Überblick
Product Owner stehen regelmäßig vor der Situation, über Designentscheidungen urteilen zu müssen, ohne selbst eine fundierte Design-Ausbildung zu haben. Sie bewerten Wireframes, geben Feedback auf Prototypen, priorisieren UX-Stories und sprechen täglich mit UX/UI-Designern — aber oft fehlt das Vokabular und das methodische Verständnis, um diese Gespräche auf Augenhöhe zu führen. Genau hier setzt diese Weiterbildung an: Sie vermittelt Product Ownern das notwendige UX/UI-Grundverständnis, um Designentscheidungen nicht nur zu verstehen, sondern fundiert mitzugestalten und nutzerzentriertes Denken als strategischen Produkthebel einzusetzen. Dabei ist der Kurs explizit für Menschen ohne tiefe Designvorkenntnisse konzipiert.
Kursinhalte & Lernziele
Der erste Themenblock legt die konzeptionellen Grundlagen. Teilnehmende verstehen den Unterschied zwischen User Experience — dem ganzheitlichen Erleben eines Produkts — und User Interface — der konkreten Gestaltung von Oberflächen und Interaktionselementen. Sie lernen, welche Rolle UX-Forschung, Interaction Design und Visual Design im Produktentwicklungsprozess spielen und wie diese Disziplinen miteinander verknüpft sind.
- Definitionen und Abgrenzungen: UX, UI, Interaction Design, Service Design
- User-Centered Design als Grundprinzip moderner Produktentwicklung
- Psychologische Grundlagen der Wahrnehmung und Interaktion
- Design Thinking als Prozessrahmen für nutzerzentrierte Innovation
- Übersicht über gängige UX/UI-Methoden und wann sie eingesetzt werden
Der zweite Themenblock behandelt die Analyse und Bewertung von Design-Artefakten. Product Owner müssen in der Lage sein, Wireframes, Mockups und Prototypen nicht nur anzusehen, sondern deren Qualität einzuschätzen. Dieser Block vermittelt die dafür notwendigen Kriterien und Bewertungsmaßstäbe.
- Wireframes: Zweck, Typen (Low-Fidelity bis High-Fidelity) und typische Schwächen erkennen
- Mockups und Screen Designs: visuelle Hierarchie, Konsistenz, Zugänglichkeit bewerten
- Prototypen-Typen: klickbare Prototypen, animierte Demos, Figma-Prototypen
- Feedback-Methoden: konstruktive Kritik am Design formulieren ohne Micromanagement
- Usability-Heuristiken nach Nielsen als Bewertungsrahmen
Der dritte Themenblock behandelt User Research und Testing. Um nutzerzentrierte Produktentscheidungen zu treffen, brauchen Product Owner ein Grundverständnis dafür, wie Nutzerforschung funktioniert — was qualitative Interviews leisten, wann quantitative Umfragen sinnvoll sind und wie Usability-Tests Designprobleme sichtbar machen.
- Forschungsmethoden im Überblick: Interviews, Umfragen, Beobachtung, Card Sorting
- Usability-Tests: Planung, Durchführung und Interpretation der Ergebnisse
- Nutzersegmentierung und Personas als Entscheidungsgrundlage
- Jobs-to-be-Done als alternatives Rahmenwerk für Nutzerbedürfnisse
- Synthesis-Methoden: Affinity Mapping, Erkenntnisse in Anforderungen überführen
Der vierte Themenblock widmet sich KI-Tools und der Integration von Design in agile Prozesse. KI-gestütztes Prototyping und automatisierte Nutzertests verändern die Arbeitsweise von Design- und Produktteams. Product Owner, die verstehen, welche Möglichkeiten diese Tools bieten, können fundierte Entscheidungen über deren Einsatz treffen.
- KI-Tools für UX/UI Design: Figma AI, generative Prototyping-Tools, automatisierte Nutzertests
- UX/UI-Stories im agilen Prozess: wie Design-Arbeit in Sprints eingebettet wird
- Definition of Done aus UX-Perspektive
- Handoff zwischen Design und Entwicklung: was Product Owner wissen müssen
Übungsaufgaben begleiten alle vier Module und ermöglichen den direkten Transfer in die Produktarbeit. Die Teilnehmenden erarbeiten eigene Bewertungsraster, führen Mini-Usability-Tests durch und üben die Kommunikation über Design in simulierten Team-Settings.
