Glossar

Transfergesellschaft

Befristete Auffanglösung bei Betriebsänderungen, in der Beschäftigte qualifiziert und vermittelt werden — finanziert über Transferkurzarbeitergeld.

Auf einen Blick (TL;DR / AEO)
Quelle: Kursweg Redaktion & SGB III Rechtsstand

Was ist Transfergesellschaft?

Befristete Auffanglösung bei Betriebsänderungen, in der Beschäftigte qualifiziert und vermittelt werden — finanziert über Transferkurzarbeitergeld.

  • Staatlich gefördertes Konzept im deutschen Weiterbildungsbereich (Transfergesellschaft).
  • Rechtskonform eingeordnet für SGB II und SGB III Antragssteller.
  • Geprüfte Definition durch die Kursweg Fachredaktion (Rechtsstand: 2026-07-29).

Transfergesellschaft – Ausführliche Erklärung

Bei größeren Betriebsänderungen können Beschäftigte in eine betriebsorganisatorisch eigenständige Einheit wechseln, umgangssprachlich Transfergesellschaft genannt. Statt direkt in die Arbeitslosigkeit zu gehen, bleiben sie befristet in einem Beschäftigungsverhältnis, erhalten Transferkurzarbeitergeld nach § 111 SGB III und werden in dieser Zeit qualifiziert und vermittelt. Ergänzend fördert § 110 SGB III Transfermaßnahmen wie Profiling, Bewerbungstraining und Qualifizierung. Der Wechsel erfolgt freiwillig über einen dreiseitigen Vertrag zwischen bisherigem Arbeitgeber, Beschäftigtem und Transfergesellschaft; er beendet das alte Arbeitsverhältnis. Genau darin liegt die Tragweite der Entscheidung: Die Weiterbildungszeit ist gewonnen, der bisherige Arbeitsplatz aber endgültig aufgegeben.

Die Zeit in der Transfergesellschaft nutzen

Der Aufenthalt ist befristet, und die Befristung ist der entscheidende Planungsrahmen. Eine mehrjährige Umschulung passt selten hinein; realistisch sind gezielte Qualifizierungen, Zertifikatslehrgänge und die Vorbereitung auf einen konkreten Wechsel.

Der Qualifizierungsanteil ist verhandelbar und wird im Sozialplan beziehungsweise in der Vereinbarung mit der Transfergesellschaft festgelegt. Wer früh weiß, welche Qualifikation er anstrebt, kann hier Einfluss nehmen — später ist der Rahmen gesetzt.

Parallel läuft die Vermittlung. Beides gleichzeitig zu betreiben ist anstrengend, aber der Sinn des Instruments: Die Zeit ist knapp und ohne Anschluss endet sie in der Arbeitslosigkeit.

Der dreiseitige Vertrag — was er beendet

Mit dem Wechsel endet das bisherige Arbeitsverhältnis. An seine Stelle tritt ein befristetes Verhältnis zur Transfergesellschaft — mit anderer Vergütung, anderem Kündigungsschutz und einer Laufzeit, die von vornherein feststeht.

Damit entfällt auch die Möglichkeit, gegen eine Kündigung vorzugehen. Wer Zweifel an der Wirksamkeit der Betriebsänderung hat, gibt diese Position mit der Unterschrift auf. Genau deshalb sollte die Prüfung vor und nicht nach der Unterzeichnung stattfinden.

Die Abfindungsregelungen im Sozialplan und die Konditionen der Transfergesellschaft sind zwei getrennte Punkte. Sie werden häufig zusammen präsentiert, folgen aber unterschiedlicher Logik und lassen sich getrennt bewerten.

Was sich in der Zeit erreichen lässt

Realistisch sind gezielte Qualifizierungen: Zertifikatslehrgänge, Software-Schulungen, Nachweise, die für einen Branchenwechsel fehlen. Mehrjährige Umschulungen passen dagegen selten in die Befristung.

Der Umfang der Qualifizierung wird vorab festgelegt — im Sozialplan oder in der Vereinbarung mit der Transfergesellschaft. Wer früh weiß, was er braucht, kann darauf Einfluss nehmen; später ist der Rahmen gesetzt.

Wichtig ist, die Zeit nicht verstreichen zu lassen. Die Befristung wirkt lang, solange sie beginnt, und kurz, sobald das letzte Quartal anbricht. Ein Plan mit Zwischenzielen ist hier nützlicher als jede Absichtserklärung.

Praxis-Beispiel

Nach der Schließung eines Standorts wechseln Beschäftigte in eine Transfergesellschaft, absolvieren dort eine mehrmonatige Qualifizierung und werden parallel auf neue Stellen vermittelt.

Häufige Fragen zu Transfergesellschaft

Muss ich in eine Transfergesellschaft wechseln?

Nein, der Wechsel ist freiwillig und erfolgt über einen dreiseitigen Vertrag. Er beendet allerdings Ihr bisheriges Arbeitsverhältnis — lassen Sie sich vorher beraten.

Kann ich in der Transfergesellschaft eine Umschulung machen?

Der Aufenthalt ist befristet, sodass mehrjährige Umschulungen meist nicht hineinpassen. Üblich sind gezielte Qualifizierungen und Zertifikatslehrgänge.

Rechtsstand und Quellen

Zuletzt geprüft am 29. Juli 2026 · Kursweg-Redaktion

Der Wechsel in eine Transfergesellschaft beendet das bisherige Arbeitsverhältnis und kann sich auf spätere Ansprüche auswirken. Lassen Sie den dreiseitigen Vertrag vor Unterzeichnung prüfen — etwa durch den Betriebsrat, die Gewerkschaft oder anwaltlichen Rat.

Die Angaben zu Transfergesellschaft dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Rechts-, Steuer- oder Förderberatung im Einzelfall. Alle Angaben ohne Gewähr. Über eine Förderung entscheidet ausschließlich die zuständige Stelle — in der Regel die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter — nach Prüfung Ihres konkreten Falls. Gesetzeslage, Beträge und Fristen ändern sich; maßgeblich ist stets die aktuell geltende Fassung.

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