Überblick
Systemisches Coaching ist keine bloße Methodensammlung — es ist eine grundlegend andere Art, Menschen und ihre Situationen zu betrachten. Wer systemisch arbeitet, fragt nicht nach dem „Problem" und seiner Ursache, sondern nach Mustern, Beziehungen und den Kontexten, in denen ein Verhalten entsteht. Diese Perspektive hat ihre Wurzeln in der Systemtheorie und im Konstruktivismus, ist wissenschaftlich fundiert und in der Praxis außerordentlich wirkungsvoll. Dieser Aufbaukurs richtet sich ausschließlich an Personen, die bereits eine Coaching-Ausbildung absolviert haben und ihr Handwerkszeug durch den systemischen Ansatz vertiefen und erweitern möchten. Er unterscheidet sich damit deutlich von einem Einstiegskurs wie dem zertifizierten Coach: Während dort Coaching-Grundlagen aufgebaut werden, setzt dieser Kurs diese Kenntnisse voraus und führt sie auf systemisch-theoretischer Ebene weiter. Die Teilnehmerzahl ist auf 14 begrenzt.
Kursinhalte & Lernziele
Der Aufbaukurs baut systematisch auf bereits vorhandenen Coaching-Kompetenzen auf und strukturiert die Inhalte in vier inhaltliche Schwerpunkte. Systemtheorie und Konstruktivismus als Fundament Bevor Methoden erlernt werden, geht es um das grundlegende Verständnis systemischer Weltanschauung. Was bedeutet es, ein System zu betrachten? Warum interessiert sich systemisches Coaching nicht für Ursachen, sondern für Unterschiede und Beziehungen? Der Konstruktivismus liefert die erkenntnistheoretische Basis: Wirklichkeit wird nicht abgebildet, sondern konstruiert.
- Was systemisches Denken und Handeln bedeutet — Abgrenzung von linearer Kausalität
- Überblick über Systemtheorie: Luhmann, Bateson und die Kybernetik zweiter Ordnung
- Konstruktivismus in der Coaching-Praxis: Was heißt es, keine „Wahrheit" zu setzen?
- Systemisches Menschenbild: Autonomie, Komplexität, Nicht-Trivialität
- Übertragung systemischer Grundannahmen auf den Coachingprozess
- Abgrenzung systemischer Ansätze von psychodynamischen und behavioralen Methoden
Systemische Fragetechniken und lösungsorientiertes Coaching Das Kernhandwerkszeug systemischen Coachings liegt in der Frage, nicht in der Antwort. Systemische Fragetechniken eröffnen neue Perspektiven, unterbrechen festgefahrene Muster und regen Klientinnen und Klienten zur Selbstorganisation an. Der lösungsorientierte Ansatz nach Steve de Shazer ergänzt dies durch eine konsequente Orientierung an Ausnahmen und Ressourcen.
- Zirkuläre Fragen: Beziehungen und Perspektiven erkunden
- Hypothetische Fragen und die Wunderfrage nach de Shazer
- Skalierungsfragen als Navigationsinstrument im Prozess
- Reframing als sprachliche Intervention
- Lösungsorientiertes Coaching (Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer): Kernkonzepte
- Ressourcenorientierung: Suche nach Ausnahmen und Gelingendem
Systemische Aufstellung, Visualisierung und Biografie Systemisches Coaching hat ein reiches Repertoire an nicht-verbalen und körperbasierten Methoden entwickelt. Aufstellungsarbeit macht systemische Dynamiken sichtbar und erlebbar. Visualisierungstechniken helfen, die innere Komplexität einer Situation in ein konkretes Bild zu überführen. Biografiearbeit beleuchtet, welche systemischen Einflüsse aus der Lebensgeschichte die gegenwärtige Situation mitprägen.
- Systemische Aufstellung: Überblick, Grundelemente, Interventionsformen und Rahmenbedingungen
- Chancen und Grenzen der Aufstellungsarbeit im Coaching-Kontext
- Visualisierung von Systemen: Skulpturen, Genogrammarbeit, Raumaufstellungen
- Kommunikationsformen nach Virginia Satir: Leveler, Plakativer, Ablenker, Rationalist
- Hypothesenbildung im systemischen Coaching
- Biografiearbeit: Vergangenheit als System — nicht als Erklärung, sondern als Kontext
Systemische Organisationsberatung, Tetralemma und Selbsterfahrung Der abschließende Block weitet den Blick vom Individuum auf die Organisation und schließt den Bogen zur eigenen Person als systemischem Coach. Gerade die Unterscheidung zwischen individuellem Coaching und organisationalem Coaching — also der Arbeit mit Teams, Abteilungen und Systemen jenseits der Einzelperson — ist ein wesentlicher Kompetenzgewinn dieses Moduls.
