Überblick
Das Arbeitsrecht bildet das rechtliche Fundament jedes Beschäftigungsverhältnisses — und ist zugleich eines der dynamischsten Rechtsgebiete im deutschen Unternehmensalltag. Urteile des Bundesarbeitsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs verändern regelmäßig die Spielregeln zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Diese Weiterbildung im Bereich Personalmanagement vermittelt das nötige Handwerkszeug, um arbeitsrechtliche Situationen sicher zu beurteilen, Risiken frühzeitig zu erkennen und betriebliche Entscheidungen rechtlich fundiert zu treffen. Der Kurs behandelt das gesamte Spektrum des deutschen Arbeitsrechts: vom individuellen Arbeitsverhältnis über kollektivrechtliche Strukturen bis hin zu sozialversicherungsrechtlichen Grundlagen. Besonderes Gewicht liegt auf der Praxisnähe — Fallbeispiele aus dem betrieblichen Alltag zeigen, wie abstrakte Rechtsnormen konkrete Auswirkungen auf Personalentscheidungen haben.
Kursinhalte & Lernziele
Individualarbeitsrecht Das Individualarbeitsrecht regelt die Rechtsbeziehung zwischen einzelnem Arbeitgeber und einzelnem Arbeitnehmer — von der Vertragsanbahnung bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses. In diesem Modul werden alle relevanten Lebensphasen eines Arbeitsverhältnisses durchleuchtet.
- Zustandekommen und inhaltliche Gestaltung von Arbeitsverträgen
- Probezeitregelungen und deren rechtliche Grenzen
- Weisungsrecht des Arbeitgebers und seine Schranken
- Verhaltens- und leistungsbezogene Abmahnungen
- Ordentliche und außerordentliche Kündigung — Voraussetzungen und Fristen
- Massenentlassungen und betriebsbedingte Kündigung nach dem KSchG
- Aufhebungsverträge und Abwicklungsvereinbarungen
Kollektives Arbeitsrecht und Betriebsverfassung Das kollektive Arbeitsrecht strukturiert die Beziehungen zwischen organisierten Arbeitnehmergruppen, Gewerkschaften und der Arbeitgeberseite. Betriebsräte sind in vielen Personalentscheidungen zwingend zu beteiligen — wer die Mitbestimmungsrechte nicht kennt, riskiert Anfechtungen.
- Struktur und Aufgaben des Betriebsrats nach dem BetrVG
- Mitbestimmungs-, Mitwirkungs- und Informationsrechte im Überblick
- Betriebsvereinbarungen: Abschluss, Inhalt, Nachwirkung
- Gewerkschaftliche Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie
- Tarifverträge: Geltungsbereich, Günstigkeitsprinzip, Betriebsübergänge
- Arbeitskampfrecht und Grenzen des Streikrechts
Gleichstellungs-, Antidiskriminierungs- und Schutzrecht Dieses Modul befasst sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für ein faires und diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schafft klare Pflichten für Arbeitgeber — von der Stellenausschreibung bis zur Beförderungsentscheidung.
- Diskriminierungsmerkmale nach dem AGG und Beweislastverteilung
- Unmittelbare und mittelbare Diskriminierung im Beschäftigungsverhältnis
- Mutterschutz, Elternzeit und Pflegezeitgesetz
- Jugendarbeitsschutzgesetz: Arbeitszeiten, Ruhepausen, Beschäftigungsverbote
- Arbeitsschutzrecht: Gefährdungsbeurteilung, Unterweisungspflichten, Haftung
- Behindertenrecht und Schwerbehindertenvertretung im Betrieb
Rechtsquellen, Sozialversicherung und aktuelle Rechtsprechung Das Arbeitsrecht speist sich aus einem Geflecht von Gesetzen, Verordnungen, Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen und individualvertraglichen Regelungen. Die Hierarchie dieser Normen zu verstehen ist Voraussetzung für sachgerechte Entscheidungen. Ergänzend werden die Grundzüge des Sozialversicherungsrechts vermittelt sowie bedeutsame aktuelle Entscheidungen aus Karlsruhe und Luxemburg besprochen.
