Wirtschaftsenglisch: Welches Zertifikat bringt im Beruf etwas?
„Verhandlungssicheres Englisch“ steht in unzähligen Stellenanzeigen – ohne dass jemand erklärt, was damit gemeint ist. Dieser Ratgeber übersetzt die Anforderung in ein konkretes Niveau, ordnet die vier Zertifikate ein, die dir in deutschen Kursen begegnen, und zeigt, wann die Agentur für Arbeit zahlt.
Welches Englisch-Zertifikat sollte ich machen?
Entscheidend ist nicht der Name der Prüfungsorganisation, sondern das erreichte GER-Niveau. B2 ist die berufliche Schwelle, C1 die Verhandlungsebene. TOEIC ist im Unternehmensumfeld am weitesten verbreitet und liefert eine Punktzahl statt bestanden/nicht bestanden; Cambridge zählt zusätzlich international und im akademischen Bereich; LanguageCert und telc begegnen dir vor allem in geförderten Kursen. Für eine Bewerbung in Deutschland ist jedes der vier ausreichend – wichtig ist, dass das Niveau auf dem Zertifikat steht.
- Erst das Zielniveau bestimmen (B2 oder C1), dann die Prüfung.
- TOEIC gibt Punkte (10–990), Cambridge ein festes Niveau.
- Berufsbezogene Kurse sind über den Bildungsgutschein förderbar.
Was die GER-Niveaus im Berufsalltag bedeuten
Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER) teilt Sprachkenntnisse in sechs Stufen von A1 bis C2. Jeder seriöse Kurs und jedes Zertifikat bezieht sich darauf. So sieht die Skala aus, wenn man sie in Arbeitssituationen übersetzt:
A1 und A2 – Grundlagen
Du verstehst Standardsätze, kannst dich vorstellen, einfache E-Mails beantworten und am Telefon Namen und Termine aufnehmen. Für Stellen mit Englischanforderung reicht das nicht – als Einstieg nach Jahren ohne Übung ist es der richtige Startpunkt. Wichtig: A2 mit Vorkenntnissen (Auffrischung) und A2 ohne Vorkenntnisse sind unterschiedliche Kurse.
B1 – solide Arbeitsgrundlage
Standardkorrespondenz, Telefonate mit bekannten Themen, Verständnis von Berichten im eigenen Fachgebiet. In Ausschreibungen taucht das als „gute Englischkenntnisse“ auf. Für Sachbearbeitung mit gelegentlichem Auslandskontakt ist B1 belastbar, für Kundengespräche wird es eng.
B2 – die berufliche Schwelle
Hier beginnt, was Arbeitgeber „fließend“ nennen: Meetings aktiv mitgestalten, präsentieren, komplexe Texte verstehen, spontan reagieren. Die meisten geförderten Wirtschaftsenglisch-Lehrgänge zielen genau auf dieses Niveau, weil es den größten Sprung im Lebenslauf bringt. Wenn du nur eine Stufe machen kannst, mach diese.
C1 – Verhandlungsebene
Verhandlungen führen, Verträge und Fachartikel sicher lesen, sich sprachlich implizit und differenziert ausdrücken. „Verhandlungssicher“ in Stellenanzeigen meint in der Regel C1. Relevant für Vertrieb, Consulting, internationales Projektmanagement und Führungsrollen.
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Die vier Zertifikate, die dir begegnen
TOEIC – der Standard im Unternehmensumfeld
Der „Test of English for International Communication“ prüft Englisch im Arbeitsalltag. Der verbreitete Listening-&-Reading-Test liefert eine Punktzahl von 10 bis 990 (je Teil 5 bis 495), die sich dem GER zuordnen lässt: rund ab 550 Punkten B1, ab 785 B2, ab 945 C1. Sprechen und Schreiben sind ein separater Test. Der Vorteil der Punktskala: Du bestehst nie „nicht“, sondern zeigst einen Stand. Für Hochschulzulassung oder Visa wird TOEIC dagegen meist nicht akzeptiert – dafür braucht es IELTS, TOEFL oder Cambridge.
Cambridge English – international am breitesten anerkannt
B2 First, C1 Advanced und C2 Proficiency prüfen alle vier Fertigkeiten und sind auf ein festes Niveau ausgelegt. Die Zertifikate laufen nicht ab und werden weltweit von Arbeitgebern und Hochschulen akzeptiert. Der Preis dafür ist Aufwand: Die Prüfungen sind anspruchsvoll und die Vorbereitung dauert länger als bei einem reinen Punktetest.
LanguageCert – häufig in geförderten Kursen
Eine britische Prüfungsorganisation, deren Qualifikationen in England staatlich reguliert sind. Die Prüfungen decken A1 bis C2 ab und lassen sich modular ablegen – Sprechen kann getrennt geprüft werden. In Deutschland trifft man LanguageCert vor allem in AZAV-geförderten Lehrgängen, weil sich Prüfungstermine flexibel in den Kurs legen lassen.
telc – der deutsche Klassiker
telc-Prüfungen sind in Deutschland breit etabliert, unter anderem an Volkshochschulen, und gibt es auch als berufsbezogene Varianten (Business English B1/B2). Bei deutschen Arbeitgebern gut bekannt, international weniger verbreitet als Cambridge.
Wie groß das Englisch-Angebot in Deutschland ist
Aus unserer Auswertung des gesamten deutschen Weiterbildungsangebots:
Das mit Abstand größte Einzelfeld ist allgemeines Wirtschaftsenglisch: 1.178 Angebote von 153 Anbietern – im Schnitt knapp acht Kurse je Anbieter, meist dieselbe Niveaustufe an verschiedenen Standorten und zu verschiedenen Startterminen. Deutlich enger ist der Markt bei TOEIC-Vorbereitung: 214 Angebote, aber nur 10 Anbieter. Wenn du ein bestimmtes Zertifikat brauchst, lohnt sich der Vergleich deshalb doppelt – die Auswahl ist kleiner, als die Gesamtzahl vermuten lässt.Stand der Auswertung: August 2026.