- Systemische Organisationsberatung: Unterschiede zu individuellem Coaching
- Tetralemma als Methode bei komplexen Entscheidungssituationen
- Persönliche Entwicklung und methodische Selbstreflexion als systemischer Coach (inhaltliche Arbeit, keine allgemeine Prüfungsvorbereitung)
- Transferreflexion: Welche systemischen Interventionen passen zu meiner Coaching-Praxis?
- Umgang mit Grenzsituationen und ethischen Fragen im systemischen Coaching
- Fallarbeit: Anwendung systemischer Werkzeuge auf reale Coachingfälle
Lernziele:
- Sie verstehen die zentralen Grundannahmen systemischen Denkens und können diese in Ihrer Coachingpraxis verankern.
- Sie kennen die wichtigsten Systemtheorien und die Grundzüge des Konstruktivismus und können sie auf Coachingsituationen anwenden.
- Sie beherrschen systemische Fragetechniken — von zirkulären Fragen über Skalierungsfragen bis hin zu hypothetischen Fragen — und setzen sie gezielt ein.
- Sie kennen den lösungsorientierten Ansatz nach Steve de Shazer und können Kurzzeitinterventionen strukturieren.
- Sie arbeiten ressourcenorientiert und können Klientinnen und Klienten auf vorhandene Stärken und Lösungskompetenzen fokussieren.
- Sie kennen Kommunikationsformen nach Virginia Satir und können Kommunikationsmuster im Coaching diagnostisch nutzen.
- Sie führen systemische Aufstellungsarbeit auf Grundlagenniveau durch und kennen deren Chancen und Grenzen.
- Sie können Systeme visualisieren und damit Komplexität für Klientinnen und Klienten handhabbar machen.
- Sie beherrschen Hypothesenbildung als systemische Arbeitsweise und nutzen sie zur Gesprächsstrukturierung.
- Sie kennen die Grundlagen systemischer Organisationsberatung und können zwischen individuellem und organisationalem Coaching unterscheiden.
- Sie haben das Tetralemma als Entscheidungs- und Reflexionsinstrument kennengelernt.
- Sie haben Ihre persönliche Entwicklung als systemischer Coach durch angeleitete Selbsterfahrung reflektiert.
Zielgruppe & Voraussetzungen
Dieser Aufbaukurs richtet sich an Coaches, die ihre bestehenden Kompetenzen um den systemischen Ansatz ergänzen möchten. Er ist keine Grundausbildung.
- Coaches mit abgeschlossener Coaching-Ausbildung, die ihren Methodenkoffer systematisch erweitern wollen
- Personalentwicklerinnen und Personalentwickler, die systemisches Denken in ihre Beratungsarbeit integrieren möchten
- Unternehmensberaterinnen und -berater, die Change-Prozesse systemisch begleiten
- Führungskräfte mit Coaching-Vorerfahrung, die einen wissenschaftlich fundierten Ansatz suchen
- Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter und Fachkräfte aus sozialen Berufen, die systemisch qualifiziert arbeiten möchten
Der Zugang zu diesem Kurs setzt abgeschlossene Coaching-Vorkenntnisse bzw. eine Coaching-Zertifizierung voraus. Ohne Grundlagenwissen im Coaching werden die Inhalte nicht in angemessener Tiefe zugänglich sein. Zusätzlich sind sehr gute Deutschkenntnisse ab einem guten B2-Niveau erforderlich. Der systemische Ansatz arbeitet wesentlich mit Sprache — feinen sprachlichen Unterschieden, mehrdeutigen Formulierungen und dem Potenzial, das in einer präzisen Frage liegt. Diese Feinheiten setzen Sprachsicherheit voraus.
Ablauf & Abschluss
Der Kurs findet im Hybrid-Learning-Format statt und verbindet Live-Lehrphasen — ob Präsenz oder Videokonferenz — mit angeleiteter Praxis und Selbsterfahrung. Das Lernen systemischer Methoden geschieht nicht primär durch Zuhören, sondern durch Erleben: Übungen in Kleingruppen, geführte Aufstellungen, Fallarbeit mit Feedback. Die begrenzte Teilnehmerzahl von 14 Personen schafft den nötigen Raum für diesen erfahrungsbasierten Prozess. Das Vollzeitformat ermöglicht Immersion und eine Kontinuität im Lernprozess, die für das Erlernen systemischer Haltung wesentlich ist.