- Normenhierarchie im Arbeitsrecht: Gesetze, Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen, Arbeitsvertrag
- Günstigkeitsprinzip und Sperrwirkung von Normen
- Überblick über Kranken-, Renten-, Pflege-, Unfall- und Arbeitslosenversicherung
- Geringfügige Beschäftigung, Midijob und Sonderfälle der Beitragspflicht
- Berufsbildungsgesetz: Ausbildungsverhältnis, Pflichten, Prüfungen
- Aktuelle BAG-Urteile zu Arbeitszeit, Urlaub, Kündigung
- EuGH-Entscheidungen mit Relevanz für den deutschen Arbeitsmarkt
- Auswirkungen neuer Rechtsprechung auf betriebliche Standardprozesse
- Umgang mit Rechtsänderungen und Übergangsregelungen
- Praktische Fallstudien aus typischen HR-Situationen
- Erkennen von Haftungsrisiken und präventive Maßnahmen
- Dokumentationspflichten im Personalwesen
In diesem abschließenden Modul wird der Bogen von der abstrakten Rechtsquelle zur konkreten Handlungsempfehlung im HR-Alltag geschlossen. Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen verdeutlichen, wie Rechtsnormen im Tagesgeschäft wirksam werden. Jüngste Entwicklungen der Rechtsprechung — insbesondere zur Arbeitszeiterfassung, zu Urlaubsansprüchen bei Langzeiterkrankung und zu Kündigungsschutzregelungen bei Kleinbetrieben — zeigen, wie wichtig es ist, das eigene Wissen regelmäßig zu aktualisieren.
Lernziele:
- Aufbau und Systematik des deutschen Arbeitsrechts verstehen und in der Praxis anwenden
- Arbeitsverträge rechtssicher gestalten und typische Klauselrisiken erkennen
- Kündigungsarten unterscheiden und formale Anforderungen bei Beendigungen korrekt umsetzen
- Rechte und Pflichten des Betriebsrats einordnen und die Mitbestimmung praxisgerecht handhaben
- Tarifverträge im Verhältnis zu betrieblichen Vereinbarungen korrekt einordnen
- Gleichbehandlungsgebote und Antidiskriminierungsrecht im Personalwesen konsequent umsetzen
- Arbeitsschutzvorschriften und deren betriebliche Umsetzung kennen
- Spezielle Schutzregelungen für Jugendliche und besonders schutzbedürftige Beschäftigtengruppen anwenden
- Grundlagen des Berufsbildungsgesetzes für Ausbildungsbeziehungen beherrschen
- Sozialversicherungszweige und deren Bedeutung für Beschäftigungsverhältnisse einordnen
- Aktuelle BAG- und EuGH-Urteile in die betriebliche Praxis übersetzen
- Rechtsquellenhierarchie verstehen und bei Normkonflikten korrekt auflösen
Zielgruppe & Voraussetzungen
Diese Weiterbildung richtet sich an Berufstätige, die im Personalwesen tätig sind oder dort einsteigen wollen und ihre arbeitsrechtlichen Kenntnisse systematisch vertiefen möchten.
- Personalfachkräfte und Personalsachbearbeitende, die täglichen HR-Aufgaben rechtssicher gestalten wollen
- Personalreferentinnen und -referenten mit Interesse an fundierter Rechtskompetenz
- Führungskräfte, die personalrechtliche Entscheidungen eigenverantwortlich treffen
- Quereinsteiger aus kaufmännischen oder verwaltenden Berufen mit Ambitionen im HR-Bereich
- Betriebsratsmitglieder, die ihre Kenntnisse über Arbeitnehmerrechte systematisieren möchten
Eine abgeschlossene Berufsausbildung, ein Studium oder eine vergleichbare Qualifikation bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Teilnahme. Da der Kurs auf Deutsch gehalten wird und juristische Texte lesen und verstehen erfordert, sind gute Deutschkenntnisse in Wort und Schrift erforderlich. Grundlegende PC-Kenntnisse werden vorausgesetzt, um digitale Lernmaterialien und Online-Recherchewerkzeuge nutzen zu können.
Ablauf & Abschluss
Die Weiterbildung findet im Combined-Learning-Format statt und verbindet Präsenzphasen oder Videokonferenz-Einheiten mit eigenverantwortlichen Lernabschnitten. Rechtsfälle aus dem betrieblichen Alltag dienen als Ausgangspunkt für die Erarbeitung der Rechtsnormen — so wird abstraktes Gesetzesrecht unmittelbar auf typische HR-Situationen bezogen. Aktuelle Gerichtsurteile werden analysiert und in ihrer praktischen Bedeutung eingeordnet. Das Vollzeitformat ermöglicht eine intensive, zeitkomprimierte Wissensvermittlung.
