legt. Systemische Organisationsentwicklung setzt voraus, dass man auf Mikro-Ebene — im direkten Gespräch, im Einzelcoaching, in der Feedback-Situation — präzise arbeiten kann.
- Coaching-Haltung und professionelles Profil als Coach entwickeln
- Auftragsklärung und Gesprächsführung in Coachingprozessen
- Methoden- und Werkzeugkasten: Ressourcenaktivierung, Glaubenssatzarbeit, Musterunterbrechung
- Teamcoaching: Besonderheiten und Interventionslogik
- Unterscheidung von Coaching, Beratung, Mentoring und Supervision
- QRC-Zertifizierung des Qualitätsrings Coaching & Beratung e.V.
Modul: Systemisches Coaching Auf dem Coach-Grundlagenwissen aufbauend, vertieft dieses Modul den systemischen Ansatz in seiner theoretischen Fundierung. Systemtheorie, Konstruktivismus und die daraus abgeleiteten Fragetechniken werden auf Coaching-Kontexte angewendet.
- Systemtheorie und Konstruktivismus als erkenntnistheoretische Basis
- Systemische Fragetechniken: zirkuläre Fragen, Hypothesenbildung, Skalierung
- Lösungsorientiertes Coaching nach Steve de Shazer
- Systemische Aufstellungsarbeit: Grundlagen und Anwendungsgrenzen
- Visualisierung von Systemen und Kommunikationsmustern
- Systemische Diagnose auf Teamebene
Modul: Changemanagement Change-Prozesse scheitern häufig nicht an Konzepten, sondern daran, dass ihre systemische Dimension unterschätzt wird. Dieses Modul vermittelt, wie Veränderungsprozesse aus systemischer Perspektive gestaltet werden — mit besonderem Fokus auf Kommunikation, Beteiligung und das Verständnis von Widerstand als Information.
- Systemisches Verständnis von Wandel und Veränderungslogiken
- Phasenmodelle des Change-Managements und ihre Grenzen
- Kommunikationsarchitektur in Veränderungsprozessen
- Stakeholder-Management: Wer muss wann wie eingebunden werden?
- Widerstand in Change-Projekten: systemische Deutungen und Interventionen
- Evaluation und Nachhaltigkeit von Veränderungsmaßnahmen
Modul: Train the Trainer Wer systemische Organisationsentwicklung in Unternehmen verankert, muss oft auch andere qualifizieren: interne Multiplikatoren schulen, Workshops leiten und Methodenwissen strukturiert weitergeben. Das Train-the-Trainer-Modul vermittelt das didaktische Fundament für wirksames Trainieren.
- Lerntheorien im Unternehmenskontext: Wie lernen Erwachsene?
- Trainingsdesign: Von der Bedarfsanalyse bis zur Evaluation
- Facilitation-Methoden für Präsenz- und Online-Formate
- Umgang mit schwierigen Lernsituationen und heterogenen Gruppen
- Feedback geben und Lernprozesse begleiten
- Transfer von Lerninhalten in den Arbeitsalltag sichern
Modul: Leadership Führungskräfte sind in Organisationsentwicklungsprozessen immer sowohl Akteure als auch Teil des Systems, das sich entwickeln soll. Dieses Modul beleuchtet Führung aus systemischer Sicht und hilft Teilnehmenden, ihre Führungsrolle oder die Arbeit mit Führungskräften systemisch zu verstehen.
- Leadership als systemische Funktion: Führung schafft Kontext
- Führungsstile und ihre systemische Wirkung auf Teams und Kultur
- Psychologische Sicherheit als Führungsaufgabe
- Umgang mit Macht und Autorität in systemischen Veränderungsprozessen
- Selbstführung und Führungsidentität unter systemischer Perspektive
- Coaching von Führungskräften in Transformationssituationen
Modul: Agiles Management Systemische Organisationsentwicklung und agile Management-Prinzipien teilen viele Grundannahmen — Selbstorganisation, Emergenz, Iteration. Dieses Modul stellt die Brücke her und zeigt, wie agile Management-Prinzipien in systemisch gestalteten OE-Prozessen eingebettet werden können. EXIN bietet mit seiner Agile-Scrum-Zertifizierungsreihe (EXIN Agile Scrum Foundation, Master, Product Owner) einen international anerkannten Rahmen, der im Rahmen dieses Programms erworben werden kann.