Der Kurs erstreckt sich über mehr als eine Woche bis zu einem Monat und wird in Vollzeit durchgeführt. Die Dauer ist auf die Tiefe der Inhalte abgestimmt: Systemisches Denken ist keine Technik, die sich in Stunden aneignen lässt — es erfordert Zeit für Übung, Reflexion und Integration.
Teilnehmende erhalten das BTA-Zertifikat „Systemisches Coaching" mit Angabe der Lehrgangsinhalte. Es handelt sich um ein trägerinternes Zertifikat, das die erworbenen Kompetenzen transparent dokumentiert. Eine Prüfung im formalen Sinne findet nicht statt; die Zertifizierung basiert auf aktiver Teilnahme und Fallarbeit.
Nutzen & Perspektiven
Systemisches Coaching hat in den vergangenen Jahrzehnten eine starke empirische Basis entwickelt und gilt heute als einer der wirksamsten Ansätze zur Begleitung von Veränderungsprozessen bei Individuen und in Organisationen. Wer systemisch coacht, arbeitet nicht mit Ratschlägen oder Expertenmeinungen, sondern aktiviert die Selbstorganisationsfähigkeit von Klientinnen und Klienten. Das ist in der Praxis oft schneller wirksam als andere Ansätze — und hinterlässt nachhaltigere Wirkung. Für Coaches, die bereits eine Grundausbildung haben, öffnet dieser Kurs eine neue Ebene der Professionalität. Die systemischen Fragetechniken, insbesondere die zirkuläre Frage und die Skalierungsfrage, lassen sich unmittelbar in bestehende Coachingprozesse integrieren. Das Verständnis von Konstruktivismus verändert die eigene Haltung: weniger Bewertung, mehr Neugier, weniger Ratschlag, mehr Frage. Wer bereits als zertifizierter Coach arbeitet, wird durch den systemischen Ansatz nicht neu aufgestellt, sondern in der eigenen Praxis substanziell erweitert. Die erworbenen Kompetenzen sind nicht auf Coaching beschränkt: Systemisches Denken ist in der Organisationsberatung, in der Personalentwicklung und in jeder Form von Gesprächsführung mit komplexen Themen wertvoll. Mit dem BTA-Zertifikat können Teilnehmende diesen Kompetenzerwerb gegenüber Klientinnen und Klienten, Arbeitgebern und im eigenen Portfolio sichtbar machen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Für wen ist dieser Kurs geeignet?
Der Kurs ist ein Aufbaukurs und richtet sich ausschließlich an Personen mit abgeschlossener Coaching-Ausbildung. Wer noch keine Coaching-Grundlage mitbringt, sollte zunächst einen Coach-Grundlagenausbildung absolvieren.
Was unterscheidet systemisches Coaching von anderen Coaching-Ansätzen?
Systemisches Coaching arbeitet nicht mit linearer Ursache-Wirkung-Logik, sondern untersucht Muster, Beziehungen und Kontexte. Statt Ratschläge zu geben, aktiviert der systemische Coach die Selbstorganisationsfähigkeit von Klientinnen und Klienten — durch gezielte Fragen, Aufstellungsarbeit und Perspektivwechsel.
Welches Zertifikat erhalte ich nach dem Kurs?
Sie erhalten das BTA-Zertifikat „Systemisches Coaching" mit Angabe der Lehrgangsinhalte. Es handelt sich um ein trägerinternes Zertifikat, das auf aktiver Teilnahme und Fallarbeit basiert — kein formales Staatsexamen.
Wie viele Personen nehmen an dem Kurs teil?
Die Teilnehmerzahl ist auf 14 Personen begrenzt. Diese Beschränkung ist bewusst gesetzt, da systemische Methoden in kleinen Gruppen erfahrungsbasiert gelernt werden — Aufstellungsarbeit und Fallarbeit setzen Raum für jeden Einzelnen voraus.
Kann ich systemisches Coaching auch in der Organisationsberatung einsetzen?
Ja. Der Kurs vermittelt im letzten Modul auch die Grundlagen systemischer Organisationsberatung und zeigt, wie der Ansatz auf Teams und Organisationen ausgedehnt werden kann. Das ist ein wichtiger Unterschied zum rein individuellen Coaching.
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