RatgeberSchweißerschein & Schweißerprüfung

Schweißerschein machen: Verfahren, Prüfung & Förderung (2026)

Der „Schweißerschein" ist in Metall und Industrie ein gefragter Nachweis – dahinter steckt eine normierte Schweißerprüfung, die je Verfahren, Werkstoff und Position getrennt abgelegt wird. Wir erklären dir die Verfahren, den Prüfungsablauf, die Gültigkeit und wie du den Lehrgang fördern lässt.

8 Min Lesezeit
Quereinstieg mit Förderung möglich
AZAV-zertifizierte Kurse
100 % Förderung möglich
Unabhängig & neutral
Datenschutzkonform
ISO 9606
Norm für Schmelzschweißen
praktisch
Schweißnaht + Bewertung
bis 100%
Förderung über BGS möglich
befristet
regelmäßige Verlängerung nötig

Was ist ein Schweißerschein eigentlich?

„Schweißerschein" ist der umgangssprachliche Begriff für die bestandene Schweißerprüfung. Es handelt sich nicht um einen amtlichen Ausweis, sondern um eine normbasierte Bescheinigung, mit der du nachweist, dass du eine Schweißnaht in einem bestimmten Verfahren fachgerecht ausführen kannst. Die maßgebliche Grundlage für das Schmelzschweißen von Stahl und vielen anderen Werkstoffen ist die DIN EN ISO 9606. Abgenommen wird die Prüfung von anerkannten Prüfstellen, etwa den Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalten (SLV) und der GSI im DVS.

Der Nachweis ist deshalb so wichtig, weil geschweißte Verbindungen im Stahlbau, Maschinenbau, Fahrzeugbau oder in der Rohrleitungstechnik sicherheitsrelevant sind. Wer an tragenden oder druckbeaufschlagten Bauteilen arbeitet, muss belegen können, dass seine Nähte den Anforderungen genügen. Der Schweißerschein ist damit weniger ein „Führerschein fürs Schweißen" als ein regelmäßig überprüfter Qualifikationsnachweis für einen ganz konkreten Anwendungsfall.

Die wichtigsten Schweißverfahren

Ein zentraler Punkt vorab: Die Schweißerprüfung gilt immer nur für das Verfahren, das du geprüft hast – zusätzlich eingegrenzt durch Werkstoffgruppe, Blechdicke, Nahtart und Schweißposition. Es gibt also nicht „den einen" Schweißerschein, sondern einen Nachweis pro Kombination. Die gängigsten Verfahren sind:

E-Hand (Prozess 111)

Lichtbogenhandschweißen mit umhüllter Stabelektrode – robust, vielseitig, auch auf Baustellen und im Freien verbreitet

MAG (Prozess 135/138)

Metall-Aktivgas-Schweißen mit Drahtelektrode – schnell und produktiv, typisch für Stahlbau und Serienfertigung

WIG (Prozess 141)

Wolfram-Inertgas-Schweißen – sehr saubere, hochwertige Nähte, oft bei Edelstahl, Aluminium und dünnen Werkstücken

Gasschweißen

Autogenes Schweißen mit Brenngas und Sauerstoff – klassisches Verfahren, unter anderem im Rohrleitungs- und Installationsbereich

Welches Verfahren für dich sinnvoll ist, hängt von der Branche ab, in der du arbeiten möchtest. WIG gilt als anspruchsvoll, wird im Edelstahl- und Aluminiumbereich aber stark nachgefragt; MAG ist im Stahl- und Metallbau weit verbreitet; E-Hand punktet bei Robustheit und Baustelleneinsatz. Viele Betriebe suchen Fachkräfte, die mehrere Verfahren beherrschen – deshalb legen erfahrene Schweißer im Lauf der Zeit oft mehrere Prüfungen ab.