- Agile Grundwerte und Prinzipien aus systemischer Perspektive
- Scrum, Kanban und OKRs als Managementwerkzeuge in OE-Prozessen
- Agile Führungsmodelle: Servant Leadership, Lateral Leadership
- Skalierung agiler Arbeitsweisen in mittleren und großen Organisationen
- Spannungsfelder zwischen klassischer und agiler Aufbauorganisation
- Systemische Diagnose in agilen Transformationskontexten
Lernziele:
- Sie verstehen Organisationen aus systemischer Perspektive und können systemische Dynamiken in realen Organisationskontexten erkennen.
- Sie kennen die theoretischen Grundlagen der systemischen OE — von der Systemtheorie über das humanistische Menschenbild bis zu Erkenntnissen der Sozialkybernetik.
- Sie begleiten Change-Prozesse methodisch strukturiert und können auf unterschiedliche Phasen und Widerstände situationsgerecht reagieren.
- Sie coachen Einzelpersonen, Teams und Führungskräfte mit systemischen Methoden.
- Sie verstehen Leadership als systemische Funktion und können Führungsverhalten auf seine systemische Wirkung hin einschätzen.
- Sie kennen agile Management-Prinzipien und können diese mit systemischen OE-Methoden verbinden.
- Sie sind als Trainerin oder Trainer qualifiziert und können methodisches Wissen strukturiert weitergeben.
- Sie können systemische Diagnosetools auf Organisationen anwenden und Entwicklungsbedarfe identifizieren.
- Sie gestalten Veränderungsprozesse kommunikationsorientiert und können Stakeholder unterschiedlicher Hierarchieebenen einbinden.
- Sie kennen die Grenzen systemischer Methoden und können einschätzen, wann andere Ansätze sinnvoller sind.
- Sie verstehen Teamprozesse auf systemischer Ebene und können Teamdynamiken methodisch gestalten.
- Sie sind in der Lage, als interne oder externe Beratungsfachkraft systemisch zu arbeiten.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Personen, die als interne oder externe Berater, Coaches oder Führungskräfte Organisationen auf systemischer Grundlage entwickeln wollen.
- Personalmanagerinnen und Personalmanager, die Organisationsentwicklung strategisch verantworten
- Projektmanagerinnen und Projektmanager in Transformationsprojekten
- Menschen in Führungspositionen, die ihr Führungsverständnis systemisch fundieren wollen
- Personalentwicklerinnen und Personalentwickler mit Interesse an ganzheitlichen OE-Methoden
- Coaches, die ihre Arbeit auf Organisationsebene ausdehnen möchten
- Nachwuchskräfte mit Interesse an OE und systemischem Denken
Der Einstieg setzt sehr gute Deutschkenntnisse (mindestens ein gutes B2-Niveau) und Berufserfahrung voraus. Systemische Organisationsentwicklung ist ein anspruchsvolles Feld, das von der Berücksichtigung eigener Erfahrungen lebt — ein beruflicher Hintergrund ist daher inhaltlich wertvoll, nicht nur formal. Für einzelne Module (insbesondere Systemisches Coaching) ist die vorherige Belegung des Coach-Grundlagenmoduls empfehlenswert.
Ablauf & Abschluss
Das Programm findet im Hybrid-Learning-Format statt — Präsenz- und Live-Online-Elemente wechseln sich ab, abhängig von Modul und Standort. Die inhaltliche Tiefe systemischer Methoden erfordert Erfahrungslernen: Übungen, Fallarbeit, Aufstellungen und Gruppenreflexionen sind integrale Bestandteile, nicht optionale Ergänzungen. Das Format ist Vollzeit und richtet sich an Personen, die den intensiven Fokus suchen, um in kurzer Zeit breite Kompetenz aufzubauen.
Das vollständige Programm erstreckt sich über mehr als drei bis sechs Monate. Jedes Modul umfasst circa 20 Tage. Die Module können zeitlich gestaffelt oder in Kombination absolviert werden. Die individuelle Modulauswahl beeinflusst die Gesamtdauer.
