Was sagen die OECD-Bildungsdaten 2026 über Berufsausbildung?
Berufliche Bildung führt in Deutschland weiterhin häufig in Beschäftigung: 89 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit beruflichem Abschluss im mittleren Qualifikationsbereich sind beschäftigt, ihre Erwerbslosenquote beträgt 3,4 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil junger Erwachsener mit beruflichem Abschluss als höchstem Abschluss von 51 Prozent im Jahr 2015 auf 38 Prozent im Jahr 2025 gesunken. Die Daten zeigen daher starke Arbeitsmarktchancen, aber auch eine Verschiebung der Bildungswege.
- 89 Prozent Beschäftigungsquote bei jungen Erwachsenen mit beruflichem Abschluss.
- 38 statt 51 Prozent haben einen beruflichen Abschluss als höchsten Abschluss.
- 41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen besitzen einen tertiären Abschluss.
- 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen sind weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung.
Die wichtigsten Deutschland-Zahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Deutschland | Einordnung |
|---|---|---|
| 25- bis 64-Jährige mit mindestens Sekundarstufe II | 86 Prozent | OECD-Durchschnitt: 82 Prozent |
| 25- bis 34-Jährige mit tertiärem Abschluss | 41 Prozent | Elf Prozentpunkte mehr als 2015; OECD-Durchschnitt: 47 Prozent |
| Beruflicher Abschluss als höchster Abschluss bei 25- bis 34-Jährigen | 38 Prozent | 2015 waren es 51 Prozent |
| Beschäftigte mit beruflichem Abschluss im mittleren Bereich | 89 Prozent | OECD-Durchschnitt der Vergleichsgruppe: 83 Prozent |
| 18- bis 24-Jährige weder in Arbeit noch Bildung oder Ausbildung | 11 Prozent | OECD-Durchschnitt: 13 Prozent; in Deutschland zwei Punkte mehr als 2015 |
Warum die 89 Prozent eine wichtige Nachricht sind
Junge Erwachsene mit beruflichem Abschluss stehen beim Zugang zu Beschäftigung in Deutschland sehr gut da. Ihre Beschäftigungsquote liegt sogar leicht über dem ausgewiesenen Wert für junge Erwachsene mit tertiärem Abschluss.
Das bedeutet nicht, dass beide Bildungswege in jeder Hinsicht gleich sind. Die Quote misst Beschäftigung, nicht Einkommen, Arbeitsqualität oder langfristige Aufstiegschancen. Sie widerlegt aber die pauschale Annahme, nur ein Hochschulstudium führe zuverlässig in den Arbeitsmarkt.
Für eine belastbare Entscheidung muss der konkrete Zielberuf hinzukommen: regionale Nachfrage, Ausbildungsqualität, Abschluss, tarifliche Bedingungen und spätere Weiterbildungsmöglichkeiten.
Der gegenläufige Trend: Berufliche Abschlüsse werden seltener
Der Anteil der 25- bis 34-Jährigen mit einem mittleren Abschluss als höchstem Bildungsabschluss sank von 58 Prozent im Jahr 2015 auf 45 Prozent im Jahr 2025. Zu diesem Bereich zählen berufliche Ausbildungen ebenso wie Abitur oder Fachhochschulreife, sofern kein höherer Abschluss hinzukommt.
Besonders stark ist die Veränderung bei beruflichen Abschlüssen: Ihr Anteil als höchster Abschluss ging von 51 auf 38 Prozent zurück. Gleichzeitig wuchs der Anteil tertiärer Abschlüsse. Darunter fallen nicht nur Hochschulabschlüsse, sondern auch höherqualifizierende berufliche Abschlüsse wie Meister, Bachelor Professional oder Master Professional.
Mehr tertiäre Abschlüsse – aber nicht nur durch Hochschulen
41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen verfügen inzwischen über einen tertiären Abschluss. Das sind elf Prozentpunkte mehr als 2015, aber noch weniger als der OECD-Durchschnitt von 47 Prozent.
Für die Bildungsentscheidung ist die Definition wichtig: Tertiär bedeutet nicht automatisch Studium. Auch ein Aufstiegsabschluss kann diesem Bereich zugeordnet werden. Die Wege Ausbildung, Berufspraxis und anschließende Höherqualifizierung bilden damit keinen Gegensatz zum höheren Bildungsabschluss.
Ausbildung und direkter Berufseinstieg
Starker Praxisbezug und frühe Berufserfahrung können einen schnellen Übergang in Beschäftigung ermöglichen.
Ausbildung plus Aufstiegsfortbildung
Meister, Fachwirt sowie Bachelor oder Master Professional verbinden Berufspraxis mit höherer Qualifikation.
Hochschulstudium
Für wissenschaftliche und reglementierte Berufe bleibt ein akademischer Abschluss oft der notwendige Weg.
Duale und hybride Wege
Duales Studium oder spätere Hochschulphasen können Praxis und akademische Qualifikation verbinden.
Deutschland bleibt stark in MINT
34 Prozent der tertiären Absolventinnen und Absolventen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland erworben haben, schließen ein MINT-Fach ab. Das ist nach den veröffentlichten Angaben der höchste Anteil im OECD-Vergleich. Bei internationalen Studierenden liegt der MINT-Anteil bei 51 Prozent und damit auf dem zweithöchsten Wert der betrachteten Länder.