So läuft die Schweißerprüfung ab

Kern der Prüfung ist die praktische Schweißarbeit: Du fertigst unter Prüfungsbedingungen ein oder mehrere Prüfstücke in der festgelegten Position und mit dem festgelegten Werkstoff. Anschließend wird die Naht bewertet. Dazu gehören je nach Prüfumfang eine Sichtprüfung sowie zerstörende oder zerstörungsfreie Verfahren wie Biege-, Bruch- oder gegebenenfalls Durchstrahlungsprüfung. In vielen Lehrgängen kommt ein theoretischer Teil hinzu, der Werkstoffkunde, Nahtvorbereitung, Sicherheit und Prüfgrundlagen abfragt.

Bewertet wird nicht nur, ob die Naht „hält", sondern ob sie den in der Norm definierten Zulässigkeitsgrenzen für Fehler entspricht – etwa hinsichtlich Einbrand, Poren, Rissen oder Nahtform. Genau hier trennt sich in der Praxis Routine von Zufall: Eine saubere, wiederholbar gute Naht entsteht durch systematisches Üben unter Anleitung, nicht durch einzelne Glückstreffer.

Der Geltungsbereich ist entscheidend

Auf deiner Bescheinigung steht ein genau definierter Geltungsbereich: Verfahren, Werkstoffgruppe, Blechdicken- und Durchmesserbereich, Nahtart und Positionen. Tätigkeiten außerhalb dieses Bereichs sind vom Nachweis nicht abgedeckt. Prüfe deshalb vor der Anmeldung, welche Kombination dein Wunschjob wirklich verlangt.

Gültigkeit und Verlängerung

Ein häufig unterschätzter Punkt: Der Schweißerschein ist zeitlich befristet. Anders als ein Schulabschluss gilt er nicht dauerhaft, sondern muss in den von der Norm vorgegebenen Intervallen bestätigt und regelmäßig erneuert werden. Üblich ist eine wiederkehrende Bestätigung, dass du im geprüften Bereich weiterhin tätig bist, sowie eine erneute Prüfung nach einer festgelegten Frist. Läuft die Bestätigung aus, verliert der Nachweis seine Gültigkeit – auch wenn du praktisch weiter schweißt.

Die konkreten Fristen und Bedingungen sind in der jeweils gültigen Fassung der Norm geregelt und können sich zwischen Verfahren und Anwendungsbereichen unterscheiden. Verlass dich deshalb nicht auf pauschale Zahlen aus dem Internet, sondern auf die Angaben deiner Prüfstelle oder deines Betriebs. Wer die Verlängerung im Blick behält, vermeidet, dass ein an sich guter Nachweis unbemerkt ungültig wird.

Kosten, Dauer und Förderung

Bei den Kosten musst du zwei Dinge trennen: die Gebühr für die Prüfung bei der anerkannten Prüfstelle und die Lehrgangsgebühr für die Vorbereitung inklusive Material, Gas und Übungszeit an der Schweißkabine. Beide fallen je nach Verfahren, Anbieter und Region unterschiedlich aus – belastbare Einzelbeträge nennt dir immer der konkrete Träger beziehungsweise die Prüfstelle. Die Lehrgänge dauern typischerweise wenige Tage bis mehrere Wochen, je nachdem, ob du ein einzelnes Verfahren auffrischst oder als Neuling von Grund auf lernst und mehrere Prüfungen anstrebst.

Für Arbeitsuchende ist die gute Nachricht: Wird der Schweißlehrgang von einem AZAV-zertifizierten Träger angeboten, kann er über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters gefördert werden – häufig zu 100 Prozent. Die Bewilligung ist immer eine Einzelfallentscheidung und muss vor Kursbeginn erfolgen. Einen breiteren Überblick über Fördertöpfe findest du unter Förderungen, und wenn du gerade arbeitslos bist, lohnt zusätzlich unser Ratgeber Weiterbildung bei Arbeitslosigkeit.