Worauf du bei der Kurswahl achten solltest
- Einstufungstest vorher: Ein seriöser Anbieter stuft dich vor der Buchung ein. Landest du eine Stufe zu hoch, verlierst du Wochen; eine Stufe zu tief ist verschenkte Förderzeit.
- Sprechanteil erfragen: Englisch lernt man im Sprechen, nicht im Zuhören. Frage nach Gruppengröße und danach, wie viel Redezeit auf dich entfällt. Bei über 15 Teilnehmenden wird es dünn.
- Prüfungsgebühr prüfen: Ob die Zertifikatsgebühr im Kurspreis enthalten ist, steht selten im Titel. Beim Bildungsgutschein ist sie oft mit abgedeckt – nachfragen lohnt sich.
- Branchenwortschatz statt Allgemeinkurs: Für Pflege, Hotellerie, IT, Logistik oder Technik gibt es Fachsprachkurse. Wer den Wortschatz seines Arbeitsplatzes lernt, kann das Gelernte sofort einsetzen – das hält die Motivation und zeigt sich im Bewerbungsgespräch.
- Kombikurse realistisch einschätzen: Viele Angebote koppeln Englisch mit Scrum, Online-Marketing oder SAP. Das kann sinnvoll sein, verteilt die Zeit aber auf zwei Ziele. Wenn Englisch der Engpass ist, wähle einen reinen Sprachkurs.
Kosten und Förderung
Sprachkurse werden über den Bildungsgutschein gefördert, wenn sie berufsbezogen sind und der Träger eine AZAV-Zulassung hat – reine Freizeit- oder Urlaubssprachkurse fallen heraus. In der Praxis heißt das: Wirtschaftsenglisch mit Zertifikatsprüfung, Fachsprachkurse für eine Branche oder ein Englischmodul innerhalb einer größeren Qualifizierung. Beschäftigte kommen je nach Situation über das Qualifizierungschancengesetz oder eine Beteiligung des Arbeitgebers an die Förderung; als Selbstzahler variieren die Preise stark mit Kursdauer, Gruppengröße und der Frage, ob die Prüfungsgebühr enthalten ist.
Wichtiger Hinweis zur Förderung
Ob eine Weiterbildung oder Umschulung gefördert wird, hängt von deinen persönlichen Voraussetzungen ab. Die Förderfähigkeit und Bewilligung werden im Gespräch mit Agentur für Arbeit oder Jobcenter geprüft.
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- Allgemeines Englisch A2–B1 – das Fundament vor der Fachsprache
- Englisch für den Beruf – Grundlagen und Auffrischung
- Wirtschaftsenglisch A2.2 – Email, Telefon, Bewerbung, Logistik
- Wirtschaftsenglisch B1.2 Intermediate – Mittelstufe für Beruf
- Wirtschaftsenglisch B2.1 – Upper Intermediate für Beruf
- Business English Proficiency C1 – Verhandlungssicheres Wirtschaftsenglisch
- LanguageCert Englisch – Sprachzertifikat für den Beruf
- Englisch für Hotel und Gastronomie – berufsbezogen für Tourismus
Häufige Fragen
Welches Englisch-Niveau brauche ich für den Beruf?
B2 ist die Schwelle, ab der Stellenausschreibungen von „verhandlungssicher“ oder „fließend“ sprechen. B1 reicht für Standardkorrespondenz und einfache Gespräche, C1 für Verhandlungen, Präsentationen und komplexe Verträge.
Was ist der Unterschied zwischen TOEIC und Cambridge?
TOEIC misst Englisch im Arbeitsalltag und liefert eine Punktzahl von 10 bis 990, die sich einem GER-Niveau zuordnen lässt. Cambridge-Prüfungen wie B2 First oder C1 Advanced sind auf ein festes Niveau ausgelegt und werden bestanden oder nicht – sie sind international auch im akademischen Umfeld anerkannt.
Wird Wirtschaftsenglisch mit dem Bildungsgutschein gefördert?
Ja, wenn der Kurs berufsbezogen ist und der Träger eine AZAV-Zulassung hat. Reine Freizeit- oder Urlaubssprachkurse werden nicht gefördert. In der Praxis sind das Wirtschaftsenglisch-Lehrgänge mit Zertifikatsprüfung oder Englischmodule innerhalb einer größeren Qualifizierung.
Wie lange ist ein Englisch-Zertifikat gültig?
Inhaltlich laufen die meisten Zertifikate nicht ab – Cambridge-Nachweise gelten unbefristet. Arbeitgeber und Hochschulen akzeptieren in der Regel aber nur Nachweise, die nicht älter als zwei Jahre sind, weil sich der Sprachstand ohne Übung verändert.
Wie lange dauert es, ein GER-Niveau aufzusteigen?
Als Faustregel gelten je nach Niveau 150 bis 250 Unterrichtseinheiten pro Stufe. Ein Vollzeitkurs schafft eine Stufe in wenigen Wochen, ein berufsbegleitender Abendkurs braucht dafür oft ein bis zwei Semester.
Stand: August 2026
Für diesen Beitrag wurden Informationen aus offiziellen Quellen der Bundesagentur für Arbeit, von mein NOW sowie aus öffentlich sichtbaren Angebotsinformationen von Kursweg ausgewertet.
Förderungen und Voraussetzungen können im Einzelfall abweichen und werden individuell geprüft.
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