Fortbildung Industriefachwirt (IHK)
Industriefachwirtinnen und Industriefachwirte steuern kaufmännische Prozesse in produzierenden Unternehmen. Sie planen Material- und Kapazitätsbedarf, kalkulieren Aufträge und Selbstkosten, verhandeln mit Lieferanten, steuern Produktionsaufträge und Termine, analysieren Kennzahlen der Fertigung und …
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Überblick
Industriefachwirtinnen und Industriefachwirte steuern kaufmännische Prozesse in produzierenden Unternehmen. Sie planen Material- und Kapazitätsbedarf, kalkulieren Aufträge und Selbstkosten, verhandeln mit Lieferanten, steuern Produktionsaufträge und Termine, analysieren Kennzahlen der Fertigung und führen Teams in Einkauf, Arbeitsvorbereitung oder Vertriebsinnendienst. Die Prüfung deckt Produktionswirtschaft, Materialwirtschaft, Absatzwirtschaft, Rechnungswesen, Recht und Personalführung ab. Der Abschluss ist eine Aufstiegsfortbildung und setzt Ausbildung und Berufspraxis voraus.
Wer in der Industrie zwischen Fertigung und Verwaltung arbeitet, kennt beide Sprachen, hat aber selten einen Abschluss, der das belegt. Genau diese Lücke schließt der Industriefachwirt: er verbindet Produktionswirtschaft mit Betriebswirtschaft und wird von Industriebetrieben unmittelbar verstanden. Voraussetzung sind Ausbildung und Praxis — eine Umschulung ist es nicht.
Kursinhalte & Lernziele
- Modul 1: Produktions- und Materialwirtschaft (12 Wochen) – Der industriespezifische Kern: wie Aufträge durch die Fertigung geplant und terminiert werden. Inhalte: Produktionsplanung und -steuerung, Materialbedarfsplanung und Bestandsführung, Fertigungsverfahren und Kapazitätsrechnung, Lean-Methoden und Prozessverbesserung.
- Modul 2: Beschaffung und Logistik (10 Wochen) – Einkauf als Ergebnishebel: hier entstehen die größten kurzfristigen Kostenwirkungen. Inhalte: Lieferantenauswahl und -bewertung, Preis- und Vertragsverhandlung, Beschaffungslogistik und Lagerhaltung, Qualitätssicherung in der Lieferkette.
- Modul 3: Rechnungswesen und Controlling (12 Wochen) – Die Zahlenseite, geübt an Fertigungsfällen statt an allgemeinen Beispielen. Inhalte: Kosten- und Leistungsrechnung im Fertigungsbetrieb, Kalkulation von Selbstkosten und Angeboten, Kennzahlen und Abweichungsanalyse, Investitionsrechnung.
- Modul 4: Absatz, Recht und Führung (10 Wochen) – Vertrieb, Recht und Führung — dazu Training auf das handlungsorientierte Prüfungsformat. Inhalte: Vertriebssteuerung im Industriegütergeschäft, Vertrags-, Handels- und Arbeitsrecht, Personalführung und Zusammenarbeit, Fallstudien und Prüfungsvorbereitung.
Lernziele:
- Speziell auf produzierende Betriebe zugeschnitten — anders als der branchenneutrale Wirtschaftsfachwirt
- 16 belegte Angebote von mehreren Anbietern, in Voll- und Teilzeit
- IHK-Abschluss auf DQR-Niveau 6, in tarifgebundener Industrie mit planbarem Entgelteffekt
- Verbindet Fertigungsverständnis mit kaufmännischer Steuerung — eine im Betrieb seltene Kombination
Zielgruppe & Voraussetzungen
Industriekaufleute und kaufmännische Fachkräfte aus produzierenden Betrieben mit Berufspraxis, die Steuerungs- und Führungsaufgaben übernehmen wollen.
- Industriekaufleute mit mehrjähriger Praxis in Fertigungsbetrieben
- Kaufmännische Fachkräfte aus Einkauf, Logistik oder Vertrieb der Industrie
- Technische Angestellte, die ihre kaufmännische Seite formalisieren wollen
Diese Aufstiegsfortbildung setzt eine abgeschlossene Berufsausbildung voraus, in der Regel zusätzlich Berufspraxis. Sie ist keine Umschulung und kein Einstieg für Quereinsteiger ohne Abschluss – die Zulassungsvoraussetzungen regelt die Prüfungsordnung der zuständigen Kammer beziehungsweise das Landesrecht.