Warum der Schweißerschein ein starker Quereinstieg ist

In Metallbau, Industrie und Handwerk werden geprüfte Schweißer laufend gesucht. Der Einstieg ist auch ohne klassische Metallausbildung möglich, die Vorbereitung ist im Vergleich zu einer mehrjährigen Ausbildung kurz, und ein anerkannter Nachweis erweitert deine Einsatz- und Verdienstmöglichkeiten spürbar. Wer mehrere Verfahren beherrscht, ist für Betriebe besonders attraktiv.

Deine nächsten Schritte

Kläre zuerst, in welcher Branche und mit welchem Verfahren du arbeiten willst – daraus ergibt sich, welche Prüfung samt Werkstoff und Position du brauchst. Danach suchst du einen passenden Lehrgang mit anerkannter Prüfung, prüfst die AZAV-Zertifizierung des Trägers und – falls du gefördert werden willst – klärst den Bildungsgutschein mit deiner Arbeitsvermittlung, bevor du dich anmeldest. Passende Kurse findest du direkt im Kurskatalog; wenn du unsicher bist, welcher Weg zu dir passt, hilft dir der KI-Kursberater in wenigen Minuten weiter. Suchst du eher einen anderen praktischen Nachweis, wirf einen Blick auf unseren Ratgeber zum Staplerschein.

Passt der Schweißerschein zu deinen Plänen?

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Wichtiger Hinweis zur Förderung

Ob eine Weiterbildung oder Umschulung gefördert wird, hängt von deinen persönlichen Voraussetzungen ab. Die Förderfähigkeit und Bewilligung werden im Gespräch mit Agentur für Arbeit oder Jobcenter geprüft.

Häufige Fragen

Wie lange ist ein Schweißerschein gültig?

Die Bescheinigung nach DIN EN ISO 9606 ist zeitlich befristet und nicht dauerhaft gültig. Sie muss in festgelegten Intervallen bestätigt beziehungsweise verlängert werden – in der Regel durch eine regelmäßige Bestätigung durch den Prüfer oder Betrieb sowie eine erneute Prüfung nach einigen Jahren. Die genauen Fristen und Bedingungen regelt die jeweils gültige Norm. Läuft die Bestätigung aus, verliert der Nachweis seine Gültigkeit.

Kann ich den Schweißkurs über den Bildungsgutschein finanzieren?

Ja, das ist ein häufiger Weg. Wenn du arbeitsuchend bist und ein AZAV-zertifizierter Träger den Lehrgang anbietet, kann die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter den Schweißlehrgang über einen Bildungsgutschein fördern – oft zu 100 Prozent. Die Bewilligung ist eine Einzelfallentscheidung und muss vor Kursbeginn erfolgen.

Brauche ich für jedes Schweißverfahren eine eigene Prüfung?

Grundsätzlich ja. Die Schweißerprüfung wird für ein bestimmtes Verfahren, einen bestimmten Werkstoff und eine bestimmte Schweißposition abgelegt. Der Geltungsbereich der Bescheinigung ist entsprechend begrenzt. Wer mehrere Verfahren wie WIG und MAG oder verschiedene Positionen abdecken will, legt in der Regel mehrere Prüfungen ab.

Häufige Fragen

Welche Weiterbildung passt zu mir?

Das hängt von Ihren Zielen, Vorkenntnissen und der verfügbaren Zeit ab. Nutzen Sie den kostenlosen KI-Kursberater auf Kursweg für eine persönliche Empfehlung.

Wie wird meine Weiterbildung finanziert?

Es gibt viele Fördermöglichkeiten: Bildungsgutschein (bis 100% für Arbeitssuchende), Aufstiegs-BAföG, Qualifizierungschancengesetz oder steuerliche Absetzbarkeit.

Quellen und Stand

Stand: Juli 2026

Für diesen Beitrag wurden Informationen aus offiziellen Quellen der Bundesagentur für Arbeit, von mein NOW sowie aus öffentlich sichtbaren Angebotsinformationen von Kursweg ausgewertet.

Förderungen und Voraussetzungen können im Einzelfall abweichen und werden individuell geprüft.

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