Auch hier gilt: Ein hoher Anteil sagt noch nichts über die individuelle Passung. MINT umfasst sehr verschiedene Fachrichtungen und Berufswege. Entscheidend sind Interesse, Lernvoraussetzungen und die konkrete Nachfrage im Zielbereich.
Elf Prozent drohen am Übergang verloren zu gehen
11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen waren 2025 weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung. Der Wert liegt unter dem OECD-Durchschnitt von 13 Prozent, ist in Deutschland seit 2015 aber um zwei Prozentpunkte gestiegen.
Hinter dieser Gruppe stehen sehr unterschiedliche Situationen. Die Kennzahl allein erklärt nicht, ob gesundheitliche, familiäre, regionale oder qualifikatorische Hürden ausschlaggebend sind. Sie zeigt jedoch, dass starke Beschäftigungsquoten der Absolventinnen und Absolventen nicht automatisch alle jungen Menschen erreichen.
Was die Zahlen für eine Bildungsentscheidung bedeuten
| Frage | Was die OECD-Zahl sagt | Was zusätzlich geprüft werden muss |
|---|---|---|
| Ausbildung oder Studium? | Beide Wege können sehr gute Beschäftigungschancen bieten | Zielberuf, Zugang, Lernform, Kosten und gewünschter Arbeitsalltag |
| Lohnt sich eine Ausbildung noch? | Beruflich Qualifizierte erreichen eine hohe Beschäftigungsquote | Konkreter Beruf, Betrieb, Region und Entwicklungsmöglichkeiten |
| Ist ein höherer Abschluss nötig? | Tertiäre Abschlüsse nehmen zu | Ob der Zieljob Studium oder Aufstiegsfortbildung tatsächlich verlangt |
| Welcher MINT-Weg passt? | Deutschland hat einen hohen MINT-Anteil | Fachrichtung, Eignung, Praxisanteil und regionale Arbeitgeber |
Fazit: Starke Chancen, aber kein Grund zur Selbstzufriedenheit
Die OECD-Daten bestätigen die Stärke der beruflichen Bildung auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Eine Beschäftigungsquote von 89 Prozent ist ein deutliches Signal gegen die Abwertung der Ausbildung als zweite Wahl.
Gleichzeitig sinkt der Anteil beruflicher Abschlüsse bei jungen Erwachsenen, und der Anteil derjenigen außerhalb von Arbeit und Bildung ist gestiegen. Für Politik und Betriebe entsteht daraus ein doppelter Auftrag: Berufsausbildung attraktiv und stabil gestalten und Übergänge für jene verbessern, die derzeit keinen Anschluss finden. Wie unterschiedlich Ausbildungsbedingungen ausfallen können, zeigt die neue BIBB-Analyse zu 338 Ausbildungsberufen.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Beschäftigungsquote junger Menschen mit Berufsausbildung?
Nach den für Deutschland veröffentlichten OECD-Daten sind 89 Prozent der 25- bis 34-Jährigen mit beruflichem Abschluss im mittleren Qualifikationsbereich beschäftigt. Die Erwerbslosenquote dieser Gruppe liegt bei 3,4 Prozent.
Ist ein beruflicher Abschluss laut OECD schlechter als ein Hochschulabschluss?
Das lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Die Beschäftigungsquote der beruflich Qualifizierten liegt in der ausgewiesenen Gruppe bei 89 Prozent, für junge Erwachsene mit tertiärem Abschluss bei 88 Prozent. Einkommen, Berufsfeld und Karriereverlauf werden dadurch nicht gleichgesetzt.
Wie hat sich der Anteil beruflicher Abschlüsse verändert?
Bei den 25- bis 34-Jährigen sank der Anteil mit einem beruflichen Abschluss als höchstem Bildungsabschluss laut Ministeriumsangaben von 51 Prozent im Jahr 2015 auf 38 Prozent im Jahr 2025.
Wie viele junge Erwachsene haben einen tertiären Abschluss?
41 Prozent der 25- bis 34-Jährigen in Deutschland verfügen über einen tertiären Abschluss, also etwa einen Hochschulabschluss oder einen höherqualifizierenden beruflichen Abschluss. Das sind elf Prozentpunkte mehr als 2015; der OECD-Durchschnitt liegt bei 47 Prozent.
Was bedeutet NEET?
NEET steht für junge Menschen, die weder beschäftigt noch in Bildung oder Ausbildung sind. In Deutschland betraf das 2025 laut OECD-Daten 11 Prozent der 18- bis 24-Jährigen, zwei Prozentpunkte mehr als 2015, aber weniger als der OECD-Durchschnitt von 13 Prozent.
Beweist die Beschäftigungsquote, dass jede Ausbildung gute Chancen bietet?
Nein. Die Quote beschreibt eine große Gruppe. Chancen unterscheiden sich nach Beruf, Region, Abschlussqualität und Konjunktur. Für eine individuelle Entscheidung sollten aktuelle Stellen, Ausbildungsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten des Zielberufs geprüft werden.