Teilnehmende erwerben je nach belegten Modulen mehrere anerkannte Zertifikate: das QRC-Zertifikat des Qualitätsrings Coaching & Beratung e.V., das EXIN-Zertifikat als Scrum Master und Product Owner sowie das GPM/IPMA-Zertifikat im Projektmanagement. Der Gesamtabschluss lautet „Systemische/r Organisationsentwickler/in". Die externen Zertifizierungen kommen von EXIN, GPM/IPMA und dem Qualitätsring Coaching & Beratung e.V. als unabhängigen Fachverbänden.
Nutzen & Perspektiven
Systemische Organisationsentwicklung ist kein Nischenthema mehr. In einer Unternehmenslandschaft, die von technologischen Brüchen, demografischem Wandel und struktureller Unsicherheit geprägt ist, brauchen Organisationen Menschen, die Komplexität aushalten und Veränderung aktiv gestalten können — ohne naive Vereinfachung, ohne eindimensionale Lösungen. Wer systemisch denkt, versteht, warum Restrukturierungsprojekte scheitern, warum Kulturprogramme nicht wirken und warum Widerstände gegen Wandel oft das Klügste sind, was ein System tun kann. Dieses Programm vermittelt keine Tool-Box, die man in jede Situation hineinträgt. Es vermittelt eine Denk- und Handlungslogik, die auf unterschiedlichen Ebenen wirksam ist: im Einzelgespräch ebenso wie in der Organisationsanalyse, in der Team-Retrospektive ebenso wie in der strategischen Change-Kommunikation. Die Kombination aus systemischem Coaching, Change-Management, Trainerkompetenz, Leadership und agilen Management-Prinzipien schafft ein ungewöhnlich breites Profil. Die externen Zertifizierungen — EXIN Scrum Master & Product Owner, GPM/IPMA im Projektmanagement und QRC — machen die erworbenen Kompetenzen für Arbeitgeber und Klientinnen und Klienten sichtbar und anschlussfähig. Die Weiterbildung ist über Bildungsgutschein sowie im Rahmen des Qualifizierungschancengesetzes förderungsfähig — ein relevanter Faktor für Personen in beruflichen Neuorientierungsphasen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist systemische Organisationsentwicklung?
Systemische OE betrachtet Organisationen als komplexe soziale Systeme und nutzt Kommunikation und Beziehungsqualität als zentrale Steuerungshebel für nachhaltige Veränderung. Im Unterschied zu rein strukturellen Ansätzen setzt systemische OE auf die Selbstorganisationsfähigkeit von Menschen und Teams.
Welche Zertifikate kann ich in diesem Programm erwerben?
Je nach belegten Modulen können Sie das QRC-Zertifikat des Qualitätsrings Coaching & Beratung e.V., das EXIN Scrum-Zertifikat (Scrum Master und Product Owner) sowie das GPM/IPMA-Zertifikat im Projektmanagement erwerben. Der Gesamtabschluss lautet Systemische/r Organisationsentwickler/in.
Muss ich alle Module belegen?
Nein, die Module können individuell kombiniert werden. Für ein vollständiges Bild systemischer Organisationsentwicklung empfiehlt sich jedoch die Kombination aller Bausteine, da sie aufeinander aufbauen und sich thematisch ergänzen.
Ist EXIN ein anerkannter Zertifizierungsgeber für Scrum?
Ja. EXIN ist neben Scrum.org, Scrum Alliance und anderen ein international anerkannter Zertifizierungsgeber, der eigene Agile-Scrum-Zertifikate (Foundation, Master, Product Owner) ausstellt. Das EXIN-Zertifikat ist am Markt etabliert und für Arbeitgeber transparent verständlich.
Welche Vorkenntnisse werden erwartet?
Der Einstieg setzt sehr gute Deutschkenntnisse (mindestens B2) und Berufserfahrung voraus. Für das Systemisches-Coaching-Modul ist eine abgeschlossene Coaching-Grundausbildung empfehlenswert. Der systemische Ansatz lebt davon, eigene berufliche Erfahrungen in den Lernprozess einzubringen.
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