- Wireframe-Analyse: Qualitätsbewertung nach vorgegebenen Kriterien
- Design-Feedback formulieren: Peer-Übung zu konstruktiver Kritik
- Persona entwickeln: Nutzergruppe für ein fiktives Produkt definieren
- User Journey Map erstellen und Schmerzpunkte identifizieren
- Figma-Einstieg: Prototypen navigieren und annotieren
- Usability-Test beobachten und Protokoll führen
- Backlog-Priorisierung aus UX-Perspektive: drei Szenarien durchspielen
- KI-Tool ausprobieren: Prototyp mit KI-Unterstützung erstellen
- Stakeholder-Präsentation: Design-Entscheidung vor fiktivem Steuerkreis vertreten
- Definition-of-Done-Kriterien für UX entwickeln
- Kollaborations-Übung: Sprint-Planung mit Designteam simulieren
- Abschlussprojekt: UX/UI-Review für ein selbst gewähltes digitales Produkt
Die Lerneinheiten im virtuellen Klassenzimmer wechseln zwischen theoretischer Einführung, Tool-Demos und praktischen Gruppenaufgaben. Da der Kurs für Teilnehmende ohne Designhintergrund konzipiert ist, werden alle Methoden schrittweise eingeführt und direkt an realen Produktbeispielen illustriert.
Lernziele:
- UX und UI als eigenständige Disziplinen verstehen und deren Zusammenspiel im Produktteam kennen
- Nutzerzentriertes Design und Design Thinking in die eigene Produktarbeit integrieren
- Wireframes, Mockups und Prototypen kompetent lesen und qualifiziertes Feedback geben
- Usability-Tests und User-Research-Methoden verstehen und einfordern können
- Design Systeme und UI-Komponenten einordnen und deren Bedeutung für Produktentscheidungen kennen
- KI-Tools für Prototyping und automatisierte Nutzertests einsetzen
- UX/UI-Designentscheidungen in agile Entwicklungsprozesse integrieren
- Mit UX/UI-Designer:innen effektiv und partnerschaftlich zusammenarbeiten
- Design-Entscheidungen überzeugend für Stakeholder kommunizieren
- Nutzerzufriedenheit als strategischen Erfolgsfaktor in der Produktentwicklung verankern
- Prioritäten im Backlog aus einer nutzerzentrierten Perspektive setzen
- Qualitätskriterien für UX/UI-Lieferergebnisse als Product Owner formulieren
Zielgruppe & Voraussetzungen
Der Kurs richtet sich primär an Product Owner und Product Manager, die in ihrer täglichen Arbeit eng mit UX/UI-Designteams zusammenarbeiten oder dies künftig verstärkt tun werden. Auch Personen, die in Richtung Product Management wechseln möchten und sich methodisch fundieren wollen, sind hier richtig.
- Product Owner in agilen Produktteams
- Product Manager mit Schnittstelle zu Designteams
- Scrum Master und Agile Coaches mit Produktverantwortung
- Projektleiter:innen, die digitale Produkte verantworten
- Quereinsteiger:innen mit Interesse an nutzerzentrierter Produktentwicklung
Grundkenntnisse in digitalen Tools sowie Deutschkenntnisse auf B2-Niveau werden vorausgesetzt. Kenntnisse in Product-Management- oder Product-Owner-Methoden sind hilfreich, aber keine Pflicht. Designerfahrung ist ausdrücklich nicht erforderlich — der Kurs ist so aufgebaut, dass alle Teilnehmenden unabhängig von ihrem Designhintergrund vollständig teilnehmen können.