Der Kurs wird in Vollzeit absolviert. Konkrete Wochen- oder Stundenzahlen richten sich nach der Maßnahmenplanung des jeweiligen Anbieters. 48 Angebote bundesweit stehen zur Verfügung; Start- und Endtermine variieren je nach Standort.
Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat unter dem Titel „Personalmanagement – Arbeitsrecht" ab. Dieses Zertifikat dokumentiert die erworbenen Kenntnisse gegenüber potenziellen Arbeitgebern und kann als Nachweis bei Förderverfahren eingereicht werden. Es handelt sich um ein anerkanntes Trägerzertifikat, nicht um einen staatlichen Abschluss oder eine Kammerprüfung.
Nutzen & Perspektiven
Wer im Personalwesen arbeitet, trifft täglich Entscheidungen mit rechtlichen Implikationen: eine Kündigung aussprechen, einen Betriebsrat informieren, eine Abmahnung dokumentieren oder einen Arbeitsvertrag aufsetzen. Rechtsunsicherheit in diesen Momenten ist teuer — sowohl finanziell als auch im Sinne von Vertrauensverlust gegenüber Mitarbeitenden. Diese Weiterbildung versetzt Fachkräfte in die Lage, solche Situationen eigenständig zu beurteilen und handlungssicher zu agieren, ohne bei jeder Frage externe Rechtsberatung hinzuzuziehen. Die Kombination aus systematischer Gesetzeskunde und praxisnaher Fallarbeit schafft echten Kompetenztransfer. Wer einmal verstanden hat, wie Individualarbeitsrecht, kollektive Mitbestimmung und Sozialversicherungsrecht zusammenwirken, kann neue Sachverhalte selbst einordnen — auch wenn sich die Rechtslage durch neue BAG- oder EuGH-Entscheidungen verändert. Diese Transferfähigkeit unterscheidet fundierte Rechtskenntnisse von bloßem Faktenwissen. Im HR-Alltag zeigt sich der Mehrwert vor allem dann, wenn komplexe Sachverhalte schnelle Entscheidungen erfordern: bei einem plötzlichen Krankheitsfall mit möglichem Entgeltfortzahlungsproblem, bei einer Betriebsratsanfrage zu einer geplanten Versetzung oder bei einer Frage zur Sozialversicherungspflicht einer neuen Beschäftigungsform. Wer das rechtliche Grundgerüst kennt, spart Zeit, schützt das Unternehmen und stärkt die eigene Position im Personalteam.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Welche rechtlichen Themen werden in dieser Weiterbildung abgedeckt?
Die Weiterbildung umfasst Individualarbeitsrecht (Vertragsgestaltung, Kündigung), kollektives Arbeitsrecht (Betriebsrat, Tarifverträge), Gleichstellungs- und Antidiskriminierungsrecht sowie Grundlagen der Sozialversicherung. Außerdem werden aktuelle Urteile des Bundesarbeitsgerichts und des Europäischen Gerichtshofs behandelt.
Ist Vorkenntnisse im Arbeitsrecht erforderlich?
Nein, der Kurs ist so konzipiert, dass er auch ohne juristische Vorerfahrung zugänglich ist. Eine abgeschlossene Berufsausbildung und gute Deutschkenntnisse genügen. Rechtliche Konzepte werden anhand von Praxisbeispielen erarbeitet.
Wie wird das Gelernte im Berufsalltag anwendbar?
Praxisfälle aus typischen HR-Situationen — Kündigung, Betriebsratsanhörung, Abmahnung, Sozialversicherungspflicht — stehen im Mittelpunkt jedes Moduls. Damit ist der Transfer in den eigenen Arbeitskontext direkt möglich.
Welchen Abschluss erhalte ich?
Die Weiterbildung schließt mit einem trägerinternen Zertifikat unter dem Titel „Personalmanagement – Arbeitsrecht" ab. Es handelt sich um ein anerkanntes Trägerzertifikat, das die erworbenen Kompetenzen dokumentiert.
Kann ich die Weiterbildung neben dem Beruf absolvieren?
Der Kurs ist auf Vollzeitbasis konzipiert. Wer ihn neben einer Beschäftigung absolvieren möchte, sollte dies vorab mit dem Anbieter und einem möglichen Förderträger besprechen.
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