- Abgeschlossene Berufsausbildung im einschlägigen Bereich
- Berufspraxis nach der Ausbildung, Umfang nach Prüfungsordnung
- Bereitschaft zu einer Qualifizierung über 16 Monate
- Eigener Rechner und Selbstlerndisziplin, da die Angebote Fern- oder Online-Anteile haben
- Aufnahmegespräch beim Bildungsträger
Ablauf & Abschluss
Blended Learning, Fernunterricht, Virtuelles Klassenzimmer
12 bis 19 Monate (Vollzeit oder Teilzeit) – belegte Laufzeiten: 366 bis 572 Tage
Betriebspraktikum: Kein Betriebspraktikum – die Fortbildung setzt Berufspraxis voraus.
Schriftliche Prüfung im wirtschaftsbezogenen Teil sowie in den handlungsspezifischen Qualifikationen Produktion, Material und Absatz.
Präsentation eines betrieblichen Falls mit anschließendem Fachgespräch vor der IHK.
Prüfende Stelle: IHK, IHK Nordschwarzwald, Industrie- und Handelskammer (IHK). Offizieller Abschluss: Geprüfte/r Industriefachwirt/in.
Als Aufstiegsfortbildung wird diese Qualifizierung in der Regel über das Aufstiegs-BAföG (AFBG) gefördert, das Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bezuschusst. Der Bildungsgutschein kommt hier meist nicht in Frage, weil er auf Menschen ohne verwertbaren Berufsabschluss zielt – diese Fortbildung setzt einen Abschluss voraus. Belegte Kostenrahmen der Angebote: 1.000–5.000 €, bis 500 €.
Nutzen & Perspektiven
Produzierende Betriebe suchen kaufmännische Fachkräfte, die Fertigungsprozesse verstehen — die Kombination ist knapp, gerade in der Arbeitsvorbereitung und im technischen Einkauf. Der Abschluss ist bundesweit anerkannt und wird in der tarifgebundenen Industrie klar eingeordnet. Belegte Standorte sind unter anderem Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Freudenstadt, Hamburg und Iserlohn.
In der Metall- und Elektroindustrie ist die Eingruppierung tariflich geregelt und der Abschluss meist einer höheren Entgeltgruppe zugeordnet. Der Effekt ist damit planbarer als in Branchen ohne Tarifbindung.
- Einstieg: ca. 43.000–48.000 €
- Mit Berufserfahrung: ca. 52.000–61.000 €
- Spezialist oder Leitung: ca. 66.000–82.000 €
- Typische Tätigkeitsfelder: Arbeitsvorbereitung und Fertigungssteuerung, Technischer Einkauf, Materialwirtschaft und Disposition, Kalkulation und Controlling, Vertriebsinnendienst Industriegüter, Teamleitung im kaufmännischen Bereich
- Typische Arbeitgeber: Maschinen- und Anlagenbauer, Automobil- und Zulieferindustrie, Elektro- und Elektronikindustrie, Chemie- und Kunststoffverarbeitung, Metallverarbeitende Betriebe
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Arbeitsmarkt-Report
Zielberufe
Berufe, in denen Absolvent:innen dieses Kurses typischerweise arbeiten.
- Arbeitsvorbereitung und Fertigungssteuerung
- Technischer Einkauf
- Materialwirtschaft und Disposition
- Kalkulation und Controlling
- Vertriebsinnendienst Industriegüter
- Teamleitung im kaufmännischen Bereich
Verwandte Kurse & Alternativen
8 ähnliche Qualifizierungen & Kurse in diesem Themenfeld
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet ihn vom Wirtschaftsfachwirt?
Beide liegen auf DQR-Niveau 6 und teilen den wirtschaftsbezogenen Prüfungsteil. Der Industriefachwirt setzt im handlungsspezifischen Teil auf Produktions- und Materialwirtschaft und ist damit auf Fertigungsbetriebe zugeschnitten. Wer in der Industrie bleiben will, ist hier passender aufgestellt; wer branchenoffen bleiben möchte, beim Wirtschaftsfachwirt.
Brauche ich technische Vorkenntnisse?
Formal nicht, praktisch sehr hilfreich. Die Prüfung verlangt Verständnis von Fertigungsverfahren und Kapazitätsrechnung. Wer bislang rein kaufmännisch gearbeitet hat, sollte sich die Fertigung des eigenen Betriebs vorher genau ansehen.
Ist das eine Umschulung?
Nein, eine Aufstiegsfortbildung. Die IHK verlangt eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung mit Berufspraxis oder eine längere einschlägige Praxis. Förderweg ist das Aufstiegs-BAföG, nicht der Bildungsgutschein.
Wie lange dauert es?
Die belegten Angebote laufen 366 bis 673 Tage, also etwa 12 bis 22 Monate — je nachdem, ob Vollzeit oder berufsbegleitend gelernt wird. Die Angebote nutzen überwiegend Blended Learning und Fernunterricht.