Ablauf & Abschluss
Der Unterricht findet im virtuellen Klassenzimmer statt, überwiegend in Vollzeit, teils auch in Teilzeit. Live-Sessions mit Trainer:innen wechseln sich mit selbstständigen Übungseinheiten ab. Besonderes Gewicht liegt auf Rollenspielen und simulierten Team-Situationen, die die Kommunikationsdynamik zwischen Product Owner und Designteam trainieren. Figma, Miro, Maze und Notion sind die zentralen Arbeitswerkzeuge; auch KI-Tools wie ChatGPT werden praktisch eingesetzt.
Die Weiterbildung ist auf einen bis drei Monate ausgelegt. Im Vollzeitformat ist der Stoff in vier bis sechs Wochen intensiver Kursarbeit bearbeitbar; im Teilzeitformat verteilt sich der Inhalt entsprechend länger. Eigenständige Übungszeiten zwischen den Live-Sessions sind für den Lernerfolg empfohlen.
Wer den Kurs erfolgreich abschließt, erhält ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „UX/UI Design für Product Owner". Dieses Zertifikat dient als Nachweis der erworbenen Schnittstellenkompetenz zwischen Produktmanagement und Design. Ein staatlich anerkannter Abschluss ist mit diesem Kurs nicht verbunden; ebenso wenig ein herstellerseitiges Designzertifikat.
Nutzen & Perspektiven
Product Owner, die UX/UI-Design verstehen, sind bessere Gesprächspartner für ihre Designteams. Sie können Feedback geben, das weiterbringt, statt auf Basis ästhetischer Vorlieben zu urteilen. Sie erkennen, wann ein Prototyp noch nicht nutzbar ist, wann User Research fehlt und wann ein Design System einem Feature-Request im Weg steht. Diese Kompetenz spart Zeit, verhindert Missverständnisse und führt zu besseren Produktergebnissen. Darüber hinaus stärkt das Kurs-Wissen die Position im Team: Wer als Product Owner Design-Argumente nachvollziehen und einordnen kann, wird von Designteams als wertvoller Partner wahrgenommen. Das verbessert die Zusammenarbeit, verringert Konflikte bei Priorisierungsentscheidungen und ermöglicht es, nutzerzentrierte Ansätze überzeugend nach oben zu vertreten. Schließlich profitieren auch die Nutzerinnen und Nutzer der Produkte: Product Owner, die nutzerzentriert denken und Designqualität einfordern können, tragen entscheidend dazu bei, dass digitale Produkte nicht nur technisch funktionieren, sondern sich für die Menschen, die sie täglich nutzen, gut anfühlen und intuitiv bedienbar sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Muss ich Designerfahrung mitbringen?
Nein. Der Kurs ist explizit für Menschen ohne Designhintergrund konzipiert. Alle Methoden und Begriffe werden von Grund auf eingeführt. Erfahrung in Product Management oder agiler Produktentwicklung ist hilfreich, aber ebenfalls keine Pflicht.
Lerne ich in diesem Kurs selbst zu designen?
Das primäre Ziel ist nicht, selbst zu gestalten, sondern Design zu verstehen und bewerten zu können. Sie lernen, mit Figma umzugehen, Prototypen zu lesen und Feedback zu geben — aber der Kurs macht Sie zum informierten Gesprächspartner für Designer, nicht zum Designer selbst.
Wie lange dauert der Kurs?
Im Vollzeitformat ist der Kurs auf einen bis drei Monate ausgelegt. Im Teilzeitformat verlängert sich die Laufzeit entsprechend. Die genaue Stundenzahl hängt vom jeweiligen Anbieter und Kursformat ab.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Nach Abschluss erhalten Sie ein trägerinternes Zertifikat mit dem Titel „UX/UI Design für Product Owner". Es handelt sich um kein staatlich anerkanntes oder herstellerseitiges Zertifikat, aber um einen validen Nachweis der erworbenen Schnittstellenkompetenz.
Kann der Kurs gefördert werden?
Der Kurs kann grundsätzlich über Förderinstrumente wie den Bildungsgutschein finanziert werden, sofern die persönlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Die Fördermöglichkeit sollte im Vorfeld mit der zuständigen Stelle — etwa der Agentur für Arbeit — geklärt werden.
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